Arch: Linux für Asketen

Arch Linux gehört wie Tiny Core oder Crunch Bang zu den kleinen Linux Distributionen, die trotz ihrer Popularität in den Medien kaum Erwähnung finden. Das ist schade, denn kleine Distributionen haben zahlreiche Vorteile: sie passen problemlos auf eine CD, von der sie in wenigen Sekunden gestartet werden können. Auf dem Rechner geben sie sich bescheiden, auch alte PC’s mit einem Pentium Prozessor und weniger als 512 MB Arbeitsspeicher genügen in den meisten Fällen. So können alte Computer, die für Windows 7 oder Ubuntu Linux nicht mehr geeignet sind, zu neuem Leben erweckt werden.


Arch Linux Desktop

Arch Linux ist eine Eigenentwicklung, basiert also nicht auf einer anderen Distribution. Die kleine Distribution wartet mit einigen Besonderheiten auf, die der Distribution eine grosse Fangemeinde beschert haben. Die Philosophie des Projektes, die sich wie ein roter Faden durch das ganze System verfolgt werden kann heisst: Beschränkung auf das Wesentliche. Dies merkt der Benutzer bereits dann, wenn er Arch Linux auf einem Rechner installiert. Nach der Auswahl, ob ab CD oder Internet-Verbindung installiert werden soll, benötigt die Installation der Pakete nur wenige Minuten. Nach dem Start präsentiert sich das schlanke Linux spartanisch: installiert ist nur, was es für den Betrieb unbedingt braucht und der Benutzer wird von einem freundlich blinkenden Shell-Prompt begrüsst.

Wie geht es nun weiter? In aller Regel müssen jetzt die benötigten Softwarepakete nachinstalliert werden: Xorg, Gnome, LibreOffice, GIMP, etc. Verwendet wird dazu die eigens für Arch entwickelte Paketverwaltung pacman! Idealerweise nimmt man sich etwas Zeit, um sich mit dem Programm anzufreunden, denn sämtliche Aufgaben zum Installieren, Aktualisieren und Entfernen von Programmen gehören (fast) ausnahmslos in die Domäne der Arch Paketverwaltung. Am schnellsten kommt man zum Ziel, wenn man vor der Installation die zum Paket gehörende Wiki Seite studiert. Hier finden sich viele Hinweise zur Installation und Konfiguration. Die Seite zu Xorg etwa beschreibt ausführlich, wie Xorg, die Grundlage für alle grafischen Desktops und Anwendungen, für den Einsatz vorbereitet, resp. konfiguriert werden muss.

Damit ist ein weiteres wichtiges Stichwort gegeben: bei Arch Linux werden alle Einstellungen manuell durchgeführt, durch das Anpassen der Konfigurationsdateien. Es gibt keine grafischen Tools wie bei Ubuntu oder SuSE. Was im ersten Moment als Nachteil erscheinen mag, entpuppt sich – wie so oft – erst beim genauerem Hinsehen als Vorteil. Wer sein System selbst konfiguriert, erwirbt sich mit der Zeit detaillierte Kenntnisse über die Interna der verwendeten Software. Fachwissen also, das bei jeder Linux Distribution von grossem Nutzen sein kann. Denn stets dann, wenn die Setup-Hilfsprogramme nicht mehr weiterhelfen, hilft ein Blick in die Konfigurations- oder Headerdateien der zu verwendenden Programme. Das bedeutet aber auch, dass Arch Linux kein OS für Einsteiger ist, es richtet sich an alle, die mit Linux schon einige Erfahrungen gesammelt haben und ihr Wissen vertiefen möchten.

Dieser Lernaufwand wird belohnt. Wer mit Arch Linux arbeitet, hat auf seinem Rechner ausschliesslich die Softwarepakete, die er wirklich braucht. Gerade beim Thema Sicherheit und Stabilität ist dies ein kaum zu unterschätzender Vorteil. Der Benutzer ist ferner mit den internen Vorgängen seines Rechners vertraut und weiss, wass die einzelnen Systemprozesse tun. Aktualisiert wird das System mit einem einzigen pacman-Kommando und alle wichtigen Einstellungen sind wie bei FreeBSD in einer einzigen Datei gespeichert (/etc/rc.conf). Weil durch den minimalistischen Ansatz nur wenig Ressourcen verbraucht werden, läuft das System selbst dann schnell, wenn der verwendete PC nicht mehr dem Stand der Zeit entspricht.

Auf meiner Arch Linux Installation läuft ein Xfce 4 Desktop, als Browser verwende ich Chrome und zum Lesen der Mails bevorzuge ich Thunderbird. Rechts unten auf dem Bildschirm ist Audacious im Einsatz und zum Überwachen der Systemleistung läuft GKrellM.

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