Pendeln ist schwieriger geworden

Im ersten Tageslicht fahren am Morgen die Züge in Hasle-Rüegsau ein. Es ist kalt an diesem Spätherbsttag. Und es gibt wegen des Hochnebels keinen Frost, aber es ist trüb und die Menschen am Perron hüllen sich in der Morgendämmerung in warme Mäntel und Mützen. Um sieben Uhr mehren sich die Fahrgäste am Gleis 2, sie warten auf den Zug, der sie nach Burgdorf, Bern oder Thun bringt. Doch dann ertönt aus dem Lautsprecher eine Stimme in die kalte Morgenluft hinaus, der Zug habe 15 Minuten Verspätung. Ein Raunen geht durch die Menge der Wartenden, denn dies bedeutet, dass die Anschlüsszüge verpasst werden. Manch einer greift nun hastig zum Handy und organisiert sich neu.

Solches passiert nicht selten am Emmentaler Bahnhof. Wie auch bei den Bus Terminals in Thun oder Solothurn. Wenn man die zeitlich knapp bemessenen Fahrpläne betrachtet, muss dies nicht erstaunen. Gerade während der «Rush Hour» am Morgen oder im Feierabendverkehr können die Zeiten oft nicht eingehalten werden. Verspätungen von 10 oder mehr Minuten sind nichts Ungewöhnliches. Da hilft nur eines: Genügen Zeit für die morgendliche Reise einplanen.

Pendeln ist schwieriger geworden, nicht nur auf der Strecke zwischen Hasle und Solothurn. Ein Wechsel auf die Strasse ist nur dann zu empfehlen, wenn dem erhöhten Verkehrsaufkommen am Morgen zwischen sieben und neun Uhr ausgewichen werden kann. Der Verkehr hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Staus in Hasle und Oberburg sind Morgens um acht Uhr eher die Regel aus die Ausnahme. Der einzige Rat, den ich geben kann ist, vor sieben Uhr «zdürab» zu fahren. Oder zu warten, bis der Verkehr wieder etwas abnimmt.

Mittlerweile pendle ich seit fast zehn Jahren zwischen Hasle-Rüegsau und Solothurn. Es sind einige Erfahrungen, die ich in dieser Zeit sammeln konnte. Und wie alle Pendler frage ich mich, wie die Zeit im Zug und Bus zugebracht werden kann. Vielleicht findet jemand meine Tipps hilfreich, deshalb schreibe ich sie hier auf: Immer eine Tasche mit einem guten Buch dabei haben, es verkürzt die Zeit. Und wir alle kennen doch dies oder jenes Buch, das wir schon immer einmal gerne gelesen hätten. Beispiel: Der Name der Rose. Und da wir schon bei Büchern sind. E-Book Reader sind gerade für Reisende eine Tolle Sache, da sie federleicht sind und tausende (!) von Bücher speichern können. Die Kosten für das Gerät und die Bücher im E-Book Format sind günstig! Auf Pendlerzeitungen verzichte ich bewusst.

Nach einem langen Arbeitstag ist man vielleicht zu müde für ein Buch. Da ist es gut, wenn auf dem Handy etwas Musik gespeichert ist, die man mag. Die Augen schliessen, schöne Musik hören und den Luxus geniessen, nach Hause gefahren zu werden.

Der Zug hat sich verspätet? Aufregen nützt nichts! Gelassen bleiben und auf dem Handy eine kurze Nachricht schreiben: «Mit dem nächsten Zug komme ich ganz bestimmt :-)».

Es schöns Erläbnis

E länge Arbeitstag isch z’Änd gange. I ha mi uf e Heiwäg gmacht u wiu’s grad e schöne u sunnige Herbschttag isch gsi, han i e Umwäg übere Ramisbärg gmacht. Dert, am Waldrand gseht me wyt i ds Land, übere Schache, über d Dörfer und zringsetum d Egge, wo der blau Himmel berüehre. U d Sunne het i däm Momänt die letschte, guldige Strahle über ds Ämmital gschickt, ds Wasser vor Ämme het glitzeret u der Himmel het sich rot gfärbt.

Drum han i a däm schöne Ort e Pouse gmacht, ha ds Alphorn zämegsetzt und es paar Tön i d Wyti gschickt. Denn es paar Stück us em Alphornbüechli u denn no öppis, wo mir grad i Sinn isch cho.

