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Emmental

Jodellieder und ein Schnapsbrenner

Der Jodlerklub Grosshöchstetten zeigte an seinem Konzert in der Mehrzweckhalle Obergoldbach sein ganzes Können! Auch die Theaterleute überzeugten

In der Mehrzweckhalle Obergoldbach war kein Platz mehr frei, als Miriam Schafroth das erste Lied anstimmte, Bärglerfründe von Adolf Stähli. Und schon vom ersten Takt an begeisterten die 32 Männer mit ihrem musikalischen Können. Wenn es im Lied Alphornruef auf der Alp vernachtet, dann singt der Chor spannungsvoll im Pianissimo, der Zauber der Abenddämmerung wird hör- und fühlbar. Dann aber, zum Beispiel im Schwendifluehjutz von Simon Hefti, kommen die kräftigen Jodlerstimmen voll zur Geltung! Ein lebensfroher Jutz folgt dem nächsten, der Wechsel in ein strahlendes Fortissimo gelingt mühelos. Mit dem Schwendifluehjutz hat der Jodlerklub auch die Juroren am Berner Jodlerfest in Brienz vom vergangenen Juni überzeugt. Der Vortrag erhielt die Bestnote. Als Gastformation trat das Familienquartett Schafroth-Hofer auf. Das Quartett zeigte sich vielseitig und stimmte Eigenkompositionen von Miriam Schafroth an, aber auch den Klassiker De Bärge zue von Jakob Ummel.

Schnaps, Geld und Liebe
Nach dem Konzert öffnete sich der Vorhang für das Theater: Der Häfelibrönner vo Bätziwil, ein fröhlicher Dreiakter von Josef Brun. Alles dreht sich um Heiri Schlatter, der illegal Schnaps brennt und nicht gerade durch Liebenswürdigkeit glänzt. Auch zwei aufdringliche Heiratsanwärterinnen finden keinen Zugang zum launischen Häfelibrönner, der um des Geldes willen auch seine beiden Töchter daheim behalten will! Erst ein Gefängnisaufenthalt öffnet sein Herz für die Wünsche der Töchter – und für die Liebe. Ein Theater zum Lachen, aber auch zum Nachdenken, variationsreich gespielt von der vereinseigenen Theatergruppe.

E nöie Tag

No isch es e dunkli Nacht, keis Grüsch isch z’ghöre, d Feischteri vom späte Novämber lit über em Tal u über de verströite Egge, es isch chalt und scho itz guet z’gseh, dass ds erschte Liecht vom nöie Tag o uf silbrige Ryffe wird schiine. Är lit uf em farbige Loub am Bode, leit sich über d Escht vo de Tanne u glitzeret häll, wenn die erschte Sunnestrahle ihre Wäg dür e Näbel wärde finde. 

Aber no isch es feischter vor de Ouge; nume no e Momänt, u de isch unger em Morgestärn der erscht Liechtstreife z’gseh, vermischt i graublaue und blasse Farbe. No geng drückt d Nacht uf ds erschte Liecht, aber ds Liecht wird doch häller. E nöie Tag isch erwacht. U wär itz vor ds Huus steit, erläbt die gheimnisvolli  Stilli vo der späte Herbschtnacht. Erläbt, wie ds Liecht si Wäg i der Dunkelheit fingt. 

Es isch häll worde, d Nacht isch verby. Der Morgenäbel het sich vor d Sunne gleit, i der Färni vermischt är sich mit de Matte, wo no mit wissem Ryffe zuedeckt si; es isch, als ob’s zwüsche Himmel u Ärde e kei Gränze me git. U denn, we d Sunne doch stercher wird als der Näbel, we die letschte Näbelschwade sich e Platz ime ne änge Sytetal sueche, de erfüllt d Sunne d Wält mit ihrem guldige, warme Liecht. 

So vergeit der Tag, u nume wenigi Stunde nachdäm d Sunne am Zenith het gschine, chunt ds Dämmerliecht zrügg. Wider wott es ynachte, der Kreis schliesst sich.

Botschaften aus einer verzauberten Welt

Ein neues Buch öffnet ein Tor in die Welt der Emmentaler und Entlebucher Sagenwelt. Das besondere daran: Die Sagen werden nicht auf schriftdeutsch, sondern in ihrer angestammten Mundart erzählt.

