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Die Sache mit der Engelsgeduld

Engel sind geduldige Wesen, das jedenfalls sagt es ein schönes deutsches Substantiv, das stets dann zu hören ist, wenn jemand einen aussergewöhnlichen Langmut beweist. Wer prophetisch redet, tut dies mit Engelszungen, wer schön singt hat eine Engelsstimme und – eben – wer nicht so schnell aus der Haut fährt, ist mit Engelsgeduld gesegnet!

Engel Gabriel und MariaEngel Gabriel erscheint Maria. Fra Angelico (1387 – 1455)

Nun gibt es in der Bibel ein Ereignis, bei dem der Engel Gabriel nicht besonders geduldig zu sein scheint. Es geschah, als er Zacharias im Tempel überraschte, als sich dieser anschickte, ein Räucheropfer darzubringen. Als der Erzengel ihm eröffnete, dass seine Frau schwanger wird, hatte Zacharias mehr als nur leise Zweifel, denn seine Frau Elisabeth war betagt und kinderlos. Als Zacharias dem Himmelswesen seine Bedenken erklärte, fackelte der Himmelsbote nicht lange. Er eröffnete dem fragenden Priester den göttlichen Plan und und strafte ihn dann wegen seines Unglaubens kurzentschlossen ab: «Du wirst verstummen und nicht reden können bis auf den Tag, da dies geschehen wird». Geduld geht anders!

Fairerweise müssen wir nun ein anderes Ereignis erwähnen, über das Lukas ein paar Verse später berichtet. Gabriel macht auch bei Maria einen Besuch. Was er ihr verkündet, klingt in den Ohren eines Rationalisten ziemlich unglaubwürdig! Und auch Maria ist nicht sofort überzeugt, als sie erfährt, dass sie ohne verheiratet zu sein schwanger werden soll. Heute würde man darin kein Problem sehen, aber damals war das noch etwas anderes! «Wie soll das geschehen?», fragte Maria den Geflügelten. Und diesmal bleibt Gabriel umgänglich. Er bringt den heiligen Geist ins Spiel und sagt etwas, was wir auch heute gerne glauben dürfen: «Alles ist möglich bei Gott!»

Warum diese Ungleichbehandlung, die heutzutage sofort eine Gleichstellungsbehörde auf den Plan rufen würde? Ganz einfach, Gabriel hatte bei Maria eine andere Erwartungshaltung als bei Zacharias. Zacharias war ein erfahrener Priester, der Theologie studiert hat. Gabriel setzte bei ihm so etwas wie einen spirituellen Scharfsinn voraus – und wurde offensichtlich enttäuscht! Und was er bei Zacharias vergeblich suchte, fand er bei Maria, denn sie reagierte geistesgegenwärtig: «Mir geschehe nach seinem Willen». Das heisst, dass sie Gabriel voll und ganz vertraute! Vertraut hat natürlich auch Zacharias, wer’s nicht glaubt, möge die Verse 21-23 desselben Kapitels lesen.

Engel haben Geduld – viel Geduld, diese brauchen sie dringend, wenn sie mit uns Menschen zu tun haben. Uns kann die Geschichte zudem noch folgendes mit auf den Weg geben: Gott hält sein Versprechen! Er hat es bei Zacharias getan, als er ihm die Sprache bei Johannes Geburt wieder schenkte. Und wenn wir ihm vertrauen, enttäuscht er auch uns nicht.

Schlechtes Wetter? Sei ein Bretone!

Februartage sind im Emmental ausgeprägte Wintertage, Regen und Schnee wechseln sich ab, die Temparatur kann auf minus zehn Grad sinken und aus dem Tauwasser auf dem Dach können nach einem Temparatursturz über Nacht im Morgenlicht schimmernde Eiszapfen werden. Und wenn das Thermometer einige Tage deutlich über Null Grad stehen bleibt, sind hier und da schon die ersten Frühlingsboten zu sehen. Gerade hat es mehrere Tage zum Teil ausgiebig geregnet, so dass Unmutsäusserungen über das «gruusige» Wetter zu hören sind. «Jetzt dürfte es dann afe etwas wärmer werden», hat etwa ein Reisender im Zug zwischen Burgdorf und Kirchberg launisch kommentiert.

