Archiv des Autors: Benjamin Stocker

Schreiben in der Wolke (Teil 1)

Wer heute einen Text erstellen will, kann dies schnell und unkompliziert im Webbrowser tun. Der grosse Vorteil dabei ist, dass Dokumente mit anderen Autoren geteilt werden können. Dieser mehrteilige Artikel gibt einen Einblick in die webbasierte Textverarbeitung von Google: Google Docs.

Bevor ich auf das Thema zu sprechen komme, möchte ich einen kurzen geschichtlichen Abriss der digitalen Textverarbeitung vorlegen. Ich muss hinzufügen: Einen aus persönlicher Sicht!

In den siebziger Jahren war noch von der computergestützten Textverarbeitung die Rede; und manch einer sprach dazumal vom «Textautomaten». Wirklich interessant für die breite Masse wurde das Schreiben am Computer jedoch erst ganz am Ende der siebziger Jahre und dann natürlich in den bunten «80ern», als Homecomputer und Software für jedermann erschwinglich wurden. Einer der Pioniere auf dem Gebiet war MicroPro. Das US-Unternehmen präsentierte 1978 WordStar, eine Textverarbeitung, die so erfolgreich werden sollte, dass sie bis heute, 40 Jahre später, Spuren hinterlassen hat! Aber eigentlich ist das sonderbar, denn WordStar kostete gemäss dem englischen Wikipedia satte 495 Dollar, für das Handbuch mussten noch einmal 40$ hingeblättert werden! Und – gelinde gesagt – ausgesprochen benutzerfreundlich war WordStar mit seinen kryptischen Tastaturkommandos definitiv nicht! Aber das spielte alles keine Rolle, das Programm wurde so populär, dass es in manchen Büros auch heute noch benutzt wird! Angeboten werden WordStar-Tastenkombinationen für Editoren wie Joe’s own Editor oder Emacs. Und dann gibt es noch WordTsar, einen Klon für Linux und Windows! Wie beim berühmten Vorbild ist der Bildschirm zweigeteilt, im oberen Bereich wird eine Hilfe für die aktuell gültigen Tastenkombinationen angezeigt und darunter wird der Text erfasst. Aprops, das Menu lässt sich ausblenden, wer es eingeschaltet liess, galt in manchen Kreisen als Warmduscher! Wer ein Profi sein wollte, musste alle (!) Shortcuts auswendig kennen.

WordTsarSieht aus wie das Vorbild: WordTsar mit dem File/Block Menu

An der Schwelle zu den 80er Jahren tauchte dann der von Apple belächelte IBM PC auf. Er war bereit um einen beispiellosen Siegeszug anzutreten und Apple die Spässe auszutreiben! Mit dem PC kamen die grossen, bürotauglichen Textverarbeitungen: WordPrefect, Word, DisplayWrite und wie sie alle hiessen. Sie wurde als Einzelprogramme verkauft oder – schon damals – mit weiteren «Office Paketen» angeboten. Microsoft beispielsweise schob Multiplan nach, eine umfangreiche Tabellenkalkulation. Das grosse Angebot an Software war ein Grund für den Erfolg des PC’s, der bis heute fortlebt. Ferner der modulare Aufbau, jeder konnte den Computer selber erweitern. Und, was nicht vergessen werden darf, der PC kam genau im richtigen Moment, weil er im Gegensatz zum Homecomputer ein professionelles Umfeld bot und trotzdem günstig war.

BASIC Programm für den C64 (Ausschnitt)

Für uns, die Besitzer eines Homecomputers, waren Programme wie WordStar indes kein Thema, weil weit ausserhalb der Reichweite! Sie waren teuer und wer wollte damals schon einen PC? Spielen und programmieren konnte man mit dem C64 oder dem Sinclair ZX Spectrum deutlich besser – und günstiger! Und wenn dann doch einmal eine Textverarbeitung für eine Schularbeit her musste, dann programmierten wir sie gleich selber! Mein erster Textprogramm bestand aus einigen hundert Zeilen BASIC und 6502-Assemblercode; viel konnte es nicht, aber immerhin: Einfaches editieren, speichern und drucken klappte einigermassen. Und ich war damit voll und ganz zufrieden. Warum Assembler? Weil auf einem 8-Bit Homecomputer mit 0.97Mhz Taktfrequenz ein BASIC Programm einfach zu langsam ist! Also wurden die zeitkritischen Funktionen in Assembler-Routinen gepackt und dann von einem BASIC-Programm mit dem SYS Statement aufgerufen.