Hans Minder, Josef Ehrler: Ämmitaler & Äntlibuecher Saage

Hans Minder, Josef Ehrler: Ämmitaler & Äntlibuecher Saage

Wenn das Vergessen unserer eigenen Geschichte wie die Dunkelheit ist, dann sind Sagen wie helle Lichter, die uns auf längst vergangene Ereignisse blicken lassen. Manche Sagen sind so alt wie die Menschheit selbst, andere sind farbenfrohe Kinder unserer Zeit. «So verschieden Sagen auch immer sind, eines haben viele von ihnen gemeinsam», sagt Josef Ehrler, der zusammen mit Hans Minder das neue Sagenbuch «Ämmitaler & Äntlibuecher Saage» geschrieben hat: «Es gibt einen wahren Kern!»

Berner und Entlebucher Mundart
Das neue, 160 Seiten starke Sagenbuch erscheint diesen Herbst in der zweiten Auflage, der Fundus aus dem Emmentaler Erzählgut ist umfangreicher geworden. Neu hinzugekommen sind 30 Entlebucher Sagen und Legenden von Josef Ehrler. Legenden sind gemäss dem Schriftsteller aus Marbach eine besondere Sagenform, da sie sich um heilige Personen oder Gegenstände ranken. «Legenden spielen in der katholischen Volksfrömmigkeit eine grosse Rolle», betont Josef Ehrler. Alle Erzählungen werden von den beiden Autoren in Berndeutsch und Entlebucher Mundart dargeboten. Der Entlebucher Teil ist illustriert mit Zeichnungen von Ludwig Suter.

Der Stoff, aus dem Sagen gewoben werden
Das Sagenbuch lädt den Leser ein auf eine Reise; etwas Zeit, Vorstellungskraft und Phantasie, mehr Reisegepäck braucht es nicht! Der Weg führt mitten  durch das sagenumwobene Mittelalter, zurück bis in die Epoche der alten Helvetier und Römer. Und nun muss der Leser bereit sein, sich einzulassen auf eine märchenhafte Welt der Drachen, Erdmännchen, finsteren Burgherren, Hexen und tapferen Ritter. Sie alle sind der Schmuck, der in der Sage um ein historisches Ereignis gelegt wird. So lebt eine Geschichte von einer Generation zur nächste fort, sie überdauert Jahrhunderte, überwindet Sprachgrenzen mühelos und lässt Menschen träumen.

Die Heiligkreuz-Legende
Eine der ältesten Sagen des Buches geht auf die heilige Helena zurück, die Mutter von Konstantin dem Grossen, der von 306 bis 337 römischer Kaiser war. Die im Entlebuch gut bekannte Heiligkreuz-Legende berichtet, dass Helena einem Leibwächter für seine Treue ein wertvolles Geschenk machte: Ein Stück Holz aus dem Kreuz, an dem Jesus von Nazareth starb. Dieser brachte das Fragment nach Arras in Nordfrankreich. Der Legende zufolge trug es dann ein gezähmter Ochse in das Entlebuch; genau an den Ort, wo seit dem Jahr 1344 Eremiten leben und später die erste Heiligkreuz-Kirche bauten. Damit verbindet die Legende zwei Ereignisse, die mehr als 1000 Jahre auseinander liegen.

Keine Ruhe für Bösewichte
Böse Taten lohnen sich nicht, wer aber Gutes tut, wird reich beschenkt, dies ist eine wichtige Botschaft aus der Welt der Sagen. Wer liest nicht mit Freude die schöne Lauperswiler Geschichte vom Zwerg und dem Korber, der das Erdmännchen vor dem Ertrinken rettet und von diesem mit einem Sack voller Erbsen belohnt wird, der sich immer wieder wie von Zauberhand füllt. Weniger Glück haben all die Finsterlinge, die ihre Mitmenschen quälen, wie etwa ein Freiherr von Brandis oder der bis heute bekannte Landvogt Samuel Tribolet. Die Sage will es, dass ihre Seelen keinen Frieden finden und Nacht für Nacht rastlos umherirren müssen! Doch kennt die Sagenwelt auch Vergebung, die etwa dem Meitschi aus dem Änziloch widerfährt, das zuvor als unerlöste Seele für seine Sünden büssen musste. Eingehüllt in einen leuchtend weissen Schleier bedankt sich die Frau bei den Menschen, die für sie gebetet haben. Dann wird sie erlöst in die Ewigkeit. Ein schöner Schluss für eine Sage!

