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Lichter in der Nacht

René Christen: Lichter in der Nacht (Teil 1)
René Christen: Lichter in der Nacht (Teil 1)

Wenn man die Offenbarung an Johannes liest, dann kann es durchaus passieren, dass man um die Herzgegend etwas Kühles fühlt. Denn da ist von kosmischen Katastrophen die Rede, bei denen Milliarden von Menschen sterben werden! Gewaltige Erdbeben werden beschrieben, Kometeneinschläge, Naturkatastrophen, die unser Vorstellungsvermögen niemals fassen kann. Und es ist gewiss kein Zufall, dass eine Stelle aus dem 6. Kapitel im berühmten Film «Ghostbusters» aus dem Jahr 1984 erwähnt wird. Raymond und Winston sind mit dem Auto unterwegs, als sie auf das Weltende zu sprechen kommen. Dabei erwähnen sie den 12. Vers: «Und die Sonne wurde finster wie ein schwarzer Sack, und der Mond wurde wie Blut.» Die beiden Geisterjäger entschlossen sich darauf, etwas Musik zu hören und an etwas anderes zu denken…

Droh- oder Frohbotschaft?
Ist die Offenbarung eine Drohbotschaft, vor der wir uns fürchten müssen? «Nein», sagt René Christen, der Autor des neuen Buches «Lichter in der Nacht». Für den bekannten Theologen und Prediger ist die Offenbarung nicht Droh- sondern Frohbotschaft. Erlösung stehe im Mittelpunkt des letzten Buches der Bibel, davon ist Christen überzeugt. Denn Gott wendet sich den Menschen immer und immer wieder zu, er will retten, nicht vernichten. So ist im siebten Kapitel von einer grossen Menschenmenge aus allen Erdteilen die Rede, die laut ruft: «Die Rettung kommt von unserem Gott». Auch kurz vor der ganz grossen Katastrophe treten noch einmal zwei mächtige Missionare auf, die Zeugen, später auch Leuchter genannt werden. Sie rufen die Menschen zur Umkehr auf; zu ihrem eigenen Schutz sind sie mit ausserordentlichen Fähigkeiten ausgestattet, sie können das Wetter verändern und sich wirksam vor Angriffen schützen. Christen sieht in all diesen Hilfen zur Bewahrung Lichter der Rettung in einer sich zunehmend verdunkelnden Nacht. Deshalb trägt sein Buch den Titel «Lichter in der Nacht», aber auch wegen der altgriechischen Bezeichnung, apokalypsis. «Übersetzt: Aufdeckung, Enthüllung. Was im Dunkeln war, soll jetzt enthüllt werden. Licht statt Dunkelheit. Lichter in der Nacht!»

Die vergessenen Symbole
Wer in der Offenbarung zu lesen beginnt, stösst schon nach wenigen Absätzen auf Schwierigkeiten. Das liegt einerseits daran, dass wir einen 2000 Jahre alten Text vor uns liegen haben. Er richtete sich bei der Abfassung an Menschen aus dem ersten Jahrhundert in Kleinasien. Eine Zeit also, die uns fremd ist. Nur schon eine 100 Jahre alte Zeitung können wir ohne geschichtliche Erläuterungen kaum mehr verstehen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Apostel Johannes häufig eine Symbolsprache verwendet, die auf Leser der Gegenwart unverständlich und seltsam wirkt. Was zum Beispiel hat es zu bedeuten, wenn Jesus mit schneeweissem Haar und mit einem Schwert im Mund beschrieben wird? Oder was sollen wir davon halten, wenn ein Engel Johannes auffordert, ein Buch zu essen, das zwar süss schmeckt, sich dann aber als eine Art Magenbitter herausstellt. Denn nach dem Verzehr krampfte sich Johannes der Magen zusammen! 

Vier Schlüssel
René Christen gibt dem Leser vier Schlüssel in die Hand, mit denen die Offenbarung besser verstanden werden kann. Er sieht sein Buch als theologischen Beitrag, der auch für Laien zugänglich ist. Für Christen ist es wichtig, dem Verfasser Johannes über die Schulter zu schauen, während dieser schreibt. Dies bedeutet: Verstehen lernen, was der Apostel sagen wollte, die Bedeutung des Textes zur Zeit der Niederschrift sorgfältig im historischen Kontext analysieren und für unsere Zeit wieder verstehbar machen. Christen betont aber auch, dass es nicht möglich sei, alles in der Offenbarung verstehen zu können. Dies dürfe aber nicht als Nachteil gesehen werden: «Zu diesen Grenzen stehen, ist befreiend und bewahrend. Es befreit vor der Verkrampfung, alles erklären und verstehen zu müssen. Es bewahrt vor einer wilden Spekulation, die uns in Unwahrheiten manövriert.»