U denn, won i scho a ds Heigah däicht hat, isch vom Buurehof unger der Strass e Chinderstimm z’ghöre gsy: «Blib no chly!». Gseh han i niemmer, aber i ha i d Richtig vom Hof gwunke u denn no eis gspilt.

Das isch es schön Erläbnis gsy. E Sunneuntergang im Herbscht dörfe z’erläbe, z’erläbe wie dä Tag langsam aber doch sicher z’Änd geit, wie’s wott vernachte. Und öpper, wo a däm spontane Alphornkonzärt Fröid het gha!

Ein Buch zum Überleben

Wiseman: SAS Durvival Handbook

John Wiseman: SAS Survival Handbook

Wie überlebt man eine lebensbedrohliche Situation wie z.B. einen Waldbrand, eine Flut oder Kälte im Freien? Einer der dies wissen muss, ist John „Lofty“ Wiseman. 26 Jahre diente er als Elitesoldat in der englischen SAS (Special Air Services). Er leitete zahlreiche Operationen und Trainings in lebensfeindlichen Regionen der Erde und gab später sein Wissen ans Instruktor in der British Army weiter. Sein Buch «SAS Survival Handbook, the ultimate Guide to survive anywhere», hält voll und ganz, was es verspricht. Wiseman beschreibt in allen Details, mit welchen Verhaltensweisen eine Extremsituation im Leben gemeistert werden kann. Dies schliesst Naturkatastrophen wie Dürren, Hochwasser, Tsunamis und Tornados ein. Selbstverständlich geht Wiseman als erfahrener Soldat auch auf militärische Themen ein, die leider sehr aktuell sind: Terror und Bedrohungen im urbanen Raum. Und es ist gut, wenn Wiseman atomare Angriffe nicht weglässt. Er bezeichnet sie als «unlikely» (unwahrscheinlich) und dokumentiert sachlich und nüchtern, wie auch dieser extremsten Form einer militärischen Bedrohung begegnet werden kann: Mit der richtigen Vorbereitung und dem Wissen, dass auch ein Nuklearschlag überlebt werden kann!

Das klingt nun alles wohl mehr als nur ein bisschen nach düsterer Endzeit und Dystopie. Kein Wunder, dass das Buch auch bei sogenannten «Preppern» und sicher auch bei einigen Verschwörungstheoretikern im Bücherregal zu finden sein wird.

Aber genau hierher gehört dieses nüchterne und sachliche Fachbuch nicht. Denn es enthält auch Kapitel, die ganz allgemein Ratschläge geben, wie man sich in schwierigen Situationen verhalten sollte. Es beschreibt Verhaltensregeln, grundlegende Überlebensstrategien und Taktiken, die auch im Alltag hilfreich sind, etwa «Situational Awareness». Das ist im Grunde genommen nichts anderes als eine aufmerksame Grundhaltung, die im Alltag Schutz bieten kann – im Strassenverkehr etwa! Natürlich ist es schwierig, einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn das Schiff, mit dem man über den Atlatik reist, unterzugehen droht. Aber gerade diese Einstellung, rasches und folgerichtiges Entscheiden und entschlossenes Handeln erweisen sich dann als Lebensretter.

Müsste ich das Buch verkaufen, so würde ich es auch als «Pfadfinderhandbuch für Erwachsene» anpreisen. Warum das? Weil es wichtige Dinge lehrt, die wir vielleicht selbst noch als Kinder im Pfadfinder- oder Schullager gelernt haben. Etwa die Fähigkeit, jederzeit Feuer machen zu können, die Himmelsrichtung auch ohne Kompass bestimmen oder feststellen, ob das Wasser einer Quelle trinkbar ist. Welche Kleidung schützt am besten vor Kälte, wie kann in kurzer Zeit ein wetterfester Unterstand errichtet werden, wie schützt man sich vor einem Gewitter, wo am Himmel befindet sich der Polarstern, wie werden Wolkenbilder gedeutet, usw. All dies und vieles mehr dokumentiert der Verfasser gut verständlich und mit zahlreichen Illustrationen. Er vergisst dabei auch die Hilfsmittel nicht, die stets in gutem Zustand sein sollten: Messer, Feuerzeug, Verbandsmaterial. Welches ist von allen Werkzeugen das wichtigste, dass wir stets bei uns haben sollten, fragt Wiseman. Und gibt die Antwort gleich selbst: Unser Gehirn!