Bestellinformationen:
Hans Minder / Josef Ehrler: Ämmitaler & Äntlibuecher Saage
160 Seiten, kartoniert. Preis: 25 Franken.
Herrmann AG, Brennerstrasse 7, 3550 Langnau i. E.
Online bestellen: www.emmentalshop.ch

Chum doch eis i ds Ämmitau

Das Photo entstand auf der Brücke bei Emmenmatt. Geknipst habe ich mit meinem Huawei P30, nachbearbeitet wurde das Bild mit Photolemur. Mit gefiel die Szene wegen den schönen Wolkenstrukturen, die Herbstfarben der Bäume am Ufer bilden dazu einen passenden Kontrast. Einige Informationen zur Emme gibt es unter folgendem Link: Woher hat die Emme ihren Namen?

Von Rüderswil nach Solothurn, ohne Auto

Kann man vom Dorfzentrum in Rüderswil ohne Auto in die Ambassadorenstadt pendeln? Hier die Antwort vorweg: Ja, man kann! Aber eine gehörige Portion Geduld sollte im Reisegepäck dabei sein!

Rüderswil ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen, aber es gibt den Bürgerbus, der Reisende zwischen Zollbrück, Rüderswil, Schwanden und Lützelflüh befördert. Dies allerdings nicht den ganzen Tag. Und auch am Wochenende bleibt der Bus im Depot. Da ich während zwei Tagen kein Auto hatte, wollte ich genau wissen, wie lange der Weg nach Solothurn dauert und wartete an einem verschneiten Wintermorgen vor der Kirche erwartungsvoll auf den Bürgerbus.

Kartenausschnitt
Anzeige der Route (Screenshot Google Maps)

Dieser kommt mit einer kleinen Verspätung. Die Strasse über das Emmenknie sei verschneit, sagt der Chauffeur, deshalb fahre er zur Sicherheit etwas langsamer. Dann geht die Fahrt los, zuerst zum Gemeindehaus, dann über über die besagte Anhöhe nach Schwanden und zuletzt in den tief verschneiten Nesselgraben. Hier steigen – ohne viel Worte zu machen – einige Schüler ein, auch sie sind unterwegs in Richtung Burgdorf. Es ist mittlerweile schon fast halb Acht und das erste Dämmerlicht des jungen Tages wandert über die Hügel, auf denen frischer Schnee liegt. Es ist ein besonderer Anblick; gerade so, als ob alles verzaubert ist, als ob hier ein Ort ist, wo sich Fabelwesen und Menschen zusammen auf den neuen Tag freuen.

Jetzt fährt der Bus zügig durch Goldbach, dem Bahnhof in Lützelflüh entgegen, denn der Anschlusszug, der um 7:32 Uhr fährt, soll noch erreicht werden. Dies gelingt trotz der Verspätung ohne Probleme und wir können ohne Hast einsteigen, der Pendelwagen der BLS ist soeben im Dorf angekommen. So geht es weiter talabwärts, nach Hasle, Oberburg und Burgdorf, wo wir um 7:45 Uhr eintreffen. Mittlerweile ist es hell geworden. Und der Morgen schreitet in hastigem Tempo voran, alle wollen jetzt rasch zur Arbeit oder zur Schule! Für mich heisst es jetzt erst einmal: warten! Die S44 nach Solothurn fährt nämlich erst um 8:15 Uhr, fast eine halbe Stunde später! Die erste Kaffeepause ist angesagt. Und dann, endlich, der letzte Zug in das breite Aaretal nach Solothurn. Bevor Sie nach Utzenstorf kommen, vergessen Sie nicht, aus dem Fenster zu schauen. Und geniessen Sie den Blick auf die weite Ebene, die sich nun nach beiden Seite der Zugstrecke öffnet.