Werfen wir nun einen Blick die die vier Schlüssel, die sich bei der Lektüre als enorm hilfreich erweisen: Der erste Schlüssel steht für die erklärende Sprache: Manche Symbole oder Aussagen werden vom Verfasser der Offenbarung selbst erklärt oder eine passende Erläuterung findet sich in einem anderen Buch der Bibel. Der zweite Schlüssel hilft, Symbole zu verstehen, die einen alttestamentlichen Bezug haben, wie etwa die Versiegelung, mit der Menschen markiert und beschützt werden. Mit der zeitgeschichtlichen Sprache setzt sich der dritte Schlüssel auseinander, der den Leser mit dem alltäglichen Sprachgebrauch zur Zeit der Niederschrift vertraut macht. Der letzte Schlüssel ist zugleich der schwierigste in der Anwendung, denn er kann helfen, die oftmals abstrakte und skizzenhafte Sprache besser zu verstehen. Christen erwähnt als Beispiel die Heuschrecken aus dem 9. Kapitel, die nicht gegenständlich, sondern surreal, fantasieartig zu verstehen seien.

Die Sache mit dem Chip
Die Offenbarung wurde, wie schon erwähnt, vor 2000 Jahren auf der Insel Patmos aufgeschrieben. Johannes wurde ein Blick in eine weit entfernte Zukunft gewährt. Unsere Gegenwart ist ein kleiner Punkt, irgendwo auf der Zeitachse zwischen dem Abfassen und dem Eintreffen der Prophezeiungen. Einige der Aussagen der Offenbarung sind verblüffend zeitgemäss! Etwa wenn ein Engel so laut ruft, dass die ganze Erde ihn hören kann oder er von allen Menschen des Erdballs gesehen wird.  Im Zeitalter des Internet und des Smartphones ist dies überhaupt kein Problem mehr! Wenn ein «Rover» der NASA auf dem Mars landet, dann sind Millionen von Zuschauern per Livestream zugeschaltet. Und wenn im Kapitel 13 steht, dass dereinst nur noch kaufen und verkaufen kann, wer ein bestimmtes Zeichen an der Hand oder auf der Stirn trägt, dann denken wir unweigerlich an NFC Chips und an die bargeldlosen Bezahlverfahren die heute schon zum Alltag gehören. Noch ein Beispiel: Beim Blasen der sechsten Posaune ist von Kriegspferden die Rede, die Feuer, Rauch und Schwefel speien. Unsere moderne Waffen- und Raketentechnik kann das alles problemlos vollbringen!

Die Offenbarung befreit
Wer das Buch von René Christen liest, macht mehrere spannende Erfahrungen. Er hat zuerst ein Buch kennengelernt, das in jüngster Zeit leider nur noch wenig Aufmerksamkeit bekommt. Und er kann besser verstehen, worum es eigentlich geht. Es ist eine tröstliche Erfahrung, die die Offenbarung vermittelt: Wer an Jesus Christus glaubt, wird frei – frei von Sünden, weil Jesus für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist; es gibt kein Hindernis mehr auf dem Weg zu Gott. Die Sünde, die von Gott trennt, ist weggenommen! Ebenso tröstlich ist die Erkenntnis, dass Gott nicht ewig dem Treiben auf dieser Erde zusehen wird. Er hat einen Plan und wird diesen auch ohne Wenn und Aber ausführen. Deshalb sagt der Engel zu Johannes: Ich werde dir zeigen, was geschehen muss! Die Offenbarung zu lesen ist tröstlich und ermutigend, weil der Leser lernt, dass er Gott nicht gleichgültig ist. Gott liebt jeden Menschen, er wünscht sich, dass wir ihm unser Leben anvertrauen und hat für jeden  von uns einen einzigartigen Plan – für unser Leben hier auf der Erde und für unsere Zukunft in der Ewigkeit.

Christen, René: Lichter in der Nacht
Die Offenbarung an Johannes auf dem Bibelserver (Neue Genfer Übersetzung)

A-Capella Ensemble brillierte in der Kirche

Musikalisch begann das neue Jahr in der Rüderswiler Kirche mit einem Konzert des bekannten Emmentaler Vokalensembles «Voc-E». Das Konzert vom 5. Januar stiess auf grosses Interesse, der verfügbare Platz reichte kaum aus für alle Besucher. Und diese wurden von den elf Sängerinnen und Sänger nicht enttäuscht. Mit farbenfrohen und stimungsvollen Vorträgen vermochte das Ensemble unter der Leitung von Ueli Eggimann zu begeistern. Zu hören gab es Lieder aus verschiedenen Epochen und Stilen, darunter zwei bekannte Songs aus den 80er Jahren: Die weltberühmte Bohemian Rhapsody von Fredy Mercury und «I’m a Train» von Albert Hammond. Die Emmentaler Sänger bewiesen dabei, wie vielseitig die menschliche Stimme beim Imitieren von Musikinstrumenten sein kann.