Für wen ist dieses Buch? Wie ich es schon angesprochen habe: Nicht für Weltuntergangsfanatiker von der Aluhut Fraktion. Das Buch richtet sich an alle, bei denen rationales und unideologisches Denken im Vordergrund steht. Menschen, die erkannt haben, dass Wissen die Angst nimmt; Menschen die ihr Leben gerade auch in dieser angespannten Zeit geniessen wollen.

Im Wald

Wer meinen Blog hin und wieder besucht, kennt vielleicht diese Vorliebe, die ich habe: Im Wald die Stille suchen. Dort, wo die Betriebsamkeit des Tages plötzlich in die Ferne rückt; dort, wo in den Ästen der Bäume unsere gefiederten Freunde singen; dort, wo es frisch nach Erde, Harz und Moos riecht; dort, wo es auch mitten an einem geschäftigen Arbeitstag ganz still bleibt.

Manchmal stelle ich mir vor, dass wir beim Eintreffen im Wald durch eine unsichtbare Türe gehen. Eine Pforte, durch die wir in eine andere Welt gelangen. In eine Welt, in der sich wilde Tiere wohlfühlen und in der alle willkommen sind. Im Wald berühren sich unsere Erfahrungswelt und eine Sphäre, die wir kaum beschreiben, aber fühlen und empfinden können. Der Wald hat seine eigene Zeit, er fragt nicht nach dem Gestern oder Morgen und sein Zeitenlauf ist stets harmonisch und schön!

Haben Sie heute noch nichts vor? Dann gehen Sie doch wieder einmal in einen Wald. In einen, den Sie vielleicht schon aus Ihrer Kindheit kennen. Oder in einen, in dem Sie noch nie zuvor waren. Und dann halten Sie inne und öffnen Sie alle Ihre Sinne für den Zauber des Waldes.

Der kleine Bruder der ToDo App

ToDo Apps wie TickTick, Any.Do oder auch GTasks sind eine feine Sache. Sie erleichtern das Verwalten anstehender Aufgaben ungemein und schaffen im Kopf Freiraum, so dass wir uns auf anderes konzentrieren können. Im Wissen, dass wir über bevorstehende Aufgaben rechtzeitig informiert werden. Einen kleinen Fehler haben aber die meisten dieser Apps: beim Erfassen von Aufgaben, die sich im Tages- oder Wochenrythmus wiederholen, sind sie etwas weniger flexibel. Aber eigentlich reden wir hier eher von Gewohnheiten, wie etwa dem regelmässigen üben auf der Gitarre, dem Joggen unter der Woche oder dem Vitaminpräparat, dass auf dem Frühstückstisch nicht fehlen sollte (meine jüngeren Mitarbeiter erinnern mich hin und wieder daran, es nicht nicht zu vergessen. In ganz fürsorglicher Absicht, versteht sich…)

Anzeige einer Statistik im Loop Habit Tracker

Eine App, die das Einhalten von Gewohnheiten unterstützt, heisst «Loop Habit Tracker». Wie der Name es schon sagt, dreht sich alles um Gewohnheiten; solche, an denen wir festhalten wollen aber auch solche, die wir lieber loswerden möchten! Die App funktioniert denkbar einfach: In ein Liste können Dinge eingetragen werden, die wir regelmässig erledigen möchten: Liegestützen am Mittag, Üben mit dem Musikinstrument, etc. Und den Intervall: täglich, wöchentlich oder mehrmals der Woche. Zur besseren Übersicht kann jedem Eintrag eine eigene Farbe zugewiesen werden. In bezug auf die Einstellungen war es das auch schon. Der Habit Tracker besticht diesbezüglich durch Einfachheit und, was genau so wichtig ist, durch ein gefälliges Design.

Natürlich ist dieses praktische kleine Tool nur dann wirklich hilfreich, wenn die erledigten Aufgaben auch regelmässig abgehakt werden. Und der Tracker erleichtert dies, indem er in Form von grafisch aufgearbeiteten Statistiken eine kleine Belohnung bietet. So kann beispielsweise geprüft werden, wie oft eine gestellte Aufgabe in den vergangenen Wochen erfüllt wurde, oder eben nicht. Wer es gerne sportlich mag, kann auf «Best streaks» achten. Hier wird ermittelt, in welchen Zeitperioden eine gestellte Aufgabe am regelmässigsten erfüllt wurde.

