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D Hanna het d Ängel ghöre singe

Kennit Dir d Hanna? Das isch e Frou wo vor meh als 2000 Jahr z’Jerusalem gläbt het. Viu Fröid, aber o viu Leid isch ihre im länge Läbe widerfahre. Wo si no jung isch gsi, isch ihre Ma gstorbe, u d Hanna het nie meh ghüratet. Wo het si Troscht u Geborgeheit i ihrem schwäre Läbe als Witwe gfunde? Bi Gott het die liebi Frou alles das übercho, wo si drum bittet het. U vo däm Momänt a het d Hanna mit Lyb u Seel für Gott u mit Gottes Liebi gläbt. Bäte im Tämpel, de Mönsche erzelle, was ihre alles Guets isch widerfahre, ganz eifach da si u d Gägewärt vo himmlische Wäse gspüre, das isch itz ihres ganze Glück gsi. 

Weihnachtsdekoration in Ranflüh

D Hanna het zum Himmel gluegt, ire länge Winternacht het am Himmel e Stärn glüchtet, häll und klar. E Stärn mit eme länge Schweif, wo itz grad über der Stadt glitzeret u gstrahlet het. U der Hannna isch es gsi, si ghöri Ängel singe. Nid eine oder es paar. Nei, e Chor us tuusig mal tuusig Ängel, u alli hei dervo gsunge, dass itz, grad i dere Nacht öppis grosses passiert: E Chünig isch gebore. Aber nid eine wie dä Herodes i sim Palascht. Nei, e Chünig wo d’Mönsche gärn het. Eine, wo alli Mönsche uf der Ärde mit Gott versöhnt. Es Chünigrich wo Glück u Fride schänkt u keis Ändi me het. A das alles het d Hanna fescht gloubt!

40 Tag speter isch im Tämpel z’Jerusalem öppis bsundrigs passiert: D Hanna het allne erzellt, dass hüt dä gross Chünig, wo alli uf ne warte, dass dä hüt i Tämpel chunt. Aber nid als Herrscher mit prächtige Gwänder und ere guldige Chrone uf em Chopf. Nei, als einfachs Chind, wo erscht wenigi Wuche alt isch. Wo d Hanna das erzellt het, het ihres Gsicht vor Fröid glüchtet! 84 Jahr alt isch si gsi, e Greisin mit wisse Haar, aber ihri Ouge hei gstrahlet u si klar gsi wie vor vilne Jahre, wo si no es Meitschi isch gsi. Im Tämpel het’s o Lüt gha wo villicht gmeint hei, dass das alte Froueli itz no wunderlig wird! Aber d Hanna het ganz genau gwüsst, wass si seit. Mit ihrem ganze Wäse het si uf Gott vertrout. U Gott het die tröi Seel treit, het ihre Flügel gschänkt,  so dass si ihm neecher het chönne si. U zum mit eigete Ouge, wass Gott für Plän het. 

Denn het d Hanna das Chind e Momänt uf de Arme dörfe ha, si isch glücklich u seelig gsi. U si het no einisch a die Nacht zrügg däicht, wo si der Stärn über Jerusalem het gseh. Ja, i dere Nacht isch das Ching gebore. 

O mir luege hüt i der heilige Nacht zum Stärnehimmel, so wie denn d’Hanna; u si voller Hoffnig. Wie schön wär doch das, we mir nume e chline Teil vo däm feschte Gloube hätte, wo d Hanna het gha. Gloube a ds Chind i der Chrippe, wo später gseit het, i bi ds Liecht vor Wält. D Hanna het gloubt, drum isch ihres Läbe voller Liecht gsi. Ds Liecht vom Schöpfer, aber o ds Liecht vom Stärn am Himmel het die Frou erfüllt. U so wird es o für üs Wiehnachte: Denn wenn mir a Stärn gloube und a d Botschaft, wo är üs bringt. Denn, wenn üses Härz wit offe isch für d Liebi vo Gott, wo üs möcht erfülle.

Der Tanz auf dem Zebrastreifen

Diese Geschichte liegt schon einige Jahre zurück, aber das muss ja kein Grund sein, sie jetzt nicht mehr zu erzählen! Es geschah in einem grossen Dorf im schönen Oberaargau. Ein Mann – leider weiss ich seinen Namen nicht, nennen wir ihn hier einfach Fredi – arbeitete dort in einer Werkstätte. Diese bietet Menschen mit geistigen Einschränkungen eine Ausbildung an und später auch einen Arbeitsplatz. Fredi war ein fröhlicher Mensch! Spontan ging er auf fremde Menschen zu, lachte herzlich und stellte sich wortreich vor. Er mochte es, wenn man ihm dann einen Witz erzählte! Und auch wenn er die Pointe nicht immer verstand, lachte er am Ende laut, applaudierte manchmal sogar.

Es gab etwas, das Fredi besonders Spass machte: Mitten im Dorf gab es einen Platz mit einem Brunnen und daneben einen Zebrastreifen, der über die meist stark befahrene Hauptstrasse führte. Fredi wartete, bis die Autos für ihn still standen und begann dann, den Fussgängerstreifen zu überqueren. Aber nur bis zur Mitte der Strasse! Dort angekommen winkte er den stehenden Autos mit beiden Händen und klatschte in die Hände. Er genoss die Aufmerksamkeit, die ihm dieses Verhalten bescherte sichtlich, lachte und drehte sich mit ausgebreiteten Armen um die eigene Achse. Natürlich waren nicht alle Autofahrer begeistert! Einige machten ihrem Ärger Luft, hupten oder begannen wild zu gestikulieren. Fredi aber, argslos wie er war, sah darin keine Unmutsäusserungen. Er winkte den wartenden Automobilisten noch einmal zu. Dann verliess er den Zebtrastreifen und gab die Fahrbahn wieder frei.

