Archive for the ‘Gotthelf’ Category

Gotthelf-Märit 2012

Thursday, May 10th, 2012

Gotthelf Markt

Wenn der Frühling dem Sommer die Hand reicht und die warmen, langen Sommertage alles Leben erfreut, dann ist auch die Zeit für den Gotthelf-Märit im Sumiswald gekommen. Schon zum 16. Mal findet dieser historische Markt im Emmentaler Dorf statt und erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit. Besucher aus der ganzen Schweiz und aus dem Ausland machen sich auf den Weg ins Emmental und geniessen während einem Tag die einzigartige Atmosphäre des Gotthelf-Märits. Wie jedes Jahr gibt es Handwerke, Bräuche und Kostüme aus vergangener Zeit zu sehen. Jodler, Alphornbläser, ein Kinderchörli und die Musikgesellschaft Sumiswald sorgen für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Wer dem Markttreiben für einen Moment entfliehen will, kann in der Kirche mitten auf dem Gelände Unterhaltung der stillen Art finden. Lorenz Mühlemann und Thomas Keller, zwei berühmte Zitherkünstler, geben hier ein Konzert. Auf ihre Kosten kommen auch Freunde des urchigen Schwingsportes. Auf dem Marktgelände findet ein Jungschwingertag statt, an dem sich 250 Nachwuchsschwinger ein Stelldichein geben und «zämegryffe&raquo, für viele schöne Preise!

Der Gotthelf-Märit ist ein Erlebnis für alle Sinne, ein lebhaftes Marktreiben, bei dem es viel zu sehen, hören und erfahren gibt. Für das leibliche Wohl sorgen neben zahlreichen anderen Ständen auch der Winzer Pierre-Alain Chevalley und seine Familie aus Rivaz im Lavaux-Gebiet. Besucher werden hier mit einem guten Glas Wein und feinem Fisch vom Genfersee verwöhnt. Apropos Marktstände: es hat für alle etwas: Kunsthandwerk, Emmentaler Spezialitäten, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Antiquitäten, Süssigkeiten und vieles mehr!

«Chömet, lueget, gniesset, choufet…», der Gotthelf-Märit in Sumiswald findet dieses Jahr am Samstag, den 9. Juni 2012 statt.

Homepage: http://www.gotthelf-maerit.ch

Gotthelf Märit 2011

Tuesday, June 7th, 2011

«Haare, barte, Rügge chraue…» Über Aufmerksamkeit konnte sich die Frau vor der Konditorei zum Beinhaus nicht beklagen. Zu den langen Kleidern trug sie ein «Fürtuch», einen runden Hut und eine «Redli-Brille». Mit kräftiger Stimme pries sie ihre Dienstleistungen an. Einige Märit-Besucher machten spontan mit und liessen sich von der bodenständigen Fachfrau den Bart schneiden, die Füsse waschen oder die Haare kämmen. Und während auf der gegenüberliegenden Strassenseite die «Wöschwyber» ihrer Arbeit nachgingen, wetteiferten sie so mit der Coiffeuse aus Gotthelfs Zeiten, die nebst ihrem Können auch ihre Schlagfertigkeit unter Beweis stellte…

Auch 2011 gibt es am Sumiswalder Gotthelf-Märit viel zu sehen und zu erleben. Zwei Jodlerklubs, eine Örgeligruppe, die Musikgesellschaft und das Kinderchörli Unteremmental verwöhnen die Besucher mit Gesang und Musik der traditionellen und volkstümlichen Bernerart. Auf der Kreuzmatte gibt es dieses Jahr ein Plausch-Platzge. Was ist denn platzgen, mag nun ein Nicht-Berner fragen. Ganz einfach; platzgen ist ein alter Wurfsport, beim dem die Platzge möglichst nahe an einen Schwirren/Stock geworfen werden muss. Wer’s genau wissen will zum üben, findet die Spielregeln auf www.platzgen.com.

«Chömit, luegit, stuunit …u choufit!». Der Gotthelf-Märit 2011 verspricht erneut ein Fest zu werden für alle Sinne. Und wer im im regen Märit-Leben eine Pause machen will zum etwas essen und trinken, wird nicht enttäuscht werden. An zahlreichen Ständen werden die Besucher mit Köstlichkeiten aus der Region versorgt. Das gehört sich so im Emmental! Apropos Region; Gastregion ist dieses Jahr das Winzerdorf Rivaz am Genfersee. Hier können die bekannten und beliebten St-Saphorin- und Dézaleyweine degustiert werden – und damit echte Genferseeatmosphäre aufkommt, werden schmackhafte Fische aus dem Lac Léman serviert.

Gotthelf-Märit 2011: 11. Juni in Sumiswald

Heiraten wie zu Gotthelfs Zeiten

Sunday, May 8th, 2011

Keine andere Feier kennt soviele Bräuche, Traditionen und Regeln wie das Hochzeitsfest. Das war früher nicht anders, unsere Vorfahren legten sogar noch mehr Wert auf deren Beachtung. Zuviel Übermut beim Feiern konnte aber auch vor dem Chorgericht enden! Wir blenden zurück und stellen einige alte und vergessene Hochzeitsbräuche und Rituale vor.

