Archiv für den Monat: Mai 2006

Letztes Erblühen

Für Pflanzen, die nicht winterfest sind, haben wir im Schopf für die kalte Jahreszeit eine Ecke eingerichtet. Auf einem Tisch, der direkt vor dem Fenster steht, erhalten die Pflanzen genügend Licht und bleiben vor Frost und Kälte geschützt. Als es wieder wärmer wurde, holte ich meinen Sommerflor aus dem Winterquartier, erneuerte die Erde und nun gedeihen die Geranien und anderen Sommerpflanzen wieder prächtig. Auch meine Nachbarin nutzte den Platz für ein asiatisches Gewächs, das nicht winterfest ist. Aber dann vergass sie es und so blieb die Pflanze während mehrerer Wochen ohne Pflege sich selbst überlassen.

Als ich diesen Morgen durch den Schopf ging, entdeckte ich den Topf mit der halb verdursteten Pflanze in einer Ecke auf dem Tisch. Sie war voller weisser Blüten, von denen die meisten herunterhingen Andere waren bereits völlig verdorrt, so wie auch die meisten Blätter. Es war, als hätte die Pflanze gewusst, dass sie vergessen wurde und nun versuchte, mit letzter Kraft möglichst viele Blüten zu treiben.

Jetzt steht das bedauernswerte Pflänzchen an einem halbschattigen Platz mit frisch gedüngter und angefeuchteter Erde. Ich bin gespannt, ob es sich wieder erholt.

Kreuz oder Pfahl?

Am Samstag Morgen vor einer Woche läutete gegen zehn Uhr die Türglocke. Wer mag das wohl sein? Ich unterbrach die Hausarbeit, öffnete die Türe und vor mir standen zwei gut gekleidete Herren, die mich sofort mit einem freundlichen «Guten Morgen, Herr Stocker» begrüssten. Aha, die Zeugen Jehovas! Eigentlich kamen sie mir ungelegen, da ich unter der Woche kaum dazu komme, im Haushalt etwas zu arbeiten und in der Folge alles am Samstag machen muss. Allein ich wollte nicht unfreundlich erscheinen und liess mich auf ein Gespräch ein. In dessen Verlauf kam einer der Missionare auf ein kleines Buch mit dem Titel «Was lehrt die Bibel wirklich?» zu sprechen, das er mir zur Lektüre anbot. Neugierig wie ich bin nahm ich das Buch dankend an, um es bei Gelegenheit etwas genauer anzusehen. Einige Tage später kam ich dann auch dazu.

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Illustration der Wachtturm-Gesellschaft

Bei dem Büchlein mit rund 220 Seiten Umfang handelt sich um ein Pamphlet der deutschen Wachtturm-Gesellschaft, illustriert mit zahlreichen, bunten Bildchen und Fotos, auf denen glücklich wirkende Menschen dem Betrachter entgegenlächeln. Was aber in dem Buch drinsteht, finde ich überhaupt nicht zum Lachen. Dem Leser wird der Eindruck vermittelt, dass Jehovas Zeugen im Besitz der allein seligmachenden Wahrheit sind. Das ist sektiererisch.

Die Probleme beginnen spätestens auf Seite 14. Dort lesen wir, dass es sehr wichtig sei, Gott mit dem richtigen Namen anzureden und dieser Name sei «Jehova». Woher kommt dieser Name? Ein Blick in das Vorwort der Elberfelder Bibel (4. Auflage 1992) schafft Klarheit: Die Israeliten haben nie «Jehova» gesagt, sondern wahrscheinlich «Jahwe». Später wagte man nicht mehr, den heiligen Gottesnamen auszusprechen und sagte statt dessen «Adonaj» (=Herr). Damit man nun beim Vorlesen aus der Bibel daran erinnert wurde, «Adonaj» zu lesen und nicht versehentlich «Jahwe», setzen die Juden in ihren Bibelhandschriften zu den Konsonanten des Namens «Jahwe» (JHWH) die Vokale des Wortes «Adonaj» (eoa), so dass Nichteingeweihte daraus «Jehowa» lesen mussten. Daraus ergibt sich folgerichtig, dass «Jehova» kein Name ist und man ihn deshalb auch in unserer Sprache nicht so schreiben und aussprechen sollte.