Wenn Sie Fredi einmal begegnen, machen Sie es wie er: Bleiben Sie locker und ärgern Sie sich nicht über all die kleinen Störungen und Verzögerungen, die uns im Alltag begegnen. Versuchen Sie zu lachen und warten Sie gelassen, bis es weitergeht.

E nöie Tag

No isch es e dunkli Nacht, keis Grüsch isch z’ghöre, d Feischteri vom späte Novämber lit über em Tal u über de verströite Egge, es isch chalt und scho itz guet z’gseh, dass ds erschte Liecht vom nöie Tag o uf silbrige Ryffe wird schiine. Är lit uf em farbige Loub am Bode, leit sich über d Escht vo de Tanne u glitzeret häll, wenn die erschte Sunnestrahle ihre Wäg dür e Näbel wärde finde. 

Aber no isch es feischter vor de Ouge; nume no e Momänt, u de isch unger em Morgestärn der erscht Liechtstreife z’gseh, vermischt i graublaue und blasse Farbe. No geng drückt d Nacht uf ds erschte Liecht, aber ds Liecht wird doch häller. E nöie Tag isch erwacht. U wär itz vor ds Huus steit, erläbt die gheimnisvolli  Stilli vo der späte Herbschtnacht. Erläbt, wie ds Liecht si Wäg i der Dunkelheit fingt. 

Es isch häll worde, d Nacht isch verby. Der Morgenäbel het sich vor d Sunne gleit, i der Färni vermischt är sich mit de Matte, wo no mit wissem Ryffe zuedeckt si; es isch, als ob’s zwüsche Himmel u Ärde e kei Gränze me git. U denn, we d Sunne doch stercher wird als der Näbel, we die letschte Näbelschwade sich e Platz ime ne änge Sytetal sueche, de erfüllt d Sunne d Wält mit ihrem guldige, warme Liecht. 

So vergeit der Tag, u nume wenigi Stunde nachdäm d Sunne am Zenith het gschine, chunt ds Dämmerliecht zrügg. Wider wott es ynachte, der Kreis schliesst sich.

Befreit vom Medienlärm

«Lies eine Tageszeitung, dann weisst Du Bescheid über das, was in der Welt passiert und kannst mitreden», diesen Rat gab mir einmal ein Freund. Und, das muss hier angefügt werden, es war ein guter Rat! Aber ich bekam ihn irgendwann um 1982, vor fast 40 Jahren! Das Internet gab es damals noch nicht und Zeitungen trennten noch scharf zwischen Bericht und Kommentar, oft gab es zudem aufwendig recherchierte Hintergrundberichte. Kurz: Die Lektüre einer Zeitung konnte sich lohnen. Ist das auch heute noch so? In den vergangenen Jahrzehnten hat sich medientechnisch vieles verändert; es ist deshalb nicht falsch, diese Frage neu zu stellen, zumal Zeitungen wesentlich stärker unter Druck stehen als damals. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Zahl der Abonennten geht teils dramatisch zurück, was zur Folge hat, dass es weniger Werbeeinnahmen durch Inserate gibt. «News» sind etwas, das überall und jederzeit verfügbar ist – und nichts kostet! «News» sind systematisch abgewertet worden.

Falscher «Point of View»
Um im Onlinegeschäft Werbeeinnahmen zu generieren, benötigen die Medienhäuser möglichst viele Klicks auf ihren Nachrichtenseiten. Das wird mit fetten Schlagzeilen erreicht, mit Meldungen über Meier und Müller, die sich vor Gericht streiten, mit News über Stars und Sternchen, mit Meldungen über Politiker, die angeblich wieder einmal etwas dummes gesagt haben! Fachleute verweisen bei den immer schneller getakteten Nachrichten gerne auf den Salienz-Effekt, dieser bezeichnet ein herausragendes Merkmal, das mehr Aufmerksamkeit erhält, als es eigentlich verdient! Das Problem daran: Das Wesentliche eines Vorfalles bleibt unerwähnt, langfristige Entwicklungen, historische Fakten oder wichtige Kausalzusammenhänge werden übersehen. Kurz: der Blickpunkt, von dem aus die Welt betrachtet wird, ist falsch, weil er das Grelle und Schrille betont!

Schalten Sie ab
Viele von uns kennen den berühmten Satz von Mark Twain: «Wenn du keine Zeitung liest, bist du uninformiert. Liest du die Zeitung, bist du falsch informiert.» Und nun folgt ein Experiment: Was geschieht, wenn wir mehrere Wochen vollständig auf Nachrichten verzichten? Das bedeutet: Keine Tageszeitung, keine Nachrichten im Fernseher und Radio und schon gar keine Online News, die erwiesenermassen die schlechteste Qualität haben. Die Antwort ist verblüffend: es passsiert – nichts nachteiliges! Wir wissen über die wesentlichen Geschehnisse trotzdem Bescheid, weil wir sie von Freunden, Verwandten und Arbeitskollegen vernehmen. Das soziale Umfeld wird gewissermassen zu einem Nachrichtenfilter, der alles aussiebt, was nicht wichtig ist. Und reduziert die Meldung auf den Kerninhalt: Maurer hat Trump besucht, Schweiz verliert Fussballspiel, Samsung stellt faltbares Smartphone vor.