Zuerst sah man die beiden mehr als einmal zusammen am Tanzsonntag, dann hiess es, der Gerber Hans sei bald jede Woche nahe bei der Grossmatt gesehen worden. Und zuletzt verbreitet sich das Gerücht, demselben hätten am Samstag Abend ein paar Nachtbuben aufgelauert. Allein der Hans sei schlauer gewesen, hätte einen Umweg genommen und sei dank dieser List nicht die nächtliche Falle getrappet! Und nun war es also gewiss, dass aus den beiden, aus Grossmatt’s Annalies und Gerber Hans ein Paar wird. Schliesslich seien die Eltern der beiden mehrmals zusammengekommen. Und das hat etwas zu bedeuten!

In früheren Jahrhunderten war das Heiraten ein Ereignis, das die ganze Familie etwas anging. Verhandelt werden musste etwa, was den beiden in die Ehe mitgegeben werden soll, was die Braut als Morgengabe erhielt und was der Braut zum Trossel gespendet wird. Oder wie der Hausstand des jungen Paares organisiert werden soll. Das mag in unseren Ohren wenig romantisch klingen. Aber noch im 19. Jahrhundert war Heiraten Familiensache. Besonders auf dem Lande. Manche Ehe war mehr auf Familieninteressen denn auf Liebe gegründet. Aber eben nicht alle. Liebe ist die stärkste Macht auf Erden. Und so erfahren wir aus vielen alten Geschichten und Überlieferungen, dass junge Liebespaare ihre eigenen Wege gingen. Etwa in der schönen Überlieferung von der Tochter des Signauer Bärenwirtes. Sie verschmähte gegen allen väterlichen Willen den hochnäsigen Junker Ernest und wagte sich sogar mitten in das Kampfgeschehen von 1798 im Grauholz, um ihren Geliebten zu retten. Oder in Gotthelfs handfester Erzählung von Michels Brautschau. Diesem passieren auf der Suche nach einer geeigneten Partnerin die unmöglichsten Missgeschicke. Hätte er auf nur den Rat seiner Kindermutter gehört, es wäre ihm einiges erspart geblieben!

Viele alte Hochzeitsbräuche sind heute verschwunden oder nur noch in Bruchstücken erhalten. In Gotthelfs Meisterwerk «Geld und Geist» will Resli Annemarei als Ehepfand seine Taschenuhr geben. Diese lehnt jedoch ab, das sei viel zu auffällig. Also tauschen die beiden einen Berner Batzen. Diesen kann Annemarei in der Hand halten und ansehen, wann immer es will, ohne dass jemand etwas ahnt. Diese Anekdote mag seine Wurzeln im alten Ehepfand oder Ehepfennig haben. Das Ehepfand war kein gewöhnliches Geschenk, es war rechtlich bindend und somit von grosser Bedeutung. Ehepfänder waren von verschienster Art, neben Münzen und Silberringen sind auch Nasenlumpen und andere Dinge bezeugt. 1743 soll in Herzogenbuchsee ein Mädchen nur eine Baumnuss als Ehepfand erhalten und wurde deswegen ausgezäpfelt. Wir wissen auch, welche Ehepfänder im Haslital Sitte waren: die angehende Braut erhielt vom Bräutigam ein Brusttuch und überreichte dem Auserwählten im Gegenzug einen breiten Ledergürtel.

In Brienz und Umgebung gab es die «Chränzlete». Dabei wurden von der Hochzeitsgesellschaft am Abend vor der Trauung Kränze aus Zypressen, Nelken und Rosmarin geflochten. Die Aufgabe des Bräutigams war es, mit einem weissem Schurz die Gäste zu bewirten. Zum Höhepunkt der Feier gehörte der Moment, bei dem der Bräutigam seiner Braut den Kranz vom Kopf nahm. Ein Zeichen dafür, dass sie von den Ledigen in die Gemeinde der Ehefrauen übertritt. Apropos Bräutigam: schon im 19. Jahrhundert war es Usus, dass sich die Ledigen vor der Hochzeit im Wirtshaus zum Singen und Tanzen trafen. Den «Polterabend» gab es also schon damals. Gesungen wurde auch nach der Hochzeit, wenn die frisch Vermählten auf dem Heimweg waren. Dabei gaben ihnen Mädchen und Burschen mit Musik und Gesang das Geleit zum Brautbett. Allerdings war dieser Brauch verpönt. 1754 wurden drei Jugendliche vor dem Chorgericht mit je 10 Schillingen Busse bestraft, weil sie an einem Niedersinget teilnahmen und 1810 wurde der Brauch polizeilich verboten. Auch Jeremias Gotthelf fand keinen Gefallen daran. 1824 bezeichnete er als Vikar von Utzenstorf den Niedersinget als «einen der verderblichsten Missbräuche». Aber auch der überaus schlicht und unschuldig wirkende Brautkranz war ein Reizthema, durfte er doch nur von Jungfrauen getragen werden. Hochzeiterinnen, die schon Kinder hatten oder schwanger waren, mussten sich mit einem Strohkranz begnügen.