Wenn es um das schlechte Wetter geht, könnten wir sehr viel von den Bretonen lernen. Von den Bewohnern der im Nordwesten von Frankreich gelegenen Bretagne also. Einfach deshalb, weil die Bretonen Profis sind, wenn es um schlechtes Wetter geht, denn davon haben sie mehr als genug. Gerade dann, wenn sie in küstennahen Gebieten leben. Das bretonische Wetter kann innerhalb kürzester Zeit von sonnig und warm in Sturm und Starkregen umschlagen – niemand wundert sich. Im Gegenteil. Fragt man die Bretonen nach dem Wetter, so antworten sie mit einem Grinsen im Gesicht: Das Wetter ist schön, mehrmals am Tage. Bretoninnen erklären, dass sie zwei Dinge nicht ändern können: Das Wetter und ihre Männer! Und in einem Tourismusbüro habe ich folgenden Ratschlag aufgeschnappt: Sie wollen Ferien in der Bretagne machen? Dann vergessen Sie die Pellerine und die Gummistiefel nicht. Apropos Tourismusbüro: Die «Tourist Info» sind in der Bretagne omnipräsent, sogar kleine Ortschaften können damit aufwarten. Und Besucher werden dort stets freundlich und kompetent beraten.

BretagneWilde Bretagne. Die Aufnahme entstand auf der Île Grande im Sommer 2017.

Savoir-vivre in der Bretagne heisst, nicht nur das Wetter mit einer Portion Gelassenheit und Humor zu nehmen. Das sollte man sich auch dann gut merken, wenn man in Locquirec oder Paimpol Badeferien machen will. Mit anderen Worten also: Baden im Atlantik. Da kann es gut passieren, dass der im Baedeker abgebildete Badestrand einfach verschwunden ist. Des Rätsels Lösung: Ebbe und Flut können in dieser Region einen Höhenunterschied von bis zu sieben Metern haben. Statt Meer und Sand ist also nur eine weite, mit Algen überlagerte Ebene zu sehen! Und wenn das Wasser dann endlich zurück kommt, dann könnte es gut sein, dass es seine vertrauten Gefährten mitbringt: Wind und Regen. Auf die Einheimischen macht das, wie schon erwähnt, keinen Eindruck. Und auch nicht auf die Engländer und Schotten, die hier in grosser Zahl Ferien machen. Für die abgehärteten Insulaner bietet die Bretagne paradiesische Wetterverhältnisse.

Weihnachtsbotschaft ‒ eilen wir zur Krippe

Was für ein lebhaftes Treiben herrscht doch in diesen letzten Tagen vor Weihnachten in der Stadt. Auf den Strassen, unter den Lauben der Altstadt und in den Geschäften, überall eilen Menschen, die noch ein Weihnachtsgeschenk kaufen möchten. Eine Atempause verschaffen die Musiker der Heilsarmee mit ihren schönen Weihnachtsliedern in der belebten Fussgängerzone. Verheissungsvoll und feierlich klingen die Trompeten und Posaunen, die von Chorgesang begleitet werden. Viele bleiben einen Moment stehen, kommen zur Ruhe, hören hin und lassen die vertrauten Klänge, die sie schon aus ihrer Kindheit kennen, auf sich wirken. Doch schon im nächsten Moment stürzen sie sich wieder ins Getümmel…

Was macht Weihnachten aus? Sicher auch Geschenke. Denn schenken heisst, an die Beschenkten denken. Sich Zeit nehmen und fragen, was sie freut, was sie sich wünschen. Schenken können wir auch unsere Aufmerksamkeit, unsere Zuneigung, unsere Zeit.

