Archiv der Kategorie: Emmental

Emmental

Holzkugel statt «Fidget Spinner»

Sie sind zurzeit in aller Hände, die Fidget Spinner. Die kleinen Handkreisel also, die zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten werden, während die Flügel durch ein leichtes Antippen mit der anderen Hand zu rotieren beginnen. Das ganze soll entspannend wirken. Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, einen Fidget Spinner auszuprobieren. Aber ehrlich gesagt, entspannend wirkte er nicht auf mich! Das leise Sirren des Kugelllagers empfand ich eher als nervöses Geräusch. Hinzu kommt, dass der Fidget Spinner ein Spielzeug aus Plastik ist. Und während eines langen Tages halten wir genügend Dinge aus Plastik in der Hand: Tastatur, Smartphone, Kugelschreiber und Telefon zum Beispiel.

Und nun kommt meine Empfehlung für ein echtes «Gadget» zum Entspannen nach Emmentaler Art: Eine gedrechselte Holzkugel. Es gibt zahlreiche Drechslermeister und Kunsthandwerker, die Holzkugeln in den verschiedensten Grössen und Holzarten anbieten. Natürlich wirken die Kugeln sehr dekorativ. Und wenn man sie ein paar Minuten in der Hand hält und das samtene Holz fühlt, dann hat dies eine entspannende Wirkung. Auch deshalb, weil Holz ein reines Naturprodukt und in uns immer eine gute Stimmung anklingen lässt. Nicht umsonst heisst es ja «Holz macht heimelig».

Holzkugeln

Holzkugeln gibt es unter anderem hier: Holzkreationen von Roland Schenk aus Eggiwil und Beat Wampfler, Drechslermeister aus Wasen, er hat die abgebildeten Kugeln gedreht.

An der Schwelle zweier Epochen

Alte elektrische Schreibmaschine

Vor kurzem fand im Nachbardorf wieder der alljährliche Trödlermarkt statt. Und ja, ich war auch dabei! Nicht, weil ich etwas ganz bestimmtes kaufen wollte sondern mehr, weil es einfach Spass macht, an den Ständen vorbeizuschlendern und beim Betrachten all der vielen alten Sachen mit den Gedanken in die Vergangenheit zu schweifen. Das Angebot war auch dieses Jahr vielfältig und bunt: Alte Bücher, «Grossmuttergeschirr» mit Goldrand, Zinnzuber, Schulphotos aus den 1920er Jahren, schönes Leinentuch, Spielsachen von anno dazumal und tausend Dinge mehr. Kurz: es fehlte an nichts.

Zwischen zwei Ständen, da stand auf einem Holzstuhl eine alte elektrische Schreibmaschine, so wie sie ab den 70er Jahren in Büros üblich war. Ob die wohl noch funktioniert? Und ob sie im Zeitalter des Notebook und Tablet noch einen Käufer findet? Jedenfalls stand sie zwei Stunden vor Marktende immer noch da. Genau so wie die schönen analogen Kameras und der VHS Recorder aus den 80er Jahren. Sie alle sind Zeugen aus einer Zeit, in der analoge Technologie noch das Non plus ultra war, am Vorabend der Digitalisierung.

Wir Leben in einer Epoche, in der Analogtechnik Schritt für Schritt und mit endgültiger Konsequenz abgelöst wird. Die Kinder der Digitalisierung heissen Internet, Smartphone, E-Book und GPS Navigation. Und was wir hier erleben ist erst der frühe Beginn, so wie der Druck der ersten Schriften nach der Erfindung der Druckerpresse im 15. Jahrhundert. Die nächsten Technologien, die unser Leben so wie der Personal Computer oder das Internet verändern werden, sind am Horizont bereits zu erkennen: Autonom fahrende Autos, Lieferdrohnen, die einen bestellten Artikel in Stundenfrist liefern, virtuelle Realität und – irgendwann in naher Zukunft – freundliche Roboter für den Hausgebrauch.