Noch heute werden im Emmental am Vorabend der Hochzeit Böllerschüsse abgefeuert. Was aber kaum jemand mehr weiss: schon in alten Zeiten wurde vor der Hochzeit zuerst mit Trychlen, später mit Feuerwaffen tüchtig Lärm gemacht. Damit sollte drohendes Unheil vom Brautpaar ferngehalten werden. In Meiringen fand dieser Brauch gar Eingang in die Kirche! Dort machten die ledigen Burschen durch Stampfen mit genagelten Schuhen einen ohrenbetäubenden Krach, nachdem der Pfarrer die Brautleute verkündet hatte.

Manche Bräuche gehen vergessen, andere wandeln sich und bleiben so erhalten. Wieder andere entstehen ganz neu, wie etwa das Fahren der Brautleute mit eleganten Sportwagen oder Oldtimern. Über alle Zeiten erhalten hat sich das Spalierstehen, das eine festliche Ehrbezeugung für das Brautpaar ist. Mit liebevoll geflochtenen Bögen aus Blumen und Bändern wird dem Jungen Paar der Weg in das gemeinsame Leben geebnet. Die Geste ist aber auch ein Zeichen dafür, dass das Paar auf seinem Weg nicht alleine ist. Ein schöner Brauch also!

Kehren wir noch einmal zu Gotthelf zurück. Die Erzählungen des grossen Volksdichters berichten auch von den verschiedensten Gewohnheiten und Bräuchen aus vergangenen Jahrhunderten. Im letzten Kapitel von «Uli der Knecht» gewährt Gotthelf dem Leser den Einblick in eine kirchliche Trauung seiner Zeit, in die von Vreneli und Uli. Mitten in der Nacht fahren die beiden mit dem Wagen los, denn der Weg zu Ulis Heimatgemeinde ist weit. Unterwegs beobachten Sie einen Schwarm Tauben, von denen zwei ganz weiss waren und direkt auf sie zuflogen. Das Paar deutete dies als ein gutes Omen. So kamen sie nach Ufligen und bald waren die hellen Kirchenglocken zu hören, die das Paar zur Hochzeit riefen: «Uli fasste sein Vreneli bei der Hand und wanderte mit ihm der Kirche zu. Feierlich tönten die feierlichen Klänge im Herzen wieder, denn der Siegrist läutete ordentlich die Glocken (…)» In der Kirche trafen die beiden eine Taufgesellschaft an, auch dies wurde aus gutes Zeichen gedeutet. Und dann war der grosse Moment da, der Pfarrer trat hinter dem Taufstein hervor, das Hochzeitspaar gab sich die Hände und knieete nieder: «und von ganzer Seele, ganzem Gemüte und allen Kräften beteten und gelobten sie, was die Worte sie hiessen (…).»

So berichtet Jeremias Gotthelf von einer alten Trauzeremonie. Und er vergisst nicht, auch die Gefühle des Paares zu beschreiben, als es nach der Trauung die Kirche verlässt, um Hand in Hand einem neuen, gemeinsamen Leben entgegen zu gehen: «es war einem jeden, als hätte es einen grossen Schatz gewonnen für’s ganze Leben.»

Gotthelf-Märit 2010

Saturday, May 22nd, 2010

«Chömet, lueget, stuunet…». Wer im vergangen Jahren den Gotthelf-Märit in Sumiswald besucht hat, denkt sicher gerne an die erlebnisreichen Stunden bei schönstem Sommerwetter im «bhäbigen» Emmentaler Dorf zurück. Besucher aus der ganzen Schweiz liessen es sich nicht entgehen, an diesem Tag den traditionellen und bekannten Erlebnismarkt zu besuchen und zwischen den Ständen den Handwerkern, Schwingern oder «Wöschwyber» bei der Arbeit zuzusehen.

Auch dieses Jahr warten auf die Besucher viele Attraktionen. Musikalisch unterhalten werden die Gäste von der Musikgesellschaft Meiringen, dem Gotthelfchörli Lützelflüh, der Alphornbläsergruppe Sumiswald und vom Kinderchörli Unteremmental. Wer sich einen Moment aus dem geschäftigen Märitleben zurückziehen will, findet in der Kirche Ruhe und Entspannung. Dort wird zwischen 11.00 und 15.00 Uhr von Lorenz Mühlemann ein Zitherkonzert gegeben. Wie im vergangenen Jahr werden wieder zahlreiche alte Handwerke gezeigt, Sattler, Korber, Drechsler und vielen weiteren Handwerkern und -werkerinnen zeigen ihr Können.

