Archiv der Kategorie: Daily Work

17 Jahre @SolNet

Das Speichern und Laden von Programmen und Dateien mit einer Commodore Datasette war nun wirklich kein Vergnügen! Selbst kleine BASIC Programm benötigten mehrere Minuten, um den Weg von der Musikkassette zum Speicher des Commodore 64 oder VC 20 zu finden. Wenn überhaupt – Lesefehler gab es fast jeden Tag. Und wenn aus der Datasette plötzlich ein leises Rattern zu hören war, dann wusste man genau: Aus ist’s! Weil sich das Band im Getriebe verheddert hat! Und als ob damit nicht alles schon schlimm genug wäre, kommt noch die knifflige Aufgabe des Positionierens dazu! Waren die gewünschten Daten nicht am Beginn des Bandes abgelegt, dann musste mit Hilfe des nicht besonders genauen Zählers vorwärts gespult werden! Wehe, man schob das Band auch nur einen Zentimeter zu weit vor!

Commodore Datasette 1530
Commodore Datasette 1530. Bild: Wikipedia/Toni Saarikko

Aber, es hat trotzdem Spass gemacht! Das Hantieren mit «Tapes» gehörte zu unseren ersten Erfahrungen mit dem Homecomputer. Und wir bekamen die Sache in den Griff. Wir schrieben eigene Programme, die nicht nur Adressen, sondern auch Buchhaltungsdaten, Texte für die Schule und noch einiges mehr auf Band speicherten – und wieder zurück holten. Irgendwie verblüfft mich dies bis heute.

Heute ist alles ganz anders, heute gibt es SSD, Solid-State-Drive! SSD ist aber kein Laufwerk mit mechanischen Teilen mehr, es ist ein Festkörperspeicher, der die Informationen auch dann behält, wenn es keinen Strom gibt (deshalb auch nicht-flüchtiger Speicher genannt).  Und SSD ist rasend schnell, in bezug auf die Geschwindigkeit lässt es die gute alte Festplatte weit hinter sich. So kommt es, dass heute im Server immer häufiger SSD Speicher verbaut werden, nicht mehr Festplatten. Ach die Harddisk wird vermutlich irgendwann von der Bildfläche verschwinden. So wie die Datasette. 

Server müssen heute schnell sein. Niemand wartet gerne, bis er am Bildschirm oder auf dem Smartphone die gewünschte Information sieht. Wir haben deshalb auch alle Webserver auf SSD umgestellt. Dies ist eine der wichtigen Veränderungen, die mir für das Jahr 2019 in den Sinn kommt. Ein weiteres Ereignis, das mit in Erinnerung bleiben wird, ist eine Namensänderung: Die Programmiersprache Perl heisst jetzt Raku! Die Macher der Sprache haben das so entschieden um zu unterstreichen, dass Raku eine Neuentwicklung ist – nicht die Nachfolgeversion von Perl 5, die lange als Perl 6 bezeichnet wurde. Perl/Raku ist ein geniales Softwareprojekt. Viele Scripting Aufgaben lassen sich mit wenigen Programmzeilen realisieren. Hier ein kleines Beispiel,  Anzeigen aller Zeilen einer Textdatei: open H, „text.txt“; print join(“, <H>); close H; Gerade das Verändern von Textdateien ist eine der Stärken von Perl. Und bei der Prozessautomatisierung eine häufig gestellte Aufgabe. Oft werden wichtige Informationen von Partnern in allen möglichen Formaten angeliefert: Excel Tabelle, Mail Anhang, JSON, XML und so weiter! Mit wenigen Perl Zeilen verarbeiten wir diese Dateien und speichern sie in unserer zentralen Datenbank. 

Apropos Datenbank, das RDBMS der Stunde bleibt für mich PostgreSQL. Gerade grosse Datenbanken sind bei PostgreSQL bestens aufgehoben. Immer wichtiger wird das Verlegen der Programmlogik direkt in die DB mit Stored Procedures und Triggern. Hier wiederum ein kleines Beispiel: Wenn ein Trouble Ticket (Störungsmeldung) verändert wird, dann muss der vorhergehende Zustand für das Protokoll festgehalten werden, so dass  Besucher die einzelnen Schritte einer Problemlösung nachvollziehen können: Ticket Eröffnung, Suche nach Problem, Lösung in Arbeit, Störung behoben, Ticket geschlossen. Nun könnte ein Script in Perl, PHP oder Java erstellt werden, das diese Aufgabe übernimmt. Viel besser ist es aber, einen Trigger zu erstellen. Hier ein Beispiel für das andere Datenbanksystem, das wir nutzen, MySQL:

CREATE TRIGGER tickets_before_update
BEFORE UPDATE ON tickets FOR EACH ROW
BEGIN
  INSERT INTO tickets_history (ticketid, status, ende, massnahme)
  VALUES (OLD.id, OLD.status, OLD.ende, OLD.massnahme);
END

Apropos Geschwindigkeit, die wird auch beim Webserver immer wichtiger, zumal Google die Antwortzeiten auswertet und für das «Ranking» berücksichtigt. Neben SSD bieten wir neu auch HTTP/2 und GZIP (mod_deflate) als Standard. HTTP/2 reduziert beim Transfer die Latenz, mehrere Dateien werden zusammengefasst und als Paket an den Client geliefert. Mit dem GZIP Modul von Apache werden die Dateien vor dem Transfer komprimiert. Gerade bei langsamen Netzverbindungen zahlt sich diese Massnahme aus. 

55… and counting!
Es ist schon einige Jahre her, da wurde auf meinem bevorzugten Techblog (slashdot.org) diskutiert, wie alt ein Programmierer werden darf. Ein Kommentator schrieb damals „33… and counting“, 33-35 Jahre galten schon damals als eine Art Obergrenze. Danach ist Schluss, der Coder muss entweder die Karriereleiter hoch gestiegen sein oder den Job gewechselt haben! Warum eigentlich? Natürlich lässt die geistige Leistungsfähigkeit mit dem Alter nach, das braucht nicht schöngeredet zu werden. Softwareentwickler sind fast täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert, sie müssen beweglich und flexibel bleiben, von ihnen wird abstraktes Denken auf hohem Niveau erwartet. Ich bin jetzt 55 Jahre alt und habe immer noch Spass daran, Programme in Perl, PHP oder ANSI C zu entwickeln. Auch in diesem Alter ist es möglich, an fünf Tagen in der Woche zu programmieren, 8-10 Stunden am Tag, wenn es sein muss. Natürlich merkt man das am Abend; alles andere wäre Selbstbetrug! Aber wer fit bleibt, regelmässig Sport treibt, auf gesunde Ernährung achtet und sich während der Freizeit entspannt, bleibt leistungsfähig.

Die Zukunft ist gefaltet – und wird wieder kleiner
«In fünf Jahren wird es das Smartphone, so wie wir es heute kennen, nicht mehr geben», dies sagt nicht irgendwer, sondern Samsung, einer der grössten Hersteller für Smartphones! Was ist in die Südkoreaner gefahren? Natürlich will der Konzern nicht weniger Geräte verkaufen, er will eher die geneigte Kundschaft darauf einstimmen, dass Smartys in naher Zukunft etwas anders aussehen und auch anders bedient werden. Gemeint ist aktuell vor allem das faltbare Smartphone. Warum falten? Ganz einfach, das Smartphone benötigt dann weniger Platz bei gleichbleibend grossem Display – das ist wunderbar! Das Smartphone wird in Zukunft ohnehin seltener gesehen werden – wenn man den IT Auguren glauben will. Viele Aufgaben können am Handgelenk erledigt werden, mit der Smartwatch. Oder mit einem Ring am Finger, dem Motiv Ring zum Beispiel.