Doch dies ist nicht das letzte Stück Wegstrecke, weil ich in der Solothurner Weststadt arbeite, die zu Fuss in ca. 20 Minuten zu erreichen ist. Es fährt zwar ein Stadtbus, doch abermals passt der Anschluss nicht! Die Lösung besteht darin, in einen Bus zu steigen, der bis zum Postplatz fährt. Und nun sind es nur noch zehn Fussminuten bis zum Gewerbezentrum Obach! Hier kommen ich um 8:55 Uhr an.

Die Fahrt Rüderswil Dorf nach Solothurn West dauert also eine Stunde und 45 Minuten, wobei 30 Minuten reine Wartezeit sind. Während der Reise muss dreimal umgestiegen werden, zweimal davon gibt es keinen Anschlusszug, resp. Bus. Hier zum Vergleich die Fahrtzeit mit dem PW: 45 Minuten! Meiner Meinung nach ist die ÖV-Variante für einen Pendler nicht praktikabel. Denn obwohl im Zug gemütlich ein schönes Buch gelesen werden kann: Es geht zuviel Zeit verloren, die dann am Abend fehlt. Die Alternative geht so: Mti dem PW nach Hasle-Rüegsau, dann auf den Zug umsteigen. Reisezeit gesamt: 80 Minuten.

Diese Erfahrung wird mich indes nicht davon abhalten, hin und und wieder am Morgen auf den Bürgerbus zu warten. Aus reiner Sympathie zu diesem wirklich guten Projekt!

Ein Verkehrskreisel, der das Auge erfreut

Seit wenigen Tagen steht auf dem Verkehrskreisel beim Dorfeingang Zollbrück das Modell einer Holzbrücke. Im Ort ist man sich über den neu gestalteten Kreisel einig: Er sieht grossartig aus!

Wer von Burgdorf her auf der Hauptstrasse nach Zollbrück fährt, wird seit seit kurzem am Dorfeingang von einem einzigartigen Blickfang begrüsst: Mitten auf dem Verkehrskreisel bei der Landi steht das schmucke Modell einer alten Holzbrücke. Sie erinnert an die Holzbrücke, die dem Dorf den Namen gab und in der Nacht vom 1. August 1947 niederbrannte. Der Brückenkreisel entstand auf Initiative der Gemeinde Rüderswil, für die Umsetzung wurden Unternehmen aus der Region berücksichtigt. Beflanzt wurde der Kreisel vom Landschaftsgärtner Elias Finkam, die Hirsbrunner Holzbau AG baute die Brücke. An der Realisierung beteiligt war ferner Hans Muralt mit Unterstützung der Krähenbühl AG.

Blick auf den neu gestalteten Kreisel in Zollbrück

Den Naturgewalten zum Opfer gefallen
Blicken wir in die Vergangeheit. Das Emmentaler Dorf ist untrennbar mit den alten Zollbrücken verbunden, die erste entstand im Jahr 1552, es war eine Jochbrücke die schräg über die Emme gebaut wurde und auf vier Pfeilern stand. Zollbrücke wurde sie genannt, weil für die Benutzung der Brücke eine Gebühr zu entrichten war. Alte Zolltafeln verraten, wie hoch die Preise waren: Einzelpersonen bezahlten einen Pfennig; tiefer in die Tasche greifen musste ein Reiter, zwei Pfennige verlangte der Zöllner von ihm! Was geschah mit diesem Geld? Die eine Hälfte musste an die Stadt Bern abgeliefert werden. Den Rest behielten die Brückenbaugemeinden, sie verwendeten das Geld für den unterhalt und entlöhnten den Zöllner. Apropos, ab 1565 durfte dieser auch wirten! Wie die ersten Brücke genau ausgesehen hat, wissen wir leider nicht; gewiss ist nur, dass sie im Jahr 1837 bei der grossen Wassernot zerstört wurde.

1839 wurde eine neue Holzbrücke fertiggestellt, sie entstand nach den Plänen von Johann Rudolf Gatschet, eines Ingenieurs und Offiziers, der später Genie-Chef der eidgenössischen Truppen wurde und sich am Sonderbundskrieg beteiligte. Vieles war neu an dieser Bogenbrücke, sie benötigte keine Joche mehr und bot damit weniger Angriffsfläche für die Wassermassen Emme.