Wir haben schon einiges davon selbst miterlebt. Etwa, als wir voller Spannung die erste CD in den soeben erworbenen CD Player einlegten. Und dann über die Tonqualität staunten! Kein Rauschen, kein Knistern, nichts – nur die reine Musik! Und dann das erste Mal den Homecomputer einschalteten und von einem freundlich blinkenden Cursor auf dem Bildschirm begrüsst wurden. «Nun mach mal was» war seine Botschaft, währenddem wir etwas ratlos im Handbuch blätterten… Und er schien noch etwas sagen zu wollen: Folge mir in die Zukunft!

Die Brücke zu Lützelflüh

Im kommenden Jahr wird das Brückenbuch des bekannten Lützelflüher Historikers Max Frutiger 40 Jahre alt. Das ist mehr als Grund genug, dieses schöne Buch wieder einmal zu lesen! Die Lektüre des umfangreichen und reich illustrierten Bandes ist so lohnend wie am ersten Tag.

Die Brücke zu Lützelflüh

Frutiger, Max: Die Brücke zu Lützelflüh (vergriffen)

Lehnen wir uns einen Moment zurück und stellen wir uns vor, was dieses Bauwerk, das mehr als 300 Jahre alt wurde, alles erlebt hat. Während des Bauernaufstandes von 1653 ertönten hier die Rufe von Meldereitern, der Widerhall der klopfenden Pferdehufe auf den Planken war zu hören. Obmann Niklaus Leuenberger selbst war es, der dem Wachtmeister Ulrich Kipfer vom Waldhaus bei Lützelflüh die Order gab, Wachtposten aufzustellen. Der Wachtbefehl des Berner Bauernanführers vom 19. März ist erhalten geblieben und im Buch abgedruckt. Kipfers Wache funktionierte sehr gut, wie ab Seite 80 nachgelesen werden kann. Ein Bericht hält fest, dass als Handwerker und Bettler verkleidete Soldaten das Schloss Brandis zu erreichen versuchten. Die Brücke konnten sie passieren, aber als sie das Dorf erreichten, wurden sie von einem Posten aufgegriffen. Als die drei Verkleideten keine «Passporten und Passzedel» vorweisen konnten, drohten ihnen die Wächter mit erhobenen Halparten und Knüppeln. Und schickte sie weg: «Oh ihr Schelmen, machend üch wider zrugg»

Die Brücke erlebte 140 Jahre später den Kriegslärm vom Einfall der Franzosen, wie Max Frutiger schildert. Der Historiker dokumentiert detailliert und bildhaft die unheilvollen Geschehnisse dieser Zeit und wie die Bevölkerung unter den plündernden und marodierenden französischen Husaren zu leiden hatte: «Scheu und verängstigt sahen die Dorfbewohner die Franzmänner über die Brücke ziehen, diese fremden Teufel, die so komisch welschten, dass man sie nicht verstand». Die Angst war nicht unbegründet, wie der Chronist mit zahlreichen Beispielen belegt!

Die Brücke von Lützelflüh wurde im Jahr 1584 erbaut, es herrscht in dieser Zeit das «Brückenfieber» im Emmental. Die Bevölkerung in der Region nimmt zu, Handel und Gewerbe fordern schnellere und sichere Zufahrten in die Täler. Und Brücken sollen von Fuhrwerken überquert werden können. Zuvor gab es meist nur einfache Stege für Fussgänger, wenn überhaupt! Meist wurde die Emme, die damals ein viel flacheres Ufer hatte, über eine Furte überquert. Gerade für Ross und Wagen war dies gefährlich, Unfälle mit schwerwiegenden Folgen waren keine Seltenheit!

Zeitungsartikel im Buch

Fundstück: Im antiquarischen Buch tauchte ein Zeitungsartikel aus dem Erscheinungsjahr auf.

Im Kapitel «Der Eggiwylfuehrme und syner Gspane» wird von den Wassergrössen berichtet, die das Emmental immer wieder erlebt habt. In der Sprache Gotthelfs berichtet der Historiker, was geschieht, wenn die Emme anschwillt und zu einem tosenden Sturmwasser wird. Ungestüm, wild, tosend und brüllend zieht sie verwüstend durch das friedliche grüne Tal! Eggiwylfuehrme nennt sie seit der Zeit der Flösser der Volksmund, wenn sie mit lautem Geschiebe das Tal hinunter fährt! Wie Max Frutiger festhält, hat die Brücke zu Lützelflüh alle Fluten überstanden. Wohl wurde sie immer wieder beschädigt und bei der grossen Wasserkatastrophe von 1837 fast mitgerissen (Vorschieben der Brücke auf einem Joch). Allein sie bestand auch diese Wassernot, die gemäss Frutiger zu den grössten gehörte, den das Emmental je erlebt hat.