Drei Schritte vor, einer zurück
Fortschritt und Entwicklung sind keine linearen Prozesse, es gibt Techniken, die sich nicht bewähren, oder für die die Zeit noch nicht gekommen ist. Ein gutes Beispiel dafür ist die Digitaltelefonie, sie gibt es seit den späten 90er Jahren; aber damals konnte sie sich noch nicht durchsetzen, nicht nur wegen der fehlenden Bandbreite. Die Zeit war einfach noch nicht reif dazu! Heute liefert Googles Datenbrille „Glass“ ein gutes Beispiel. Denn im Moment sorgt sie in der Wahrnehmung der meisten Menschen eher Misstrauen und Verunsicherung. Zu gross ist die Angst, dass Glass als Überwachungskamera missbraucht wird. In fünf oder zehn Jahren werden Datenbrillen vermutlich so normal sein wie Smartphones oder Kopfhörer! Genau so wie die Drohen, die über unsere Köpfe schwirren und ein Amazon Paket zustellen. Oder die Autos, in denen es kein Lenkrad mehr gibt.

Drei Monate Ubuntu Desktop

Meine erste Linux Installation habe ich irgendwann im Jahr 1991 gemacht, aber es war eine eher etwas mühsame Angelegenheit. Die «Distribution» bestand aus 22 Disketten, die ich bei einem Online Versand bestellt hatte. Und das Installationsprogramm war ein einfaches Shellscript, das die Dateien auf die Festplatte kopierte und einige grundlegende Konfigurationsdateien generierte. Das wars! Den grafischen Desktop brachte ich nicht zum Laufen, dafür aber gelang es mir, per Dialup Modem eine Internetverbindung herzustellen. Dann erst, ab 1993, kamen Slackware, SuSE Linux und Redhat, die alles viel einfacher machten! Die Installation war jetzt kein Abenteuer mehr, nur noch ein Frage/Antwort Prozess, der nach einigen Minuten erledigt war. Gleichgeblieben ist indes die Begeisterung für Linux auf dem Desktop. Damals wie heute bedeutete es ein Stück Freiheit; die Möglichkeit also, auf dem Computer jederzeit genau das zu tun, was möchte! 

Von Arch Linux zu Ubuntu
Vor drei Monaten habe ich nach mehr als 10 Jahren von Arch Linux auf Ubuntu Desktop gewechselt, weil mein alter PC kaputt ging und nicht mehr zu retten war! Ubuntu ist grossartig! Die Installation ist einfach und schnell, bei einem Standard Setup wird alles installiert, was man beim täglichen Arbeiten am PC so braucht und die Gnome Shell, die grafische Benutzeroberfläche also, sieht ansprechend und aufgeräumt aus! Hier ist ein Screenshot:

Screenshot Ubuntu Linux
Ein Ubuntu Desktop mit Google Chrome, einem Terminal und Google Play Music

Nach der Installation steht eine ausgewogene Auswahl an Programmen bereit: Firefox, Thunderbird, Libreoffice, Gnome Terminal und einige praktische Hilfsprogramme. Alles ist sauber vorkonfiguriert. Bei Thunderbird genügt meist die Eingabe von Mail Adresse und Passwort; den Rest findet das Programm selbst heraus! Aber gerade Thunderbird habe ich durch ein anderes Programm ersetzt. Der Mail Client aus dem Hause Mozilla ist ein Alleskönner, vielleicht sind gerade deswegen einfache Einstellungen und Funktionen manchmal nicht leicht zu finden. Also wechselte ich zu dem Mail Client, den ich auch in den letzten Jahren verwendete: mutt. mutt ist ein Kommandozeilenprogramm. Klein, flink und sehr übersichtlich! Einzige Hürde: Alles muss mithilfe einer Konfigurationsdatei eingestellt werden. Hat man etwas Geduld und ist bereit, einen oder zwei «Howtos» zu lesen, ist dies dennoch keine wirkliche Hürde. Also keine Angst, Konfigurationsdateien beissen nicht!

Monospace und Consolas als Terminal Schrift
Und den Webbrowser Firefox habe ich gegen Googles Chrome getauscht. Nach dem ersten Start sahen einige Schriften etwas wacklig aus. Ohnen Nachbessern bei den Schrifteinstellungen ging es also nicht. Ich habe die Standardschriften einfach auf «Sans», «Serif» und «Monospace» umgestellt. Apropos Monospace, das ist eine schöne, nichtproportionale Schrift, die sich hervorragend für das Terminal eignet. Ich habe aber auch noch Consolas von Microsoft nachinstalliert, diese Schrift sieht etwas leichter aus und ist in einigen Grössen für mein Empfinden besser lesbar.

Tools, die das Leben leichter machen
Das Auffinden von Programmen ist gut gelöst, die Tastenkombination Windows+A zeigt alle installierten Apps an, was häufig benötigt wird, kann per Drag-and-Drop an die App-Leiste gepinnt werden. Da ich lieber mit der Tastatur als mit der Maus arbeite, habe ich einige wichtige Programme und PWA’s (Progressive Web Apps) auf Tastenkürzel gelegt. Dazum muss man zuerst bei den Einstellungen die Rubrik «Geräte» wählen, dann die Option «Tastatur». Nun kann bestimmt werden, mit welcher Tastenkombination ein bestimmtes Programm aufgerufen wird. Ich verwende beispielsweise Windows+h um GPaste aufzurufen, das ist eine praktische kleine Anwendung, mit der die Zwischenablage organisiert werden kann! GPaste generiert automatisch einen Verlauf aller Inhalte, die mit Copy/Ctrl+c kopiert wurden. Dann kann jeder der Einträge zum Einfügen wieder ausgewähltz werden. GPaste ist eines der nützlichsten Tools, das ich kenne! 

Alles in allem: Nach wenigen Stunden war ich bereit und es funkionierte alles so, wie ich es mir wünschte. Zeit also, um sich wieder auf die weniger interessanten Dinge zu konzentrieren…

Warum Wearables an Bedeutung gewinnen werden

Smartwatches, aber auch ihre kleinen Brüder, die Fitness Tracker, dürften in den kommenden Jahren zulegen. Unter anderem deshalb, weil sie wesentlich mehr leisten werden als heute.

Vor wenigen Wochen war Google wieder einmal auf Einkaufstour und schnappte sich für 2.1 Milliarden Dollar Fitbit, einen der weltweit grössten Hersteller für Smartwatches und Fitness Tracker.  Google arbeitet schon seit einigen Jahren an einem Betriebssystem für Uhren, mit dem Erfolg hapert es aber noch! Und so ist es verständlich, dass Google tief in die Tasche gegriffen hat. Der Suchmaschinen Primus verfügt jetzt mit einem Schlag über alle Ressourcen, um im wachsenden Markt der «Wearables» (tragbare Geräte) erfolgreich mitmischen zu können. Google hat gegenwärtig wieder eine reale Chance, um mit Apple gleichziehen zu können; der IPhone Hersteller hat Google längst stehengelassen und dominiert den Markt der Smartwatches nach Belieben. Es dürfte aber noch einen anderen Grund geben, weshalb sich Google Fitbit einverleibt hat. Smartwatches werden in einigen Jahren vermutlich an Bedeutung gewinnen, eventuell sogar zu einem der wichtigsten Gadgets im Alltag werden.

Fitness Tracker: Fitbit Charge 3
Natürlich gehört er nicht hierher, sondern an das Handgelenk: Ein Fibit Charge 3 Tracker

Smartwatches kommen nicht vom Fleck…
Wir haben’s gehört! Bei vielen IT Konzernen sind Smartwaches etwa das, was beim Gemischtwarenhändler nicht so recht «gehen» will. Deshalb liegt es prominent in der Auslage – vielleicht kommen ja Kurzentschlossene vorbei, die dann spontan zugreifen. Vielleicht. Techblogs haben analysiert, weshalb die computergesteuerten Uhren am Handgelenk nur wenige Käufer finden. Deren Ergebnisse können an dieser Stelle kurz zusammengefasst werden: Erstens bringen Smartwatches keinen echten Mehrwert, sie sind eine Art Fernsteuerung für das Handy. Zweitens sind, resp. waren sie teuer. Und drittens müssen sie nach einem oder zwei Tagen aufgeladen werden, was keinen Spass macht, zumal man sie nachts für die Schlafanalyse nutzen möchte. Nun könnte man einwenden, dass Smartwatches inzwischen besser geworden sind und vielversprechende Verkaufszahlen vorgelegt werden können. Das stimmt, aber wirkliche Erfolge sehen anders aus!