Wer wie ich an Migräneanfällen leidet, sollte ein Protokoll über die «Gewitter im Kopf» führen. Denn Migräneanfälle sagen einiges aus über die eigene physische (und psychische) Verfassung. Häufen sich die Attacken, dann ist dies ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich in bezug auf die Gesundheit etwas verändert hat. Und es ist ein guter Moment, die eigenen Gewohnheiten genauer zu betrachten. Der «Loop Habit Tracker» hilft bei beiden: Beim Führen eines Migräneprotokolles und beim prüfen der Gewohnheiten.

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Der Habit Tracker speichert alle Daten in einer SQLite Datenbank auf dem Smartphone. Das bedeutet, dass beim Verlust des Gerätes alles verloren geht. Wer den Tracker nutzen will, sollte daher regelmässig Backups erstellen. Das Programm erleichtert dies, indem es eine Funktion zur Sicherung der Daten anbietet.

D Gschicht vo de zwe Badchappe

«Itz aui härelose», het der Lehrer gseit, wo mir am erschte Tag im Schuellager im Bündnerland grad hei Zmittag gässe gha. «Zum ds Dorf und d Umgäbig besser kenne z’lehre, mache mir am Namittag e Wanderig». E Wanderig? Grad itz, wos doch so heiss isch? Die Idee het üs nid rächt wölle gfalle u Geru het im Versteckte gmugglet, «i wod sicher nit ga wandere!» Aber grad so, als ob der Lehrer Geru’s Ufbegähre ghört hät, seit är scho im nächschte Satz öppis, wo üs wider versöhnlich het gstimmt. «I eim vo de Dörfer wo mir verby chöme, het es e schöni Badi. Dert dörfe alle e Bädu ga zwicke u sich abchüehle!» Itz hei Geru un es paar angeri der Chopf ufghhebt u wider heiter i d Wält gluegt. Bade, das isch halt eifach wie es Zouberwort gsy a däm heisse Summertag.

So si mir nach em Zmittag losmarschiert, geng im guete Gloube, das als Lohn e Gump i ds chüele Wasser winkt. «Villicht het’s ja es Dreimeter Sprungbrätt», het Geru spekuliert, «i weis scho itz, weli Sprüng i de mache vo dert obenabe». «Ab em Dreimetrige? Bah, getrousch di ja doch nid», git im Stifu mutz ume u Simu weis z verzelle, är sygi scho vome Zähmetrige i ds Wasser abe gchöpflet! Es versteit sich vo sälber, dass das nid alli hei gloubt. So isch das fröhlich hin u här gange u mir hei d Hitz vergässe. Hei e Schluck Münzetee us der Fläsche gnoh und üs uf ds glitzerige Wasser gfröit. U tatsächlich, scho gly druf het üs der Lehrer uf ne Wägwyser am Strasserand ufmerksam gmacht. «Bogn avert» het es druffe gheisse. «U das heisst Schwümmbad», het üs der Lehrer erklärt.

U churz drufabe sy mir scho vor em Iigang gstande, hei der Gruch vom Chlor im Wasser gschmöckt u hei ghört, wies dinne gsprützt u platschet het. Aber, was passiert itz? Der Lehrer, wo d Iitritte het wölle ga abhole, isch zrüggcho u het sini Schlächtnotemine ufgsetzt. Äbe so, wien är bim verteile vo ungnüegende Note geng drygluegt het! «Chinder, es git hie es Badchappe Obligatorium!» Begrifflicherwys isch die Hiobsbotschaft nid guet acho. «Jä chöi mir de itz nid ga bade», het Geru sofort gfragt. «I ha zwe Badchappe vom Badmeischter übercho», het der Lehrer gantwortet. «Es cha also jedes ga bade, aber nume föif Minute, de chunts wider us em Wasser use u git d Badchappe a ds Nächschte wyter, wo no nid im Becki isch gsi».

I bi du gli druf a d Reihe cho, ha die Badchappe tifig übere Chopf zoge u bi dry! Derwyle het Geru geng uf die grossi Uhr vor Badi gluegt, u wo die föif Minute no nid ganz ume si gsy, chnöilet är scho am Beckirand u rüeft: «Chumm, gib!». Um chum het är die Chappe über sy gross Chopf zoge, het es Platsch gmacht u Geru het e länge Töichler gmacht. Ihm het es mi Tüüri pressiert mit Abchüehle. Das Jufle wär aber gar nid nötig gsy, alli sy uf ihri Chöschte cho, d Zyt het sogar glängt, für ne zwöite Gang i ds chüehle Wasser. So sy mir alli zfride us der Badi cho u hei üs uf e Heiwäg i ds Feriehuus gmacht.