Ein weiteres Problem, das mir auffiel, ist die Sache mit dem Blut. Jehovas Zeugen haben aus dem mosaischen Gesetz, kein Blut zu trinken, ein neues Dogma konstruiert: Auch die Zuführung von Blut zu medizinischen Zwecken ist ein Verstoss gegen das alttestamentliche Gesetz und somit nicht erlaubt. Tatsächlich sind mehrere Fälle bekannt, in denen Zeugen Jehovas Bluttransfusionen verweigert haben oder Nahestehende zum Verzicht drängten. Mit entsprechend tragischen Folgen.

Das Verbot, Blut zu trinken, hatte im alten Orient einen einfachen Grund: Die Menschen glaubten, dass das Blut der Sitz des Lebens sei und hatten entsprechend Ehrfurcht davor. Heute wissen wir, dass es sich nicht so verhält, so wie wir auch wissen, dass die Erde keine Scheibe ist. Irrtümer sind dazu da, dasss man aus ihnen lernt.

Ein, weniger tragisches aber auffallendes Problem ist die Abbildung auf Seite 52. Es zeigt ein Bild von Jesus Christus bei der Kreuzigung. Nur hängt Jesus nicht an einem Kreuz, sondern an einem Pfahl und seine Hände sind über dem Kopf an den Pfahl genagelt. Das ist schlicht falsch und dient nur dazu, sich von der christlichen Symbolik zu unterscheiden. Eine Schilderung, wie im antiken Rom eine Kreuzigung vor sich ging, kann auf Wikipedia nachgelesen werden. Interessant sind auch die Schilderungen von Dr. Metherell, zu finden im Buch «Der Fall Jesus» von Lee Strobel: «Was geschah, als er (Jesus) an der Hinrichtungsstätte ankam», fragte ich. «Er wurde auf den Boden gelegt, musste seine Arme ausstrecken und wurde dann mit den Händen an den Querbalken des Kreuzes genagelt. Diesen Kreuzbalken nannte man ‚patibulum‘, er war getrennt von dem zweiten, vertikalen Balken, der dauerhaft im Boden verankert war.»

Update: Dies ist keine Diskussionsplattform zum Thema. Wer sich über die Sekte informieren will, findet alles Wissenswerte auf relinfo.ch.

Update 2 (17.4.2007): Ein Artikel auf welt.de beschreibt die Kreuzigung von Jesus Christus.

Spielende Rabenkrähe

Hier der Verweis auf einen interessanten Beitrag des Birdwatcher Weblog mit Fotos, die eine spielende Krähe zeigen. Es ist seit längerem bekannt, dass Krähen verschiedene Spiele kennen. Sie lassen sich von Bämen fallen und fangen sich erst im letzten Moment auf. Im Winter wurde beobachtet, wie Krähen über verschneite Abhänge rutschen.

Krähenproblem in Solothurn – Augenschein vorort

Ich bin auf meinem Weg von der Mittagspause zurück zur Arbeit, vom Rosengarten führt mich mein Weg an der Schule für kaufmännische Angestellte in Richtung Kreuzackerquai zur «Hafebar». Schon früh ist von den Bäumen im Park ein lautes Gekrächze zu hören und in den Baumwipfeln sind die Saatkrähen mit dem Aufziehen ihrer Jungen beschäftigt. Es herrscht rege Geschäftigkeit auf den Baumwipfeln, die schwarzen Vögel fliegen hin und her, schaffen Futter für den Nachwuchs heran und machen dabei einen Heidenlärm.

