«Saatkrähenproblem» – nun auch in Solothurn

Auf dem Weg zur Mittagspause geht ich bei schönem Wetter oft durch den Kreuzackerpark. Zurzeit herrscht dort auf den Baumkronen ein reges Treiben. Satkrähen haben die direkt an der Aare gelegenen Platanen entdeckt und scheinen an dem Platz Gefallen zu finden. Für die zahlreichen Nester in den Baumkronen gibt es kaum eine andere Erklärung, Saatkrähen haben eine Vorliebe für urbane Gebiete entwickelt, weil sie dort genügend Nahrung während der Brutzeit finden.

Das ist schön für Freund Saatkrähe. Einige Menschen freut’s weniger, denn auf dem Kreuzacker hat es auch Parkplätze und wer dort sein Auto abstellt, riskiert Krähendreck auf der womöglich gerade frisch polierten Karosserie. Hinzu kommt, dass das Gekrächze der schwarzen Vögeln vielen auf die Nerven geht (kurios: der ganze Bau- und Stadtlärm scheint in diesem Moment niemanden zu stören). Leidgeprüfte sind laut Solothurner Zeitung auch die Besucher der Hafebar am Kreuzackerquai. Das ist verständlich, wer hat schon gerne Krähenmist im Bierglas oder auf dem Kopf?

Mangelnde Einnahme wegen nicht vermieteter Parkplätze, Gekrächze in den Bäumen, gestörte Pub-Besucher: Damit sind die Saatkrähen zu weit gegangen und die Stadt will sie im kommenden Jahr «vergraulen». Getötet werden dürfen Saatkrähen ja nicht, ganz im Gegensatz zu ihren nahe Verwandten, den Rabenkrähen. Nur: Krähen sind sehr kluge Tiere und lassen sich nicht so einfach vergraulen, dies mussten die für dasselbe Problem Zuständigen der Stadt Bern erfahren. Auch der Versuch, die Rabenvögel mit einem Laserstrahl zu vertreiben, machte in Bern wenig Eindruck auf die ungeliebten Tiere. Zuvor wurden Versuche mit Plexiglasscheiben über den Nestern montiert, diese sollten die Krähen vom Nisten abhalten. Die cleveren Vögel setzen in der Folge ihre Nester etwas weiter nach unten und bedankten sich für den Wind- und Regenschutz. Bern hat nun nach mehreren erfolgslosen Vertreibungsversuchen kapituliert.

Ich bin gespannt, wie es die Solothurner anpacken werden. Die Brachialmethode mit dem Entfernen der Nester im Frühjahr ist zwar wirkungsvoll aber wegen der Lage der Nester auch gefährlich.

Hier mein Vorschlag: Lasst den Saatkrähen ihren Platz. Verlegt die Parkplätze, errichtet ein Dach über der Hafebar und stellt meinetwegen Warnschilder auf: Vorsicht – Krähenbrut. Das wird sicher billiger werden als zahlreiche ergebnislose Versuche, die sympathischen Tiere zu vertreiben.

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