«Offene Herzen und offene Türen»

Der neue Pfarrer in Rüderswil heisst Marcel Schneiter, in einer Feier mit viel Musik und Gesang empfing er von Pfarrer Matthias Zehnder den Segen zur Amtseinsetzung.

marcel schneiter
Marcel Schneiter bei seiner Grussbotschaft zum Amtsantritt

Am vergangenen Sonntag fand in Rüderswil die Einweihungsfeier für Pfarrer Marcel Schneiter statt. Marcel Schneiter übernimmt das Pfarramt von Lorenz Schilt, der nach acht Jahren in Rüderswil in der Kirchgemeinde Aetingen eine neue Herausforderung gefunden hat. Die Feier in der stilvoll geschmückten Kirche war geprägt von viel Musik und Gesang, neben der Bläsergruppe Rüderswil war auch die Sängerin Anina Schärer zu hören, die neben einem Chanson das Lied «Over the rainbow» aus dem berühmten Film «Der Zauberer von Oz» sang. Tragend und feierlich war auch das gefühlvolle Orgelspiel von Barbara Friedli.
Geleitet wurde die Installationsfeier von Pfarrer Matthias Zehnder aus Langnau. In seiner Predigt rief er die Grundwerte der reformierten Kirche in Erinnerung: der Pfarrer hat eine bedeutende Aufgabe. Aber er kann die Gemeinde nicht alleine aufbauen. Das müssen alle gemeinsam mit dem Pfarrer tun. In der reformierten Kirche ist jeder Mensch Priester, ergänzte der Langnauer Pfarrer, die Rüderswiler dürften aber Marcel Schneiter mit gutem Gewissen die Kanzel überlassen: «er wird es gut machen!».
Die Kirchenratspräsidentin Ruth Blaser hiess Marcel Schneiter als Dorfpfarrer willkommen und wünschte ihm «offene Herzen und offene Türen». Ihren guten Wünschen schlossen sich alle Ratsmitglieder an und überreichten dem frisch gebackenen Pfarrer Karten mit persönlichen Willkommensgrüssen. Als Symbol für das Wachsen und Gedeihen in der Pfarrgemeinde erhielt Marcel Schneiter einen jungen Apfelbaum geschenkt, der in der Hofstatt neben dem Pfarrhaus seinen zukünftigen Platz schon gefunden hat.

Was alles erwartet den Pfarrer einer Landgemeinde? Diese Frage stellte sich auch Marcel Schneiter und gab die Antwort in Form eines heiteren und pointierten Gedichtes: leutselig oder zurückgezogen, bibeltreu oder liberal, selten oder häufig auf Besuch, ein Dorfpfarrer kann es nie allen ganz recht machen. In einem zweiten, ernsten Teil seiner Antrittsrede stellte Marcel Schneiter fest, dass es gar nicht möglich ist, den Geschmack aller zu treffen. Aber: ein Pfarrer kann mit offenen Ohren für die Anliegen der Menschen da sein.
Die würdevolle Feier endete mit zwei weiteren Vorträgen der Bläsergruppe, die mit bekannten Werken ihr Können unter Beweis stellte.

Orgel und Alphorn im virtuosen Duett

Kirchenorgeln und Alphörner sind imposante Musikinstrumente mit einer langen Geschichte. Dass sie auch wunderbar zusammenpassen, bewiesen Jürg Neuenschwander und Hans Stettler bei einem Werkstattkonzert in der Kirche Rüderswil.

Hans Stettler, Jürg Neuenschwander
Hans Stettler und Jürg Neuenschwander (Foto: KG Rüderswil)

Eröffnet wurde das musikalische Erlebnis mit bekannten Werken aus der Welt der Klassik. Hornist Hans Stettler und Jürg Neuenschwander an der Orgel spielten die anspruchsvollen Werke von Vivaldi, Bach und Saint Säens variationsreich und begeisterten mit ihrer Virtuosität das Publikum. In einem volkstümlichen Medley liess dann der bekannte Organist aus Worb berühmte Volks- und Jodellieder in neuer Frische erklingen. Jürg Neuenschwander konnte dabei auf ein reiches Repertoire zurückgreifen: seiner Feder entstammen zahlreiche Bearbeitungen bekannter Jodellieder von Adolf Stähli und anderen Komponisten.

Im zweiten Teil hielt Hans Stettler einen spannenden Vortrag über die Entstehung des Hornes. Mit tönenden Muscheln und Rindshörnern demonstrierte der Alphornbläser aus Langnau eindrücklich, wie mit einfachsten Mitteln Töne erzeugt werden können. Vom Einzelton zur Tonleiter ist es aber immer noch ein weiter Weg. Stettler gab deshalb einen Abriss über die Entstehung des Blechhornes und über die Einführung des Ventiles. Immer wieder überraschte der Virtuose das Publikum mit kurzen Musikeinlagen, bei denen er Signale, Tonleitern und kurze Melodien spielte. Verblüffend war auch Stettlers Vorführung der «Stopftechnik»: hierbei werden fehlende Töne des Hornes mit Stopfbewegungen der Hand im Schallbecher erzeugt. Bestechend war die abschliessende Demonstration dieser gestopften Töne: auf einem einfachen Horn des frühen 19. Jahrhunderts spielte Hans Stettler begleitet von Jürg Neuenschwander Teile aus dem dritten Hornkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart.