Zu dieser Zeit kam auch VizaWrite 64 auf den Markt und verwandelte den Commodore 64 in eine schon fast professionelle Textmaschine. Plötzlich waren Blocksatz, Wortumbruch, Serienbrief und Kettendokument keine Fremdwörter mehr! Natürlich war auch VizaWrite zu Beginn für unser Budget massiv zu teuer, aber man wusste sich halt irgendwie zu helfen und konnte nach einem Besuch bei Gleichgesinnten sagen: «VizaWrite? Habe ich!» Was war so toll an dieser für heutige Verhältnisse minimalistischen Textverarbeitung? Vor allem, dass sie sehr schnell und ressourcenarm arbeitete. VizaWrite war komplett in Assembler programmiert und erlaubte das Erstellen mehrseitiger Dokumente! Der Editor war leicht zu bedienen und bot Blockoperationen. Nicht möglich war weiterhin das Einbinden von Bildern, das sollte ein paar Jahre später mit Printfox und mit geoWrite 64 möglich werden.

So vergingen die Jahre; noch immer stand im Keller ein C64, der langsam aber sicher zu altern begann. Auf dem PC lief mittlerweile Windows und da gehörte ab Windows 95 mit Wordpad eine nette kleine Textverarbeitung dazu. Den Markt der Textverarbeitung hat Microsoft ab den 90er Jahren fast nach belieben dominiert. Eigentlich traf man schon ab ca. 1995 keinen PC mehr an, auf dem nicht Word oder Office installiert waren – ich fand das langweilig! Womit aber schrieb der «kleine Mann», der einfach nur seine Privatkorrespondenz zügig erledigen wollte? Zum Beispiel mit Star Office, das für weniger als 100 Franken zu haben war! Falls Ihnen dieser Name bekannt vorkommt, ist dies kein Wunder. Denn aus Star Office wurde später das freie OpenOffice.org Projekt. Und jetzt stand ein vollständiges Paket mit Text, Tabelle, Präsentation und Zeichnung jedermann kostenlos zur Verfügung. Dies alles geschah im Jahr 2002. Und eigentlich bin ich damit bereits in der Gegenwart angekommen.

Von WordStar bis OpenOffice ist es ein weiter weg. Dennoch haben all diese Programme eines gemeinsam: Sie müssen, wenn sie kostenpflichtig sind, zurst erworben werden. Es folgt ein Installationsprozess auf dem PC, erst dann kann die Software genutzt werden. Und alle Versionen sind dateizentriert, jedes Dokument, jede Tabelle und jede Vorlage wird als Datei gespeichert. Um ein Chaos zu vermeiden, werden Verzeichnisse angelegt, in denen die Dokumente nach Themen geordnet abgelegt werden. Für die Sicherung dieser Daten ist der Anwender selber verantwortlich.

Im zweiten Teil dieser Serie werde ich eine Textverarbeitung vorstellen, die ein anderes Paradigma verwendet, da sie im Webbrowser ausgeführt wird, das spart die Installation und das oft mühsame «upgraden». Texte werden in der Cloud gespeichert, so dass im Mittelpunlkt nicht mehr die Datei steht, sondern der lesende und schreibende Zugriff, der mit anderen Anwendern geteilt werden kann.

Berner Bauernhäuser einst und jetzt

Ich kann mich noch gut an das alte Hochstudhaus mit den kleinen Fenstern und der niedrigen Türe erinnern, das in unserem Dorf stand. Bewohnt wurde es von Gastarbeitern aus Süditalien, denen wir gerne Gesellschaft leisteten, weil sie viel Interessantes aus ihrer sonnigen Heimat am Mittelmeer zu erzählen wussten. Während der kalten Jahreszeit stand das Haus mit dem fast bis zum Boden reichenden Dach leer. Und wenn es im Frühjahr wieder bewohnt und belebt war, durften wir die ungenutzten Räume, den Keller, die Futtertenne und den grossen Heuboden unter dem Dach erkunden. Wir staunten über die engen Kammern mit tief liegender Diele, in unserem modernen Einfamilienhaus war ja alles ganz anders! Und wir gingen immer wieder gerne hin, denn das alte Haus übte eine geheimnissvolle Faszination auf uns aus. Wir liessen unserer Fantasie freien Lauf und rätselten darüber, was sich hier wohl schon alles zugetragen haben könnte. Und, das ist ein Eindruck der mir bis heute geblieben ist, wir fühlten uns wohl und geborgen hinter diesen alten Holzwänden, das mächtige Vollwalmdach breitete sich wie ein Schild schützend über uns aus.