Bereits zum zweiten Mal vertritt die Weinkellerei Hans Schlatter die Gastregion Hallau aus dem Schaffhauser Blauburgunderland. Am Degustationsstand werden weisse und rote Weinspezialitäten aus dem sonnigen Klettgau präsentiert. Die Spezialitäten aus Hallau ergänzen das reiche kulinarische Angebot am diesjährigen Gotthelf-Märit.

Das Emmental ist eine Region mit vielen Gesichtern. Tradition, Brauchtum und Volkskunst haben aber ihren festen, angestammten Platz und sind lebendig geblieben. Dies beweist neben vielen anderen Veranstaltungen auch der Gotthelf-Märit eindrücklich. Es ist ein Märit für alle Sinne, der einen anregenden Blick in unsere eigene Vergangenheit bietet und unser schönes Brauchtum auch ganz praktisch mit unserer modernen Zeit verbindet.

Gotthelf-Märit 2010: 12. Juni in Sumiswald

Die Augen des Dichters

Tuesday, February 9th, 2010

Oberhalb der Kirche von Lützelflüh steht schon seit einigen Wochen ein riesiges Plakat, auf dem die Augen des berühmten Dichters Jeremias Gotthelf zu sehen sind. Am Abend wird das Plakat beleuchtet, es ist dann an seinem günstig gewählten Platz über dem Dorf besonders gut zu sehen. Dem Betrachter fällt es bereits auf, wenn er über die Anhöhe zwischen Hasle-Rüegsau und dem Dorf des Dichters fährt. Zuerst, noch rund einen Kilometer entfernt, ist es ein grosser, heller Leuchtpunkt am Berg. Erst wenn der Abstand kürzer wird, sind die Augen des berühmten Volksdichters deutlich zu sehen.

Augen Jeremias Gotthelf

So steht das Plakat am Hang über der Kirche, regt zum Hinsehen an, aber auch zum Nachdenken. Gewiss steht die Installation an einem Platz, an dem der Dichter selbst mehrmals vorbei gekommen ist. Vielleicht hat sich Gotthelf auf dem Rainbergliweg umgedreht, um das Dorf sehen zu können, das nun von dem erhöhten Punkt aus zu sehen war. Das Sehen und Erkennen war immer wieder ein wichtiges Thema für Gotthelf. Er selbst ging mit wachen und scharf beobachtenden Augen durch die Welt seiner Zeit. Und durch seine Schriften machte er das, was ihn bewegte auch für andere Menschen erkennbar. Und, wie viel Schönes hält doch das Leben für uns bereit, wenn wir genau hinsehen:

«Die Welt wäre eigentlich voller Freuden, man könnte deren auflesen bei jedem Schritt und Tritt; aber man muss eigene Augen haben, sie zu sehen, man muss eine Art von Glückskind dafür sein.»

Auf einem Plakat über dem Dorf sind die Augen des Mannes zu sehen, für den das klare und vorurteilsfreie Hinsehen und Erkennen so wichtig war. Und wenn wir das leuchtende Augenpaar Gotthelfs sehen, am hellen Tag wie auch in der dunklen Nacht, dann ist dies wie eine Einladung, auch unsere eigenen Augen im Sinne des Dichters zu nutzen. Und dazu gehört natürlich auch das Lesen von Gotthelfs Werken.

Da, wo Gotthelf auf einem Bild über das Dorf blickt, öffnet sich auch eine weite Sicht über das Emmentaler Dorf hinaus; zu sehen sind die weiter entlegenen Ortschaften, die Emmentaler Hügel und am Horizont die schneebedeckte Schrattenfluh, die an manchem schönen Tag weiss und silbern unter dem blauen Himmel leuchtet. Es ist dasselbe Bild, so wie es auch der Poet vor 150 Jahren erblickt haben mag. Aber es ist nicht dasselbe wie damals, ist es doch während all den Jahren von Menschenhand verändert worden. Auch wir selbst verändern uns, bleiben nicht dieselben, während die Zahl der Lebensjahre zunimmt. Am Leben sollen wir reifen und mit immer wieder neuem, an Erfahrung und Weisheit reicherem Sehen unsere Umwelt wahrnehmen – und zum Guten hin annehmen.