Niemand weiss, wer das Feuer gelegt hat
«Mit der vom Feuer verzehrten Zollbrücke bei Lauperswil ist nicht allein ein treffliches Beispiel alter Zimmermannskunst, sondern auch ein Wahrzeichen gutschweizerischer Eigenart vernichtet worden.» So berichtete der «Bund» vom Brand der Brücke im August 1947. Aus bis heute ungeklärten Gründen brannte sie vollständig nieder. Nur noch Reste der gemauerten Sockel sind am Emmeufer neben der neuen Brücke zu erkennen. Diese neue Brücke ist ein reiner Zweckbau, eine Betonbrücke mit Fussweg, auf dem Passanten gerne stehen bleiben, um sich an der malerischen Emmelandschaft zu erfreuen.

Buchempfehlung: Hanspeter Buholzer und Daniel Fuchs (Bilder): «Holzbrücken im Emmental» (214 Seiten, ISBN 978-3-905980-30-1). Das Buch kostet 48 Franken und ist im Buchhandel, im Regionalmuseum Langnau oder online unterwww.holzbrueckenimemmental.ch erhältlich.

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Als die Strickerinnen unruhig wurden

Ein neues Buch von Therese Lüthi erzählt von den Strickerinnen in Eriswil, die unermüdlich arbeiteten, um die Not während den Kriegsjahren 1939-1945 etwas zu lindern. Und für ihren Fleiss und ihre Ausdauer nichts anderes erhielten als Hungerlöhne.

Die Unruhe der Strickerinnen

Lüthi, Therese: Die Unruhe der Strickerinnen

Die Ereignisse, die in diesem Buch sorgfältig dokumentiert werden, liegen erst 75 Jahre in der Vergangenheit. Und doch klingen sie für den Leser der Gegenwart unglaublich! Natürlich darf nicht vergessen werden, dass zu dieser Zeit der schlimmste Krieg wütete, den die Menschheit jemals erlebt hat. Es waren für alle Beteiligten Jahre der Entbehrung und der bleiernen Ungewissheit über die weiteren Geschehnisse! Die Geschichte, die von der Autorin aus Lützelflüh spannend erzählt wird, handelt im malerischen Emmentaler Dorf Eriswil. Auch dort litten die Menschen Not! Viele Frauen griffen deshalb zu Nadel und Wollknäuel und strickten. Im Dorf selbst lebte ein Fabrikant, der die benötigte Wolle zur Verfügung stellte und die fleissigen Frauen für ihre Strickarbeiten entlöhnte. Mit dem Geld konnten die Strickerinnen Brot und Milch kaufen, um die Not etwas zu lindern.

Nur: Die Entlöhnung war so mager, dass eine Strickerin mehrere Stunden arbeiten musste, um sich vom Erlös ein Kilogramm Brot kaufen zu können. Das war ein klarer Missbrauch, denn bereits 1940 erliess der Bundesrat ein Gesetz, das eine faire Entlöhnung für Heimarbeiter forderte. Das Gesetz fand aber wenig Beachtung, vielerorts wusste man davon schlicht nichts! Und die Unternehmer zahlten in Eriswil weiterhin Hungerlöhne! Was das bedeuten konnte, schildert Therese Lüthi, wenn sie dem dem Leser den Blick in eine einfache Bauernstube gewährt, wo gerade das Abendessen aufgetischt wird. Sieben Familienmitglieder sitzen am Tisch, vier Kinder und drei Erwaschsene. Zu essen gibt es vier geschwellte Kartoffeln, etwas Ziegenmilch, und einen kleinen Rest hartes Brot. Alle verlassen den Tisch hungrig.

Das Blatt wendete sich erst, als ein Journalist von den tiefen Löhnen erfuhr. Nun wurden die Eriswilerinnen bei einer Versammlung im Gasthof Bären über ihre Rechte informiert. Der «Fall Eriswil» zog immer weitere Kreise, die Mitglieder eines Untersuchungsausschusses und Gewerkschafter gelangten zuletzt sogar an den Bundesrat. Und dieser reagierte rasch, indem er eine Verordnung erliess, die einen Mindestlohn von 50 Rappen für Heimstrickerinnen forderte. Am ersten Dezember 1943 trat die Verordnung in Kraft.