Leser mögen nun einwenden, dass dies nur die dürren Gerippe der Nachrichten sind, was natürlich richtig ist! Hier ist der Punkt erreicht, an dem wir über die Relevanz der «News» für uns selbst entscheiden können: Ist es wirklich so wichtig zu wissen, dass ein Präsident irgendwo in der Welt abgewählt wurde, dass ein Sportler zurücktreten will oder dass Flugzeuge in Montral wegen dem schlechten Wetter stundenlang auf den Start warten mussten? Wenn etwas interessant erscheint, dann sei an dieser Stelle ein Hintergrundmagazin empfohlen, dass im Wochen- oder Monatstakt gut recherchierte Reportagen publiziert: Sachlich, politisch möglichst neutral und unaufgeregt. Das ist viel besser, als sich stündlich von dicken Schlagzeilen irritiren zu lassen.

Die versprochene Stille
Der Titel dieses Beitrages lautet «Befreit vom Medienlärm», daraus müsste doch folgern, dass es stiller wird. Und das wird es tatsächlich; jedenfalls ist dies die Erfahrung, die ich in den vergangenen zwei Monaten machen konnte. Ich habe bewusst auf Nachrichten jeglicher Art verzichtet und habe bis heute nicht den Eindruck, etwas wichtiges verpasst zu haben. Eigentlich gibt es nur postive Folgen: Ich habe wieder mehr Zeit für andere Dinge, wass nichts anderes bedeutet  als dass der Nachrichtenkonsum die Zeit raubt! Ferner – und dies scheint mir das wichtigste zu sein – ich fühle mich innerlich ruhiger und entspannter.  Medien-Nichtkonsum fördert die Gelassenheit. Warum? Ganz einfach: Haben sich sich nicht auch schon selbst dabei beobachtet, wie Sie sich über eine Schlagzeile geärgert haben? Und dies obwohl der Inhalt der Nachricht für Sie selbst vollkommen irrelavant war?

Mein Rat also: Schalten Sie ab, schauen Sie weg, hören Sie nicht hin und geniessen Sie die Stille, in der bekanntlich die Kraft liegt.

Mein Alphorn

Es war ein milder Frühlingsmorgen und auf dem Weg hinauf zur Egg legte ich hier und da eine Pause ein und blickte über das Land. Auch bei einem Apfelbaum, der in seiner schönsten Blütenpracht stand, hielt ich inne und staunte über das grosse Wunder, das oft im kleinen und unscheinbaren zu entdecken ist. Vom Wald her war das leise Rauschen des Windes in den Baumwipfeln zu hören, eine Biene machte Halt bei der Blüte eines Hahnenfusses und im Baum hüpften die flinken Spatzen auf und ab und sangen fröhlich ihr Lied!

Alphörner
Die Alphornbläser machen Pause, die Instrumente stehen aufgereiht an einem Zaun…

So gehe ich weiter und komme der Egg näher, auf deren höchstem Punkt eine alte Linde steht. Wer mag sie wohl gepflanzt haben, vor 300 oder gar vor 500 Jahren? Was mögen die Menschen gedacht haben, die sich im Schatten dieses schönen Baumes nach der harten Arbeit auf dem Acker ausgeruht haben? All ihr Glück und ihre Sorgen sind vergessen, so wie sich ein welkes Blatt im Herbst vom Baum löst und vom Wind davon getragen wird. Und doch ist etwas von ihnen hier geblieben!

Ich komme auf der Egg an und ruhe einen Moment aus, setze mich in das weiche Gras unter dem Baum und blicke zum blau leuchtenden Himmel. Im Licht der Sonne dehnt er sich von einem Horizont zum anderen, und weit darüber hinaus, bis in die Ewigkeit. Und wieder sind es die gefiederten Freunde, die mich begrüssen: Ti-witt, Ti-witt, so klingt es aus dem dichten, grünen Laubwerk. Wie gerne höre ich dem hellen Gesang zu, er beflügelt die Gedanken, lässt sie leicht werden wie eine Feder und trägt sie mit einem sanften Windhauch davon in die blauen Ferne dieses freundlichen Tages.

Und dann, dann stecke ich das Alphorn zusammen. Nun möchte ich nichts anderes, als alle diese schönen Erlebnisse mit Tönen wiedergeben. Das sind Alphornklänge, sie sind Ausdruck der inneren Freude an der Natur. Wenn das Alphorn klingt wie das Rauschen des Windes im Wald, wie das Singen der Amseln und Sperlinge, wie das Summen der Bienen auf der Wiese, dann klingt es schön!

Fünf Weisheitsbücher, kurz vorgestellt

Blumenbild

Die Geschichte soll sich vor etwa 2500 Jahren in Athen zugetragen haben: Ein Schüler hat sich einen ganzen Stapel mit Weisheitsbüchern gekauft und ist gerade dabei, diese nach Hause zu tragen. Ganz zufällig erblickt ihn dabei sein Philosophielehrer und ruft ihm lachend zu: «Es genügt nicht, viele Bücher zu besitzen. Du musst sie auch lesen, mein Junge!» Wir wissen nicht, ob diese Anekdote eine Fortsetzung hat, interessant an der kurzen Geschichte ist aber immerhin, dass schon im antiken Athen Weisheitsbücher ein begehrtes Gut waren! Und die Athener waren nicht die ersten, die ihre Lebensweisheiten niederschrieben. Das taten schon die Ägypter, gute 1000 Jahre früher! Auch im alten Testament finden wir Weisheitsbücher; die meisten von uns kennen die Sprüche Salomos und Kohelet, den Prediger Salomo. Etwas weniger bekannt, weil nicht in allen Übersetzungen zu finden, sind das Buch der Weisheit und Jesus Sirach. Viele sind zudem der Meinung, dass auch der Jakobusbrief hierhergehört.