Gotthelf-Zentrum Lützelflüh

Friday, October 16th, 2009

Jeremias Gotthelf und sein literarisches Werk sollen in der Bevölkerung wieder bekannter werden. Dies war das erklärte Ziel einer von der Universität Bern getragenen Gotthelf-Stiftung. Und um diese Ziel zu erreichen, wurde ein ehrgeiziges Projekt ins Leben gerufen: Das Gotthelf-Zentrum in Lützelflüh. Der schon zu Beginn detailliert ausgearbeitete Plan der Initianten sah vor, im historischen Pfarrhaus Lützelflüh ein Gotthelf-Museum einzurichten. Ferner sollten regelmässig Lesungen und andere Aktivitäten organisiert werden. Auch die Bevölkerung der umliegenden Gemeinden sollten in die Programme des Zentrums miteinbezogen werden: zusammen mit den Vereinen aus der Region waren zeitlich regelmässig angesetzte Freilichtaufführungen vorgesehen.
Soweit also zum Projekt. Und die Kosten? Die waren laut Ueli Bichsel, dem Projektleiter der Stiftung, beträchtlich: rund 322.000 Franken Betriebskosten – pro Jahr! Dieses Geld sollte gestützt von einem Millionebetrag aus dem Lotteriefond durch Sponsoring herbeigeschafft werden. Schliesslich sollte durch die Eintritte im Gotthelf-Zentrum ein Teil der Betriebskosten abgedeckt werden. Mit 6000 Besuchern pro Jahr wurde gerechnet. Ein ehrgeiziges Ziel!


Jeremias Gotthelf Denkmal in Lützelflüh

Das Projekt fand bei der Basis nur wenig Unterstützung und verlor in der Folge bald an Fahrt. Besonders die ungeklärte Kostenfrage weckte in der Öffentlichkeit Misstrauen. Wer muss denn bezahlen, wenn «ds Gäud fält», fragten einige besorgte Dorfbewohner. Ferner gab es Fragen zum Pfarrhaus: wo soll der Pfarrer wohnen wenn er das Pfarrhaus verlassen muss un für das Museum Platz zu machen? Und will Pfarrer Bieri das überhaupt? Ferner waren es die Vereine, die sich um ihre Unabhängigkeit Sorgen machten: würde ihnen das Zentrum die Unabhängigkeit beim Bestimmen des Theaterprogrammes beschneiden? Und endlich: Ist das Zentrum in dieser Form nicht doch eine Nummer zu gross für Lützelflüh? Das waren viele Fragen. Vom Projektteam war in der Folge Überzeugungsarbeit gefordert.

Die Promotoren des Gotthelf-Zentrum machten im Winter 2008/2009 aktiv Werbung für Ihr Projekt und suchten Unterstützung im Gewerbe, in der lokalen Politik und in der Bevölkerung. Vergeblich! Das Vorhaben stand seit dem Start unter keinem guten Stern und fand nie Halt in der Region. Den ersten, vorentscheidenden Dämpfer erlitt das Gotthelf-Zetrum in der von Ueli Bichsel geplanten Form am 11.März 2009 an der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung in Lützelflüh. Bei der nicht nur medial vielbeachteten Versammlung in der historischen Kirche zu Lützelflüh ging es um viel: um das Gotthelf-Zentrum realisieren zu können, sollte für Fr. 610.000 ein neues Pfarrhaus gebaut werden. Der Kirchgemeinderat legte der Gemeinde dazu den Antrag für einen Baukredit vor.

gotthelf-brunnen

Gotthelf-Brunnen in Lützelflüh

Wie das Protokoll zeigt, gingen bei der Versammlung die Wogen hoch. Peter Baumgartner aus Grünenmatt stellte den Antrag, den Kredit nicht zu genehmigen, fand für sein Votum Unterstützung und brachte nach einer emotional geladenen Debatte und einer turbulenten Abstimmung den Kreditantrag zu Fall! Vorerst sollte es also in Lützelflüh kein neues Pfarrhaus geben! Es gelang dem Rat nicht, zwischen Gotthelf-Zentrum und Pfarrhaus zu trennen. Die hohen Kosten und die Frage, was die Gemeinde mit zwei Pfarrhäusern machen soll,wenn das Gotthelf-Zentrum «i ds Wasser gheit», dürften für den ablehnenden Entscheid den Ausschlag gegeben haben.
Am 15 Mai dann ein weiterer und entscheidender Rückschlag für das Zentrum: der Verein Region Emmental gab dem Gotthelf-Zentrum keinen Chance, weder Gemeinden, noch Unternehmer, noch die Öffentlichkeit könnten sich damit anfreunden. So der Wortlaut eines Briefes an die Stiftung. Und damit war das Ende des ehrgeizigen Projektes vorzeitig besiegelt.

Und das ist schade. Denn die Idee eines Gotthelf-Zentrums hat Zukunft und das Team um Ueli Bichsel hätte mehr Erfolg verdient. Doch wie geht es nun weiter? Das fragten sich einige Gotthelf-Enthusiasten aus Lützelflüh und Umgebung und trafen darauf den richtigen Entscheid: ein kleines, realistisches Projekte sollte es nun geben, mit einem kleinen Museum im Pfarrhaus. Das Team will einen bescheidenen Grundstein legen und dann, wenn die Idee Unterstützung findet, weiter ausbauen. Klein anfangen und dann wachsen; das klingt sympathisch und stimmt mit den Idealen des Dichters überein, um den es schlussendlich geht.