…Und werden vom Fitness Tracker überholt!
Unterstützung bekam die Smartwatch vor wenigen Jahren von einer eher unerwarteten Seite: Von den Fitness Trackern, auch Activity Tracker genannt, hierzulande gerne auch als Fitness Armband bezeichnet! Der Grund dafür leuchtet ein: Fitness Tracker bieten vom ersten Moment an einen Mehrwert: Sie zählen die Schritte, berechnen die verbrannten Kalorien, messen den Puls und wissen am Morgen, ob wir gut geschlafen haben. Ferner haben sie den Smartwatches einige wichtige Funktionen abgekupfert: Benachrichtigungen vom Smartphone anzeigen, digitales Bezahlen und «Widgets», kleine Programme also, die den Funktionsumfang erweitern. Ausserdem sind Fitness Tracker günstig, sehr günstig sogar! Der Xiaomi Mi Band 4 beispielsweise kostet nur noch rund 40 Franken. Den Honor Band 5 ist auf Amazon sogar für weniger als 30 Franken zu haben. Und beide sind keine unzuverlässige Billigware, sie können spielend mit der deutlich teureren Konkurrenz mithalten.

Eine alte Weisheit bewährt sich
Im Team ist man stärker, diese Erkenntnis ist uralt. (Schon die Turmbauer in Babel kannten sie, wenn da nur die Sprache nicht gewesen wäre). Und sie bewährt sich auch bei den Smartwatches und Trackern. Vom Erfolg der Fitnessbänder beflügelt, legen die smarten Uhren zu. Sie profitieren von den Preissenkungen und von den Fitness Funktionen, die selbstverständlich geworden sind – zu Beginn waren sie es nicht! Es findet zudem eine Art Symbiose statt: Tracker haben heute Farbdisplays und wohl bald auch vollwertige Betriebssysteme wie Google’s Wear OS. Im Gegenzug werden Smartwatches leichter, sie verkraften ein Schwimmtraining und die Preise sinken; gute Smartwatches gibt es heute schon ab 150 Franken.

Wirklich «smart» müssen die Uhren noch werden
Nun aber zurück zu einer Eingangs aufgestellten Behauptung: Weshalb werden Smartwatches und ihre kleineren Brüder, die Fitness Tracker, bald an Einfluss gewinnen? Wer die Entwicklung der Smartphones der vergangenen Jahre beobachtet hat, kennt die Antwort im Grunde schon. Die Hersteller haben eine stagnative Phase erreicht. Das bedeutet, dass es zurzeit keine wirklich Aufsehen erregenden Entwicklungen gibt, wenn wir von den faltbaren Geräten absehen. Die Ingenieure verbessern die Kameras, feilen an der Software und zerbrechen sich den Kopf darüber, wie die Leistung des Akku in den immer dünner und leichter werdenden Geräten verbessert werden kann. 

KI am Handgelenk
Die Lösung des Problems? Man verlagere den Fokus vom Smartphone weg und hin zur  Smartwatch, die den Titel «Smart» (klug) eigentlich noch gar nicht verdient. Wie wäre es denn, wenn sie wesentlich mehr tut, als nur am Handgelenk zu hängen und den Puls zu messen? Die Uhr könnte auf Sprachkommandos und auf Gesten mit der Hand reagieren. Seien wir ehrlich: Jedesmal, wenn der Griff zum Handy ausbleiben kann, ist dies im Alltag ein Gewinn! Wenn die Uhr ständig am Handgelenk ist, dann könnte sie ja Informationen über unsere Gewohnheiten  sammeln: Aufstehzeit, Arbeitsweg, wiederkehrende Termine, etc. Es braucht dazu natürlich mehr Rechenleistung. Und KI Software, die anhand unserer Alltagsroutine folgerichtige Entscheidungen treffen kann. Wie dies aussehen könnte, ist schon heute beim «Ambiente Mode» des Google Assistenten zu sehen, der anhand der vergangenen Ereignisse Rückschlüsse zu ziehen versucht, was als nächstes kommen könnte.

16 Jahre @SolNet

Irgendwann an einem Herbsttag im Jahr 1994 setzte ich mich zusammen mit einem Arbeitskollegen vor den PC. Er hatte soeben einen Internetzugang bestellt, der Mosaic Browser war gestartet und wir gaben das erste Mal eine Webadresse ein: www.nasa.gov! Warum gerade die NASA? Weil wir uns für aktuelle Photos aus dem Weltraum interessierten! Doch die Enttäuschung folgte auf den Fuss, weil wir gute 30 Sekunden warten mussten, bis ein Bild endlich angezeigt wurde. Und es war kaum grösser als eine Briefmarke!

Höhere Geschwindigkeiten waren damals mit einem Modem kaum zu erzielen, 2400 Kilobits per Sekunde übertrug das Gerät, das wir verwendeten; wir gaben damals die Bandbreite noch in Baud an. Natürlich hatte der Wettlauf um die höchste Geschwindigkeit damals schon begonnen, Provider verbesserten die Bandbreite kontinuierlich, bis das Ende der Fahnenstange mit den sogenannten 56K Modems erreicht war. Und dann – noch vor der Jahrtausendwende – kam die DSL Technik. Mit DSL waren nicht nur deutlich höhere Bandbreiten möglich, die Verbindung war ständig verfügbar und hatte keinen Einfluss auf das Telefon, das bei einem aktiven 56K Modem gesperrt war!

Eine Webseite, die bis zur Anzeige 30 Sekunden oder noch mehr Zeit benötigt? Das wäre heute kaum mehr denkbar. Zurecht! Die meisten Internet Nutzer verfügen über eine hohe Bandbreite und erwarten, dass die angesurfte Seite sofort zu sehen ist. Die Toleranzgrenze liegt irgendwo zwischen einer und drei Sekunden. Auch Google mag es nicht, wenn eine Seite mehr Zeit benötigt. Webseiten, die bis zur vollständigen Anzeige mehr als fünf Sekunden einfordern, werden vom Suchmaschinenprimus abgestraft. Heisst: Sie bekommen ein schlechteres Ranking und werden bei der Anzeige der Suchergebnisse auf die hinteren Plätze verwiesen. Wir haben deshalb im vergangen Jahr einige Massnahmen eingeleitet, um die Antwortzeiten für Webseiten zu verbessern. Gerne will ich sie hier kurz vorstellen:

Inflate. Wir komprimieren alle Inhalte einer Seite, bevor sie zum Browser übertragen wird. Gerade bei mobilen Geräten kann dies zu einer spärbar besseren «Lieferzeit» führen, da Smartphones bei schlechtem Empfang die Übertragungsgeschwindigkeit drosseln müssen.
http/2. Von dieser Neuerung profitieren vor allem Seiten, die aus vielen Einzeldateien zusammengesetzt sind. Mit http/2 werden die Dateien zu Blöcken zusammengefasst und dann in einem Zug übertragen. Und es kommt noch besser: Da der Server weiss, welche Dateien gehören, kann er sie eigenständig mit dem «Push Verfahren» an den Browser senden.
php 7.2. Populäre CMS wie WordPress oder Joomla bieten mit der neuen PHP Version deutlich bessere Antwortzeiten! Heute bestehen CMS aus einigen 100’000 Zeilen Programmcode (wenn nicht mehr), je schneller diese Scripts abgearbeitet werden, desto besser!
https. Das verwenden der Verschlüsselung beim Übertragen verbessert zwar nicht die Antwortzeit, ist aber enorm wichtig! Die Verschlüsselung garantiert nicht nur, dass Dritte mitlesen, sie stellt auch sicher, dass die übertragenen Daten nicht verändert werden können. Wichtig zu wissen ist ferner, dass Google Seiten mit aktivem HTTPS im Suchindex bevorzugt.