Werden wir klüger, wenn wir Weisheitsbücher lesen? Nein, jedenfalls nicht bei einmaliger, flüchtiger Lektüre. Weisheit ist weit mehr, als sich Wissen anzueignen. Weisheit ist Wissen, Erfahrung und unsere eigene Haltung. Die Art und Weise also, wie wir unser Leben führen. Die hier vorgestellten Bücher liefern auch keine fertigen Rezepte. Das, was wir hier lesen, müssen wir letztendlich immer für uns selbst interpretieren. Wenn Epiktet beispielsweise sagt, «Erkenne dass deinige», oder «Schweige zumeist», dann besteht die erste Aufgabe darin, in Ruhe darüber nachdenken, wie wir solche guten Ratschläge gewinnbringend umsetzen können. Wir stehen damit vor einem Tor, über dem die wohl wichtigsten aller Lebensweisheiten eingraviert ist und die den Leser bei der Lektüre von Seite zu Seite begleiten sollte: «Erkenne dich selbst!» Selbsterkenntnis ist die Schule der Weisheit, sagt Baltasar Gracián. Was aber ist Selbsterkenntnis? Es ist unser unvoreingenommener Blick auf uns selbst!

Weisheit erfahren stellt eine wichtige Forderung an uns: Nachdenken! Und beim Nachdenken Vorurteile erkennen, die es zu überwinden gilt. Denn freies und folgerichtiges Denken erträgt keine Vorurteile. Und keine Ideologie, welche uns Denkschablonen aufzwingen will. Ideologie baut stets krumme und schiefe Modelle der Welt, die nicht verändert werden dürfen und die letztendlich an der Wirklichkeit zerschellen müssen!

Die Weisheitsbücher, die ich im folgenden kurz vorstellen möchte, haben mehrere Gemeinsamkeiten. Sie sind anschaulich und leicht verständlich. Ihre Lebensweisheiten sind alltagstauglich, sie sind also praktisch und sofort anwendbar! Und sie stammen alle aus früheren Jahrhunderten, keines ist ein Kind der Gegenwart. Dies ist nicht als Absage an zeitgenössische Literatur zu verstehen, es ist einfach nur das Ergebnis meiner persönlicher Vorlieben.

Epikur – Der philosophische Garten

Die Lehre des Epikur war (und ist) wohl eine der am meisten missverstandenen. Der Begriff «Lust» lässt sich eben ganz unterschiedlich interpretieren! Aber alles schön der Reihe nach. Epikur, der grosse Weise von der ägäischen Insel Samos lebte von ca. 341 bis 271 vor Christus. Der wissbegierige Grieche kam schon mit 18 Jahren nach Athen, das Zentrum der Gelehrsamkeit der damaligen Welt, eine Universitätsstadt wie es sie sonst nirgendwo gab!

Epikur muss schon damals viel über das Leben nachgedacht haben, denn schon im Jahr 306 kaufte er in Athen ein Grundstück und baute seinen philosophischen Garten. Dort pflegten er und seine Schüler, die Epikureer, ein stilles Leben: Gute Gespräche, bescheidenes Essen und die Wissenschaft standen im Zentrum des Lebens. Epikur lehrte: Lustvoll und damit glücklich leben kann man dann, wenn man sich von den Pflichten des Staates zurückzieht und im Kreis guter Freunde ein ruhiges Leben führt! Daraus wurde die Philosophie der Lust. Natürlich gab es Neider, die argwöhnten, er, Epikur, wolle sich nur vor der Verantwortung drücken! Und, monierten sie weiter, der Garten des Epikur sei zum Zentrum der Völlerei geworden. Nichts davon war wahr! Epikur lehrte ja gerade, dass auch das exklusivste und teuerste Mahl nicht mehr Lust bietet als Brot und Käse! Ja alles, was über die natürlichen Bedürfnisse hinaus gehe, sei von Übel, so der Samier. Epikur ist mit seiner Lehre erstaunlich zeitgemäss. Sie ist ein Plädoyer dafür, sich im Leben mit weniger zufrieden zu geben.

Epikur’s gesammelte Schriften sind heute in verschiedenen Verlagen erhältlich. Zum Beispiel bei dtv/Artmis, wo das Buch den Titel «Von der Überwindung der Furcht» trägt. Es enthält die gesammelten Texte des Meisters sowie einzelne Schriften seiner Schüler und Nachfolger. Der Insel Verlag hat ein Taschenbuch von und über Epikur unter einem sehr passenden Titel veröffentlicht: Philosophie der Freude!

Epiktet – Handbüchlein der Moral

Selbst aufgeschrieben hat Epiktet, der zwischen 50 und 130 in Rom und Nikopolis lebte, vermutlich keine Zeile. Dass seine Lehre zu unserem grossen Glück erhalten geblieben ist, verdanken wir seinem Schüler Arrian. In zwei philosophischen Büchern hat der Schriftsteller Epiktets Denken festgehalten. Unter ganz verschiedenen Titeln sind diese im Buchhandel heute erhältlich. Im Insel Verlag beispielsweise gibt es eine Ausgabe mit dem Titel «Wege zum glücklichen Handeln»; bei Diogenes heisst das kleine Werk «Handbüchlein der Moral». Auf der ersten Seite stehen Sätze, die das ganze folgende Buch prägen, es geht darum dass wir erkennen, was in unserer Macht steht. Und was nicht. Denken, Handeln, Meiden und Verlangen sind Dinge in uns, sie stehen in unserer Macht. Ganz anders sieht es bei unserem Körper, Besitz und Ansehen aus. Das sind Werte, die wir nicht oder bestenfalls indirekt kontrollieren können. «Und jetzt merke auf», fährt der antike Weise fort: Wenn Du das, was in deiner Macht steht mit dem verwechselst, was nicht in deiner Macht steht, dann wirst du unglücklich werden.

