| Schnappschüsse |
Der
Wetterbericht verhiess warm, teilweise sonnig mit strichweiser Gewitterlage!
Da wir im Vorfeld doch an der Herausforderung unseres Liedes etwas zu kauen
hatten, war die Gemütslage bei einigen Chörlimitgliedern auch eher auf
Gewitterlage ausgerichtet.
Individuell reisten wir am Samstagmorgen - für einige war das "in aller
Herrgottsfrühe" - mit den Autos nach Biel. Hier war der erste Eindruck
etwas "kühl". Man sah kaum irgendwo einen Wegweiser, der einem das
Finden der Parkplätze erleichtert hätte. Auch auf die Shuttelbusse hielten wir
um 07.15 Uhr vergebens Ausschau. Offensichtlich setzte ihr Betrieb erst ein,
als wir uns 08.00 Uhr bereits beim Ansinglokal einfanden. Nicht besser erging
es denjenigen, die per Bahn anreisten. Wenn man allerdings einmal die Nähe
der Altstadt erreichte, mangelte es an nichts mehr. Stände in allen Variationen
waren aufgestellt, kunterbunt, traditionell und zahlreich eben auch
fremdländisch. Gelbe und schwarze allesamt freundliche Gesichter lächelten
einem zuhauf entgegen. Rustig gab es da zu betrachten, die ein Jodler noch kaum
zu sehen bekommen hatte. Also konnten wir auch unser Allgemeinwissen etwas
updaten....
In gekonnter Manier gelang es Ueli, uns die Nervosität zu nehmen und uns
auf den Wettvortrag einzustimmen. Dabei fanden wir auch im Tee und dem "Späck",
welcher Hans Lehmann organisiert hatte, das nötige Mittel, unsere Stimmen
einzuwärmen und zu salben.
09.30 Uhr - das Juryglöcklein ertönt in der grossen Stadtkirche. Mit etwas
Respekt betreten wir die Kirche und stellen uns in Formation
auf. Beinahe voll ist die Kirche von Besuchern. Wo die um diese Zeit schon alle
herkamen? Der Auftakt und die 1. Strophe gelingen gut. Hie und da kann ich
einen bewundernden, aufmunternden Blick erhaschen, als der Jutz zu Ende geht. Der
1. Tenor hinter mir macht sich mit dem Solo alle Ehre. Aufgrund des guten
Gefühls gelingt es Erika, Ruedi und mir in der 2. und 3. Strophe noch etwas
zuzulegen. Der Schlusston verhallt - und wie ein Gewitterregen erschallt der
überaus kräftige Applaus vom Publikum. Kurze Kontrolle beim Abgang - Tonart
genau gehalten - die erste Hoffnung, eigentlich könnte es für Klasse 1 reichen.
Vor der Kirche dürfen wir viele Gratulationen entgegennehmen. Jetzt ist das
Herz erleichtert und das Fest kann beginnen. So genehmigten wir uns einen
kurzen "Siegestrunk".
Vollzählig verschiebt sich unser Chörli anschliessend in die
Juravorstadtkirche. Hier kommen wir erleichtert an und es fällt uns schwer,
mucksmüseli still in den Bänken Platz zu nehmen, wo wir den Vortrag unserer Huttwiler
Leidensgenossen (auch hier "regäntet" Ueli) kritisch miterleben
wollen. Ein gewaltiger Vortrag gelingt ihnen, die zwei jungen Jutzerbuben
überzeugen, auch Wälteli gelingt der Jutz gut. Aber die Zuschauerschar ist
überwältigt vom Basssolo von Reiti & Co. Auch sie dürfen sich eines
Supervortrages erfreuen. - Und jetzt, jetzt ging das Fest wirklich und
endgültig los. Huttwiler wie Chörler waren erleichtert und durften tatsächlich
auf ihre Vorträge stolz sein. Gegenseitig versicherten wir uns, wie gut wir
wären! Und zuoberst durfte Ueli von beiden Klubs unsere Gratulationen und
Anerkennung für sein Wirken in Empfang nehmen. - Bravo Ueli -
Nach dem Mittagessen verbrachten wir den Tag individuell mit Anhören
weiterer Vorträge. Zwischendurch auch draussen in einem Beizli bei einem guten
Gespräch mit manch einem Jodler oder Jodlerin, die man schon länger nicht mehr
gesehen hatte. Dies gibt einem dann immer das Gefühl - mir si haut doch e
grossi Familie!
Am Abend fand sich das Chörli auf dem grossen Platz zusammen, wo wir uns zuerst
"Schärmeplatz" unter der Laube erkämpfen mussten. Regnete es doch hie
und da ziemlich stark. Gegen Mitternacht zu machten sich die Meisten auf den
Heimweg. Aber auch der Regen hörte auf. Der harte Kern der Chörler und der Huttwiler
fanden sich nun wieder im Freien zusammen und liedeten bis weit in den Morgen.
. . unvergesslich bleibt's . . .
Am Morgen nach ein, zwei Stunden Schlaf auf irgend einer zweckentfremdeten
Liege im Freien oder im Auto fand der offizielle Festakt im Kongresshaus statt.
Ein würdiges Zeremoniell, in der Tat. Beim anschliessenden Apéro wurden die
guten Gespräche plötzlich jäh unterbrochen - Rangliste, Rangliste . . . und ein
Run ging los. Jeder musste das begehrte Ding haben, nicht nur eine, sondern
Dutzendweise musste man sie Einkaufen, eben auch für die Daheimgebliebenen.
Schnell durchblättern und - die glückliche Erleichterung - wir haben es
tatsächlich noch einmal geschafft - Klasse 1. Nun noch schnell ein paar SMS
verschicken und die gute Kunde in der Welt verbreiten. . .
Den Nachmittag verbringen wir im Schatten und geniessen den Umzug. Auch hier
zeigt Biel einmal etwas Neues. Fremdländische Bilder laufen mit - zwischendurch
auch Bilder, die lediglich Reklame für einen andern Anlass machen - Sache gits.
. .
Am Abend finden wir uns im Rest. Bahnhof in Lengnau ein. Hier hat der Wirt mit
seinem Team eine wunderschöne Tafel eingerichtet, an der uns das hervorragende
Essen noch besser schmeckt. Nicht nur dass Hans Lehmann als Organisator das 1.
Glas Weisswein spendierte, sondern dass uns noch der treue Chörlifan und
Gönner, Marcel Pauli mit Blanca, die Ehre mit seiner Aufwartung machte, krönte
den Ausklang in besonderem Masse. Ein Dankeschön gebührt an dieser Stelle. Mit
etwas Wehmut machten wir uns anschliessend auf den Heimweg - äs isch wider
einisch verby!.
Aber alles in allem kann doch gesagt werden, das Jodlerfest in Biel war ein
gutes Erlebnis, das dem Chörli wieder einmal gut tat. . . .
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