Im 19. Jahrhundert, die Brücke war damals schon mehr als 200 Jahre alt, gab es wiederholt Bestrebungen, sie durch einen Neubau zu ersetzen und die Verwaltung an den Kanton zu übertragen. Aber erst kurz vor der Jahrhundertewende waren die neuen Pläne spruchreif und alle Verträge für einen Neubau unterzeichnet. An die Stelle der ehrwürdigen alten Holzbrücke trat eine Eisenkonstruktion, die schon nach 70 Jahre wieder abgerissen werden musste, weil sie rostete! Im Bericht des damaligen Gemeindeschreibers Carl Haldimann klingt auch etwas Wehmut mit, wenn er den Abbruch der Holzbrücke wie folgt protokolliert: «Für spätere Überlieferung wird hier an dieser Stelle davon Akt genommen, dass die im Jahr 1584 (…) erbaute hölzerne Brücke zu Lützelflüh vom 18. bis 22. Dezember 1902 abgebrochen worden ist». Ferner schreibt er, dass eine wohlgelungene Photografie der Brücke dem Archiv zur Aufbewahrung übergeben wurde.

Holzbrücke LützelflühEinfahrt der Brücke bei der Kulturmühle

Ganz abgebrochen? Nicht ganz, eine Einfahrt der Brücke ist erhalten geblieben und diente als Remise. Sie steht heute bei der alten Mühle (heute Kulturmühle) in Lützelflüh. Wenn Du, lieber Leser, vorbeikommst, halte einen Moment inne und höre auf die alten Erzählungen, an die sich dieses einzigartige Bauwerk erinnert. Vielleicht daran, wie sie regelmässig von einem berühmten Schriftsteller und Pfarrer überquert wurde, der in der Dunkelheit auf der Hut sein musste, weil ihm die Nachtbuben nachstellten…

Das Buch von Max Frutiger erschöpft sich nicht mit dem ausführlichen Bericht über die Brücke. Der Historiker geht detailreich auf das Zollwesen ein, schildert das gefährliche Leben der Flösser und weiss vieles über die «Schächeler» zu erzählen. Die Menschen also, die im Emmenschachen ein meist karges Leben führten und mit den Fährnissen des Wetters zu kämpfen hatten. Und damit, dass sie bei den Bauern auf der sonnigen Terasse keinen guten Ruf hatten! Aber: «Nirgends wandte sich die Lage, im grossen gesehen, so zum Guten wie in den Schächen», folgert Max Frutiger, wenn er die Entwicklung der letzten hundert Jahre betrachtet. Das Kapitel wird abgerundet mit den Illustrationen einiger Schachenhäuser wie dem «Micheli-Hüsli», von denen die meisten leider verschwunden sind.

Das Buch ist leider vergriffen. Mein Exemplar stammt vom Buchantiquariat Libretto in Langnau. Das Antiquariat ist beim Auffinden weiterer Ausgaben gerne behilflich. Ein Band ist zurzeit auf dem Emmental Shop vorhanden. Zum Thema Holzbrücken ist 2016 ein neues Buch von Hanspeter Buholzer erschienen: Holzbrücken im Emmental. Blogbericht, Artikel in der Wochen-Zeitung

Frühlingserwachen


Leuchtende Forsythien, Knospen, die sich öffnen und blühen wollen, das erste Schaumkraut. Immer mehr Frühlingsboten erwachen und künden von der schönen Jahreszeit. Auf einem Spaziergang von Rüderswil nach Mützlenberg und über die Burg zurück konnte das frische Erblühen schön beobachtet werden. Das Foto entstand auf dem Hinter-Blindenbach. Ganz rechts ist im Wald die Burgruine zu sehen. Der Weg, der an ihr vorbeiführt, endet am unteren Ende des «Schlyferstutz». Von dort führt die Hauptstrasse wieder nach Rüderswil oder nach Zollbrück, Lauperswil und Langnau.