Ein altes Haus verschwindet
Wie alt mag das Haus gewesen sein? Ich weiss es nicht mehr, denn der Hochstudbau wurde irgendwann abgerissen! Genau so wie einige weitere Hochstudhäuser in der Umgebung. Die Bausubstanz ermögliche es nicht, das Gebäude zu erhalten, hiess es zumeist, in trockenem Beamtenperfekt formuliert. Geblieben ist uns aber die Erinnerung. Und ein Gedanke von Seneca: Sei nicht traurig über das, was du verloren hast, freue dich über die Zeit, die du gehabt hast. Und über das, was dir geblieben ist. Oder von Epiktet: Sage nicht, dass Du es verloren hast, sag vielmehr: Ich habe es zurückgegeben.

Berner BauernhäuserFlückiger-Seiler, Roland: Berner Bauernhäuser

Bauernhaus, Spycher, Stöckli
Viele und gut strukturierte Informationen über Bauernhäuser im Kanton Bern gibt ein Buch aus dem Jahr 1988 von Roland Flückiger-Seiler. Das reich bebilderte Werk ist leider vergriffen. Das Exemplar, das hier auf dem Tisch liegt, stammt aus der Regionalbibliothek. Nach einem Überblick der verschiedenen Regionen des Kantons und der damit verbundenen architektonischen Eigenheiten geht der Verfasser auf die unterschiedlichen Haustypen und auf deren geschichtliche Entwicklung ein. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die markanten Steildacher erst ab dem späten 17. Jahrhundert kontinuierlich entstanden. Sie lösten die ursprünglich schwach geneigten Satteldächer ab, so wie sie bis heute im Berner Oberland anzutreffen sind. Charakteristisch für das Berner Bauernhaus ist das Dreiviertel-Walmdach mit Gehrschild; dem dreiecksförmigen Teilwalm an der Giebel- oder Schmalseite des Daches. Sehr schön dokumentiert der Band die verschiedenen Gebäude, die zu einem Bauernhof gehören. Da ist natürlich der Speicher («Spycher») zu nennen, der so angeordnet ist, dass er vom Wohnteil des Bauernhauses aus immer zu sehen ist. Aber dennoch im Falle eines Brandes genügend Abstand zum Hauptgebäude der Bauernsiedlung hat. Der Verlust des Spychers war verhängnisvoll, denn in diesem einbruchssicheren Gebäude befanden sich neben dem Getreide und den Wertsachen meist auch Urkunden und andere wichtige schriftliche Unterlagen.

Im Stöckli wurde gewohnt – und gearbeitet
Natürlich darf ein weiterer wichtiger Nebenbau nicht fehlen, gemeint ist das Stöckli, das als Baugattung eine typisch bernische Erscheinung sei, so dass dafür nur ein berndeutscher Ausdruck existiere, so Flückiger-Seiler. Es ist vielleicht das vielseitigste Gebäude der Siedlung, seine Geschichte beginnt mit dem alten Küherstöckli und endet im Hier und Jetzt, denn der Stöcklistil ist weit über das Bernbiet hinaus ein beliebter Haustyp geworden. Vielseitig auch deshalb, weil das Stöckli nicht nur als Wohnung diente, in ihm waren auch Werkstätten, weniger oft auch Käsereien untergebracht. Wie das Bauernhaus ist das Stöckli oft ein Ständer- oder Riegbau, so dass es sich harmonisch in die Häusergruppe einfügt. Auch dekorative Elemente wie die Ründi oder verzierte Lauben fehlen nicht.

Ornamentlos? Früher nicht!
Apropos Verzierungen: Unlängst hat ein Spezialist erklärt, dass wir in bezug auf die Architektur in einer ornamentlosen Zeit leben. Recht hat er! Wer’s nicht glaubt, gehe durch ein Wohnquartier mit Einfamilienhäuser, die nicht älter als 50 Jahre sind. Und sehe sich um!
Das war früher ganz anders, denn Verzierungen und dekorative Elemente bezeugten den Wohlstand und damit verbunden auch den sozialen Stand des Besitzers. Im Buch «Berner Bauernhäuser» sind zahlreiche Beispiele abgebildet und detailliert beschrieben. Und so staunt der Betrachter, wenn er vor dem Haus eines habligen Bauern aus dem späten 18. Jahrhundert steht: Farbige Fassaden, verzierte Büge und Balken, bunte Malereien an der Ründi und vieles mehr. Eine Augenweide bei vielen alten Häusern ist immer wieder die Unterseite der Ründi, die gerne als Himmel mit Sonne, Mond und Sternenmeer verschönert wurde.