Im dritten und letzten Teil des Konzertes spielten die beiden Musiker bekannte Werke für Orgel und Alphorn, darunter auch Eigenkompositionen des Organisten. Noch einmal gaben die beiden Meister Kostproben ihres Könnens und füllten die Rüderswiler Kirche mit strahlenden Orgel- und Alphornklängen. Ein besonderer «Leckerbissen» war die Sinfonia Pastorale von Leopold Mozart. Wie ein frischer Bergluft an einem Sommertag erklang die tragende Melodie auf der Orgel, während das Alphorn fröhlich übermütige Klänge spielte, die der weltberühmte Musiklehrer aus Salzburg erweitert und verfeinert hat.

Zeitmanagement mit Jesus

Jesus Christus, gespielt von Brian Deacon, 1979. Quelle: jesus.ch

Jeder Mensch wird am Entstehen eines neuen Tages etwas eigenes und für ihn besonderes finden, wenn er einen Moment inne hält und sich von der Empfindung tragen lässt, wenn er sich Zeit dafür nimmt. Aber gerade das ist immer mehr ein Problem in unserer hochgetakteten modernen Zeit. Eine volle Agenda bestimmt unsere Tagesablauf und so eilen wir mit dem Smartphone vor den Augen vorbei an einem frischen Sommermorgen, an einem blühenden Apfelbaum, an einem Schneeberg, der sich vor dem tiefblauen Himmelsgrund eines schönen Tages strahlend abhebt. Und bevor wir bemerken, wie schnell die Zeit eines freundlich hellen Tages verrinnt, kommt der Abend. Und wenn der nächste Morgen sich ankündet, so nur, um sich in den Kreislauf des geschäftigen Lebens einzureihen. Das klingt pessimistisch, aber wie oft ist es so?

Ein grosses Risiko birgt sich hinter diesem Geschehen: die Gefahr, dass nicht nur der Sinn für einen schönen Sommertag verloren geht, der uns einlädt, im Schatten eines grünenden Baumes auszuruhen und durch das Blätterwerk den Himmel zu betrachten. Verloren gehen kann auch die Beachtung der Menschen, die um uns sind und vielleicht auf unsere Hilfe, unseren Rat oder einfach nur auf unsere freundliche, zusprechende Gesellschaft hoffen.

Es gab eine Zeit, da lebte am See Genesaret in Galiläa ein Mann, der eine Schar aus Jüngerinnen und Jüngern (heute würden wir vielleicht «Fans» sagen) um sich sammelte und durch das Land zog. Am Abend ruhten sie sich vom Tageswerk aus, das aus missionieren, predigen und heilen bestand. Der Mann, dem die Jüngerschar folgte, hiess Jesus Christus. Vieles an ihm war aussergewöhnlich, er heilte Kranke, richtete Lahme auf und gab Blinden das Augenlicht wieder. Wenn er predigte, wollten die Zuhörer gar nicht mehr nach Hause gehen, so real und fassbar stellte der Rabbi das kommende Reich Gottes vor sie hin. Sogar Tote holte Jesus ins Leben zurück. Und noch etwas war an ihm besonders: er hatte Zeit. Wir finden dazu einige Beispiele im neuen Testament: wenn Jesus von Hilfesuchenden umringt wurde, so hatte er doch auch Zeit für die Kinder (Mk 10,45). Der Erweckungsprediger Wilhelm Busch bezeichet eine Stelle, in der es um Zeit geht, als die schönste der ganzen Bibel (Mk 10,46-50): als Jesus seine letzte Reise nach Jerusalem antrat, kam er auch durch Jericho. Ein blinder Bettler, Bartimäus, erfuhr, dass Jesus durch die Stadt zog, erkannte seine Chance und begann verzweifelt und immer lauter um Hilfe zu schreien. Es war aber eine grosse Menschenmenge um Jesus, das Passah Fest stand unmittelbar bevor, der Weg nach Jerusalem noch weit, die Zeit drängte!

Aber… Jesus blieb stehen. In diesem Augenblick grösster Erwartungen auf den Einzug in Jerusalem und der Erfüllung der alten Prophetien bleibt der Messias stehen! Alles kann jetzt warten, wichtig ist nur dieser arme Blinde, der sein ganzes Vertrauen in Jesus gesetzt hat. Und dieses Vertrauen ist es auch, das Bartimäus Heilung bringt. Wenn es um seine Mitmenschen ging, hatte Jesus immer Zeit, er verlor ihre Sorgen und Anliegen nie aus den Augen.