Dieser Blog unterstützt das Gotthelf-Zentrum in der neuen Gestalt. Denn eine Rückbesinnung auf das Wesentliche des Zentrums tut not: Jeremias Gotthelf, seine Bücher und seine Ideale den Menschen wieder näherzubringen. Die Bücher des berühmten Emmentaler Dichters haben nichts an ihrer Aktualität eingebüsst und begeistern immer wieder. Die bildhafte und kraftvolle Sprache des Pfarrers aus Lützelflüh ist einzigartig, seine Geschichten sind spannend und voller Leben. Kontrastreich und scharf, aber auch poetisch und mit dichterischem Reichtum zeichnet Gotthelf das Bild der Menschen seiner Zeit, mit ihren Sorgen und Freuden. Und als Volkslehrer und -erzieher weist er den Weg zu einem besseren Leben. Es sind Bilder, durch die auch wir lernen können und an denen wir uns freuen können.

Die aktuellen Entwicklungen rund um das Gotthelf-Zentrum stimmen zuversichtlich. Der Verfasser dieses Blogs blickt zuversichtlich nach Lützelflüh und wird wieder berichten, wenn das Projekt Fortschritte macht.

Kalenderpredigten

Saturday, May 2nd, 2009

kalenderpredigten

Gotthelf, Jeremias: Kalenderpredigten

In den Jahren 1840 bis 1845 übernahm der berühmte Schweizer Volksdichter Jeremias Gotthelf die alleinige Redaktion für den «Neuen Berner Kalender«. Kalender, bis heute auch &Brattig» genannt, sind jährlich erscheinende Kalender, die sich vorwiegend an eine ländliche Bevölkerung richten. Neben einem astronomischen Kalender gibt es vielfältige Informationen für Saat, Acker und Garten. Aber auch Unterhaltsames und Lehrreiches: Geschichten, Reportagen, Gedichte und Fachartikel.

Der neue Berner Kalender wurde 1838 von der Bernischen Gemeinnützigen Gesellschaft gegründet und in Bern verlegt. Aus dem Vorwort der Ausgabe von Hans Rudolf Christen ist zu erfahren, dass der Absatz des Kalenders während den ersten Jahren nicht den Erwartungen entsprach. So gelangten die Verleger an Jeremias Gotthelf mit der Bitte, die Redaktion zu übernehmen. Und Gotthelf ging auf diese Bitte ein. Er sah im Kalender eine Möglichkeit, seine eigenen Schriften einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Gotthelf schrieb nicht um zu unterhalten; seine schriftstellerisches Werk war der Volkserziehung gewidmet. Gotthelf kannte die Probleme und Missstände seiner Zeit, die Not und die alltäglichen Sorgen seiner Mitmenschen. In seiner kraftvollen und bildhaften Sprache wies er auf die Probleme hin und zeigte Wege zu Lösung. Und er tat dies nicht in der Art eines kühlen Gelehrten. Nein, seine Geschichten spielen mitten im Leben jedes Einzelnen. Sie erzählen von den Sorgen und Nöten in Haus und Hof, in Schule und Kirche, in Stadt und Land.

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Jeremias Gotthelf

Und so erstaunt es nicht, dass Gotthelf nicht den redaktionellen Status Quo des Kalenders beibehalten wollte. Aus «Rezepten wie Wanzen zu vertreiben seien und wie viel Junge die Steinböckin habe» sein kein vernünftiger Kalender zu machen. So entwarf Gotthelf die Kalenderpredigten, die den inhaltlichen Kern der sechs folgenden Ausgaben bilden sollten.Diese Predigten waren in ihrer Art neu, wie der Name «Kalenderpredigt», den Gotthelf selbst für dieses Vorhaben schuf. Die sechs Predigten sind geprägt von einer tiefen Wahrheit, jedoch entkleidet von allem Kirchlichen und verfasst in einer lebensnahen Sprache, die den Leser unmittelbar berührt und zu einem Teil des Stoffes werden lässt.

Das Ende des berühmten Hohelied des Apostels Paulus gipfelt in der Zuversicht: Am Ende aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe. Am höchsten aber steht die Liebe. Gotthelfs Kalenderpredigten haben diese drei Werte zum Thema und erweitern sie noch durch Demut, Sanftmut und Furcht. Alle Predigten sind nebst ihrer sprachlichen Schönheit von zeitloser Weisheit durchdrungen. So haben die Betrachtungen des Volksdichters auch nach 200 Jahren nichts von ihrer Aktualität verloren. In der Predigt über die Demut beispielsweise lässt der Dichter die Menschen erkennen, dass Demut nichts künstliches oder aufgesetztes ist, sondern das Ergebnis der Selbsterkenntnis und der Vorstellung eines allmächtigen Gottes. Demut, wie auch Liebe und Sanftmut sind der feste Grund, auf dem ein glückliches und gelingendes Leben steht. Konstrastreich schreibt Gotthelf dann, wie durch Geringschätzung dieser Tugenden Leid und Unglück entstehen.