Ein Wintermorgen in Rüderswil

Rüderswil

Bei eisigen Temparaturen ging die Sonne heute Morgen über der Grossmatt auf. Die ersten Strahlen fielen auf das Dorf und verzauberten alles mit einem strahlend weissen Licht, das über den Schneefeldern zu leuchten begann. Und dann, noch im ersten Tageslicht, bildete sich Biecht, so dass die Baumäste aussahen wie leuchtende Kristalle.

Ein schönes Bild bot das Dorf vom Steinberg aus gesehen. Über der Schneelandschaft strahlt ein blauer, wolkenloser Winterhimmel und das Licht fällt schräg schräg vom Osten auf das Dorf.

«Das isch der Stärn vo Bethlehem»

Als Jesus in einem Stall in Betlehem geboren wurde, da fanden drei geheimnissvolle Weise aus dem Morgenland den Weg zur Krippe. Sie kannten eine alte Überlieferung, die die Ankunft eines grossen Königs prophezeite. Ein leuchtender Stern am Himmel sei das Zeichen seiner Ankunft. Auf diese biblische Erzählung im Matthäus-Evangelium geht das Sternsingen zurück. Kinder gehen am 6. Januar von Türe zu Türe, singen christliche Lieder und bringen Gottes Segen. In dieser Tradition verwurzelt ist auch das Sternsingen Langnau. Seit 20 Jahren singen Kinder und Erwachsene am Dreikönigstag an über 100 Stationen in Langnau und Umgebung und halten damit eine schöne alte Tradition am Leben.

Sternsingen

Heuer traten die Sternsängerinnen und Sternsänger erstmals auch in Zollbrück auf. Ab dem späten Nachmittag besuchten sie das Dändlikerhaus in Ranflüh und das Dahlia in Zollbrück. Weitere Auftritte gab es auf dem Parkplatz vor dem Restaurant zur Brücke und auf dem Vorplatz des Restaurant Sternen. Um 17.30 Uhr trafen die Sternsänger vor dem «Pintli» ein, zahlreiche Besucher erwarteten sie dort schon. Die Kinder stellten Laternen auf und bald entstand eine Atmosphäre, die so still wie auch feierlich war. Und dann erklang ein altes, vertrautes Weihnachtslied durch die Winternacht:

«Das isch der Stärn vo Bethlehem. Mached euch uuf u folged däm.
Es isch der aller schönschti Stärn. Chömed ihr Lüt vo nah und färn.»

Berner Baudenkmäler per Mausklick ansehen

«Baudenkmäler begleiten und prägen uns im Alltag. Sie sind die baulichen, authentischen Zeugnisse unserer Geschichte und Kultur.» So steht es auf der Homepage der Berner Denkmalpflege. Das Amt erforscht und dokumentiert das reiche bauliche Erbe des Bernerlandes. Und es berät Private und öffentlich-rechtliche Körperschaften bei baulichen Veränderungen und Erneuerungen. Im Internet können alle katalogisierten Objekte mit Bild und Beschreibung abgerufen werden: Bauinventar online.

Emmentaler BrunnenAuch Brunnen gehören zum Inventar (Bild: Denkmalpflege Bern)

Viele der verwendeten Fotos auf den Datenblättern sind älteren Datums, das macht sie interessant. Denn sie geben Auskunft darüber, wie Gebäude noch vor wenigen Jahrzehnten ausgesehen haben. Ein Beispiel ist das Handwerkerhaus in Affoltern, das 2016 vollständig renoviert wurde. Auf der alten Fotografie ist noch ein baufälliges, wenig gepflegtes Gebäude zu sehen, dem der Zahn der Zeit zugesetzt hat.

Erzählt werden glückliche Geschichten wie die des Gärbi Spychers in Zollbrück, der kurz davor war, einzustürzen. Dann wurde er aufgekauft und in Thunstetten neu aufgebaut.