Schon neigt sich der Stundenzeiger auf der alten Turmuhr nach unten, nun beginnen überall die Lichter zu brennen, die Stadt hüllt sich in einen weihnachtlichen Glanz, während die Schneeberge in der Ferne und der winterliche Himmel von der ersten Abenddämmerung verdunkelt werden. Auf den Gassen, an den Häusern und beim Weihnachtsmarkt vor dem Münster brennen nun unzählige Lichter und Kerzen. Viele Menschen haben bereits den Heimweg angetreten, sie haben etwas für ihre Liebsten gefunden. Andere sind immer noch in Eile. Eile? Waren nicht auch die Hirten in Eile, nachdem sie die gute Nachricht von den Himmelsboten vernahmen? Als ihnen ein von Glanz umgebener Engel die Geburt des Messias verkündete, machten sie sich rasch auf durch die Nacht, um das Neugeborene zu sehen. Eilig hatte es auch Maria, als sie erfuhr, dass Elisabeth schwanger war. Es sind Menschen mit offenen Herzen, denen wir in diesen biblischen Geschichten begegnen. Ein offenes Herz macht sie empfänglich für das Wirken Gottes, wohl deshalb wünschte sich der weise Salomo nichts anderes von Gott als ein hörendes Herz. So kommen wir Gott näher, und damit dem grössten Glück in unserem irdischen Leben.

Wohin eilen wir? Eilen wir so wie die bescheidenen Hirten der Krippe entgegen, während am Himmel der Stern leuchtet? Gott jedenfalls ist da. Er ist in der heiligen Nacht Mensch geworden. Und während die Hirten das neugeborene Kind bestaunten, das ihnen als Retter verheissen worden ist, trafen drei geheimnisvolle Sterndeuter beim Stall ein. Weise, Astronomen, einflussreiche Träger alten Wissens auf jeden Fall! Gewiss eilten auch sie, als ihnen der strahlende Stern den Weg wies. Wir eilen, doch welches ist der schnellste Weg zu Gott? Es ist Jesus, denn er hat gesagt, ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Er kam vom Himmel und wies uns den Weg in den Himmel.

Lasst uns eilen, zum Weihnachtsfest, zum Stall, zu Jesus, der als Kind in der Krippe in die Welt gekommen ist. Ich wünsche allen Besuchern meines Blogs ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest.

Es schöns Erläbnis

E länge Arbeitstag isch z’Änd gange. I ha mi uf e Heiwäg gmacht u wiu’s grad e schöne u sunnige Herbschttag isch gsi, han i e Umwäg übere Ramisbärg gmacht. Dert, am Waldrand gseht me wyt i ds Land, übere Schache, über d Dörfer und zringsetum d Egge, wo der blau Himmel berüehre. U d Sunne het i däm Momänt die letschte, guldige Strahle über ds Ämmital gschickt, ds Wasser vor Ämme het glitzeret u der Himmel het sich rot gfärbt.

Drum han i a däm schöne Ort e Pouse gmacht, ha ds Alphorn zämegsetzt und es paar Tön i d Wyti gschickt. Denn es paar Stück us em Alphornbüechli u denn no öppis, wo mir grad i Sinn isch cho.

U denn, won i scho a ds Heigah däicht hat, isch vom Buurehof unger der Strass e Chinderstimm z’ghöre gsy: «Blib no chly!». Gseh han i niemmer, aber i ha i d Richtig vom Hof gwunke u denn no eis gspilt.

Das isch es schön Erläbnis gsy. E Sunneuntergang im Herbscht dörfe z’erläbe, z’erläbe wie dä Tag langsam aber doch sicher z’Änd geit, wie’s wott vernachte. Und öpper, wo a däm spontane Alphornkonzärt Fröid het gha!

Im Wald

Wer meinen Blog hin und wieder besucht, kennt vielleicht diese Vorliebe, die ich habe: Im Wald die Stille suchen. Dort, wo die Betriebsamkeit des Tages plötzlich in die Ferne rückt; dort, wo in den Ästen der Bäume unsere gefiederten Freunde singen; dort, wo es frisch nach Erde, Harz und Moos riecht; dort, wo es auch mitten an einem geschäftigen Arbeitstag ganz still bleibt.

Manchmal stelle ich mir vor, dass wir beim Eintreffen im Wald durch eine unsichtbare Türe gehen. Eine Pforte, durch die wir in eine andere Welt gelangen. In eine Welt, in der sich wilde Tiere wohlfühlen und in der alle willkommen sind. Im Wald berühren sich unsere Erfahrungswelt und eine Sphäre, die wir kaum beschreiben, aber fühlen und empfinden können. Der Wald hat seine eigene Zeit, er fragt nicht nach dem Gestern oder Morgen und sein Zeitenlauf ist stets harmonisch und schön!