Gotthelfs Kalenderpredigten sind volkstümlich. Schalkhafte Bemerkungen haben ihren Platz, genauso wie hin und wieder ein kräftiger Seitenhieb gegen Gotthelfs politische Gegner. Über allem steht aber steht eine feste Zuversicht, dass ein erfülltes Leben und ein glückliches Miteinander in jedem Moment unserer Existenz möglich sind.

Das von Hans Rudolf Christen gestaltete Werk ist auch etwas für Bibliophile. Es macht macht Freude, in diesem hübsch gestalteten Büchlein zu lesen. Bezogen werden kann das zuletzt 1986 im Elvisia Verlag erschienene Buch im Gotthelf-Museum in Lützelflüh.

Unsere Berner Tracht

Tuesday, February 22nd, 2005

(Der folgende Text entstand beim Realisieren der Homepage der Trachtengruppe Herzogenbuchsee)

Woher kommt sie?

Obwohl unsere Tracht während allen Zeiten ihrer Entwicklung stark den herrschenden Modeströmungen unterworfen war, so finden wir in ihrer Entstehung doch ein echtes Stück Berner Geschichte. Die Bernertracht ist weit über die Kantonsgrenzen hinweg bekannt und beliebt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sie sogar als Nationaltracht angesehen. Louise Witzig nennt die Bernertracht in ihrem Schweizer Trachtenbuch von 1954 «eine der berühmtesten und charaktervollsten unseres Landes.»

Um zu verstehen, wie die Bernertracht entstanden ist, müssen wir eine Zeitreise zum Beginn des 18. Jahrhunderts unternehmen. Es ist eine Zeit der Umwälzungen, in der unser Land nach einer neuen politischen Ordnung strebt. In diesem Wandel verlieren auch die alten Kleidermandate an Kraft und ermöglichen es der Landbevölkerung, die in den Städten herrschende Mode zu übernehmen und zu variieren.

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts beginnt sich so die Bernertracht aus der damaligen Mode herauszuschälen: Die in der ersten Jahrhunderthälfte von Bürgersfrauen getragenen modischen Gewänder im Rokokostil sind in der zweiten Hälfte der Dekade an die Bäuerinnen übergegangen und wurden hier zur Tracht. Natürlich erfuhr die Tracht in den kommenden Jahrzehnten zahlreiche Veränderungen, kurze Taillen und Puffärmel in der Zeit des Empire, Reifröcke und lange, weite Aermel zur Biedermeier- und Krinolinzeit, bis zum Knöchel reichende Röcke und lange Seidenschürzen am Ende des 19. Jahrhunderts.

Die Landbevölkerung hielt aber zäher als die urbane Bevölkerung an Kleidersitten und Gewohnheiten fest. Dies führte dazu, dass die Tracht wesentliche Grundzüge bewahrt hat, ohne dabei den Geschmack der Zeit auszuklammern.

«D’Tracht isch Zeiche u Sinnbild vo däm, wo i dr Seel inne läbt. Sie söll üs mahne, was rächti Schwyzerart isch.» Simon Gfeller

Nachdem gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Tracht immer seltener getragen wurde und mancherorts fast in Vergessenheit geriet, erfuhr sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert eine Renaissance. Bis heute ist die Freude an unserer Volkstracht ungebrochen, denn das Tragen der Tracht ist keine Maskerade oder Kostümierung, es ist, wie Rudolf von Tavel sagt, ein Bekenntnis zu unserer Eigenart, zur Verbundenheit mit Land und Leuten und zur Lebensfreude.

Warum wir die Tracht tragen

Obwohl die Tracht uns mehr ist als ein schönes Kleid, so schätzen wir sie natürlich auch wegen ihrer Kleidsamkeit. Wer eine Tracht trägt, will sich von seiner schönsten Seite zeigen und ist immer passend angezogen: Mit der Tschöplitracht an der Taufe oder Hochzeit, mit der Leidtracht an der Grebd, mit der Festtagstracht an einem bedeutenden Feiertag oder mit der Werktags- oder Landfrauentracht bei Arbeit und Freizeit. Elegant und feierlich, aber dennoch schlicht und würdevoll wirkt die Sonntags- oder Gotthelftracht auf alle Betrachter. Fröhlichkeit und Urtümlichkeit strahlt der vom Mann getragene Kühermutz aus, der zu vielen festlichen Anlässen passt.

Auch das Tragen einer einfacheren Tracht kann jeden Tag zu etwas besonderem machen, schön angezogen zu sein bereitet Freude, denn das Bedürfnis, sich zu schmücken ist so alt wie die Menschheit selbst.

Die Trachten unserer Region

Mehrere Regionen des Kantons Bern haben ihre eigenen Trachten, das Bernbiet ist ein facettenreiches und vielfältiges Trachtengebiet in der Schweiz. Wir stellen im folgenden die wichtigsten Trachten der Regionen Emmental, Oberaargau und Mittelland kurz vor. Wenn Sie mehr über die Berner Trachten erfahren wollen, so emfehlen wir Ihnen zur Lektüre das offizielle Trachtenbuch der bernischen Trachtenvereinigung.