Kartoffeln 2018

Das sind die Kartoffeln für dieses Jahr: Rote Emalie, Blaue St. Galler (beide Pro Specia Rara), Agata und die allseits bekannte Charlotte aus der Landi. Wenn alles gut geht und die Pflanzen gedeihen, kann im August geerntet und eine schöne Röstiplatte zubereitet werden. Das Foto zeigt eine Kartoffelblüte vom Sommer 2017.

Auf der Suche nach einer neuen Heimat

Was hat Menschen früher dazu getrieben, ihre Heimat zu verlassen und ihr Glück in der Fremde zu suchen? Mit einem fesselnden Vortrag gab Hans Minder detaillierte Antworten auf diese Frage.

Wer zurzeit eine Zeitung aufschlägt, kann regelmässig Berichte von der Zuwanderung in die Schweiz lesen. Gerne wird dabei vergessen, dass unsere Nation früher auch ein Auswanderungsland war. Von Aus- und Einwanderern früherer Zeiten berichtete am vergangene Mittwoch der Historiker Hans Minder in der Kirche in Biglen. Sein spannender Vortrag, den er in wie von ihm gewohnt bildhafter Sprache hielt, war ein Beitrag zum Zyklus «Heimatland! ‒ Hiesigs u Frömds». Organisiert werden die Vorträge zur Erwachsenenbildung von den Kirchgemeinden Biglen, Schlosswil-Oberhünigen und Walkringen.

Reformation richtete Zäune auf…
«Heimat, wie war das damals?», fragte Hans Minder zu Beginn und nahm die Zuhörer mit auf eine Zeitreise in die vorreformatorische Epoche. Man könne davon ausgehen, dass es im Mittelalter mehr Wanderbewegungen gegeben habe als heute, erklärte der Historiker, «von Russland bis Südspanien gab es eine Gelehrtensprache, das war lateinisch. Und an der Basler Universität lernten Studenten aus Saragossa und Riga». Doch dann sei die Reformation gekommen und habe Zäune aufgerichtet, «plötzlich konnte ein reformierter Emmentaler keine katholische Luzernerin mehr heiraten», fuhr Hans Minder fort. In dieser Zeit seien die Heimatorte entstanden, «ein Privileg, das es nur in der Schweiz und in Liechtenstein gibt». Grund für den amtlichen Bürgerort seien die Armen gewesen, die so in ihre Heimatkantone und zuletzt in die Gemeinden abgeschoben werden konnten.

…und bot Verfolgten Zuflucht
Hans Minder beleuchtete in der Folge verschiedene historische Einwanderungsbewegungen, etwa während der Gegenreformation: Reformierte Walliser oder Luzerner, die in ihrer katholischen Heimat unerwünscht waren, fanden im Kanton Bern Aufnahme. Und als der französische Sonnenkönig Ludwig XIV die Reformation verbot, immigrierten verfolgte Franzosen in den Jura und ins Waadtland. Unter ihnen waren die besten Uhrmacher der damaligen Zeit. «Es muss uns deshalb nicht erstaunen, dass eine bekannte Schweizer Uhrenmarke Huguenot heisst», resümierte Hans Minder! Viele Franzosen seien auch nach Brandenburg geflohen, der französische Einfluss sei bis heute erkennbar, zum Beispiel durch die Familiennamen de Maizière und Lafontaine.

Der Bauernhof ging an den Jüngsten
Auch Armut und Not zwang Menschen, die Schweiz zu verlassen. Hans Minder erwähnte in diesem Zusammenhang das Emmentaler Minorat Erbrecht, bei dem das Bauerngut ungeteilt an den jüngsten Sohn überging, die Geschwister hatten das Nachsehen, «ihnen blieb nur das Recht, unverheiratet als Magd oder Knecht auf dem Hof zu arbeiten», erläuterte Hans Minder, doch viele hätten einen andere Weg gewählt und ihr Glück woanders gesucht. Dies habe dazu geführt, dass Emmentaler als tüchtige Sennen und Küher in den umliegenden Regionen bekannt wurden.

Die Heimat für immer verlassen
Auf die Frage, was ihn beim Nachforschen besonders betroffen habe, erwähnte Hans Minder einen Aktenfund in Trachselwald. «Die Durchsicht der alten Dokumente macht eines deutlich: Es gab Zeiten, da ging es den Menschen hier sehr schlecht, die Armut muss katastrophal gewesen sein.» Die Ausführungen des Lauperswiler Geschichtsforschers liessen erahnen, wie es den Menschen zumute gewesen sein muss, die sich auf den Weg machten. Und wussten, dass sie ihre vertraute Umgebung und Heimat wohl nie wieder sehen werden.