Das Sirren, rauschen und piepsen der alten Akkustikkoppler und Faxmaschinen ist verstummt. Das Internet ist heute in jedem Moment da. So kann ich das Google Home hier auf dem Schreibtisch einfach nach dem Wetter oder einem Sportergebnis fragen. Die Antwort kommt prompt! Und seit wenigen Tagen kann das «Nähkästchen» sogar simultan übersetzen! Google Home mit dem Assistant, Amazon’s Echo mit Alexa und der Apple Homepod. Sie gehören in vielen Haushaltungen schon heute zur Grundausstattung und dürften im diesem Jahr für einige Überraschungen sorgen.

Ich arbeite nun 16 Jahre bei SolNet. An meinem ersten Arbeitstag waren Kunden mit analogem Internetzugang noch etwas Alltägliches, das Produkt «Dialup Internet» wurde auch im Jahr 2003 noch rege verkauft. Vor wenigen Jahren verabschiedete sich das Unternehmen von der Dialup-Technik.

WordPress 5: Für die Zukunft gerüstet

WordPress 5.0 ist seit kurzem verfügbar. Mit dem blockorientierten Editor «Gutenberg» will das populäre CMS zu modernen Webseiten-Generatoren aufschliessen.

Seit einer Woche ist sie nun also da, die neue Version 5.0 von WordPress, auch «Bebo» genannt. Wichtig zu wissen ist, dass dies nicht einfach eine weitere Version mit einigen neuen Funktionen ist. WordPress 5.0 (WP50) ist ein Meilenstein in der Geschichte des populären CMS (Content Management System), weil es mit einem komplett neuen Editor ausgeliefert wird. «Gutenberg», so heisst der Editor, arbeitet konsequent blockorientiert. Das bedeutet, dass jedes Element eines Beitrages, sei dies nun ein Absatz, ein Bild, eine Liste oder ein Zitat, als Block bearbeitet wird. Dies hat viele Vorteile: Blogbeiträge und Seiteninhalte sind somit strukturiert aufgebaut, es ist für die Entwickler wesentlich einfacher, auf das Design dieser Blocks Einfluss zu nehmen. Gutenberg lehnt sich ferner an die populären «Page Builder» an, das sind Erweiterungen, mit denen Seiten im Baukastenprinzip aufgebaut werden können.

Betrachten wir ein klassisches Beispiel: Es sind drei Texte nebeneinander zu platzieren. Im klassischen Editor muss dazu eine Tabelle erstellt werden, was keine Ideallösung ist. Denn spätestens auf kleinen Bildschirmen gibt es Darstellungsprobleme. Im Gutenberg Editor wird einfach ein Layoutelement Columns erstellt. Nun können die Texte in die freien Spalten eingefügt werden. Wie alle Blockelemente ist auch das Spaltenlayout responsive, es passt sich automatisch der Bildschirmgrösse an!

Blogger mögen den klassischen Editor
Was passiert mit dem klassischen Editor, der bisher zu WordPress gehörte? Er steht immer noch zur Verfügung, muss aber als Plugin nachinstalliert werden. Gerade Blogger sind es, die genau dies tun werden! Sie wollen einfach ihre Texte publizieren, hin und wieder mit Bild, seltener mit einem Youtube-Video. Mindestens einen grossen Vorteil hat der klassische Editor: Er funktioniert genau so wie eine Textverarbeitung. Gutenberg teilt den Text auf, aus jedem Absatz wird ein Block. Zwar haben die Gutenberg Entwickler alles getan, damit das Schreiben trotz der Blockstruktur flüssig von der Hand geht. Stolpersteine gibt es trotzdem noch! Das Umfliessen des Textes um ein Bild zum Beispiel.

Aufschliessen zu Jimdo, Weebly und Wix
Die treibende Kraft hinter WordPress ist das US Unternehmen Automaticc. Die Softwareschmiede hat in den letzten Wochen und Monaten enorm viel Energie investiert in die Fertigstellung der Version 5 mit Gutenberg. Aus gutem Grund: Das Unternehmen drohte von modernen Seitengeneratoren abgehängt zu werden. Die kommerzielle Version von WordPress, wordpress.com, drohte in Rückstand zu geraten. Mit Gutenberg und den neuen Themes hat Automaticc zwar noch nicht aufgeschlossen, aber einen entscheidenden Schritt gemacht.


Zugabe: 14 Jahre sorgloses Aktualisieren
Wer regelmässig mit CMS zu tun hat, kennt das leidige Problem: Eine neue Version steht zur Verfügung, die Aktualisierung der bestehenden Installation sorgt für Schwierigkeiten. WordPress bildet hier eine erfreuliche Ausnahme. In den allermeisten (!) Fällen genügt es, im Dashboard den Update-Button anzuklicken. Sogenannte Minor-Releases werden sogar automatisch installiert. Ich nutze WordPress seit Februar 2005. In all diesen Jahren hat es beim Update nie ein Problem gegeben! Nie? Doch einmal, als von der ISO Zeichenkodierung auf UTF-8 umgestellt wurde. Plötzlich wurden alle Umlaute als Sonderzeichen dargestellt. Noch am Tag des Updates veröffentlichte aber ein Entwickler ein Plugin, das dieses Problem schnell und sauber löste. Soviele Jahre sorgloses Aktualisieren, das ist eine softwaretechnische Meisterleistung!

WordPress: Streit um Gutenberg

WordPress ist mit Abstand das populärste Content Management System, mehr als 60% aller Webseiten, die auf einem CMS basieren, nutzen WordPress. Doch nun gibt es Streit um Gutenberg, den neuen Standard Editor. Dieser soll ab Version 5.0 zum Kern des Systems gehören. Nur wenige Anwender sind davon wirklich begeistert.

WordPress - Gutenberg EditorGutenberg: Jeder Abschnitt wird zum Block

Der Ton auf der Webseite des Gutenberg Projektes wird rauher: «Gutenberg hat meine Webseite zerstört», schreibt ein erboster Anwender in seiner Rezension. Ein anderer Tester findet den Blockeditor schrecklich und fordert wie hunderte andere, ihn nicht zum Standard zu machen: «Niemand hat darum gebeten, wir wollen es nicht. Niemand will es!» Zahlreiche Rezensionen mussten bisher von den Moderatoren gelöscht werden, weil der Tonfall nicht mehr angemessen war. Rund jede dritte Wortmeldung empfiehlt, Gutenberg weiterhin als Plugin anzubieten.

Blöcke ecken an
Was ist passiert? Die WordPress Entwickler arbeiten schon seit rund zwei Jahren an Gutenberg, einem vollkommen neuen Editor für Blog-Beiträge und Webseiten. Im Gegensatz zum bisherigen klassischen Editor folgt Gutenberg konsequent einem blockorientierten Paradigma. Jeder Absatz, jedes Bild und jede Aufzählung werden in einem eigenen Block gespeichert. Gerade bei Webseiten hat dies viele Vorteile, weil das Layout der einzelnen Seitenteile einfacher beeinflusst werden kann. Und die Idee ist ja nicht neu, viele «Page Builder« nutzen dasselbe Konzept. Aber: Was für den einen gut sein mag, gefällt dem anderen ganz und gar nicht. Besonders die Blogger, die einen einfachen und robusten Texteditor wünschen, laufen gegen Gutenberg Sturm. Denn damit wird der Schreibfluss zum Teil empfindlich gestört. Hier ein simples Beispiel:

Soll ein Bild in einen bestehenden Text eingefügt werden, musste im klassischen Editor nur der Cursor an die richtige Stelle gesetzt werden. Über die Medien-Schaltfläche wurde dann das Bild eingesetzt. Bei Gutenberg muss zuerst der Text in zwei Blöcke aufgeteilt werden. Dann wird eine neuer Bildblock dazwischen gesetzt. Wehe, das Bild steht an der falschen Stelle, dann wird der Bearbeitungsaufwand noch grösser. Ferner wird jeder (!) Absatz eines Beitrages automatisch in einem einzelnen Block gespeichert. Bei redigieren stolpert man dann immer wieder über die Blockgrenzen.