«In der Kleidung schätzen wir schwarz als zeitlos, elegant, vornehm, aber doch bescheiden.» Berner Trachtenbuch

Festtagstracht: Sie ist auch unter dem Namen «schwarze Bernertracht» bekannt. Als eine der ältesten überlieferten Trachten hat sie seit 1880 keine wesentlichen Aenderungen mehr erfahren. Der Name nimmt es bereits vorweg: Die Festtagstracht ist das Kleid für besondere und festliche Anlässe: Als Gast bei einer Hochzeit, als Ehrendame oder bei einer festlichen Veranstaltung. Als eine der bekanntesten Berner Trachten taucht sie auch in Volksliedern und Gedichten auf, dort wird die Pracht des glänzenden Silberschmuckes, aber auch die elegante Rosshaarhaube oder das leuchtende Weiss der Hemdbrust und weiten, kurzen Aermel bewundert. Die schwarze Grundfarbe dieser Tracht ist in gänzlich positivem Sinne zu verstehen, auf dem schwarzen Grund kommen der Silberschmuck, die weisse Hemdbrust und die farbige Schürze besonders schön zur Geltung.

Tschöplitracht: Die Tschöplitracht ist das höchste Ehrenkleid der Bernerin, sie trägt es als Braut, als Gotte bei der Taufe, oder bei der Beerdigung, wobei hier der Schmuck abgelegt und durch eine oxydierte Brosche ersetzt wird. Bei der Grebd ist zudem schwarz die vorherrschende Farbe. Natürlich ist die Tschöplitracht auch an anderen Feiern anzutreffen, allein zum tanzen ist sie weniger geeignet.

Farbige Berner Tracht: Weil er sich neben der schwarzen auch eine farbige Tracht wünschte, entwarf der bekannte Kunstmaler Rudolf Münger am Beginn des 20. Jahrhunderts diese Tracht, wir nennen sie deshalb auch Münger Tracht. Bei der Gestaltung dienten wie bei der schwarzen Tracht Vorlagen aus der Rokokozeit als Vorbild. Die Münger Tracht ist am geblümten Bruststück und Göller, sowie am Silberschmuck, der etwas weniger schwer ist als bei der schwarzen Tracht, leicht zu erkennen.

Freudenbergertracht: Die Freudenbergertracht verdankt ihren Namen dem Kleinmeister Sigmund Freudenberger. Auf seinen idyllischen, ländlichen Bildern finden wir eine farbenfrohe Tracht mit rotem Mieder, gelbem Vorstecker und blauem Kittel. Anhand dieser Bilder wurde die Freudenbergertracht entworfen. Sie ist häufig im Emmental anzutreffen und erfreut sich bei jungen Trägerinnen grosser Beliebtheit.

Gotthelftracht: Sie ist neben der schwarzen Tracht die beliebteste Berner Tracht, obwohl sie erst in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Als Vorlage dienten Gemälde von Albert Anker, welche der Künstler im Emmental als Illustrationen zu Gotthelfs Büchern angefertigt hat. Daher hat diese schlichte, aber dennoch feierliche Tracht ihren Namen. Im Gegensatz zur Festtagstracht gibt sich die Gotthelftracht bescheiden: Der einzige Schmuck ist eine Brosche aus Holz oder oxydiertem Silber. Das «Fürtuch» besteht aus Baumwolle statt aus Damast und als Kopfbedeckung ersetzt ein Strohhut die Haube. Ihre Beliebtheit verdankt diese Tracht auch der Tatsache, dass sie sowohl bei der Anschaffung als auch bei der Pflege weniger anspruchsvoll ist und zu fast jedem Anlass passt.

Werktagstrachten: Die wollene Ausgangstracht, die Werktagstracht und die Landfrauen- oder Arbeitstracht: Alle drei sind praktisch, leicht zu pflegen, aber doch hübsch. Getragen wurden solche Trachten ursprünglich zur Arbeit, heute sind es beliebte Kleider für den werktäglichen Ausgang.

Männertrachten: Laut dem Berner Trachtenbuch von 1944 hat es eine ausgesprochene Männertracht nie gegeben, das Männerkleid war in der ganzen Schweiz ungefähr das gleiche. Geprägt wurde die Männerkleidung auch vom Militär, Teile von Uniformen haben immer wieder Eingang in die zivile Kleidung gefunden. Ein passendes Beispiel ist der Dreieckshut, auch Nebelspalter genannt. Eine spezielle Entwicklung hat es aber beim Sennenkleid gegeben, bedingt durch die besondere Arbeit und den Standesstolz. Der samtene Kühermutz, den wir heute Tragen, hat seine Wurzeln im Sennen- und Bauerntum. Neben dem Mutz ist die «Bchleidig» die typische Berner Männertracht, ein aus braunem oder schwarzem Halblein gefertigter Anzug mit gemusterter Weste und Filzhut.