Mein erstes Digitalphoto

Einr der ersten Photoapparate, mit dem ich unterwegs war, war eine einfache Ricoh Spiegelreflex Kamera. Dazu gehörten drei Objektive mit Festbrennweite, aber kein Blitz! Mann sollte diese Kamera indes nicht mit modernen SLR’s vergleichen, denn auf der Ricoh musste alles noch manuell eingestellt werden. Allem voran den Focus, automatisches Scharfstellen gab es noch nicht. Und dann war da die Sache mit der Belichtung: Eine Nadel im Sucher zeigte die Lichtmenge an und durch das Verstellen der Blende konnte die Belichtung geregelt werden. ISO Wert? Der musste bereits beim Kauf des Filmes bestimmt werden und galt dann natürlich für alle Bilder dieses Streifens! Wissen Sie, was das bedeutet? Wenn die Kamera endlich zur Aufnahme bereit ist, ist der Hirsch längst wieder im Gebüsch verschwunden!
Irgendwann gab die Kamera leider den Geist auf, eine Reparatur wäre zu teuer geworden – schade, denn ich hatte mich während zehn Jahren an das gute Stück gewöhnt. Dann erwarb ich meine erste Digitalkamera, was nur im ersten Moment wie ein Fortschritt klingt. Denn die Kodak DC25, so hiess sie, hatte keine Einstellungsmöglichkeiten. Mit dem Sucher das Sujet wählen, auslösen, fertig! Zudem hatte die Kamera einen internen Speicher von 2MG, je nach gewählter Auflösung konnten damit nur sechs oder zehn Photos gespeichert werden. Die technischen Daten sind auf der digicammuseum Seite zu finden.

Inkwilersee

Doch nun kommt der ganz grosse Vorteil dieses für damalige Zeiten fantastischen Gerätes: Nach der Aufnahme eines Photos wurde dieses sofort auf dem kleinen 1.6 Zoll Display angezeigt. Das war eine ganz neue Erfahrung, vorbei war es mit dem Warten auf die Entwicklung des Filmes und mit der lähmenden Ungewissheit, ob die Aufnahmen überhaupt gelungen waren! Wenn ein Bild nicht passte, konnte es sofort gelöscht werden. Die grosse Freiheit beim photographieren, da war sie endlich! Und zuhause angekommen konnten die Bilder mit einem seriellen (!) Kabel auf den PC übermittelt werden, es dauerte wegen der sequentiellen Übertragung eben ein paar Minuten. Dafür waren mit der mitgelieferten Software «Picture Easy» einige einfache Bildbearbeitungen möglich: Drehen und spiegeln. Die Photos wurden auf der Festplatte abgelegt, auf Diskette oder Stick kopiert und konnten im Fotofachgeschäft belichtet werden. Die Ergebnisse waren trotz der tiefen Auflösung gar nicht so übel.

Es war ein schöner und warmer Sommertag 1997, als ich eines der ersten Bilder mit dieser Kamera aufnahm, es zeigt den idyllischen Inkwilersee mit der kleinen Insel am rechten Bildrand. Die Bildqualität lässt einiges zu wünschen übrig und schon einige Jahre später hatte jedes Handy eine eingebaute Kamera, die mehr leistete! Mich störte dies damals überhaupt nicht. Ich zog los, nahm Bilder auf und freute mich an den Ergebnissen!

Ortsverein wird 100 Jahre alt

Im kommenden Jahr kann der Ortsverein Rüderswil auf sein 100-jähriges Bestehen zurück blicken. An der Hauptversammlung vom 27. April in der Pfrundscheune beschlossen die Vorstandsmitglieder, dass dieses Jubiläum gebührend gefeiert werden soll. «Wie wir feiern werden, können wir jetzt noch nicht sagen», erklärte der Vereinspräsident Hanspeter Siber, es seien Veranstaltungen vorgesehen, die alle Menschen ansprechen. Der Ortsverein Rüderswil organisiert zahlreiche Anlässe durch das Jahr und engagiert sich für die Verschönerung des Dorfes. Er konnte vor einem Jahr eine Ehrung der Gemeinden Lauperswil und Rüderswil entgegennehmen.

Fahnen werden am Kandelaber aufgehängt
Wenn in Rüderswil gefeiert wird, werden an den Gebäuden entlang der Dorfstrasse Fahnen aufgehängt. Dies ist jedoch nicht unproblematisch, da sich immer wieder Fahnen aus ihrer Verankerung lösen; bei starkem Wind kann es Gebäudeschäden geben. Der Verein beschloss deshalb, 20 Fahnen zukünftig an den Kandelabern zu befestigen. Die Beflaggung der Kirche und des Leuenberger Denkmales werden nicht verändert. Der Kostenvoranschlag für die Anpassung beträgt 4500 Franken, die Einwohnergemeinde unterstützt das Projekt mit 1000 Franken.