Gutenberg soll in Version 5 Standard werden
Auf der Plugin Seite gibt es bisher mehr als 800 Rezensionen. Viele davon wurden in der vergangenen Woche verfasst. Denn mit der Freigabe von WordPress 4.9.8 platzierten die Entwickler auf dem Dashboard einen prominenten Hinweis, der zum Testen von Gutenberg ermuntert. Ein einziger Klick installiert das Plugin und macht es zum Standardeditor. Seitdem hagelt es Kritik, der Rating-Durchschnitt ist auf 2.4 von maximal 5 Punkten abgesackt. So wie es aussieht, wollen die Verantwortlichen aber an ihrem Entscheid festhalten. Schon in der Version 5.0, die für September geplant ist, soll Gutenberg zum Kern von WordPress gehören. Wer den klassischen Editor weiterverwenden will, muss diesen als Plugin nachinstallieren und Gutenberg deaktivieren.

Noch ist es nicht soweit. Und es ist gut vorstellbar, dass das Team rund um Matt Mullenweg in diesem Moment etwas nervös ist. Erlebt doch die WordPress Community dieser Tage die schwerste Krise, die es in der 15-jährigen Geschichte bisher gab. Welche Optionen haben die Entscheidungsträger? Sie können einen Kompromiss wählen und beide Editoren, den klassischen und Gutenberg zur Auswahl anbieten. Oder sie können einen Marschhalt anordnen, damit mehr Zeit bleibt, um Gutenberg zu verbessern, so wie viele besorgte Anwender es fordern. Oder sie können hart bleiben und an ihrem Entscheid festhalten. Hoffentlich wählen sie nicht diesen Weg, denn der könnte steinig werden.

Schreiben in der Wolke (Teil 5)

Dieser Abschnitt beginnt mit einer guten Nachricht: viele wichtige Funktionen in einer cloudbasierten Textverarbeitung unterscheiden sich kaum von den klassischen Konkurrenten. Im folgenden werden einige grundlegende Bedienelemente und deren Besonderheiten vorgestellt.

Teil 1: Einleitung und Rückblick
Teil 2: Konto erstellen und erste Schritte mit Google Docs
Teil 3: Sicherheit und Backup
Teil 4: Häufig gemachte Fehler
Teil 5: Grundlegende Funktionen
Teil 6: Versionsverwaltung

Text formatieren. Manche Formatierungsoptionen beziehen sich auf einzelne Zeichen oder auch Wörter. Zur Formatierung muss der gewünschte Abschnitt zuvor markiert werden. Das geht mit der Maus durch «Anstreichen» oder mit der Tastatur: Cursor vor das erste zu formatierende Zeichen setzen, dann die Shift-Taste gedrückt halten und den Cursor mit den Pfeiltasten zum letzten Zeichen bewegen. GDocs erlaubt das schnelle Markieren eines Wortes per Doppelklick. Sobald der gewünschte Text markiert ist, kann in der Symbolleiste die gewünschte Auszeichnung gewählt werden: Fett, kursiv, hochgestellt, etc.

Absätze formatieren. Ein Absatz ist der Text, der sich zwischen zwei Zeilenschaltungen befindet. Oder anders formuliert: Jedesmal, wenn Sie die Enter-Taste drücken, schliessen Sie einen Absatz ab und beginnen einen neuen. In GDocs werden Absätze dadurch kenntlich gemacht, dass der vertikale Zwischenraum etwas grösser ist als zwischen den einzelnen Zeilen innerhalb des Absatzes. Um einen einzelnen Absatz zu formatieren, genügt es, den Cursor irgendwo innerhalb des Absatzes zu platzieren. Dann wird die gewünschte Absatzformatierung gewählt: Zentrieren, Blocksatz, linker und rechter Einzug, oberer und unterer Abstand, etc. Sollen mehrere Absätze formatiert werden, müssen diese  markiert werden, so wie bei der Zeichenformatierung: Tipp: Dreimaliges Klicken (Triple Click) markiert alle Zeichen eines Absatzes. Um das ganze Dokument zu markieren gibt es eine praktische Tastenkombination: Ctrl+a.

Mehr Tempo mit Tastenkombinationen. Viele Funktionen zum Formatieren und Bearbeiten des Textes sind auch mit Hilfe von Tastenkombinationen abrufbar. Zum Beispiel Ctrl+b um Wörter fett zu formatieren oder Ctrl+Shift+e um einen Absatz zu zentrieren. Wer öfters schreibt, wird diese Kombinationen bald nicht mehr missen wollen, denn sie sparen viel Zeit (und Mauskilometer). Ein Liste mit allen Tastenkombinationen ist im Hilfe-Menu zu finden.

Worte zählen. Wieviele Worte und Zeichen enthält mein Text? Um dies herauszufinden, wählen Sie einfach die Option Wörter zählen im Menu Tools.

Bild einfügen. Die Regel «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» ist altbekannt – und wohl wahr, wenn sie im richtigen Mass zur Anwendung kommt. Denn Bilder können den Lesefluss auch stören, wenn sie ungeschickt platziert werden oder eine unpassende Grösse haben. Soll ein Bild in den Text einfliessen, können cloud-basierte Programme punkten, weil sie direkt auf Bild Ressourcen im Internet zugreifen können. Bei GDocs sind das zum Beispiel Google Photos oder Google Drive. Natürlich lassen sich Bilder auch ganz traditionell vom PC aus hochgeladen. Im Menu Einfügen > Bild ist alles zu finden, was zum Einbetten eines Bildes benötigt wird. Sobald das gewünschte Element im Text platziert ist, stehen einige grundlegende Funktionen zum Formatieren zur Verfügung. Leider können sich diese noch nicht dem messen, was Libre Office oder Microsoft’s Word zu bieten haben!

Ungestörtes Schreiben. GDocs hat einen Vollbildmodus mit im Gepäck, wird er im Menu Ansicht aktiviert, passiert folgendes: Alle Bedienelemente werden ausgeblendet, nur das Lineal bleibt sichtbar. Viele Benutzer schätzen Ansichten wie diese, da alles, was vom Schreiben ablenkt, unsichtbar gemacht wird. «Distraction free Writing» nennen die Amerikaner das! Wird nun noch die Funktionstaste F11 gedrückt, füllt der Chrome Browser den ganzen Bildschirm aus. Nur der zu bearbeitende Text ist noch zu sehen. Rückwärtsgang: Noch einmal F11, dann die Escape-Taste.

Rechtschreibprüfung. Hier gibt es keinerlei Überraschungen, alles funktioniert wie gewohnt. Wichtig ist nur, dass die Sprache im Dateimenu eingestellt wird, Schweiz Hochdeutsch zum Beispiel. GDocs unterstreicht alle Wörter, die es im Sprachenkatalog nicht finden kann, mit einer roten, gewellten Linie. Ein Rechtsklick auf das Wort öffnet ein Kontextmenu, das Korrekturvorschläge anzeigt. Der markierte Begriff kann auch in das persönliche Wörterbuch übernommen werden, gerade bei Eigennamen, Fremdwörtern und zusammengesetzten Begriffen ist dies praktisch. Haben Sie einen falsch geschriebenes Wort versehentlich übernommen? Kein Problem. Via Tools > Wörterbuch können sie dies korrigieren.

Schreiben in der Wolke (Teil 3)

Nach einer kurzen Einführung in Google Docs ist es angezeigt, einen kurze Pause für eine Zwischenbetrachtung zu machen. Es geht in diesem Einschub darum, wie Dokumente in der Cloud gespeichert werden und was dabei beachtet werden sollte.