Epiktets Ratschläge sind geprägt von faszinierender Klarheit und Prägnanz. Wer sich fürchtet, dem rät Epiktet, genau zu betrachten, was ihm Furcht einflösst. Könnte es sein, dass wir uns nicht von der Sache selbst fürchten, sondern nur von Vorstellung davon? Wer Pläne macht, dem gib Epiktet den Rat, auch an die Probleme zu denken, die sich dem Vorhaben in den Weg stellen könnten! Der Menschenfreund Epiktet stand mitten im Leben, er war viele Jahre Sklave. Leid, Schmerz und Entbehrung waren ihm nicht fremd. Das ist spürbar! Aber auch die Zuversicht, dass wir, wenn auch nicht alles, so doch vieles, was unser Leben zum Besseren wenden kann, in unseren eigenen Händen halten!

Baltasar Graciàn – Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit

«Wer es gelesen oder auch nur darin geblättert hat, [wird] es besitzen wollen», sagte Arthur Schopenhauer, der das Buch der berühmten Spaniers im 19. Jahrhundert in die deutsche Sprache übersetzt hat. Seine Übersetzung ist so gut, dass bis heute keine neuere deutsche Fassung des «Oraculo manual y arte de prudencia» entstanden ist. Aber warum gerade Orakel? Diesen Begriff bringen wir heute eher mit einem Wahrsager in Verbindung und damit hat dieses überaus kluge Buch überhaupt nichts zu tun. Früher war ein Orakel eben auch ein Ratgeber! Ein weiser, dürfen wir anfügen. Baltasar Graciàn lebte von 1601 bis 1658, er war Schriftsteller, Professor und Jesuit.

Um ihn und sein Werk besser verstehen zu können, müssen wir uns in die höfische Gesellschaft des 17. Jahrhunderts in Spanien begeben. Hier entstand das Hand-Orakel, das aus 300 gesammelten Aphorismen zur klugen Lebensführung besteht. Das Buch richtete sich an eine gebildete und belesene Gesellschaft der Oberschicht. Dies darf aber nicht als Einschränkung verstanden werden, denn Graciàns Weisheiten sind letztendlich doch für alle Menschen von grossem Wert. Wenn der Jesuit beispielsweise sagt, dass behutsames Schweigen das Heiligtum der Klugheit sei, dann ist das universell und zeitlos gültig. Ebenso die Erkenntnis, dass alles Vortreffliche stets wenig und selten ist. Gracian wird aber auch zum geerdeten Praktiker, wenn er fordert, dass man stets mit Überlegung zu Werke gehen soll.

Graciàn war ein Mann von Welt, Höflichkeit, gutes Betragen und Freundschaft waren ihm wichtig: «Ein schönes Benehmen ist der Schmuck des Lebens.» Unzugänglichkeit hält Graciàn für einen Fehler, er warnt aber auch davor, sich bei anderen gemein zu machen. Und: «So sehr darf man nicht allen angehören, dass man nicht mehr sich selbst angehörte.»

Arthur Schopenhauer – Aphorismen zur Lebensweisheit

Der Philosoph aus Frankfurt darf mit Fug und recht als einer der grössten Denker der Menschheitsgeschichte bezeichnet werden. Sein schriftstellerisches Werk fasziniert seine Anhänger bis heute! Jede Kritik prallte an ihm ab wie ein Gummiball an einem ehernen Schild. Er war ein Sprachgenie und verfasste Traktate zur Stilistik, die auch heute noch gültig sind. Sogar seine äussere Erscheinung muss sehr beeindruckend gewesen sein!

Was können wir von Schopenhauer lernen? Natürlich ist da sein Hauptwerk, «Die Welt als Wille und Vorstellung» in zwei Bänden. In diesen erkenntnistheoretischen Büchern befasst sich der in Danzig geborene Genuis mit einer Lehre, die sich in einem kurzen Satz zusammenfassen lässt: Die Welt ist meine Vorstellung. Es soll nun aber hier von einem anderen Buch Schopenhauers die Rede sein, einem Spätwerk mit dem Titel «Aphorismen zur Lebensweisheit» Und das Buch hält, was der Titel verspricht. Schopenhauer schafft dabei gleich auch eine neue Gliederung: Von dem was einer ist, von dem was einer hat, von dem, was einer vorstellt. Besonderes Gewicht legt der Philosoph auf das, was wir sind. Ein heiteres Gemüt und ein fröhlicher Sinn betrachtet Schopenhauer als sehr wichtig. Deshalb rät er, alles zu tun, was zu unserer Heiterkeit beiträgt. Da wäre vor allem die Gesundheit, deren Blüte die Heiterkeit sei! Der Mann mit dem Backenbart rät sogar zu Diäten, kalten Bädern und zur Meidung von allem, was der Gesundheit abträglich ist.

Wer alles hat, ist trotzdem arm, wenn er an sich selbst nicht genug hat! Arthur Schopenhauer gewichtet unsere geistigen Fähigkeiten höher als alle anderen Güter. Wer einen wachen Geist und rege Gedanken hat, dem ist nie langweilig! Er hat auch weniger äussere Bedürfnisse, da er an sich selbst genug hat. Das klingt asketisch, war Schopenhauer bescheiden? Überhaupt nicht! Die Bescheidenheit erschien ihm immer irgendwie verdächtig, weil sie in seinen Ohren nach Gleichmacherei klang, im Geiste war Schopenhauer Aristokrat. Er war wohlhabend und schätzte dies, dank seinem Wohlstand konnte er sich voll und ganz der Philosophie widmen. Im Original tönt das so: «Ich glaube keineswegs etwas meiner Feder unwürdiges zu tun, indem ich hier die Sorge für Erhaltung des erworbenen und des ererbten Vermögens anempfehle.»