Aber was isch itz mit däm Sprungbrätt gsy? Nu, das isch äbe die zwöiti Hiobsbotschaft gsy a däm Tag: Es het drum e keis gha i däm Schwümmbad. Nume e Rutschbahn für die Chlyne!

Holzkugel statt «Fidget Spinner»

Sie sind zurzeit in aller Hände, die Fidget Spinner. Die kleinen Handkreisel also, die zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten werden, während die Flügel durch ein leichtes Antippen mit der anderen Hand zu rotieren beginnen. Das ganze soll entspannend wirken. Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, einen Fidget Spinner auszuprobieren. Aber ehrlich gesagt, entspannend wirkte er nicht auf mich! Das leise Sirren des Kugelllagers empfand ich eher als nervöses Geräusch. Hinzu kommt, dass der Fidget Spinner ein Spielzeug aus Plastik ist. Und während eines langen Tages halten wir genügend Dinge aus Plastik in der Hand: Tastatur, Smartphone, Kugelschreiber und Telefon zum Beispiel.

Und nun kommt meine Empfehlung für ein echtes «Gadget» zum Entspannen nach Emmentaler Art: Eine gedrechselte Holzkugel. Es gibt zahlreiche Drechslermeister und Kunsthandwerker, die Holzkugeln in den verschiedensten Grössen und Holzarten anbieten. Natürlich wirken die Kugeln sehr dekorativ. Und wenn man sie ein paar Minuten in der Hand hält und das samtene Holz fühlt, dann hat dies eine entspannende Wirkung. Auch deshalb, weil Holz ein reines Naturprodukt und in uns immer eine gute Stimmung anklingen lässt. Nicht umsonst heisst es ja «Holz macht heimelig». An einem heissen Sommertag fühlt sich ein Stück Holz kühl an, in der Winterkälte vermittelt es ein Gefühl der Wärme.

Holzkugeln

Holzkugeln gibt es unter anderem hier: Holzkreationen von Roland Schenk aus Eggiwil und Beat Wampfler, Drechslermeister aus Wasen, er hat die abgebildeten Kugeln gedreht.

I möcht…

I möcht wider einisch, wenn e warmi Summersunne am Himmel steit,
Es Mätteli finde, wo’s nach früschem Gras u Blueme schmöckt,
Wo me d Beieli ghört summe u am Waldrand d Amsle ghört liede.

I wett chönne härelige u d Wermi am Bode dörfe gspüre,
Möcht d Arme usbreite u über mir der blau Summerhimmel gseh.
U möcht mit all mim Sy ds Wunder vom däm schöne Tag erläbe.

An der Schwelle zweier Epochen

Alte elektrische Schreibmaschine

Vor kurzem fand im Nachbardorf wieder der alljährliche Trödlermarkt statt. Und ja, ich war auch dabei! Nicht, weil ich etwas ganz bestimmtes kaufen wollte sondern mehr, weil es einfach Spass macht, an den Ständen vorbeizuschlendern und beim Betrachten all der vielen alten Sachen mit den Gedanken in die Vergangenheit zu schweifen. Das Angebot war auch dieses Jahr vielfältig und bunt: Alte Bücher, «Grossmuttergeschirr» mit Goldrand, Zinnzuber, Schulphotos aus den 1920er Jahren, schönes Leinentuch, Spielsachen von anno dazumal und tausend Dinge mehr. Kurz: es fehlte an nichts.

Zwischen zwei Ständen, da stand auf einem Holzstuhl eine alte elektrische Schreibmaschine, so wie sie ab den 70er Jahren in Büros üblich war. Ob die wohl noch funktioniert? Und ob sie im Zeitalter des Notebook und Tablet noch einen Käufer findet? Jedenfalls stand sie zwei Stunden vor Marktende immer noch da. Genau so wie die schönen analogen Kameras und der VHS Recorder aus den 80er Jahren. Sie alle sind Zeugen aus einer Zeit, in der analoge Technologie noch das Non plus ultra war, am Vorabend der Digitalisierung.