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Krähennester

Beim einem ersten Augenschein zähle ich am Quai ca. 25 Nester, die meisten davon zuoberst in den Baumwipfeln, gut 20 Meter über dem Boden, einige aber auch tiefer. Krähen sind bei der Auswahl des Brutplatzes sehr wählerisch, nicht nur die Lage ist entscheidend, sondern auch die Sicherheit, deshalb werden möglichst schwer zugängliche und hoch gelegene Plätze gewählt.


Eine Saatkrähe auf Futtersuche

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«Tatort» Hafebar

Der Boden im Park ist übersät mit Vogelmist und ein Auto, das auf einem der hier gelegenen Parkplätze abgestellt wird, wird mit Sicherheit in Mitleidenschaft gezogen werden. Ich gehe weiter und gelange zur Hafebar, die – wie im Bericht der SZ erwähnt – an exponierter Lage steht. Im Moment ist die Bar noch geschlossen, aber an einem schönen Sommerabend hat es hier sehr viele Besucher, die es geniessen, beim schönen Wetter im Freien etwas zu trinken und sich gesellig zu geben. Auch Saatkrähen sind sehr gesellig.

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Auch Tauben machen Mist

Ich blicke über mich und entdecke in der Baumkrone über der Bar ein halbes Dutzend Krähennester. Nur: Überall auf dem Platz und in den Bäumen sind auch Tauben zu entdecken, sie gehören ja zum Stadtbild von Solothurn, ihnen wurde sogar eine Strophe im Solothurner Lied gewidmet. Könnte es nicht sein, dass zumindest ein Teil des Vogelmists nicht von den Krähen, sondern von den Tauben stammt? Für eine genauere Prüfung fehlt mir leider die Zeit, ich muss zurück zur Arbeit.

Hier ist ein Interessenkonflikt entstanden: Auf der einen Seite die Saatkrähen, welche in den Bäumen am Kreuzackerquai einen idealen Brutplatz gefunden haben und auf der anderen Seite die Mieter der Parkplätze und die Bargänger. Im Artikel der Solothurner Zeitung kommen mehrere Sachverständige zu Wort und es wird abgewogen, wie das Problem gelöst werden könnte. Was mich daran erstaunt: Das Verbleiben der Krähen ist offenbar keine Lösung. Die Verantwortlichen denken nur über Optionen nach, bei denen die Saatkrähen verschwinden müssen, oder laut Artikel «vergrämt» werden sollen.

Update (19.4.2007): Beim obenstehenden Bild handelt es sich nicht um eine Saatkrähe sondern um eine Turmdohle. Vielen Dank an Frank Borleis für den Hinweis.

Programmieren

 

Die ORBIT naht und es gibt viel zu tun. Ich sitze vor dem Bildschirm und produziere von Morgens bis Abends Code. Andere Dinge, wie Vereins- oder Verbandsseiten müssen im Moment etwas warten. Keine Sorge, das ist kein Dauerzustand :-)

Alphornprobe auf der Steiweid

Ein prächtig schöner Frühlingstag, eine milde und warme Maiensonne über dem frisch erblühenden Emmental, Silberwölklein am klaren, abendlichen Himmel, ein Hauch ewiger Schönheit weht dem Betrachter sanft entgegen. Auch die Steiweid trägt nun ihr Frühligsgewand und beim Anblick all dieser Pracht begannen wir unsere Probe. Kann an einem so schönen Tag die Probe überhaupt noch misslingen? Wir spielten unser Repertoir begannen mit «Heilig», stimmten dann zur «Bänklialp» und zum «Horngräbler» an und machten nach dem «Choral für Luzern» eine kurze Pause. Wir liessen einen Moment den sich neigenden Frühlingstag und die Abendsonne auf uns wirken. Wie schön wäre es, wenn wir all die Freude, die wir jetzt empfinden, mit Alphornklängen an unsere Zuhörer weitergeben könnten.