Die Aphorismen zur Lebensweisheit sind grossartig! Sie enthalten tiefsinniges, wie die Betrachtung der Lebensalter, aber auch ganz praktische Ratschläge für den Alltag. Wie etwa diesen hier: «Der Morgen ist die Jugend des Tages: Alles ist heiter, frisch und leicht: wir fühlen uns kräftig und haben alle unsere Fähigkeiten zu völliger Disposition. Man soll ihn nicht durch spätes Aufstehen verkürzen…»

Die Sprüche Salomos (Sprichwörter)

Im alten Testament finden wir eine Sammlung alter jüdischer Weisheiten, ungeordnet, teils sich wiederholend, in jedem Fall aber hochinteressant. Und alle Aspekte des Lebens kommen zur Sprache. Besonders beliebt ist der letzte Abschnitt, der die Tugenden der Frau lobt! Der wichtigste Spruch aber steht aber ganz am Beginn, im siebten Vers: «Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis.» Jakobus, der Bruder von Jesus, muss diesen Spruch gekannt haben. Denn in seinem Brief gibt er denjenigen, die nach Weisheit streben, diesen Rat: Bittet Gott darum, denn er gibt gerne! Nur eines darf man laut Jakobus nicht: Zweifeln.

Aber zurück zu den Sprüchen. Wer sie liest, sollte nicht zuviele  auf einmal vornehmen. Am meisten Gewinn dürften diejenigen haben, die regelmässig ein paar der Verse auf ein Blatt Papier schreiben und dieses im Verlauf eines Tages immer wieder hervorholen. Dann kann sich erfüllen, was die Sprüche prophezeien: «Weisheit wird in dein Herz eingehen, und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein. Besonnenheit wird dich bewahren, und Einsicht dich behüten.»

Verwendet Quellen: Epikur, Von der Überwindung der Furcht, dtv/Artemis. Epiktet, Handbüchlein der Moral, Diogenes Verlag. Baltasar Graciàn, Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit. Arthur Schopenhauer, Werke in fünf Bänden, Haffmans Ausgabe. Luther Bibel, Fassung von 1984.

Wiehnachtsgruess

I cha mi not guet dra erinnere, wie mir vor wenige Tage e schöne Wiehnachtsmärit bsuecht hei. Es het fein nach Öpfelpunsch u Glüehwy gschmöckt, ir Mitti vom Platz het es Füür inere schmidisige Schale brönnt,  Bsuecher hei die stiife Finger dran chönne werme. D Ständ si mit vil Liebi und Fantasie dekoriert gsy, mängs schöns Gschänkli het’s dert z’entdecke gäh: Feins Gebäck, Sache us Holz, Schmuck us Glas, wo im Liecht vom Füür farbig glüchtet het, sälber glismeti Händsche u Chappe, wo o am cheltischte Wintertag warm gäh. U no mängs, mängs meh! U de isch da ja no öppis: A Wiehnachtsmärit geit Alt u Jung ja nid nume zum kömerle. O d Stimmig, wo erfüllt isch vo der Fröid uf ds Wiehnachtsfescht, zieht Mönsch vo nah u färn a! I möcht itz aber no vo öppis angerem rede, nämlich vo dene Mönsche vo jedes Jahr vil Zyt häregäh zum das alles müglich z’mache. Mängs mues vorbereitet wärde, z Ufstelle vo de Ständ, ds Dekoriere, der Verchehr mues greglet wärde u d Bsuecher mit em Outo möchte gärn wüsse, won es no e freie Parkplatz het. Hinger all däm steckt e Huufe Arbeit! U wär im Advänt villicht lieber ir warme Stube wet blybe u es Cherzli aazünte, git si Zyt häre, hilft mit u steit mängi Stund am Märitstand oder i der Feschtwirtschaft. Das isch sehr asträngend! I möcht drum hüt all dene danke säge, wo sich Jahr um Jahr ehreamtlich für ne Wiehnachtsmärit engagiere. Dank Eurer Hilf dörfe mit eifach härecho, verwyle u gniesse. Danke!

Laterne am Weihnachtsmarkt
«…Am Wägrand lüchte Latärne»

U we de der Aabe chunt, de wird der Wiehnachtsmärit erfüllt mit Liecht, a jedem Stand het es e Liechterchetti, am Wägrand lüchte Latärne. Lampe, Cherzli u ds Füür spände Heiteri u Wermi uf em ganze Platz.

Wiehnachte isch es Sinnbild für ds Liecht. Scho i der heilige Nacht het e hälle Stärn am Himmel glüchtet, als Zeiche für alli Mönsche, dass Jesus isch uf d Ärde cho. «I bi ds Liecht vo der Wält», het Jesus zu sine Jünger gseit, «wär mit mir chunt, louft nid i der Fyschteri desume, nei, er het ds Liecht für ds Läbe.» (Joh. 8, 12 – Ds nöie Teschtamänt, bärndütsch). Gott isch Liecht, het si Jünger, der Johannes, i sim erschte Brief gseit.

I wünsche Euch es Wiehnachtsfescht wo erfüllt isch mit Liecht. Mit Liecht a de Cherze u Latärne wo üs iiladt zum e Ougeblick still z’sy und Bsinnig z’finde. Es Liecht wo d Familie im Advänt und am heilige Aabe zämebringt. I wünsche Euch offeni Türe für liebi Mönsche u es offnigs Härz für das Liecht, wo nie verlöscht.

Fröhlich sein mit Jesus

Jesus

Jesus Christus, gespielt von Brian Deacon, 1979. Quelle: jesus.ch

Schon im Titel des neuen Testaments klingt Freude an und dies zieht sich wie ein roter Faden durch alle 27 Bücher. Das griechische «Euangelion» – Evangelium kann mit «Frohe Botschaft» oder auch mit «Gute Nachricht» übersetzt werden. Das soll indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im neuen Testament um etwas sehr ernstes geht, um unsere persönliche Beziehung zu Gott. Aber in den Berichten der Evangelisten und in den Briefen leuchten immer wieder fröhliche und geistreiche Momente auf. Manchmal versteckt. Manchmal aber auch ganz offen und zuweilen sogar derb so wie im Brief des Paulus an die Galater.