Es Gschänkli us em Ämmitau

Die Zeit der Weihnachtsmärkte ist wieder gekommen. Landauf und landab werben sie mit auserlesenem Kunsthandwerk, mit Apfelpunsch und Glühwein. Und ganz allgemein mit einer festlichen, weihnachtlichen Stimmung. Da erklingen vertraute Weihnachtslieder, vorgetragen von der Musikgesellschaft, die Kinder werden zum Kerzenziehen eingeladen, knisternde Flammen in einer Feuerschale spenden Wärme. Der Verfasser dieses Blogs schlendert gerne über Weihnachtsmärkte, der Leser wird’s wohl bemerkt haben! Aber, hin und wieder ist es doch auch praktisch, wenn man ein Geschenk bequem von zuhause aus bestellen kann. Deshalb möchte ich dieses Jahr einen besonderen Online Shop vorstellen, der erst vor wenigen Wochen online ging: Der Emmentalshop:

Emmental Shop
Emmental Shop (Screenshot)

Der von der Langnauer Firma Herrmann Druck ins Leben gerufene Shop wartet mit einigen Besonderheiten auf. Allem voran natürlich mit einem grossen Sortiment an Emmentaler Spezialitäten. Aber auch mit einem interessanten Konzept für Anbieter. Diese können als Verkäufer ihre Artikel einstellen und bezahlen erst dann eine Gebühr, wenn sie tatsächlich etwas verkauft haben. Pauschale Shop-Gebühren gibt es also nicht! Für Bekanntheit des Shops sorgt Hermann Druck selbst mit regelmässiger Werbung in der Wochen-Zeitung.

Passend zur Jahreszeit gibt es eine Rubrik «Geschenkideen » Weihnachten», rund 130 Artikel werden hier angeboten, darunter typische Emmentaler Spezialitäten wie der Bärner Burechorb oder feine «Eggiwilerli». Zu entdecken gibt es ferner Kunsthandwerk aus Holz, Spiele für Kinder, handgefertigte Umhängetaschen, Bücher und noch einiges mehr.

Bim Tanneboum

Scho als Ching han i mi immer gfreut uf e erscht Schnee. Denn, wenn d Tage sy chürzer worde, wenn der chalt Herbschtluft ds letschte farbige Loub vo de Böim het g’chutet u wenn am Morge der erscht Bodefroscht uf de Matte isch gläge, denn han i blanget. U we’s de z’grächtem isch chalt worde und e ruuche Wind der Räge het i ds Land treit, de bin i a ds Fäischter gstande u ha usegluegt, ha mit Chinderouge uf die erschte Schneeflocke am graue Himmel gwartet.

D Gschicht vo der Tanne
So lang isch das scho här! Mängs, mängs Jahr isch syt dene Erinnerige vergange. U mänge chalte Winter han i erläbt, wie o mänge heitere u milde Summer. U d Haar uf mim Chopf si wie der Schnee worde: ganz wiss. O itz hocken-i i der warme Stube am Fäischter u luege i ne trüebe Spätherbschttag use. Aber miner Gedanke sy nid trüeb, nei, si si voll vo schöne Erinnerige a d Chinderzyt und a nes längs, guets Läbe! Mängisch han i d Frucht uf em Fäld gseh rif wärde, ha gseh wie d Öpfel am Boum sy lüchtend rot worde, wie alles isch gwachse u Säge für üs Mönsche het brunge. Glicht so es Mönscheläbe nid der Frucht uf em Fäld? Dass mir wachse und mit all üsem Sinne u Sträbe e Säge für angeri Mönsche dörfe sy?

tannast

«Grossätti, Grossätti», het da plötzlich e hälli Chinderstimm vor em Hus grüeft u het mi vo eim Momänt zum andere us em Sinne u Erinnere i ds Hier u Itz zrügg greicht. Es isch d Miriam gsi, mis jüngschte Grosschind. Zäme mit em Peterli und es paar Gspänli vom Nachberhuus isch äs i d Stube gstürmt u scho im nächschte Ougeblick vor mir am länge Tisch gstande. «Grosätti, erzellsch üs no einisch d Gschicht vo dire grosse Tanne?» het d Miriam itz gfragt u het mi mit erwartigsvolle, grosse Ouge agluegt. D Gschicht vo der Tanne? Gärn erzelle i euch die no einisch. Aber eigentlich isch ja gar nüt apartigs dran, es isch e Gschicht, wie si jede Tag u überall uf der Wält cha passiere. D Gschicht vo dere Wisstanne, wo scho mängs Jahr am Hoger ob üsem Buurehus wachst. Ganz elei steit si dert, u will si elei jedem Wind u Wätter muess entgäge ha, isch e chreftige Boum mit feschte Wurzle u breite Tannescht drus worde.