Teil 1: Einleitung und Rückblick
Teil 2: Konto erstellen und erste Schritte mit Google Docs
Teil 3: Sicherheit und Backup
Teil 4: Häufig gemachte Fehler
Teil 5: Grundlegende Funktionen
Teil 6: Versionsverwaltung

Dokumente in der Cloud sind mehr als Dateien
Ich habe diesen Punkt bereits angesprochen. Dokumente, egal welcher Art, haben einige Eigenschaften, die man bei herkömmlichen Dateien auf der Festplatte oder auf einer Speicherkarte nicht findet. Wird ein GDocs Dokument etwa gelöscht, so verschwindet es nicht sofort, stattdessen wird es während einigen Wochen in einem Papierkorb abgelegt, bevor es endgültig verschwindet. Wer also etwas löscht, hat genügend Zeit, dies wieder rückgängig zu machen. Alle Google Cloud Dienste funktionieren so: Docs, Drive, GMail und Photos.

Wer eine Datei erstellt, ist automatisch deren Besitzer und hat alle Rechte (lesen, schreiben, löschen) für diese Datei. Das ist eine Selbstverständlichkeit und kaum der Erwähnung wert. Auch in der Cloud ist dies nicht anders. Es kommt indes ein wichtiger Aspekt hinzu. Der Besitzer kann jederzeit weitere Personen dazu einladen, ein Dokument oder auch einen ganzen Ordner einzusehen und zu verändern. Dank der Cloudtechnologie können somit mehrere Personen zeitgleich an ein und demselben Dokument arbeiten. Ohne sich gegenseitig Korrekturen zu überschreiben. Und alle Veränderungen werden automatisch protokolliert, niemand kann behaupten: «das war doch nicht ich!». Zudem gibt es eine Versionsverwaltung, so dass alle Veränderungen verfolgt werden können.

Halt, Datenschutz!
Wenn es darum geht, wichtige Dokumente in einer Cloud zu speichern, runzeln manche Zeitgenossen nachdenklich die Stirn. Sofort taucht die Frage nach der Sicherheit auf. Nun ist es tatsächlich so, dass vertrauliche oder sogar geheime Informationen so gespeichert sein müssen, dass ein Zugriff durch Dritte ausgeschlossen ist. Ein Wechseldatenträger der weggesperrt wird, ist eine wirksame Lösung. Oder wenigstens ein PC, der so konfiguriert wird, dass jede Datei stark vom Betriebssystem verschlüsselt wird. Ein Ausbau der Disk nützt also nichts, denn ohne Authentifizierung sind alle Informationen wertlos. Genau so funktionieren beispielsweise Chromebooks.

Natürlich ist in der Cloud gespeichertes Dokument nicht 100% sicher, 100% Sicherheit gibt es nicht! Wer seine Dokumente in der Cloud speichert, ist gute beraten, regelmässig Backups zu machen. Im Falle von Google Drive ist dies ohne grossen Aufwand möglich, ich werde darauf zurückkommen. Dasselbe gilt auch für Informationen auf der lokalen Disk. Wer nicht regelmässig Sicherungen macht, riskiert Datenverlust. Idealerweise werden gleich drei Backup-Sets erstellt und an verschiedenen Orten aufbewahrt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Daten auf der Disk und alle drei Backups verloren gehen, ist sehr klein!

Vorsicht vor der Festplatte
Wie steht es mit dem Schutz der Daten in der Cloud vor unerwünschtem Zugriff? Allzuoft fällt sofort das Stichwort «Datenkrake», wenn von Google die Rede ist. Tatsächlich scannt Google beispielsweise Mails nach Stichworten, um daraus auf den Benutzer zugeschnittene Werbung zu generieren. Aber das machen eigentlich alle (was die Sache zugegebenermassen nicht besser macht)! Dennoch kann keine Rede von «mitlesen» sein, so wie es zuweilen in Fachbeiträgen behauptet wird. Sind Dateien auf einer Festplatte besser geschützt vor Missbrauch? Keineswegs. Gemäss einer Kaspersky Analyse aus dem Jahr 2013 sind rund 5% aller Zuhause genutzten PC’s mit Malware infiziert. Und auf einem infizierten PC ist gar nichts mehr sicher! Es waren zahlreiche Viren im Umlauf, die gezielt Dateien zerstörten, wie etwa der Loveletter aus dem Jahr 2000. Ein aktueller Trend ist Ransomware (Erpresser Software), die Dateien verschlüsselt und diese erst dann wieder freigibt, wenn auf ein anonymes Konto Geld überwiesen wurde. Ein gutes Beispiel dafür ist die Schadsoftware «Bundespolizei» aus dem Jahr 2011. Gegen solche Angriffe sind Dateien in der Cloud besser geschützt.

Nicht erwähnt habe ich bisher die Störungsanfälligkeit von Festplatten, SD Karten und CD-ROM’s. Festplatten können schon nach wenigen Monaten ausfallen, nicht anders ist es bei USB Sticks. Und auch bei einer Compact Disk oder DVD muss nach spätesten 20 Jahren mit Lesefehlern gerechnet werden.

Google Takeout

Googles Takeout Service

Um Ihre Dateien in der Google Cloud zu sichern, gehen Sie wie folgt vor: 1. Öffnen Sie den Google Takeout Dienst. Möglicherweise müssen Sie sich beim Aufruf des Links noch einmal anmelden. 2. Klicken Sie auf die Schaltfläche [Nichts auswählen]. Nun können Sie selber bestimmen, was genau heruntergeladen wird, denn Google bietet hier so gut wie alles an, was von Ihnen als Nutzer gespeichert ist! 3. Geben Sie nun an, welche Daten abgeholt werden sollen, zum Beispiel Drive, Photos und Musik. Klicken Sie dann auf [Weiter].

4. Im letzten Schritt können Sie angeben, ob das Archiv in einzelne Dateien aufgeteilt werden soll, das ist praktisch, wenn die Dateien auf SD Karten mit gegebener Grösse kopiert werden müssen. Zudem können Sie festlegen, ob Sie eine Download Link per Mail erhalten wollen oder ob eine Speicherung bei einem anderen Dienst erfolgen soll, Dropbox oder Microsoft OneDrive.

Schreiben in der Wolke (Teil 2)

Sie benötigen eine Textverarbeitung, mit der Sie schnell und einfach Dokumente erfassen, organisieren und mit anderen Benutzern gemeinsam bearbeiten können? Dazu ist kein umfangreiches Office-Paket wie Microsoft Office oder LibreOffice erforderlich; alles was Sie benötigen ist ein Webbrowser. Im zweiten Teil dieser Artikelserie werde ich die cloudgestützte Textverarbeitung von Google vorstellen, Google Docs (im folgenden GDocs genannt), die Sie jederzeit und ohne Vorarbeiten nutzen können. Und kostenlos!

Teil 1: Einleitung und Rückblick
Teil 2: Konto erstellen und erste Schritte mit Google Docs
Teil 3: Sicherheit und Backup
Teil 4: Häufig gemachte Fehler
Teil 5: Grundlegende Funktionen
Teil 6: Versionsverwaltung

Das sind kurz zusammengefasst die Vorteile einer browserbasierten Textverarbeitung:

Es müssen keine Programme mehr installiert und gewartet werden, da dies der Anbieter übernimmt, jedesmal, wenn Sie das Programm via Browser aufrufen, haben Sie die aktuellste Version. Dies bedeutet ferner, dass Sie Ihre Texte auch dann in gewohnter Weise bearbeiten können, wenn Sie an einem fremden PC arbeiten. Es genügt, den Browser zu starten und sich einzuloggen. Es muss, wie in diesem Fall, auch nicht zwingend Googles Chrome sein, Firefox, Edge oder Safari sind mit GDocs kompatibel.
Dokumente sind überall zugänglich. Jedes Dokument wird in der Cloud gespeichert, also in einem geschützten Konto beim Anbieter, in diesem Fall Google. Egal, ob Sie am heimischen PC, mit dem Smartphone oder mit einem 10-Zoll Tablet arbeiten. Die Texte sind immer verfügbar.
Dokumente können geteilt werden. Wenn Dritte einen Text gegenlesen, ändern oder drucken sollen, entfällt das mühsame hin- und hersenden via E-Mail. Es genügt, die Teilnehmer einzuladen und ihnen lesenden oder schreibenden Zugriff zu geben. Auch ein gegenseitiges Überschreiben ist nicht möglich. Arbeiten zwei Personen am selben Text, können Sie jederzeit in Echtzeit sehen, was die anderen gerade tun.