Wie würde das heute ausehen in einer grossen Stadt, so wie es Jericho damals war? Vor einem glänzenden Komplex aus Banken und Geschäftshäusern gehen viele Manager, Finanzexpertinnen und Anlageberater hastig ein und aus. Hier ist er wieder, der eilige Takt der modernen, mondänen Business-Welt. Ein Mann in dunklem Anzug, den Aktenkoffer in der einen, das Blackberry in der anderen Hand, eilt über die Strasse. Es ist ihm anzusehen: er hat nur wenig Zeit bis zum nächsten «Event». Plötzlich taucht vor ihm ein anderer Mann auf, verwahrlost, in schmutzigen, abgetragenen Kleidern, in der Hand eine Bierflasche statt dem Lederkoffer. «Hätsch mir es paar Stutz?», die Bitte ist wohlbekannt. Was tut nun der adrette Manager? Er könnte rasch am Bettler vorbeigehen, die Sache wäre damit erledigt. Doch nun geschieht das Unerwartete: er bleibt stehen.
Was tut er nun für diesen «Randständigen»? Wir wissen es nicht. Aber genau so wichtig wie seine Hilfe ist das, was er in diesem Moment entscheidet: er nimmt sich Zeit für einen Menschen, der auf ihn hofft.

Ich komme zum Abschluss noch einmal auf Jesus zu sprechen: er ist nach seinem Tod am Kreuz von Gott auferweckt worden – und lebt. Er hat auch heute Zeit für uns, so wie damals für Bartimäus. Wir brauchen nicht einmal mehr laut zu schreien, damit er uns hilft. Nur vertrauen müssen wir.

» Christliches Zeitmanagement mit Benjamin Floer

Kirchensonntag in Rüderswil

Am Anfang des zweiten Monats im neuen Jahr lädt die reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn seit 1912 zum alljährlichen Kirchensonntag ein. «Willkommen – Gastfreundschaft in unserer Kirche», das war diesmal das Thema. Bei der Kirche finden wir weit geöffnete Türen. Kirchenräume sind offen für unsere Anliegen, für unser Bedürfnis nach Stille, oder dem Wunsch nach einem Zuhörer. Die Kirche bietet allen Menschen Gastfreundschaft, ein «Schärmdach» auf dem Weg durch das Leben.

Das Kirchensonntag-Team

«Wir möchten heute Eure Gastgeber sein», so nahm Ruth Blaser das Thema in ihrer Begrüssung auf und lud die Besucher dazu ein, die Kirche ohne Scheu und mit neu erwachtem Interesse zu entdecken. «Die Kirche ist für alle da», fuhr die Ratspräsidentin fort, «ungeachtet ihrer Religions- oder Bekenntniszugehörigkeit». Was aber ist Gastfreundschaft? Das Ratsteam liess sich etwas besonderes einfallen, um auf diese Frage eine Antwort zu geben: es wurde die Geschichte von Vater Martin erzählt, dem Schuhmacher aus der berühmten Geschichte von Leo Tolstoi. Während des Vortrages waren auf einer Leinwand llustrationen zur Geschichte zu sehen und Jürg Neuenschwander bereicherte den Vortrag durch bekannte Jodelmelodien auf der Orgel. Das Spiel des Orgelvirtuosen und Komponisten aus Worb war wie immer mitreissend und von höchster Güte! Es trug und stützte die schöne Geschichte und brachte einen Hauch russischen Winterzaubers in die Rüderswiler Kirche.

Was hat Vater Martin erlebt? Elisabeth Beer, Marianne Zaugg und Erika Stocker begannen zu erzählen: am heiligen Abend war Vater Martin allein und einsam, bis Jesus Christus ihm im Traum erschien und ihm einen Besuch für den kommenden Tag ankündigte. So wartete Vater Martin den ganzen kommenden Tag auf seinen Gast. Doch es schien so, also wollte Jesus nicht kommen. Stattdessen meldeten sich ein frierender Strassenkehrer und eine Bettlerin in der warmen Stube. Martin nahm sie freundlich auf, bewirtete und beschenkte sie. Und dann, als es schon Abend werden wollte, bemerkte Martin, dass Jesus ihn durch die bedürftigen Besucher doch besucht hatte. «Ich war fremd, und ihr habt mich beherbergt» (Matth. 25,35), so leitete Marianne Zaugg am Ende der Geschichte zur biblischen Botschaft über und las aus dem Matthäus-Evangelium vor.

Es ist zu einer schönen Tradition geworden, dass Jürg Neuenschwander am Kirchensonntag Rüderswil besucht und mit seinen Melodien die Besucher erfreut und den Gottesdienst bereichert. Das war auch dieses Jahr nicht anders und am Ende der Feier zeigte sich der Orgelkünstler noch einer anderen Tradition verbunden: wie in den vergangen Jahren spielte Jürg Neuenscheander eine Zugabe und liess den Zuhörern die Wahl: «Weit dir e Chlepfer oder es Jodellied?» Die Zuhörer entschieden sich für ersteres und schon im nächsten Moment rauschte die bekannte Titelmusik aus dem Film «Fame» virtuos und kraftvoll durch die Kirche! Mit der Zugabe war der Gottesdienst aber nicht zu Ende, denn nun wurde vor dem Chor der Kirche ein reichhaltiges Apéro mit Käse und Züpfe serviert. Alle griffen herzhaft zu und da die gelungene Feier viel Gesprächsstoff bot, verging die Zeit bis zum Mittag wie im Fluge.