Stephan Siegenthaler hat als Mitglied im Vorstand demissioniert, seine Nachfolgerin ist Corinne Wittwer, die einstimmig gewählt wurde.

Homepage Ortsverein Rüderswil: www.ortsverein-ruederswil.ch

Der kleinen Emme entlang

Machen wir heute eine Wanderung im schönen Entlebuch. Sie dauert, je nachdem wie viele Pausen eingelegt werden, vier bis fünf Stunden. Wem das zu lange dauert, kann die Wanderung abkürzen. Grosse Höhenunterschiede gibt es bei dieser Tour keine und immer wieder führt der sehr gut ausgebaute Weg durch schattige Wälder, passend also für einen warmen Sommertag. Die Wanderung beginnt beim Bahnhof in Schüpfheim und endet knapp 17 Kilometer später in Wohlhusen. Der Weg führt stets der kleinen Emme entlang. Es ist bei dieser Wanderung kaum möglich, vom Weg abzukommen, wer dem Lauf des Flusses folgt und die gelben Wegweiser beachtet, kommt sicher ans Ziel! Apropos Emme. Diese heisst von ihrem Ursprung oberhalb von Sörenberg bis nach Schüpfheim Waldemme. Bei Schüpfheim ändert sie dann ihren Namen und heisst von nun an kleine Emme. Sie mündet bei Emmen, rund zwei Kilometer nordwestlich von Luzern, in die Reuss. Und noch ein Apropos: Der Name geht vermutlich auf das lateinische Wort amnis zurück, was soviel wie kleiner Fluss, Bach oder auch ganz allgemein Gewässer heissen kann. Zuweilen wird auch die keltische Herkunft genannt: ambis.

Kleine EmmeFrühlingsstimmung an der kleinen Emme

Doch kommen wir zurück zur Wanderung. Der Weg führt zuerst nordwärts am rechten Emmeufer entlang in Richtung Hasle. Zu Beginn ist neben dem Rauschen des Flusses auch das Rauschen der rund 100 Meter entfernten Landstrasse zu hören. Kurze Zeit später ist von dieser aber nichts mehr zu vernehmen und die malerische Emmenlandschaft kann in vollen Zügen genossen werden. Der Weg führt an Zinggebrügg vorbei nach Hasle zum Bahnhof und dann weiter in Richtung Entlebuch. Apropos Bahnhof: Während der Wanderung ist die Bahnlinie immer wieder zu sehen. Wer am Ende des Ausflugs mit dem Zug von Wohlhusen nach Schüpfheim zurück fährt, kann die Stationen der Wanderung noch einmal genau nachverfolgen! Bei Hasle wird die Emme überquert, etwas später geht es dann über eine schöne alte Holzbrücke wieder zurück an das rechte Ufer.

Holzbrücke bei Hasle

Holzbrücke bei Hasle

Wer eine Pause machen will, findet dazu viele Gelegenheiten. Sitzbänke am Wegrand sind häufig und auf der Strecke gibt es mehrere, gut ausgebaute Rastplätze mit Feuerstellen. Das erfreuliche daran: Sie sind alle sehr sauber und gepflegt. Alle Benutzer sind aufgerufen, den Platz so zu verlassen, wie sie ihn vorgefunden haben. Den Abfall bitte nicht liegen lassen sondern im Rucksack mitnehmen!

Der Weg führt nun weiter nach Entlebuch, stets am rechten Emmeufer entlang. Wer den Ort erreicht, hat knapp die Hälfte der Strecke hinter sich. Und wer Durst hat, findet beim bei Otto’s (der Wanderweg führt daran vorbei) oder im Dorf etwas zu trinken. Anschliessend geht es weiter in Richtung Wohlhusen, das von hier aus noch knapp zehn Kilometer entfernt ist. Auf den folgenden Kilometern kann die kleine Emme in ihrer Vielfalt bestaunt werden. Sie bekommt viel Platz, weitet sich aus und fliesst ruhiger dahin. Dann wird ihr Flussbett wieder enger, es geht durch felsige Schluchten und enge Kurven; nun rauscht und springt die Emme, tiefe Schächen und Nagelfluhen säumen ihren Weg.

Kurz vor Wohlhusen gilt es, eine letzte Steigung über eine Nagelfluh zu bewältigen. Dann sind schon die ersten Häuser des Zielortes zu sehen. Wenn der Weg an der Ortstafel vorbei führt, sind es noch rund 15 Minuten bis zum Ziel, denn der Bahnhof liegt am anderen Ende des Dorfes.