Die Tanne isch fascht so alt, wie i sälber, han i druf der Chinder erzellt. Meh als 70 Jahrringe het si i ihrem Stamm. I sälber ha se gsetzt, wo-n i so alt bi gsy wie Dir jetz. Mir hei denn e Acher pflüegt, wo ganz nah am Waldrand isch gläge. Aber nit öppe mit Maschine so wie hüt. Nei, denn isch der Pflueg no vo Ross zoge worde. Mi Vater der Pflueg it beidne Händ ghebt u dür e früsch bruun Härd gfüehrt, wo-n i plötzlich öppis grüens zwüsche es paar Härdbröcke entdeckt ha. I bi häre ga luege u ha im früsch ufpflüegte Härdbode es chlyses Grotzli entdeckt, chum grösser als mi offeni Hand isch es gsi u het fiini, lüchtend grüeni Eschtli gha. U das Grotzli het mi duuret. Wenn es da blibt lige, de stirbt es, han-i zum mir sälber gseit u has vorsichtig i beidi Händ gno. Aber itz, wohi dermit? I ha e grad Idee gha! Ob em Huus isch denn no e Pflanzplätz gsy, dert tuet das Grotzli ja niemerem öppis u cha es paar Jahr zfride wyterläbe, han-i dänkt. U ha scho im nächste Momänt am Rand vom Pflanzplätz es Loch grabt u das Grotzli süferli i Bode gsetzt.

Ätti u Müeti hei zerscht nid grad Freud gha. So e Tanne wachsi halt schnäll u gäb de Schatte im Garte, het’s gheisse. Aber dass i mi um das junge Pflänzli gsorget ha, das het se o gfröit. «Bhalt Du das Grotzli, es isch itz di Boum!», hei druf beidi gseit. U mi Tanne isch gwachse u ufgschosse, Jahr um Jahr. U so wie d Jahr si vergange, so isch mi Tanne grösser u chreftiger worde, mit schöne, dunkelgrüene Escht u mit eme Tüller, wo wyt i Himmel ufgragt het. Später isch der Pflanzplätz verschwunde, das Stückli Ärde isch wider Weidland worde u no später, won-i scho e junge Maa bi gsi, han-i es Bänkli zimmeret, wo hüt no de dert steit u wo Dir scho mängisch drumume gspilt heit.

Der erscht Schnee
Gly druf sch es de cho schneie. E chalte Morge isch es gsy, nach ere stärneklare Nacht mit em volle Silbermond uf sire Reis am wyte, nachtblaue Himmelszält. Mit em Tagesliecht si vom Weschte här d Schneewulche vom Jurä här cho und es isch no nid Mittag gsy, wo plötzlich Chinderstimme vor em Huus si z’ghöre gsi: «Es schneit, es schneit!». I ha ja scho mängisch i mim Läbe Schneeflocke gseh, aber glich isch es geng ume öppie bsunders. I bi vor ds Hus gstande u ha die fiine, chüele Flöckli im Gsicht gspürt. U i ha de Ching zuegluegt, wo voller Läbesfröid d Arme wyt hei uusgstreckt, sich im Kreis hei dräiht, grad so als ob si wie e Schneeflocke wette tanze. Der ganz Tag het es im eim furt gschneit u vor em Vernachte, het e lüchtend reini, wyssi Dechi ds ganze Land zuedeckt. Itz isch er da, der Winter. Nach em Znacht hei mir d Latärne azündet u sy ds Bord uf zur Tanne. Öppis ganz gheimnisvolls het üsi liebi Ärde itz umarmt. Ds Liecht vom Schnee, wo im Mondschyn glitzeret. Und es isch so still gsi, dass me het chönne ghöre, wie d Schneeflocke sich uf d Ärde hei gleit.