Aber zeichnet sich ein guter Gastgeber nicht gerade dadurch aus, dass seine Gäste bei ihm Kurzweil haben und am Schluss bereichert und glücklich wieder nach Hause gehen? Und zu sich selbst sagen: da gehe ich gerne wieder einmal hin! Genau dies gelang dem Rüderswiler Team und so wurde das Thema dieses Kirchensonntages in schöner Art und Weise ausgefüllt. Wir kommen gerne wieder!

«Musig spricht ds Läbe a»

Der Gottesdienst vom 22. Januar in Rüderswil stand ganz im Zeichen der Musik. Die zahlreichen Besucher bemerkten dies bereits beim Eingang der Kirche, wo sie Pfarrer Bernard Kaufmann nicht im Talar, sondern in einer traditionellen Sennentracht empfing. Bernard Kaufmann ist selbst Mitglied der Alphorngruppe Guldisberg, die an diesem Wintermorgen die Besucher mit Alphornklängen erfreute. Begleitet wurden die acht Alphornbläserinnen und Bläser aus dem Oberaargau von Barbara Friedli-Hofer auf der Orgel. Alphornklänge können uns tief in der Seele berühren, «si gö töif i üs ine.» So sagte es Bernard Kaufmann in seiner Predigt und die Besucher des Gottesdienstes konnten es an diesem Morgen selbst erleben: die Guldisberger Alphornbläser erfüllten die Kirche mit gefühlvoll und urchig-sennerisch vorgetragenen Alphornchorälen von Anton Wicky und Alphornweisen von Max Sommer. Berührend und inspirierend erklangen die Hirtenhörner zwischen der Predigt und den Gemeindeliedern. Zwei Melodien wurden von Barbara Friedli auf der Orgel begleitet. Die Organistin meisterte die für die Orgel nicht ganz einfache Tonart Fis mühelos und begleitete das Alphornspiel geschickt und einfühlsam.


Max Sommer und Bernard Kaufmann

Wenn er am Abend nach der Alphornprobe nach Hause komme, fühle er sich wohler und frischer, sagte Bernard Kaufmann in seiner Predigt. Musik hat einen günstigen Einfluss auf unser Gemüt, sie dringt durch Mauern bis in unseren Herzensgrund und schenkt uns Frieden und neue Kraft. Auch dem ersten jüdischen König Saul ging es so. Der zuvor erfolgsverwöhnte Monarch übernahm sich und wurde zuletzt krank. Erst durch die Harfenklänge des Hirtenjungen David wird dem Herrscher wieder leicht ums Herz und die bösen Geister verlassen ihn. Sicher können wir uns in Sauls Situation versetzen, wenn wir daran denken, wie Erfolgsdruck, Stress und Verpflichtungen auf uns lasten. Wie finden wir Erleichterung, wenn die Last schwer und schwerer wird? Bei Saul half alles gute Zureden nicht. Aber die Musik erreicht uns dort, wo noch etwas am Leben ist: bei den Gefühlen – selbst dann, wenn sie zugedeckt sind. Für Saul bewirkte die Musik eine Befreiung aus seiner Bedrückung.

Erich Röthlisberger aus Langenthal ist nicht nur Alphornbläser, auch das Spiel mit der Gitarre liegt ihm. In der Art eines echten Berner Troubadour sang er das bekannte Lied von Mani Matter, Warum syt dir so truurig?

Zum Abschied blies die Guldisberger Alphorngruppe die bekannte Melodie von Max Sommer «Uf der Höchalp» Max Sommer stellte seine Komposition selbst vor und erzählte spannend und humorvoll von der Höchalp oberhalb Ferrenberg, auf der er seine Jugendjahre verbracht hat. Da wurde mit alten Töpfen aus einer Kachelgrube gespielt, indem diese den Berg runter gerollt wurden. Es wurde gesungen, gelacht und getanzt. In den wunderschönen Klängen der Höchalp leben diese Erinnerungen an glückliche Jugendjahre weiter und werden von den Alphornbläsern von Alp zu Alp in die Zukunft getragen. Heute ist die Höchalp bewaldet; früher aber weideten dort Kühe und «Guschti», die noch Glocken um den Hals trugen. Deshalb verteilte Max Sommer vor dem Anstimmen kleine Glocken an die Kirchgänger. Diese ertönten beim Vortrag und verbreiteten eine heimelige, fröhliche Älplerstimmung in der Kirche.

Zum Ende des Gottesdienstes waren alle Besucher in der Pfrundscheune zu einem Apéro eingeladen. Bei einem feinen Stück Züpfe und einem Glas Weisswein oder Orangensaft klang die Feier aus. Und gewiss klangen die Weisen der Hirtenhörner in den Gemütern der Besucher nach, als diese sich auf den Heimweg machten. Die Guldisberger Alphornbläser haben das erreicht, wovon Bernard Kaufmann in seiner Predigt sprach: die Alphornweisen haben die Besucher berührt und inspiriert! Der Alphorngruppe sei auch an dieser Stelle für ihren eindrucksvollen und gelungenen Auftritt herzlich gedankt.