Haben Sie heute noch nichts vor? Dann gehen Sie doch wieder einmal in einen Wald. In einen, den Sie vielleicht schon aus Ihrer Kindheit kennen. Oder in einen, in dem Sie noch nie zuvor waren. Und dann halten Sie inne und öffnen Sie alle Ihre Sinne für den Zauber des Waldes.

An der Schwelle zweier Epochen

Alte elektrische Schreibmaschine

Vor kurzem fand im Nachbardorf wieder der alljährliche Trödlermarkt statt. Und ja, ich war auch dabei! Nicht, weil ich etwas ganz bestimmtes kaufen wollte sondern mehr, weil es einfach Spass macht, an den Ständen vorbeizuschlendern und beim Betrachten all der vielen alten Sachen mit den Gedanken in die Vergangenheit zu schweifen. Das Angebot war auch dieses Jahr vielfältig und bunt: Alte Bücher, «Grossmuttergeschirr» mit Goldrand, Zinnzuber, Schulphotos aus den 1920er Jahren, schönes Leinentuch, Spielsachen von anno dazumal und tausend Dinge mehr. Kurz: es fehlte an nichts.

Zwischen zwei Ständen, da stand auf einem Holzstuhl eine alte elektrische Schreibmaschine, so wie sie ab den 70er Jahren in Büros üblich war. Ob die wohl noch funktioniert? Und ob sie im Zeitalter des Notebook und Tablet noch einen Käufer findet? Jedenfalls stand sie zwei Stunden vor Marktende immer noch da. Genau so wie die schönen analogen Kameras und der VHS Recorder aus den 80er Jahren. Sie alle sind Zeugen aus einer Zeit, in der analoge Technologie noch das Non plus ultra war, am Vorabend der Digitalisierung.

Wir Leben in einer Epoche, in der Analogtechnik Schritt für Schritt und mit endgültiger Konsequenz abgelöst wird. Die Kinder der Digitalisierung heissen Internet, Smartphone, E-Book und GPS Navigation. Und was wir hier erleben ist erst der frühe Beginn, so wie der Druck der ersten Schriften nach der Erfindung der Druckerpresse im 15. Jahrhundert. Die nächsten Technologien, die unser Leben so wie der Personal Computer oder das Internet verändern werden, sind am Horizont bereits zu erkennen: Autonom fahrende Autos, Lieferdrohnen, die einen bestellten Artikel in Stundenfrist liefern, virtuelle Realität und – irgendwann in naher Zukunft – freundliche Roboter für den Hausgebrauch.

Wir haben schon einiges davon selbst miterlebt. Etwa, als wir voller Spannung die erste CD in den soeben erworbenen CD Player einlegten. Und dann über die Tonqualität staunten! Kein Rauschen, kein Knistern, nichts – nur die reine Musik! Und dann das erste Mal den Homecomputer einschalteten und von einem freundlich blinkenden Cursor auf dem Bildschirm begrüsst wurden. «Nun mach mal was» war seine Botschaft, währenddem wir etwas ratlos im Handbuch blätterten… Und er schien noch etwas sagen zu wollen: Folge mir in die Zukunft!

Jesus und die Ewigkeit

Jesus Christus, gespielt von Brian Deacon, 1979. Quelle: jesus.ch

In idylischer Umgebung, auf einer Anhöhe über dem Dorf, steht die kleine Kirche von Rüegsbach. Umgeben ist sie von Fruchtbäumen, Gärten und alten Emmentaler Bauernhäusern. Wer die Eichentüre öffnet und das Gotteshaus betritt, entdeckt neben einer aus Stein gemeisselten Kanzel und einer gezimmerten Empore auch einen Spruch an der Wand, der aus dem Hebräerbrief stammt: «Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit» (Heb. 13,8). Diese Aussage hat etwas sehr tröstliches, denn sie bedeutet, dass Jesus sich nicht verändert; wir können uneingeschränkt auf das vertrauen, was er uns verspricht. Gerade in unserer Zeit der raschen Veränderungen schenkt die Zusage von Jesus Zuversicht und inneren Frieden, der in einer schnelllebigen Zeit so wichtig ist.