U wie isch das im nächste Momänt gange? Plötzlich isch es wyder lut u läbig worde. Der Peterli het drum e Idee gha! Är het e Plastigsack unger syre Jagge versteckt u dä itz mit eme Jutz füregnoh. U chum hei mir gmerkt, was är im Schild füehrt, het är dä Bitz Plastig usbreitet u isch höcklige ds Bord ab grütscht. Hui, isch das gange! Die angere Chind sy lut mit lache u rüefe hingernache gsprunge!

D Chrüpfe
U es paar Tag später het mi der Peterli grad no einisch überrascht. Churz vor em Vernachte isch es passiert, wo über der Egg der Aabestärn het afa glitzere. Und am Adväntschranz uf em Stubetisch hei itz scho drü Cherzli brönnt. «Grosätti, chum lueg, schnäll, schnäll!», het Peterli grüeft u denn zu der Tanne zeigt. U würklich, dert isch öppis gange. Es ganzes Grüppeli vo Reh isch uf em Wäg vo eim Waldrand zum angere bir Tanne verby cho u het dert e Momänt still gha. Villecht hei sy am Bode unter de wyte Escht no öppis z’frässe gfunge. Oder si hei eifach still gha zum warte. U tatsächlich isch e Momänt später no eis vo dene schöne bruune Tierli vor em dunkle Waldrand uftoucht. «So mängs Reh han i im mim Läbe no nie gseh», het Peterli ganz ufgregt grüeft u het mit grosse Ouge zum Hoger ufe gluegt Der Peter het drum Tier gärn gha, das het mir a däm Bueb immer bsungers guet gfalle.

steinberg

Du chönntisch ihne öppis vom Höi bringe, die Tier hei itz gwüss o Hunger, han i druf zu Peter gseit. U der Bueb, aber o die angere Ching sy begeischteret gsi vo dere Idee. Scho am angere Morge hei mir us es paar Brätter u Stäcke e eifachi Chrüpfe zimmeret u se zäme zur Tanne brunge. Miriam, Peter u die angere Ching hei druf e Arfete Höi der Hoger uf treit und i die Chrüpfe gleit. I ha derby zuegluegt u müesse stuune, wie die Bursch das Höi sorgfältig, ja grad adächtig i das Holzgstell ine büschelet hei. Druf sy mir wider düre e Schnee der Hoger ab. Won es het afa dämmere, hei d Ching immer wider zur Tanne gluegt, ob nid öppe eine vo dene Waldbewohner z’gseh isch. Aber nüt isch passiert.

Gli druf, am nächschte Tag, es isch no immer klar gsy u het nüt gschneit, isch am Morge es Reh us em Wald cho. U denn no eis. Beidi si zur Tanne, hei vorsichtig am Heu gschnupperet u denn es paar Bitze usezupft. Zwöi witeri si druf zwüsche de Waldtanne fürecho u hei sich derzue gsellt. Plötzlich si es es halbs Dotze Reh um die Chrüpfe ume gstande. U es isch chum e halb Stund vergange, da isch ds ganze Höi furt gsy u d Reh si wider im Schutz vom Wald verschwunde. O am nächste Tag hei d Ching die Reh dörfe füetere. So si die Tage vo der letschte Adväntwuche vergange, die heilige Nacht u Wiehnachte sy cho. Am Tag vom heilige Abe isch es es läbigs Cho u Ga gsi. Mängs het müesse vorbereitet si u d Ching sy läbig u voller Erwartig dür ds Hus i und us: «Hüt chunt ds Christchind, scho hüt am Aabe!» Ersch im Verlouf vom Namittag isch es ruhiger worde, D Mönsche si still worde und es isch eim vorcho, als wärd d’Ärde a däm gsungere Aabe, vo öppis heiligem berüehrt.

Aber plötzlich isch Peterli cho z’springe, er het e Sack mit Höi derby gha u isch gäg em Hoger zue. Peter, wo wosch de no hi, han i gfragt, won är düre e Schnee isch. «Mit em Höi zur Chrüpfe», het är gantwortet und isch mit ärschtige Schritte der Bärg uf. Aber denn het är no einisch zrügg gluegt un gseit: «D Reh messe doch o Wiehnachte ha.»