Jesus hatte nichts gegen Feiern und fröhliches Beisammensein. Der Apostel Johannes erzählt, wie der Mann aus Nazareth an einer Hochzeitsfeier teilnahm und das Fest ganz offensichtlich genoss, denn als Maria ihm mitteilte, dass der Wein knapp wird, wurde er sofort aktiv. Hunderte Liter Wasser verwandelte er in Wein, der so süss und bekömmlich war, dass alle staunten! Oder begleiten wir Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger (Jesus wurde stets auch von mehreren Frauen begleitet, Lukas erwähnt einige von ihnen namentlich) an einem Abend, wenn sie irgendwo Rast machen und nach einem langen Tag die Abendruhe geniessen. Wir dürfen davon ausgehen, dass auch im Kreis um Jesus gesungen und musiziert wurde, dass Geschichten zu hören waren und dass es spannende Diskussionen mit pointierten Bemerkungen gab! Wer’s nicht glauben will, der besuche einfach ein jüdisches Volksfest!

Jesus ging immer wieder auf Freud und Leid im Menschenleben ein, er nahm Anteil an den Tränen der Bedrückten und tröstete sie: «Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen». Seine Predigten waren so spannend und lebendig, dass die Zuhörer nicht mehr nach Hause gehen wollten, denn sie bekamen zu hören, dass Gott alle Tränen der Menschen trocknen wird. Die Botschaft traf die Menschen mitten in ihr Herz, zumal bei Jesus alle eingeladen waren, auch Arme und Verstossene, niemand wurde zurückgewiesen. Das war neu, das schlug ein wie ein Blitz und trieb den Menschen Freudentränen in die Augen!

Schlagen Sie einmal das zweite Kapitel in der Apostelgeschichte auf, das ist das Kapitel, das vom Pfingstwunder berichtet: Die Apostel empfangen den heiligen Geist, über ihren Köpfen leuchten Flammen, dann gehen sie in die Stadt und reden zu den Fremden aus aller Welt in ihren Sprachen (es ist gerade Pessach, tausende Besucher als aller Welt weilen in der Stadt). Aber Einheimische verstanden diese fremden Sprachen nicht und behaupteten, die Apostel seien schlicht und einfach betrunken. Und Petrus erwies sich als schlagfertig: Nein, nicht betrunken, es ist ja erst neun Uhr am Morgen.

Wenn Paulus predigte, brachen die Zuhörer in Jubel aus. Besonders dann, wenn sie Heiden waren und das Angebot, Kinder Gottes zu werden, für sie völlig unerwartet kam. Lukas berichtet von so einem Erlebnis in der Apostelgeschichte, als Paulus in Antiochia in der Synagoge eine gewaltige Predigt hielt. Apropos Paulus, er war nicht nicht nur ein glänzender Theologe, der auch jederzeit die berühmten Schriftsteller seiner Zeit zitieren konnte. Paulus mochte auch Humor, etwa während seiner Gefangenschaft (!) in Cäsarea. Zu den anwesenden Herrschern sagte er während einem Verhör, dass er hoffe, dass sie zum Glauben an Jesus kommen und so würden wie er. Und fügte pointiert hinzu: «Natürlich ohne Handschellen!» Paulus schreckte auch von derben Sprüchen nicht zurück. Im Brief an die Galater gibt er all denjenigen, die sich beschneiden lassen wollen (und damit beweisen, dass die sie Botschaft der Gnade nicht verstanden haben) den Rat: «Lasst Euch doch gleich kastrieren!» Bleiben wir bei Paulus. Als er in Jerusalem verhaftet wurde, wandte er einen rhetorischen Kniff an, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Als Pharisäer wusste er, dass die Sadduzäer nicht an die Wiederauferstehung glauben. Deshalb kam er in Anwesenheit der Sadduzäer und zahlreicher Pharisäer auf dieses heisse Eisen zu sprechen – und hatte Erfolg. Denn nun gerieten sich die Vertreter der verschiedenen Glaubensrichtungen in die Haare! Und Paulus konnte sich in Sicherheit bringen!

«Freut euch!» Mehr als 20 Mal ist diese Aufmunterung allein im neuen Testament zu finden. Und wer kennt nicht den Vers aus dem 118. Psalm, der uns auffordert, jedem Tag etwas schönes abzugewinnen. Und etwas, das Menschen zum Lachen bringt: «Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; heute wollen wir fröhlich jubeln und unsere Freude haben.» (Neue Genfer Übersetzung). Jesus hat diesen Psalm sicher gekannt.

Die Sache mit der Engelsgeduld

Engel sind geduldige Wesen, das jedenfalls sagt es ein schönes deutsches Substantiv, das stets dann zu hören ist, wenn jemand einen aussergewöhnlichen Langmut beweist. Wer prophetisch redet, tut dies mit Engelszungen, wer schön singt hat eine Engelsstimme und – eben – wer nicht so schnell aus der Haut fährt, ist mit Engelsgeduld gesegnet!