Jesus drückt sich an einer anderen Stelle im neuen Testament ganz unmissverständlich aus: «Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen» (Mk 13,31). Und weiter: «Wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht sehen in Ewigkeit». Damit ist nicht der irdische Tod gemeint, dem niemand entrinnen kann. Jesus weist auf die Zukunft jedes einzelnen Menschen hin. Wir sterben zwar, aber wenn wir an ihn glauben, dann werden wir zu einem ewigen Leben auferstehen. Auch zu Martha sagte er genau dies, als Martha, verzweifelt über den Tod ihres Bruders zu ihm kam: «Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben» (Joh. 11.25-26). Und dann folgt die Frage, die Jesus Martha stellt, mit der wir aber letztendlich alle gemeint sind: «Glaubst du das?».

Und da ist noch etwas, das von grosser Bedeutung ist, ich meine damit ein Wort das gerne im Text übersehen wird: Ewigkeit. Mehr als fünfzig Mal ist dieses Wort im neuen Testament zu finden (Luth.84). Und Paulus spricht es an mehreren Stellen doppelt aus: «Von Ewigkeit zu Ewigkeit». Wenn wir dieses Wort hören, denken wir gerne an etwas, das uns unendlich erscheint. Etwa in einer klaren Sommernacht der Sternenhimmel. Oder vielleicht an die hübsche Geschichte von einem Hirtenjungen der Gebrüder Grimm. Dieser wird von seinem König gefragt, wie viele Sekunden die Ewigkeit hat. Und der so antwortet: Stell Dir vor mein König, ein kleiner Vogel wetzt alle hundert Jahre einmal seinen Schnabel an einem Berg. Wenn der Berg dadurch abgetragen ist, dann ist die erste Sekunde der Ewigkeit vergangen.

Mit Beispielen und Vergleichen können wir uns ein Bild davon machen was Ewigkeit sein könnte. Mehr vermögen wir nicht. Jesus wusste es ganz genau, sonst hätte er nicht davon gesprochen. Und wenn nun bald Ostern kommt und wir uns an schön gedeckten Tischen zum Feiern versammeln, dann wäre doch der Moment gekommen, wieder an Jesus zu denken. Und daran, weshalb er starb. Er hat uns damit ein neues Leben geschenkt. Eines für die Ewigkeit.

E offeni Türe

Brennende KerzeD Wiehnachtszyt isch da, die heilige Nacht isch ganz nach zu üs Mönsche häre cho. Ds Fescht vo de letschte Tage vom Jahr, wo erfüllt isch mit so vilne Erinnerige. Es heisst o, dass i dere Zyt bsungeri Sache passiere, dass der Himmel u d Ärde sich berüehre. U dass d Ängel ganz nach bi üs Mönsche möchte sy. So wie denn z Betlehem uf der nächtliche Weid unger em Stärnehimmel, wo Ängel für d Hirte gsunge hei. «Heid kein Angscht» hei si zu de Hirte gseit, wo die vom Liecht u Glanz vo de himmlische Wäse si blängt gsy. Ängel u Mönsche si sich begägnet i dere Nacht voll Wunder, u dermit Wäse us zwene Wälte. D Hirte vo dere Wält, d Ängel vo däm Riich wo mir scho so vil dervo hei ghört, wo mir aber mit üsem Sinne u Dänke nie ganz chöi fasse. «Rabbi, säg, wie isch es dert?» hei d Apostel der Jesus meh als einisch gfragt.

Ganz töif uf em Grund vor Seel hei alli Mönsche e fiini, aber doch läbigi Ahnig vo dere verborgene Wält, wo o Jesus üs dervo erzellt het: «Heit Vertroue zu Gott u zu mir», het Jesus einisch gseit, «im Huus vo mim Vater git es vili Wohnige.» Jedem Mönsch isch e Funke vo dere ewige Heimat i ds Härz gleit, e Funke wo nie verglimmt u e Ahnig i üs am Läbe erhaltet. Am Tag, wenn Verpflichtige üsi ganzi Ufmerksamkeit i Aspruch näh. I der Nacht, wenn mir tröime. Der Funke lüchtet u wyst üs der Wäg derthi wo Jesus mit üs möcht zäme sy.