Rother Wanderführer – Anker, Daniel: Emmental mit Oberaargau und Entlebuch

Diese Wanderung ist detailliert im Rother Wanderführer von Daniel Anker beschrieben. Das handliche Taschenbuch enthält auf 200 Seiten 50 Wanderungen in den Regionen Emmental, Oberaargau, Napf und Entlebuch. Alle Touren sind sehr gut dokumentiert und mit Schwierigkeitsgrad, Höhenkurve und mit Kartenausschnitten ergänzt.

Im Entlebuch fliegen die Darts

Seit dem vergangenen 8. November existiert im Entlebuch ein Darts Verein, gegründet wurde er von einer kleinen Gruppe von Mitstreitern aus der Region. «Wir spielten privat gerne und oft Darts» erklärte einer der motivierten Gründer, «Darts spielen macht aber viel mehr Spass, wenn die Teilnehmerzahl grösser wird!» Und ganz offensichtlich trafen die Gründer einen Nerv der Zeit, denn schon nach kurzer Zeit wuchs der Verein auf 26 Mitglieder an. Die Freunde des Präzisionssports mit angelsächsischen Wurzeln trefffen sich regelmässig im Bikertreff Daytona. Dort werden Trainings und Turniere veranstaltet. Der Präsident des Vereins, Stefan Felder, betonte auf Anfrage, dass der Verein allen Interessierten offensteht, auch überregional.

DartNicht alle Spieler halten den Wurfpfeil gleich

Die Heimat des Darts Sport war früher das englische Pub und der Sport mit den spitzen Wurfpfeilen kann diese Herkunft bis heute nicht ganz verleugnen: Darts spielen bedeutet auch die Pflege der Gemeinschaft, im Freudeskreis zusammensitzen und gute Gespräche führen. Natürlich darf dabei ein Bier nicht fehlen. Die Darts Begeisterten betonen aber, dass in diesem Sport ohne einen klaren Kopf gar nichts geht! Darts fordert Disziplin, gute Nerven und eine ruhige Hand. Oder anders ausgedrückt: Zu 80% ist Darts eine mentale Herausforderung, die restlichen 20% bestehen aus physischer Kontrolle und Feinmotorik.

Wer an einem Darts Turnier teilnehmen möchte, kann dies auch ohne Mitgliedschaft im Verein jederzeit tun. Zu entrichten ist in diesem Fall ein Startgeld von fünf Franken.

Facebook Seite des Vereins

Die Sache mit der Engelsgeduld

Engel sind geduldige Wesen, das jedenfalls sagt es ein schönes deutsches Substantiv, das stets dann zu hören ist, wenn jemand einen aussergewöhnlichen Langmut beweist. Wer prophetisch redet, tut dies mit Engelszungen, wer schön singt hat eine Engelsstimme und – eben – wer nicht so schnell aus der Haut fährt, ist mit Engelsgeduld gesegnet!

Engel Gabriel und MariaEngel Gabriel erscheint Maria. Fra Angelico (1387 – 1455)

Nun gibt es in der Bibel ein Ereignis, bei dem der Engel Gabriel nicht besonders geduldig zu sein scheint. Es geschah, als er Zacharias im Tempel überraschte, als sich dieser anschickte, ein Räucheropfer darzubringen. Als der Erzengel ihm eröffnete, dass seine Frau schwanger wird, hatte Zacharias mehr als nur leise Zweifel, denn seine Frau Elisabeth war betagt und kinderlos. Als Zacharias dem Himmelswesen seine Bedenken erklärte, fackelte der Himmelsbote nicht lange. Er eröffnete dem fragenden Priester den göttlichen Plan und und strafte ihn dann wegen seines Unglaubens kurzentschlossen ab: «Du wirst verstummen und nicht reden können bis auf den Tag, da dies geschehen wird». Geduld geht anders!

Fairerweise müssen wir nun ein anderes Ereignis erwähnen, über das Lukas ein paar Verse später berichtet. Gabriel macht auch bei Maria einen Besuch. Was er ihr verkündet, klingt in den Ohren eines Rationalisten ziemlich unglaubwürdig! Und auch Maria ist nicht sofort überzeugt, als sie erfährt, dass sie ohne verheiratet zu sein schwanger werden soll. Heute würde man darin kein Problem sehen, aber damals war das noch etwas anderes! «Wie soll das geschehen?», fragte Maria den Geflügelten. Und diesmal bleibt Gabriel umgänglich. Er bringt den heiligen Geist ins Spiel und sagt etwas, was wir auch heute gerne glauben dürfen: «Alles ist möglich bei Gott!»