«Haltet Ausschau nach der Liebe»

Probepredigt von Marcel Schneiter am 15. Januar 2012

Kirche Rüderswil

Kirche Rüderswil

Es war der Morgen eines kalten, aber klaren und sonnigen Wintertages, als die Glocken der Rüderswiler Kirche zum Gottesdienst läuteten. Gestaltet wurde die gut besuchte Feier von Marcel Schneiter. Marcel Schneiter ist angehender Pfarrer, er absolviert zurzeit sein Vikariat in Langnau und hielt an diesem Januarmorgen seinen Probegottesdienst. Die würdevolle und eindrücklich gestaltete Feier war geprägt von viel Musik und Gesang. In seiner Predigt blickte Marcel Schneiter zurück auf den vergangenen Jahreswechsel. Da wurde zahlreiche Reden gehalten, in denen Pläne und Ziele für das neue Jahr im Vordergrund standen. Lebensweisheiten und guter Rat für ein dynamisches und erfolgreiches neues Jahr begleiteten die Ausführungen. Aber, helfen uns diese rhetorisch fein vorgetragenen Weisheiten in der Betriebsamkeit des Alltages wirklich weiter? Es darf gezweifelt werden.

Marcel Schneiter wies in seiner facettenreichen Predigt in der Folge dieser Frage auf eine andere Weisheit hin, so wie sie uns Paulus im 2. Kapitel des ersten Korintherbriefes vorstellt: es ist die Weisheit Gottes, so wie sie sich in den Werken von Jesus Christus offenbart. Der grosse Missionar aus Tarsos spricht in seinem berühmten Brief von einer Weisheit voller Kraft, die den Menschen erfüllt und ihn zu Gottes Liebe hin führt. Eine Weisheit, die durch das Verbinden der Menschen zueinander und zu Gott den Himmel auf die Erde bringt. Paulus enthüllte seinen korinthischen Lesern die Weisheit, die wir auch heute noch erfahren können. Und wie wir weitergeben sollen!

Nach dem Gottesdienst waren alle Kirchgänger zu einem Apéro in der Pfrundscheune eingeladen. Natürlich bot das Erlebte viel Gesprächsstoff und es wurde bei einem Glas Wein oder Orangensaft rege diskutiert. Marcel Schneiter gesellte sich dazu, beantwortete Fragen ausführlich oder gab selbst in sympathischer und offener Art und Weise Anregungen für Gespräche und Diskussionen. Als es schon fast Mittag war und die Gemeinde sich aufzulösen begann, nahmen viele Besucher des Gottesdienstes gute Erlebnisse und Eindrücke von diesem Morgen mit nach Hause. Die einprägsame, zum Weiterdenken anregende Predigt und die umgängliche Art des Pfarranwärters gefielen!

Basar in der Pfrundscheune

Die Kirchgemeinde veranstaltete auch dieses Jahr einen Basar und wurde durch zahlreiche Besucher belohnt. Wie in den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Strick- und Handwerksartikel zum Verkauf angeboten. Im Erdgeschoss der Pfrunscheune wurden Backwaren, Getränke und ein Mittagessen serviert.

Jedes Jahr am zweiten Novembersamstag organisiert die Kirchgemeinde Rüderswil in der Pfrundscheune einen Basar. Das Datum fiel heuer auf den 12. November und schon am frühen Morgen herrschte in der Scheune ein emsiges Treiben. Im oberen Stock boten die Basarfrauen all die Strick- und Handwerkwaren an, die sie in zahllosen Stunden des vergangenen Jahres angefertigt hatten. Mit grossem Aufwand vorbereitet und liebevoll dekoriert wurden auf zwei langen Tischen Strickwaren wie Mützen, Socken, Mitli oder Kinderkleider, aber auch Schals, Küchentücher und viele weitere, kunstvoll gefertigte Textikartikel zum Kauf angeboten. Und da bald die Adventszeit beginnt, wurde das reiche Angebot mit Kränzen, Kerzen und Holzfiguren vervollständigt.

Wer zum Basar geht tut dies natürlich nicht nur wegen der schönen Ausstellung, denn das Basarteam lud auch ein zum Verweilen bei Kaffee und Süssigkeiten. Im kleinen Saal der Pfrundscheune wurden verschiedene Getränke, Backwaren und Süssigkeiten aller Art angeboten. Die hübsch dekorierten Tische luden ein zum Dableiben und zum Pflegen der Geselligkeit im Dorf. Erfreulich ist, dass viele Rüderswiler und Dorfnachbarn der Einladung folgten und sich verwöhnen liessen. Während der Mittagszeit wurde auch eine nahrhafte Suppe, zusammen mit Apfelsaft oder Mineralwasser serviert.

Der Erlös des Basar in der Höhe von ca. Fr. 3000.- wird für gemeinnützige Zwecke eingesetzt, wobei jedes Jahr neu über die Verwendung entschieden wird. Diesmal wird der Ertrag für einen Gehweg mit Treppe investiert, der eine direkte Verbindung zwischen Kirche und Pfrundscheune herstellen wird. Wir danken allen, die bei der Durchführung des Basar mitgeholfen haben, den Basarfrauen und Helferinnen, wie auch allen Besuchern, die mitgeholfen haben, aus diesem Tag etwas Besonderes zu machen.

«Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen»

In Rüderswil wurde heute der Erntedankgottesdienst gefeiert. Pfarrer Johannes Weimann eröffnete die Feier mit einer Betrachtung, in der er von seinen Erlebnissen in der herbstlichen Erntezeit erzählte. So konnte er im Seeland beobachten, wie die Bauern damit beschäftigt waren, eine reiche Ernte einzubringen: mit Harassen, Baloxen und Säcken werden Rüben, Zwiebeln, Obst und Kohl geerntet, auf Wagen geladen und in die Scheune gefahren. Auch in seinem Heimatdorf, im oberaargauischen Herzogenbuchsee, konnte Pfarrer Weimann die Landleute bei der Arbeit beobachten. Wer aber ernten will, muss auch säen. Säen, das ist heute ein Prozess, bei dem computergesteuerte Maschinen zum Einsatz kommen, alles ist genau berechnet und abgewogen. Ältere Bauern aus «Buchsi» wussten aber zu erzählen, wie sie früher noch mit dem Säesack über das bereitete Feld schritten. Wer säet, muss Vertrauen haben, dass die Saat aufgeht, gedeiht und Frucht bringt. Aber auch Geduld, denn in der Natur braucht alles seine Zeit. Werden und Vergehen haben ihren eigenen Rhythmus im Kreis der Jahreszeiten.

Erntedank Rüderswil

Erntedank

Eine reiche Ernte, wer will darüber nicht dankbar sein und sich freuen? In Rüderswil wurde auch dieses Jahr die Treppe vor dem Taufstein mit vielen Erntegaben der Dorfbewohner geschmückt und nach dem Gottesdienst waren alle eingeladen, etwas davon mit nach Hause zu nehmen. Musikalisch begleitet wurde die Feier vom Organisten Heinz Born und von der Alphorngruppe Ahorn Heimisbach. Die stimmungsvollen und urchigen Alphornmelodien passten zu der Feier, ist doch das Spiel auf dem Hirtenhorn traditionell ein musikalischer Ausdruck des Dankes. Dank für einen langen Tag, an dem alles gelang. Wie heute auch als Dank für eine gute Ernte.

In seiner Predigt ging Pfarrer Weimann auf ein bekanntes Gleichnis ein, das beim Evangelisten Lukas mit den Worten eingeleitet wird: «Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen» (Lk. 8,5). Was kann uns denn dieses bekannte Gleichnis heute noch sagen? Natürlich ist der Saemann, von dem Jesus erzählt, ein Sinnbild für den gütigen Gott, der sich den Menschen zuwendet. Gott säet sein Wort, die gute Nachricht, wie ein Same aus und er lässt sich bei seiner Arbeit zusehen. Die Saat geht auf und wächst, wenn wir Gottes Wort mit offenem Herz aufnehmen und in uns gedeihen lassen. In seinem Gleichnis erzählt Jesus, dass einiges vom Saatgut auf den Weg fiel. Die Menschen hören es, nehmen es aber nicht an. Wieder andere Körner fielen auf felsigen Boden, wo sie zuerst aufgingen, dann aber verdorrten. Erinnert uns das nicht an unsere schnelllebige Zeit, fragte Johannes Weimann. Wir hören die Botschaft und nehmen sie – vorerst – freudig, ja mit Begeisterung an. Doch dann wenden wir uns wieder anderen Dingen zu. Es hat ja noch Zeit. Die Saat vertrocknet, bevor sie im Boden einwurzeln kann. Das Gleichnis fährt fort mit dem Hinweis darauf, dass einiges der Saat in Dornensträucher fiel. Sind Dornen nicht wie die Zweifel, die uns nach und nach in Besitz nehmen können, wenn wir die gute Nachricht hören? Und zuletzt erstickt das Saatgut.

Doch einiges von der Saat fällt auf guten Boden und bringt hundertfache Frucht. Dies gleicht dem Menschen, der mit aufrichtigen und breitwilligen Herzen das Wort hört und daran festhält.
Ist der Acker, von dem hier erzählt wird, wie ein Spiegelbild unseres Lebens? Es ist geprägt von Rückschlägen und Traurigem. So gleicht es einem harten, steinigen Boden. Doch dann schöpfen wir neue Hoffnung, unerwartet geht eine Türe auf und öffnet auch das Herz, damit es das gute aufnehmen kann. Wir gleichen nun der weichen Frühlingserde, die neues Vertrauen in Gott schöpft und die Saat aufnimmt.

Nach dem Gottesdienst erwartete die Kirchgänger ein milder Herbsttag, der zum Verweilen einlud, bei einem Spaziergang durch die bunten Wälder oder über die Felder, die nach frischer Erde riechen. Die Sonne hatte noch Kraft und löste bald den Morgenreif in glitzernden Tau auf. Und dann zog sie weiter auf ihrer Bahn und leuchtete bis in die Abendstunden über einem warmen, goldenen Herbsttag.