Mängisch isch es, als ob e Türe i die gheimnissvolli Wält e Spalt wyt ufgeit. Villicht grad denn, wenn mir angerne Mönsche chöi hälfe u ir Dankbarkeit es töifs Glücksgfüehl erfahre. Oder wenn mir e schöne Ort uf dere Wält entdecke, e Momänt still wärde u stuune ob all dere Pracht. U derby alles, was süsch um üse ume isch für ne Ougeblick vergässe. Oder wenn e liebe Mönsch üs i d Arme nimmt u seit: «I ha di gärn». Denn lüchtet öppis i üs wo der Blick uf die ewigi Heimat wyt u häll macht. «I ga vorus, zum Euch es Plätzli parat z’mache», het Jesus wyter gseit.

Werum isch sy üs grad itz ir Wiehnachtszyt so nach, die lichterfüllti Wält? Gwüss wil si üs a all die Gschicht us der Bible erinneret. A ds Liecht, d Hirte, e Heerschar vo Ängle u ds Chind i der Chrippe im Stall. U wil mängi schöni Erinnerig us der eigete Chinderzyt dermit uf e eigeti Art verwobe isch. U will Jesus zu üs Mönsche isch cho; är het kennt, was üs verborge isch.

I dene dunkle letschte Tage vom alte Jahr macht ds Hie u Itz e Schritt zrügg i Hingergrund. Macht Platz, dass üse Blick cha wyt wärde für ne angeri Wält.

General Guisan und die alte Röstiplatte

Am vergangenen Sonntag fand in Lauperswil der alljährliche «Chum u lueg» Märit statt. Früher hiess der Märit noch «Useputzete». Gekauft werden kann hier alles, wofür die Menschen zuhause keine Verwendung mehr haben: Altes Geschirr, Bücher die nicht mehr gelesen werden, Grossmutters Tischtücher aus Leinen, eine Schallplattensammlung, die zuhinterst im Schrank entdeckt wurde – und noch vieles mehr. Ein buntes und ungeordnetes Durcheinander, es macht Spass, an den rund 40 Marktständen vorbeizuschlendern um nach einer «Trouvaille» zu suchen.

guisan-lauperswil

An einem Markststand lag neben alten Tellern, Schüsseln und Röstiplatten ein Artefakt aus vergangener Zeit: Ein Teller mit dem Bild von General Henri Guisan. Wie mag der Gedenkteller durch all die Jahrzehnte hierhergekommen sein? Vielleicht hing er viele Jahre in einer gemütlichen Stube und erinnerte an die Aktivdienstzeit, die bis heute nicht vergessen ist. Oder er landete irgendwann auf einem Dachboden, weil ihm niemand mehr haben wollte – und kam nach erst bei einer Hausräumung wieder ans Tageslicht. Sicher ist nur eines: Der Teller selbst mag heute ein altes Andenken sein, für das sich nur noch Nostalgiker begeistern können. Nicht veraltet sind hingegen die Ideale, für die der beliebte General auch heute noch steht: Pflichtbewusstsein, Freiheit und die Liebe zur Heimat, die auch in schwierigen Zeiten keine Vorbehalte macht.

Siehe auch: Stille Zeitzeugen

Der Stärn vo Betlehem

Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. (Matth. 2,1-2 Luth. 84)

Scho als Chind het üs d Gschicht vom Stärn u de drei Chünige bsunders fasziniert. U jedes Jahr, wenn d Lehrerin bi der Wiehnachtsfiir vom Betlehem-Stärn erzellt het, de isch es ganz still worde im Schuelzimmer, adächtig hei mir zueglost. I üsne Gedanke hei mir die drei gheimnsvolle Manne gseh, wie si uf de Kamel gritte sy u d Ouge zum Himmel grichtet hei. Dert het e guldige Stärn der Himnel erlüchtet u de Stärndüter der Wäg zum Jesus-Chind gwise. D Lehrerein het sich i däm Momänt gwüss gwünscht, mir hätte meh als einisch im Jahr so guet zueglost wie a däm lang erwartete Tag!