Spät i der Nacht, d Ching si scho lang im Bett gsy, da han i no einisch dür ds Fänschter zu mire Tanne gluegt. D Cherzli am Boum i der Stube, die si erlosche, ganz still isch es im Huus worde. Aber dert, bi der Tanne, dert het öppis angers glüchtet, d Stärne. Mänge dervo het dür d Escht glitzeret u es het usgseh, als ob da e grosse Wiehnachtsboum uf der Egg steit. Aber wie isch de das mit dene Stärne? Hei die nid o glüchtet, wo der Heiland isch uf d Ärde cho? Die gliiche Stärne si es doch gsy, wo d Hirte u d Chünige i dere Nacht hei gseh. U i däm Momänt isch es mir vorcho, dass all das, wo i der heilige Nacht isch passiert, ganz nach zu üs häre isch cho.

Holzbrücken im Emmental

Sie gehören zum Emmental wie die grünen Hügel, der berühmte Käse oder die schönen Bauernhäuser aus Holz. Gemeint sind die Holzbrücken, von denen es viele alte, aber auch einige ganz neue gibt. Ein neues Buch ist ihnen gewidmet.

Holzbrücken im Emmental

Hanspeter Buholzer und Daniel Fuchs (Bilder): Holzbrücken im Emmental

Von einer der ältesten Holzbrücken des Emmentals ist leider nur noch ein Teil erhalten geblieben. Es ist die Lützelflühbrücke, von der heute eines der beiden Portale vor der Kulturmühle steht. Die im Jahre 1584 erbaute Brücke hat vieles erlebt, so die Wassernot von 1837. Die «Emmenschlange», die manche Brücke des Emmentals zerstörte, beschädigte auch die massiv gebaute Lützelflühbrücke, riss sie aber nicht mit. Und natürlich wird das Bauwerk mit dem berühmten Dichter des Dorfes, Jeremias Gotthelf, in Verbindung gebracht. Er erwähnte sie in seiner Beschreibung der Wassernot und wird so manchen Gang über diese Brücke getan haben. Seinetwegen wurde die Brücke im Winter während einer Stunde am Abend mit einer Laterne erleuchtet. Damit sollte verhindert werden, dass böse Buben dem berühmten Pfarrer nachstellten.

32 Brücken auf 214 Seiten
Die Geschichte der Lützelflühbrücke kann in einem neuen Buch von Hanspeter Buholzer nachgelesen werden, das dieser Tage in die Läden kommt. Auf 214 Seiten beschreibt der Verfasser 32 alte, aber auch neue Brücken des Emmentals. Eingeleitet wird der reich bebilderte Band mit einem historischen Überblick und der Technik des Holzbrückenbaus. Ein Anhang stellt weitere, überdachte Holzbrücken der Schweiz vor. Hanspeter Buholzer hat für sein neues Buch das grosszügige A4-Format gewählt, damit die zahlreichen Fotografien von Daniel Fuchs zur Geltung kommen.

Alte Fotografie zeigt Lützelflühbrücke
Kehren wir noch einmal zur Lützelflühbrücke zurück. Über 300 Jahre tat sie ihren Dienst. Dann wurde die Holzkonstruktion ersetzt durch eine Eisenbrücke, die rasch zu rosten begann, wie im Buch nachzulesen ist. Sie musste schon bald einer Betonbrücke Platz weichen, über die wir heute gehen, wenn wir von einem in den anderen Dorfteil gelangen wollen. Erfreulicherweise existiert eine Fotografie aus den letzten Tage der Holzbrücke, die sehr schön zeigt, wie sie ausgesehen hat! Erhöht im Hintergrund ist die Kirche von Lützelflüh zu sehen. Und im Vordergrund ein Brunnen, um den einige Kinder stehen und erwartungsvoll in die Kamera blicken.

Hanspeter Buholzer und Daniel Fuchs (Bilder): «Holzbrücken im Emmental» (214 Seiten, ISBN 978-3-905980-30-1). Das Buch kostet 48 Franken und ist im Buchhandel, im Regionalmuseum Langnau oder online unter www.holzbrueckenimemmental.ch erhältlich.

» Holzbrückenweg im oberen Emmental