Einzige Vorarbeit: Ein Google Konto erstellen
Bevor Sie GDocs nutzen können, müssen Sie ein Google Konto erstellen. Das ist in aller Regel eine Sache von wenigen Minuten – und wenn Sie ein Smartphone mit dem Betriebssystem Android Ihr Eigen nennen, entfällt dieser Schritt. Denn in diesem Fall haben Sie bereits ein Google Konto. Wenn Sie sich nicht mehr an den Namen erinnern, dann machen Sie folgendes: Wählen Sie auf Ihrem Smartphone die Einstellungen, dann die Rubrik «Google» und tippen Sie auf der folgenden Seite auf «Google Account». Nun wird Ihr Accountname angezeigt, zum Beispiel musterag@gmail.com. Dies ist der Login Name, den Sie auch zum Anmelden bei GDocs verwenden können. «Aber ich weiss das Passwort nicht mehr!» Auch das ist keine grosse Hürde, verwenden Sie einfach die Google Hilfe zum Wiederherstellen des Passwortes.

Wenn Sie noch kein Google Konto besitzen, verwenden Sie diesen Link, um Ihr eigenes zu erstellen. Tipp: Wenn Sie ein Smartphone besitzen, aktivieren Sie die Zweiweg-Authentifizierung. Ein Zugriff auf Ihr Konto durch Dritte ist dann faktisch unmöglich.

Google Docs oder Google Drive
Nun haben Sie Ihr Google Konto bereitgestellt und den Webbrowser gestartet. Als nächstes müssen Sie entscheiden, ob Sie GDocs direkt aufrufen oder via Google Drive nutzen wollen. Wo liegt der Unterschied? Wenn Sie Google Docs starten, können Sie sofort mit dem Schreiben beginnen: Die Option «Neu» wählen, einen Dokumentennamen vergeben und zack (wie es früher in einem Werbespot für den Canon Starwriter hiess). Jedesmal, wenn gDocs gestartet wird, werden die zuletzt genutzten Dokumente angezeigt, es ist hier aber nicht möglich, sie zu organisieren. Dazu muss Google Drive bemüht werden, damit werden alle Dateien verwaltet, die Sie in der Cloud gespeichert haben. Genau, Dateien! Mit Google Drive können Dokumente jedes beliebigen Typs verwaltet und auch hochgeladen werden. Und die Dateien können – analog einer Dateiverwaltung – in hierarchischen Ordnerstrukturen abgelegt werden, damit die Übersicht nicht verloren geht.

So erreichen Sie Google Docs und Google Drive:
Google Docs: docs.google.com
Google Drive: drive.google.com

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Starten Sie als erstes GDocs, indem Sie auf den ersten Link klicken. Möglicherweise sehen Sie nun eine freundliche Begrüssung, weil Sie Google Docs das erste Mal nutzen. Wenn Sie Lust haben klicken Sie nun auf «Tour starten» und lesen Sie die Hinweise zum Einstieg, der Aufwand beträgt kaum eine Minute! Hier werden Sie zudem mit den Android und iOS Apps von GDocs Bekanntschaft machen. Wenn Sie sich entscheiden, GDocs regelmässig zu nutzen, lohnt sich die Installation, da diese Apps auf dem Smartphone oder Tablet besser zu bedienen sind als die browserbasierte Anwendung. Wenn Sie die Einführung gelesen haben, bleibt auf dem Bildschirm eine leere Seite, oben sind ein Lineal, eine Symbolleiste zum Formatieren und ein Pulldown-Menu zu sehen. Also alles ganz klassisch! Und zu guter letzt am rechten oberen Rand der Seite ein freundlich blinkender Cursor:

Idealerweise geben Sie dem neuen Dokument zuerst einen Namen, klicken Sie dazu oben links auf den vorgegebenen Namen «Unbenanntes Dokument» und ändern Sie ihn. Und jetzt sind Sie bereit zum Loslegen! Ich möchte an dieser Stelle nicht auf alle Details von Google Docs eingehen, da die Software zu grossen Teilen gleich bedient werden kann wie Micrososft Word oder LibreOffice. Stattdessen möchte ich jetzt auf einige Spezialitäten eingehen, denen Sie bei der Arbeit begegnen werden:

  • Um das Speichern des Textes müssen Sie sich, wie schon angedeutet, nicht kümmern das erledigt GDocs automatisch und zwar in Echtzeit! Stromausfall? Kein Problem, starten Sie den Browser und machen Sie genau dort weiter, wo Sie aufgehört haben. Oben rechts können Sie dazu den Status sehen, meist steht dort «Alle Änderungen in Drive gespeichert».
  • Sie benötigen eine Kopie des Dokumentes im MS Word Format? Wählen Sie dazu im Dateimenu die Rubrik Herunterladen als > Microsoft Word (docx). Nun können Sie eine Word-Version auf der Festplatte speichern und dann weiterreichen. Falls Sie den Text per E-Mail versenden wollen, gibt es noch einen einfacheren Weg. Wählen Sie wiederum im Dateimenu Als E-Mail Anhang versenden. Darauf erscheint ein Dialog, in dem Sie den Empfänger, einen Betreff und eine Nachricht eingeben können. Bestimmen sie ferner, in welchem Format das Dokument versandt werden soll.
  • Wer sich auf einen Text konzentriert, möchte nicht gerne gestört werden. Lärm, ein klingelndes Handy oder ein Chef, der wissen will, wann der Bericht endlich fertig ist, sind in diesem Moment nicht wirklich hilfreich. Zu den prominenten Störfaktoren gehört, wie wir seit einigen Jahren wissen, auch ein Bildschirm, der mit Kontrollelementen und Fenster aller Art übersät ist. Sie können GDocs in einen Vollbildmodus versetzen, der alles ausblendet, was beim Tippen stört! Wählen Sie dazu aus dem Menu Ansehen die Option Vollbild. Zurück zum Normalmodus geht’s mit der Escape-Taste.
  • Sie wollen das Dokument drucken? Da wir uns im Webbrowser befinden, sieht der Druckdialog möglicherweise etwas anders aus, als gewohnt. sie können aber die Rubrik Über das System-Dialogfeld drucken wählen. Dann ist alles wieder beim Alten. Apropos, wenn Sie eine PDF Datei erstellen wollen, müssen Sie dazu nicht den Druckerdialog bemühen, Sei können den Text im PDF Format herunterladen oder per E-Mail versenden (siehe weiter oben).
  • Falls jetzt jedes zweite Wort unterstrichen wird, haben Sie ein Problem mit der Spracheinstellung. Öffnen Sie noch einmal das Dateimenu und wählen Sie die von Ihnen verwendete Sprache aus. Dann funktioniert die Anzeige der falsch geschriebenen Wörter wieder tipp-topp. Apropos Rechtschreibung: GDocs kennt auch die Eigenheiten der deutschen Sprache in der Schweiz, wählen Sie als Sprache also Schweizer Hochdeutsch, wenn Sie, wie ich, in der deutschen Schweiz leben. Alle Einstellungen zur Rechtschreibung finden Sie übrigens im Menu Tools.

Das wär’s für’s erste! Im dritten Teil werde ich auf einige weitere Spezialitäten von Google Docs zu sprechen kommen: Der Zugriff durch Gruppen, Versionsverwaltung und ein paar Funktionen, die Redakteure freuen.

Schreiben in der Wolke (Teil 1)

Wer heute einen Text erstellen will, kann dies schnell und unkompliziert im Webbrowser tun. Der grosse Vorteil dabei ist, dass Dokumente mit anderen Autoren geteilt werden können. Dieser mehrteilige Artikel gibt einen Einblick in die webbasierte Textverarbeitung von Google: Google Docs.