Wir Leben in einer Epoche, in der Analogtechnik Schritt für Schritt und mit endgültiger Konsequenz abgelöst wird. Die Kinder der Digitalisierung heissen Internet, Smartphone, E-Book und GPS Navigation. Und was wir hier erleben ist erst der frühe Beginn, so wie der Druck der ersten Schriften nach der Erfindung der Druckerpresse im 15. Jahrhundert. Die nächsten Technologien, die unser Leben so wie der Personal Computer oder das Internet verändern werden, sind am Horizont bereits zu erkennen: Autonom fahrende Autos, Lieferdrohnen, die einen bestellten Artikel in Stundenfrist liefern, virtuelle Realität und – irgendwann in naher Zukunft – freundliche Roboter für den Hausgebrauch.

Wir haben schon einiges davon selbst miterlebt. Etwa, als wir voller Spannung die erste CD in den soeben erworbenen CD Player einlegten. Und dann über die Tonqualität staunten! Kein Rauschen, kein Knistern, nichts – nur die reine Musik! Und dann das erste Mal den Homecomputer einschalteten und von einem freundlich blinkenden Cursor auf dem Bildschirm begrüsst wurden. «Nun mach mal was» war seine Botschaft, währenddem wir etwas ratlos im Handbuch blätterten… Und er schien noch etwas sagen zu wollen: Folge mir in die Zukunft!

Die Brücke zu Lützelflüh

Im kommenden Jahr wird das Brückenbuch des bekannten Lützelflüher Historikers Max Frutiger 40 Jahre alt. Das ist mehr als Grund genug, dieses schöne Buch wieder einmal zu lesen! Die Lektüre des umfangreichen und reich illustrierten Bandes ist so lohnend wie am ersten Tag.

Die Brücke zu Lützelflüh

Frutiger, Max: Die Brücke zu Lützelflüh (vergriffen)

Lehnen wir uns einen Moment zurück und stellen wir uns vor, was dieses Bauwerk, das mehr als 300 Jahre alt wurde, alles erlebt hat. Während des Bauernaufstandes von 1653 ertönten hier die Rufe von Meldereitern, der Widerhall der klopfenden Pferdehufe auf den Planken war zu hören. Obmann Niklaus Leuenberger selbst war es, der dem Wachtmeister Ulrich Kipfer vom Waldhaus bei Lützelflüh die Order gab, Wachtposten aufzustellen. Der Wachtbefehl des Berner Bauernanführers vom 19. März ist erhalten geblieben und im Buch abgedruckt. Kipfers Wache funktionierte sehr gut, wie ab Seite 80 nachgelesen werden kann. Ein Bericht hält fest, dass als Handwerker und Bettler verkleidete Soldaten das Schloss Brandis zu erreichen versuchten. Die Brücke konnten sie passieren, aber als sie das Dorf erreichten, wurden sie von einem Posten aufgegriffen. Als die drei Verkleideten keine «Passporten und Passzedel» vorweisen konnten, drohten ihnen die Wächter mit erhobenen Halparten und Knüppeln. Und schickte sie weg: «Oh ihr Schelmen, machend üch wider zrugg»

Die Brücke erlebte 140 Jahre später den Kriegslärm vom Einfall der Franzosen, wie Max Frutiger schildert. Der Historiker dokumentiert detailliert und bildhaft die unheilvollen Geschehnisse dieser Zeit und wie die Bevölkerung unter den plündernden und marodierenden französischen Husaren zu leiden hatte: «Scheu und verängstigt sahen die Dorfbewohner die Franzmänner über die Brücke ziehen, diese fremden Teufel, die so komisch welschten, dass man sie nicht verstand». Die Angst war nicht unbegründet, wie der Chronist mit zahlreichen Beispielen belegt!

Die Brücke von Lützelflüh wurde im Jahr 1584 erbaut, es herrscht in dieser Zeit das «Brückenfieber» im Emmental. Die Bevölkerung in der Region nimmt zu, Handel und Gewerbe fordern schnellere und sichere Zufahrten in die Täler. Und Brücken sollen von Fuhrwerken überquert werden können. Zuvor gab es meist nur einfache Stege für Fussgänger, wenn überhaupt! Meist wurde die Emme, die damals ein viel flacheres Ufer hatte, über eine Furte überquert. Gerade für Ross und Wagen war dies gefährlich, Unfälle mit schwerwiegenden Folgen waren keine Seltenheit!