Warum diese Ungleichbehandlung, die heutzutage sofort eine Gleichstellungsbehörde auf den Plan rufen würde? Ganz einfach, Gabriel hatte bei Maria eine andere Erwartungshaltung als bei Zacharias. Zacharias war ein erfahrener Priester, der Theologie studiert hat. Gabriel setzte bei ihm so etwas wie einen spirituellen Scharfsinn voraus – und wurde offensichtlich enttäuscht! Und was er bei Zacharias vergeblich suchte, fand er bei Maria, denn sie reagierte geistesgegenwärtig: «Mir geschehe nach seinem Willen». Das heisst, dass sie Gabriel voll und ganz vertraute! Vertraut hat natürlich auch Zacharias, wer’s nicht glaubt, möge die Verse 21-23 desselben Kapitels lesen.

Engel haben Geduld – viel Geduld, diese brauchen sie dringend, wenn sie mit uns Menschen zu tun haben. Uns kann die Geschichte zudem noch folgendes mit auf den Weg geben: Gott hält sein Versprechen! Er hat es bei Zacharias getan, als er ihm die Sprache bei Johannes Geburt wieder schenkte. Und wenn wir ihm vertrauen, enttäuscht er auch uns nicht.

Bessere Photos dank künstlicher Intelligenz

Photolemur

Photolemur Startseite

Künstliche Intelligenz (kurz KI) ist im Moment in aller Munde. Längst hat die Technologie die Software-Laboratorien der Universitäten verlassen und ist mittlerweile in den verschiedensten Programmen zu finden. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist Google. Der Suchmaschinengigant sieht in der KI ein enormes Potential für die nächste Zukunft und investiert dementsprechend. Ergebnisse dieser Anstrengungen können bereits jetzt ausprobiert werden, etwa in der Google App auf dem Android Smartphone. Diese kann anhand unserer Gewohnheiten nicht nur herausfinden, welche Themen wir interessant finden. Die App macht mittels KI auch Vorschläge, die zusätzlich das eigene Interesse wecken könnten. Und der Fotodienst ist in der Lage, herauszufinden, was auf einem Photo zu sehen ist. Wer nach «Katze» sucht findet Katzenfotos selbst dann, wenn keine Schlagworte vergeben worden sind.

Ein anderes Unternehmen, das auf KI setzt, ist Photolemur. Die Softwareschmiede hat ein gleichnamiges Bildbearbeitungsprogramm entwickelt, das Photos mit künstlicher Intelligenz verbessern kann. Das klingt jetzt eher etwas unspektakular, es gibt ja bereits zahlreiche gute Bildbearbeitungsprogramme, die verblüffende Ergebnisse liefern! Aber Photolemur funktioniert eben ganz anders. Das Programm hat keine einzige Bildbearbeitungsfunktion, oder Filter oder Werkzeuge! Alles, was der Benutzer zu tun hat, ist ein Photo importieren, Photolemur erledigt dann den Rest und zeigt das Ergebnis an. Gleichzeitig lernt das Programm anhand der Benutzerreaktion (speichern oder löschen) dazu.

Photolemur in AktionPhotolemur in Aktion

Seine Stärken zeigt Photolemur eindeutig bei Landschaftsaufnahmen: Plötzlich ist der Himmel leuchtend blau, die Wolken wirken plastisch und das Grün der Wiesen und Wälder wird satt und lebendig. Der Hersteller der Software zeigt auf der Homepage einige atemberaubende Beispiele – und übertreibt dabei nicht, denn jeder kann die Beispielbilder herunterladen und selber testen. Photolemur kann sogar eindeutige Bildfehler korrigieren, einen schiefen Horizont beispielsweise, der begradigt wird. Nicht ganz so überzeugende Ergebnisse liefert der Kandidat indes bei Portraits, hier übertreibt das Programm manchmal und «zaubert» einen veritablen Sonnenbrand auf das Gesicht! Wie so oft hilft hier nur eines: Ausprobieren! Das Programm lädt ja auch dazu ein, weil es erstaunlich flink ist und mehrere Bilder gleichzeitig verwalten kann.

Wer das Programm kostenlos ausprobieren will, sollte darauf achten, dass auf der Festplatte genug Platz zur Verfügung steht, denn Photolemur ist in jeder Beziehung speicherhungrig! Benötigt werden mindestens 300 Megabyte auf der Platte und auch der Arbeitsspeicher sollte grosszügig bemessen sein (aber das sollte er ja immer bei Windows 10…)