Teil 1: Einleitung und Rückblick
Teil 2: Konto erstellen und erste Schritte mit Google Docs
Teil 3: Sicherheit und Backup
Teil 4: Häufig gemachte Fehler
Teil 5: Grundlegende Funktionen
Teil 6: Versionsverwaltung

Bevor ich auf das Thema zu sprechen komme, möchte ich einen kurzen geschichtlichen Abriss der digitalen Textverarbeitung vorlegen. Ich muss hinzufügen: Einen aus persönlicher Sicht!

In den siebziger Jahren war noch von der computergestützten Textverarbeitung die Rede; und manch einer sprach dazumal vom «Textautomaten». Wirklich interessant für die breite Masse wurde das Schreiben am Computer jedoch erst ganz am Ende der siebziger Jahre und dann natürlich in den bunten «80ern», als Homecomputer und Software für jedermann erschwinglich wurden. Einer der Pioniere auf dem Gebiet war MicroPro. Das US-Unternehmen präsentierte 1978 WordStar, eine Textverarbeitung, die so erfolgreich werden sollte, dass sie bis heute, 40 Jahre später, Spuren hinterlassen hat! Aber eigentlich ist das sonderbar, denn WordStar kostete gemäss dem englischen Wikipedia satte 495 Dollar, für das Handbuch mussten noch einmal 40$ hingeblättert werden! Und – gelinde gesagt – ausgesprochen benutzerfreundlich war WordStar mit seinen kryptischen Tastaturkommandos definitiv nicht! Aber das spielte alles keine Rolle, das Programm wurde so populär, dass es in manchen Büros auch heute noch benutzt wird! Angeboten werden WordStar-Tastenkombinationen für Editoren wie Joe’s own Editor oder Emacs. Und dann gibt es noch WordTsar, einen Klon für Linux und Windows! Wie beim berühmten Vorbild ist der Bildschirm zweigeteilt, im oberen Bereich wird eine Hilfe für die aktuell gültigen Tastenkombinationen angezeigt und darunter wird der Text erfasst. Aprops, das Menu lässt sich ausblenden, wer es eingeschaltet liess, galt in manchen Kreisen als Warmduscher! Wer ein Profi sein wollte, musste alle (!) Shortcuts auswendig kennen.

WordTsarSieht aus wie das Vorbild: WordTsar mit dem File/Block Menu

An der Schwelle zu den 80er Jahren tauchte dann der von Apple belächelte IBM PC auf. Er war bereit um einen beispiellosen Siegeszug anzutreten und Apple die Spässe auszutreiben! Mit dem PC kamen die grossen, bürotauglichen Textverarbeitungen: WordPrefect, Word, DisplayWrite und wie sie alle hiessen. Sie wurde als Einzelprogramme verkauft oder – schon damals – mit weiteren «Office Paketen» angeboten. Microsoft beispielsweise schob Multiplan nach, eine umfangreiche Tabellenkalkulation. Das grosse Angebot an Software war ein Grund für den Erfolg des PC’s, der bis heute fortlebt. Ferner der modulare Aufbau, jeder konnte den Computer selber erweitern. Und, was nicht vergessen werden darf, der PC kam genau im richtigen Moment, weil er im Gegensatz zum Homecomputer ein professionelles Umfeld bot und trotzdem günstig war.

BASIC Programm für den C64 (Ausschnitt)

Für uns, die Besitzer eines Homecomputers, waren Programme wie WordStar indes kein Thema, weil weit ausserhalb der Reichweite! Sie waren teuer und wer wollte damals schon einen PC? Spielen und programmieren konnte man mit dem C64 oder dem Sinclair ZX Spectrum deutlich besser – und günstiger! Und wenn dann doch einmal eine Textverarbeitung für eine Schularbeit her musste, dann programmierten wir sie gleich selber! Mein erster Textprogramm bestand aus einigen hundert Zeilen BASIC und 6502-Assemblercode; viel konnte es nicht, aber immerhin: Einfaches editieren, speichern und drucken klappte einigermassen. Und ich war damit voll und ganz zufrieden. Warum Assembler? Weil auf einem 8-Bit Homecomputer mit 0.97Mhz Taktfrequenz ein BASIC Programm einfach zu langsam ist! Also wurden die zeitkritischen Funktionen in Assembler-Routinen gepackt und dann von einem BASIC-Programm mit dem SYS Statement aufgerufen.

Zu dieser Zeit kam auch VizaWrite 64 auf den Markt und verwandelte den Commodore 64 in eine schon fast professionelle Textmaschine. Plötzlich waren Blocksatz, Wortumbruch, Serienbrief und Kettendokument keine Fremdwörter mehr! Natürlich war auch VizaWrite zu Beginn für unser Budget massiv zu teuer, aber man wusste sich halt irgendwie zu helfen und konnte nach einem Besuch bei Gleichgesinnten sagen: «VizaWrite? Habe ich!» Was war so toll an dieser für heutige Verhältnisse minimalistischen Textverarbeitung? Vor allem, dass sie sehr schnell und ressourcenarm arbeitete. VizaWrite war komplett in Assembler programmiert und erlaubte das Erstellen mehrseitiger Dokumente! Der Editor war leicht zu bedienen und bot Blockoperationen. Nicht möglich war weiterhin das Einbinden von Bildern, das sollte ein paar Jahre später mit Printfox und mit geoWrite 64 möglich werden. Zur Erinnerung: Ein Commodore 64 war mit 64 Kilobyte (nicht Mega- oder Gigabyte) ausgerüstet, allderdings stand nicht der ganze Speicherbereich für eigene Programme zur Verfügung.

So vergingen die Jahre; noch immer stand im Keller ein C64, der nun doch langsam aber sicher zu altern begann. Auf dem PC lief mittlerweile Windows und da gehörte ab Windows 95 mit Wordpad eine nette kleine Textverarbeitung zum Lieferumfang. Den Markt der Textverarbeitung hat Microsoft ab den 90er Jahren fast nach belieben dominiert. Eigentlich traf man schon ab ca. 1993 keinen PC mehr an, auf dem nicht Word oder MS Office installiert war – ich fand das ausgesprochen langweilig! Womit aber schrieb der «kleine Mann», der einfach nur seine Privatkorrespondenz zügig erledigen wollte? Zum Beispiel mit Star Office, das für etwa 50-70 Franken zu haben war! Falls Ihnen dieser Name bekannt vorkommt, ist dies kein Wunder. Denn aus Star Office wurde später das freie OpenOffice.org Projekt. Und jetzt stand ein vollständiges Paket mit Text, Tabelle, Präsentation und Zeichnung für jedermann kostenlos zur Verfügung. Dies alles geschah im Jahr 2002. Und eigentlich bin ich damit bereits in der Gegenwart angekommen.

Von WordStar bis OpenOffice ist es ein weiter weg. Dennoch haben all diese Programme eines gemeinsam: Sie müssen, wenn sie kostenpflichtig sind, zuerst erworben werden. Es folgt ein Installationsprozess auf dem PC, erst dann kann die Software genutzt werden. Und alle Versionen sind dateizentriert: jedes Dokument, jede Tabelle und jede Vorlage wird als Datei gespeichert. Um ein Chaos zu vermeiden, werden Verzeichnisse angelegt, in denen die Dokumente nach Themen geordnet abgelegt werden. Für die Sicherung dieser Daten ist der Anwender selber verantwortlich.

Im zweiten Teil dieser Serie werde ich eine Textverarbeitung vorstellen, die ein anderes Paradigma verwendet, da sie im Webbrowser ausgeführt wird, das spart die Installation und das oft mühsame «upgraden». Texte werden in der Cloud gespeichert, so dass im Mittelpunkt nicht mehr die Datei steht, sondern der lesende und schreibende Zugriff, der mit anderen Anwendern geteilt werden kann.