Zeitungsartikel im Buch

Fundstück: Im antiquarischen Buch tauchte ein Zeitungsartikel aus dem Erscheinungsjahr auf.

Im Kapitel «Der Eggiwylfuehrme und syner Gspane» wird von den Wassergrössen berichtet, die das Emmental immer wieder erlebt habt. In der Sprache Gotthelfs berichtet der Historiker, was geschieht, wenn die Emme anschwillt und zu einem tosenden Sturmwasser wird. Ungestüm, wild, tosend und brüllend zieht sie verwüstend durch das friedliche grüne Tal! Eggiwylfuehrme nennt sie seit der Zeit der Flösser der Volksmund, wenn sie mit lautem Geschiebe das Tal hinunter fährt! Wie Max Frutiger festhält, hat die Brücke zu Lützelflüh alle Fluten überstanden. Wohl wurde sie immer wieder beschädigt und bei der grossen Wasserkatastrophe von 1837 fast mitgerissen (Vorschieben der Brücke auf einem Joch). Allein sie bestand auch diese Wassernot, die gemäss Frutiger zu den grössten gehörte, den das Emmental je erlebt hat.

Im 19. Jahrhundert, die Brücke war damals schon mehr als 200 Jahre alt, gab es wiederholt Bestrebungen, sie durch einen Neubau zu ersetzen und die Verwaltung an den Kanton zu übertragen. Aber erst kurz vor der Jahrhundertewende waren die neuen Pläne spruchreif und alle Verträge für einen Neubau unterzeichnet. An die Stelle der ehrwürdigen alten Holzbrücke trat eine Eisenkonstruktion, die schon nach 70 Jahre wieder abgerissen werden musste, weil sie rostete! Im Bericht des damaligen Gemeindeschreibers Carl Haldimann klingt auch etwas Wehmut mit, wenn er den Abbruch der Holzbrücke wie folgt protokolliert: «Für spätere Überlieferung wird hier an dieser Stelle davon Akt genommen, dass die im Jahr 1584 (…) erbaute hölzerne Brücke zu Lützelflüh vom 18. bis 22. Dezember 1902 abgebrochen worden ist». Ferner schreibt er, dass eine wohlgelungene Photografie der Brücke dem Archiv zur Aufbewahrung übergeben wurde.

Holzbrücke LützelflühEinfahrt der Brücke bei der Kulturmühle

Ganz abgebrochen? Nicht ganz, eine Einfahrt der Brücke ist erhalten geblieben und diente als Remise. Sie steht heute bei der alten Mühle (heute Kulturmühle) in Lützelflüh. Wenn Du, lieber Leser, vorbeikommst, halte einen Moment inne und höre auf die alten Erzählungen, an die sich dieses einzigartige Bauwerk erinnert. Vielleicht daran, wie sie regelmässig von einem berühmten Schriftsteller und Pfarrer überquert wurde, der in der Dunkelheit auf der Hut sein musste, weil ihm die Nachtbuben nachstellten…

Das Buch von Max Frutiger erschöpft sich nicht mit dem ausführlichen Bericht über die Brücke. Der Historiker geht detailreich auf das Zollwesen ein, schildert das gefährliche Leben der Flösser und weiss vieles über die «Schächeler» zu erzählen. Die Menschen also, die im Emmenschachen ein meist karges Leben führten und mit den Fährnissen des Wetters zu kämpfen hatten. Und damit, dass sie bei den Bauern auf der sonnigen Terasse keinen guten Ruf hatten! Aber: «Nirgends wandte sich die Lage, im grossen gesehen, so zum Guten wie in den Schächen», folgert Max Frutiger, wenn er die Entwicklung der letzten hundert Jahre betrachtet. Das Kapitel wird abgerundet mit den Illustrationen einiger Schachenhäuser wie dem «Micheli-Hüsli», von denen die meisten leider verschwunden sind.

Das Buch ist leider vergriffen. Mein Exemplar stammt vom Buchantiquariat Libretto in Langnau. Das Antiquariat ist beim Auffinden weiterer Ausgaben gerne behilflich. Ein Band ist zurzeit auf dem Emmental Shop vorhanden. Zum Thema Holzbrücken ist 2016 ein neues Buch von Hanspeter Buholzer erschienen: Holzbrücken im Emmental. Blogbericht, Artikel in der Wochen-Zeitung