Engel Gabriel und MariaEngel Gabriel erscheint Maria. Fra Angelico (1387 – 1455)

Nun gibt es in der Bibel ein Ereignis, bei dem der Engel Gabriel nicht besonders geduldig zu sein scheint. Es geschah, als er Zacharias im Tempel überraschte, als sich dieser anschickte, ein Räucheropfer darzubringen. Als der Erzengel ihm eröffnete, dass seine Frau schwanger wird, hatte Zacharias mehr als nur leise Zweifel, denn seine Frau Elisabeth war betagt und kinderlos. Als Zacharias dem Himmelswesen seine Bedenken erklärte, fackelte der Himmelsbote nicht lange. Er eröffnete dem fragenden Priester den göttlichen Plan und und strafte ihn dann wegen seines Unglaubens kurzentschlossen ab: «Du wirst verstummen und nicht reden können bis auf den Tag, da dies geschehen wird». Geduld geht anders!

Fairerweise müssen wir nun ein anderes Ereignis erwähnen, über das Lukas ein paar Verse später berichtet. Gabriel macht auch bei Maria einen Besuch. Was er ihr verkündet, klingt in den Ohren eines Rationalisten ziemlich unglaubwürdig! Und auch Maria ist nicht sofort überzeugt, als sie erfährt, dass sie ohne verheiratet zu sein schwanger werden soll. Heute würde man darin kein Problem sehen, aber damals war das noch etwas anderes! «Wie soll das geschehen?», fragte Maria den Geflügelten. Und diesmal bleibt Gabriel umgänglich. Er bringt den heiligen Geist ins Spiel und sagt etwas, was wir auch heute gerne glauben dürfen: «Alles ist möglich bei Gott!»

Warum diese Ungleichbehandlung, die heutzutage sofort eine Gleichstellungsbehörde auf den Plan rufen würde? Ganz einfach, Gabriel hatte bei Maria eine andere Erwartungshaltung als bei Zacharias. Zacharias war ein erfahrener Priester, der Theologie studiert hat. Gabriel setzte bei ihm so etwas wie einen spirituellen Scharfsinn voraus – und wurde offensichtlich enttäuscht! Und was er bei Zacharias vergeblich suchte, fand er bei Maria, denn sie reagierte geistesgegenwärtig: «Mir geschehe nach seinem Willen». Das heisst, dass sie Gabriel voll und ganz vertraute! Vertraut hat natürlich auch Zacharias, wer’s nicht glaubt, möge die Verse 21-23 desselben Kapitels lesen.

Engel haben Geduld – viel Geduld, diese brauchen sie dringend, wenn sie mit uns Menschen zu tun haben. Uns kann die Geschichte zudem noch folgendes mit auf den Weg geben: Gott hält sein Versprechen! Er hat es bei Zacharias getan, als er ihm die Sprache bei Johannes Geburt wieder schenkte. Und wenn wir ihm vertrauen, enttäuscht er auch uns nicht.

Schlechtes Wetter? Sei ein Bretone!

Februartage sind im Emmental ausgeprägte Wintertage, Regen und Schnee wechseln sich ab, die Temparatur kann auf minus zehn Grad sinken und aus dem Tauwasser auf dem Dach können nach einem Temparatursturz über Nacht im Morgenlicht schimmernde Eiszapfen werden. Und wenn das Thermometer einige Tage deutlich über Null Grad stehen bleibt, sind hier und da schon die ersten Frühlingsboten zu sehen. Gerade hat es mehrere Tage zum Teil ausgiebig geregnet, so dass Unmutsäusserungen über das «gruusige» Wetter zu hören sind. «Jetzt dürfte es dann afe etwas wärmer werden», hat etwa ein Reisender im Zug zwischen Burgdorf und Kirchberg launisch kommentiert.

Wenn es um das schlechte Wetter geht, könnten wir sehr viel von den Bretonen lernen. Von den Bewohnern der im Nordwesten von Frankreich gelegenen Bretagne also. Einfach deshalb, weil die Bretonen Profis sind, wenn es um schlechtes Wetter geht, denn davon haben sie mehr als genug. Gerade dann, wenn sie in küstennahen Gebieten leben. Das bretonische Wetter kann innerhalb kürzester Zeit von sonnig und warm in Sturm und Starkregen umschlagen – niemand wundert sich. Im Gegenteil. Fragt man die Bretonen nach dem Wetter, so antworten sie mit einem Grinsen im Gesicht: Das Wetter ist schön, mehrmals am Tage. Bretoninnen erklären, dass sie zwei Dinge nicht ändern können: Das Wetter und ihre Männer! Und in einem Tourismusbüro habe ich folgenden Ratschlag aufgeschnappt: Sie wollen Ferien in der Bretagne machen? Dann vergessen Sie die Pellerine und die Gummistiefel nicht. Apropos Tourismusbüro: Die «Tourist Info» sind in der Bretagne omnipräsent, sogar kleine Ortschaften können damit aufwarten. Und Besucher werden dort stets freundlich und kompetent beraten.

BretagneWilde Bretagne. Die Aufnahme entstand auf der Île Grande im Sommer 2017.

Savoir-vivre in der Bretagne heisst, nicht nur das Wetter mit einer Portion Gelassenheit und Humor zu nehmen. Das sollte man sich auch dann gut merken, wenn man in Locquirec oder Paimpol Badeferien machen will. Mit anderen Worten also: Baden im Atlantik. Da kann es gut passieren, dass der im Baedeker abgebildete Badestrand einfach verschwunden ist. Des Rätsels Lösung: Ebbe und Flut können in dieser Region einen Höhenunterschied von bis zu sieben Metern haben. Statt Meer und Sand ist also nur eine weite, mit Algen überlagerte Ebene zu sehen! Und wenn das Wasser dann endlich zurück kommt, dann könnte es gut sein, dass es seine vertrauten Gefährten mitbringt: Wind und Regen. Auf die Einheimischen macht das, wie schon erwähnt, keinen Eindruck. Und auch nicht auf die Engländer und Schotten, die hier in grosser Zahl Ferien machen. Für die abgehärteten Insulaner bietet die Bretagne paradiesische Wetterverhältnisse.