Geschichtsbücher wie «Die Unruhe der Strickerinnen» dürfte es gerne mehr geben! Der Verfasserin ist es gelungen, ein historisches Ereignis bildhaft und unterhaltsam zu erzählen, sorgfältig recherchiert und mit Zeitungsberichten aus den Jahren 1943 und 1944 belegt. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt, auch über die Gegenwart.

Zusammenrücken und höher bauen

An einer Informationsveranstaltung wurde über die neue Ortsplanungsrevision informiert. Im Zentrum des Interesses steht ein verdichtetes Bauen, vorwiegend im Ortsteil Zollbrück.

Am vergangenen Donnerstag fand in der Aula der Sekundarschule Zollbrück ein Mitwirkungsanlass zur Ortsplanungsrevision statt. 15 Besucherinnen und Besucher nahmen an der Veranstaltung teil, Gemeindepräsident Roland Rothenbühler hätte sich eine grössere Beteiligung gewünscht, wie er auf Anfrage sagte. Dennoch wurde lebhaft diskutiert. Nach dem Projektbeschrieb durch Franziska Rösti stellten Teilnehmer gezielte Fragen zur Einzonung privater Grundstücke. Konkret sieht die Revision eine Siedlungsentwicklung nach innen vor, erreicht werden kann dies unter anderem durch die Reduktion der Grenzabstände und Anpassung der zulässigen Gebäudehöhe. Betroffen von dieser Neuerung ist vorwiegend der Ortsteil Zollbrück. In den Dorfteilen Ranflüh, Rüderswil und Schwanden ist die Erhaltung des ländlichen Charakters geplant. Weitere Ziele der Revision sind die Anpassung an neue rechtliche Bestimmungen und ein moderates Wachstum der Gemeinde. Interessant ist die Revision ferner für die Bewohner der Dorfweiler. Diese sollen in neue Weilerzonen eingeteilt werden, was eine einfachere Umnutzung ermöglicht.

Mitwirkung bis am 15. November möglich
Die letzte Revision der Ortsplanung fand im Jahr 2003 statt, gemäss den Unterlagen des Gemeinderates haben sich die Anforderungen an die Raumplanung markant verändert. 2016 beschloss die Exekutive eine neue Revision und setzte eine Arbeitsgruppe ein. Die öffentliche Mitwirkung endet am 15. November, bis dahin können die Unterlagen bei der Gemeindeverwaltung eingesehen werden. Es ist auch möglich, alle Dokumente von der Homepage der Gemeinde herunterzuladen. Die weiteren Meilensteine des Projektes sind die kantonale Vorprüfung, die für die Monate Februar bis Juni 2019 vorgesehen ist. Für die Herbstmonate 2019 ist die öffentliche Auflage geplant, bei der auch über Einsprachen verhandelt werden kann.

Weitere Infos: www.ruederswil.ch

Wenn Märit isch, gseh mir üs wider

Modell der Kramlaube im Regionalmuseum ChüechlihusModell der Langnauer Kramlaube im Regionalmuseum Chüechlihus

Im Jahre 2019 würde die Langnauer Kramlaube 500 Jahr alt werden. Die Jahrzahl «1519» wurde von einem Zimmermann gut sichtbar in einen Rähmbalken eingeschnitzt. Ich wollte eine Geschichte schreiben, bei der die alte Markthalle eine Rolle spielt. Und zurzeit sind Mordsgeschichten beliebt. Aber dieses Genre behagt mir nicht, also habe ich eine kleine Liebesgeschichte geschrieben, von Resli und Änneli, die sich bei der Merktlaube kennengelernt haben. Im Jahr 1824. Wenn Ihnen die Kurzgeschichte gefällt, dann freut mich das sehr.

Die Geschichte ist für einen Blog Beitrag zu lang geraten. Sie kann deshalb als PDF Dokument heruntergeladen und angezeigt werden:

Wenn Märit isch, gseh mir üs wider