Doch dann geht es schon wieder weiter, in den kommenden Wochen sind mehrere Auftritte zu absolvieren und wir wollen gut vorbereitet sein. Also, anstimmen zum «Gruss an Eich», die Melodiebögen schön betonen und am Schluss die letzten Takte schön ausklingen lassen. Alphornmelodien leben erst richtig, wenn sie gefühlvoll betont werden, wenn die Wechsel zwischen Piano und Forte, zwischen langsam und schnell auch für den Zuhörer hörbar und empfindbar werden.

Es war eine gute Probe und als wir die Steiweid wieder verliessen, versank die Sonne hinter dem Berg und ein leuchtendes Abendrot lag über dem Horizont. Ein schöner Frühlingstag geht zu Ende und wir hoffen, dass er Morgen vor neuem erwacht.

Link zum Alphorntrio Steiweid.

«Saatkrähenproblem» – nun auch in Solothurn

Auf dem Weg zur Mittagspause geht ich bei schönem Wetter oft durch den Kreuzackerpark. Zurzeit herrscht dort auf den Baumkronen ein reges Treiben. Satkrähen haben die direkt an der Aare gelegenen Platanen entdeckt und scheinen an dem Platz Gefallen zu finden. Für die zahlreichen Nester in den Baumkronen gibt es kaum eine andere Erklärung, Saatkrähen haben eine Vorliebe für urbane Gebiete entwickelt, weil sie dort genügend Nahrung während der Brutzeit finden.

Das ist schön für Freund Saatkrähe. Einige Menschen freut’s weniger, denn auf dem Kreuzacker hat es auch Parkplätze und wer dort sein Auto abstellt, riskiert Krähendreck auf der womöglich gerade frisch polierten Karosserie. Hinzu kommt, dass das Gekrächze der schwarzen Vögeln vielen auf die Nerven geht (kurios: der ganze Bau- und Stadtlärm scheint in diesem Moment niemanden zu stören). Leidgeprüfte sind laut Solothurner Zeitung auch die Besucher der Hafebar am Kreuzackerquai. Das ist verständlich, wer hat schon gerne Krähenmist im Bierglas oder auf dem Kopf?

Mangelnde Einnahme wegen nicht vermieteter Parkplätze, Gekrächze in den Bäumen, gestörte Pub-Besucher: Damit sind die Saatkrähen zu weit gegangen und die Stadt will sie im kommenden Jahr «vergraulen». Getötet werden dürfen Saatkrähen ja nicht, ganz im Gegensatz zu ihren nahe Verwandten, den Rabenkrähen. Nur: Krähen sind sehr kluge Tiere und lassen sich nicht so einfach vergraulen, dies mussten die für dasselbe Problem Zuständigen der Stadt Bern erfahren. Auch der Versuch, die Rabenvögel mit einem Laserstrahl zu vertreiben, machte in Bern wenig Eindruck auf die ungeliebten Tiere. Zuvor wurden Versuche mit Plexiglasscheiben über den Nestern montiert, diese sollten die Krähen vom Nisten abhalten. Die cleveren Vögel setzen in der Folge ihre Nester etwas weiter nach unten und bedankten sich für den Wind- und Regenschutz. Bern hat nun nach mehreren erfolgslosen Vertreibungsversuchen kapituliert.

Ich bin gespannt, wie es die Solothurner anpacken werden. Die Brachialmethode mit dem Entfernen der Nester im Frühjahr ist zwar wirkungsvoll aber wegen der Lage der Nester auch gefährlich.

Hier mein Vorschlag: Lasst den Saatkrähen ihren Platz. Verlegt die Parkplätze, errichtet ein Dach über der Hafebar und stellt meinetwegen Warnschilder auf: Vorsicht – Krähenbrut. Das wird sicher billiger werden als zahlreiche ergebnislose Versuche, die sympathischen Tiere zu vertreiben.