Der Stärn vo Betlehem het üs dür d Wiehnachtszyt begleitet. Und i der heilge Nacht, wenn der Glanz vom Wiehnachtsboum d Stube erfüllt het, de het uf em Spitz vom Tanneböimli wider e guldige Stärn glitzeret. Nie wärs üs denn i Sinn cho a der Gschicht vom Stärn z’zwyfle. Ganz im Gägeteil, der Stärn vo Betlehem isch es gsy, wo am Himmel vo üsem Chinderläbe uufgange isch, u so wie är de drei Chünige der Wäg gwyse het, so isch der Stärn üs es heiligs Zeiche derfür gsy, dass d Wiehnachtszyt nümme färn isch. Wenn der Winter isch cho, de hei mir mängisch am Abe i die dunkli Nacht use gluegt, hei üs gfragt, wo ächt denn die drei Chünige dä Stärn entdeckt hei.

I de folgende Jahre, wo mir sy elter worde, isch de aber der Stärn verblasst. D Chinderzyt isch vergange u dermit o der chindlich Gloube. Wo sys si alli blibe, die Wunder? Der Gloube a Ängel u a Stärn am nächtliche Himmel vo Betlehem? I der Schuel isch erzellt worde, die Gschicht mit däm Stärn sig eifach erfunde, so e Stärn, wie-ne der Mätthäus beschribt, chönns gar nid gäh ha! Aber was hätt de der Matthäus vo settigne erfundene Gschichte gha? U wie steits de mit em Räschte vo sire guete Nachricht? U de hei mir erfahre, dass scho vor Jahrhunderte nach em Stärn isch gforscht worde. Me het agnoh, es sig e Komet gsy. Oder e Stärnekonjunktion, so wie se der Johannes Kepler scho vor 500 Jahr vermuetet het.

U wie steits mit de drei Chünige? Ohni Stärn hätt’s ja o die drei gheimnissvolle Manne us em färne Oschte nid gäh i der Gschicht! Wie hätte sy der Wäg ohni Stärn sölle finde? Mir wüsse nid vil über die drei vornähme Stärndüter. Es sy Astronome u weisi Manne gsy, Nachkomme us uralte Prieschtergschlächt vo Babylon. Si he gwüsst, dass e hälle Stärn am Himmel si Bahn wird zieh zum Zeiche, dass e grosse Chünig gebore isch. Mir dörfe dervo usgah, dass die Prophezeig wyt ume isch bekannt gsi, nid nume z’Judäa vo dennzumal. So hei die drei a nächtlich Himmel gluegt u der Stärn gsuecht. U denn, wo die erwarteti Erschynig am Himmel isch ufgange, hei si sich uf e läng Wäg nach Israel gmacht. «Wo isch der neu gebornig Chünig?» hei si gfragt, «mir hei si Stärn gseh!» Si hei a das gloubt, wo si i alte Schrifte gläse hei.

Wo isch der Stärn vo Betlehem hüt? Finge mir im Advänt no Zyt, zum a klar Nachthimmel z’luege, so wie die drei Chünige? Natürlich lüchtet dä Stärn, wo die drei Weise hei entdeckt hüt nümme. Aber villicht lüchtet der Stärn i üs sälber? Uf em Wäg dür d Nacht hei mir ds Stärnemeer beobachtet, grad so wie die drei Reisende vor langer Zyt. U was passiert, wenn mit i däm Momänt wei gloube, dass alles so passiert isch, wie mir’s scho als Chinder ghört hei? Mit em Gloube a Stärn wird die ganzi Wiehnachtsgschicht wahr. Wahr wird d Gschicht vom häll strahlende Himmelsbotschafter, wo de Hirte erschyne isch, der Chor vo de Ängel isch z’ghöre gsy u bi der Chrippe mit em Chind sy die drei Stärndüter gstande mit ihrne Gschänk: Gold, Weihrauch u Myrrhe. 30 Jahr später het der Jesus sälber gseit: «Gloubet a die guet Nachricht», är het üs iiglade, Gmeinschaft mit ihm z’ha. Am sym Himmelsrych, wo är jede Tag dervo erzellt het. Aber o a all däm, wo i der Chrischtnacht passiert isch.