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An der Schwelle zweier Epochen

Alte elektrische Schreibmaschine

Vor kurzem fand im Nachbardorf wieder der alljährliche Trödlermarkt statt. Und ja, ich war auch dabei! Nicht, weil ich etwas ganz bestimmtes kaufen wollte sondern mehr, weil es einfach Spass macht, an den Ständen vorbeizuschlendern und beim Betrachten all der vielen alten Sachen mit den Gedanken in die Vergangenheit zu schweifen. Das Angebot war auch dieses Jahr vielfältig und bunt: Alte Bücher, «Grossmuttergeschirr» mit Goldrand, Zinnzuber, Schulphotos aus den 1920er Jahren, schönes Leinentuch, Spielsachen von anno dazumal und tausend Dinge mehr. Kurz: es fehlte an nichts.

Zwischen zwei Ständen, da stand auf einem Holzstuhl eine alte elektrische Schreibmaschine, so wie sie ab den 70er Jahren in Büros üblich war. Ob die wohl noch funktioniert? Und ob sie im Zeitalter des Notebook und Tablet noch einen Käufer findet? Jedenfalls stand sie zwei Stunden vor Marktende immer noch da. Genau so wie die schönen analogen Kameras und der VHS Recorder aus den 80er Jahren. Sie alle sind Zeugen aus einer Zeit, in der analoge Technologie noch das Non plus ultra war, am Vorabend der Digitalisierung.

Wir Leben in einer Epoche, in der Analogtechnik Schritt für Schritt und mit endgültiger Konsequenz abgelöst wird. Die Kinder der Digitalisierung heissen Internet, Smartphone, E-Book und GPS Navigation. Und was wir hier erleben ist erst der frühe Beginn, so wie der Druck der ersten Schriften nach der Erfindung der Druckerpresse im 15. Jahrhundert. Die nächsten Technologien, die unser Leben so wie der Personal Computer oder das Internet verändern werden, sind am Horizont bereits zu erkennen: Autonom fahrende Autos, Lieferdrohnen, die einen bestellten Artikel in Stundenfrist liefern, virtuelle Realität und – irgendwann in naher Zukunft – freundliche Roboter für den Hausgebrauch.

Wir haben schon einiges davon selbst miterlebt. Etwa, als wir voller Spannung die erste CD in den soeben erworbenen CD Player einlegten. Und dann über die Tonqualität staunten! Kein Rauschen, kein Knistern, nichts – nur die reine Musik! Und dann das erste Mal den Homecomputer einschalteten und von einem freundlich blinkenden Cursor auf dem Bildschirm begrüsst wurden. «Nun mach mal was» war seine Botschaft, währenddem wir etwas ratlos im Handbuch blätterten… Und er schien noch etwas sagen zu wollen: Folge mir in die Zukunft!

Jesus und die Ewigkeit

Jesus Christus, gespielt von Brian Deacon, 1979. Quelle: jesus.ch

In idylischer Umgebung, auf einer Anhöhe über dem Dorf, steht die kleine Kirche von Rüegsbach. Umgeben ist sie von Fruchtbäumen, Gärten und alten Emmentaler Bauernhäusern. Wer die Eichentüre öffnet und das Gotteshaus betritt, entdeckt neben einer aus Stein gemeisselten Kanzel und einer gezimmerten Empore auch einen Spruch an der Wand, der aus dem Hebräerbrief stammt: «Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit» (Heb. 13,8). Diese Aussage hat etwas sehr tröstliches, denn sie bedeutet, dass Jesus sich nicht verändert; wir können uneingeschränkt auf das vertrauen, was er uns verspricht. Gerade in unserer Zeit der raschen Veränderungen schenkt die Zusage von Jesus Zuversicht und inneren Frieden, der in einer schnelllebigen Zeit so wichtig ist.

Jesus drückt sich an einer anderen Stelle im neuen Testament ganz unmissverständlich aus: «Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen» (Mk 13,31). Und weiter: «Wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht sehen in Ewigkeit». Damit ist nicht der irdische Tod gemeint, dem niemand entrinnen kann. Jesus weist auf die Zukunft jedes einzelnen Menschen hin. Wir sterben zwar, aber wenn wir an ihn glauben, dann werden wir zu einem ewigen Leben auferstehen. Auch zu Martha sagte er genau dies, als Martha, verzweifelt über den Tod ihres Bruders zu ihm kam: «Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben» (Joh. 11.25-26). Und dann folgt die Frage, die Jesus Martha stellt, mit der wir aber letztendlich alle gemeint sind: «Glaubst du das?».

Und da ist noch etwas, das von grosser Bedeutung ist, ich meine damit ein Wort das gerne im Text übersehen wird: Ewigkeit. Mehr als fünfzig Mal ist dieses Wort im neuen Testament zu finden (Luth.84). Und Paulus spricht es an mehreren Stellen doppelt aus: «Von Ewigkeit zu Ewigkeit». Wenn wir dieses Wort hören, denken wir gerne an etwas, das uns unendlich erscheint. Etwa in einer klaren Sommernacht der Sternenhimmel. Oder vielleicht an die hübsche Geschichte von einem Hirtenjungen der Gebrüder Grimm. Dieser wird von seinem König gefragt, wie viele Sekunden die Ewigkeit hat. Und der so antwortet: Stell Dir vor mein König, ein kleiner Vogel wetzt alle hundert Jahre einmal seinen Schnabel an einem Berg. Wenn der Berg dadurch abgetragen ist, dann ist die erste Sekunde der Ewigkeit vergangen.

Mit Beispielen und Vergleichen können wir uns ein Bild davon machen was Ewigkeit sein könnte. Mehr vermögen wir nicht. Jesus wusste es ganz genau, sonst hätte er nicht davon gesprochen. Und wenn nun bald Ostern kommt und wir uns an schön gedeckten Tischen zum Feiern versammeln, dann wäre doch der Moment gekommen, wieder an Jesus zu denken. Und daran, weshalb er starb. Er hat uns damit ein neues Leben geschenkt. Eines für die Ewigkeit.

E offeni Türe

Brennende KerzeD Wiehnachtszyt isch da, die heilige Nacht isch ganz nach zu üs Mönsche häre cho. Ds Fescht vo de letschte Tage vom Jahr, wo erfüllt isch mit so vilne Erinnerige. Es heisst o, dass i dere Zyt bsungeri Sache passiere, dass der Himmel u d Ärde sich berüehre. U dass d Ängel ganz nach bi üs Mönsche möchte sy. So wie denn z Betlehem uf der nächtliche Weid unger em Stärnehimmel, wo Ängel für d Hirte gsunge hei. «Heid kein Angscht» hei si zu de Hirte gseit, wo die vom Liecht u Glanz vo de himmlische Wäse si blängt gsy. Ängel u Mönsche si sich begägnet i dere Nacht voll Wunder, u dermit Wäse us zwene Wälte. D Hirte vo dere Wält, d Ängel vo däm Riich wo mir scho so vil dervo hei ghört, wo mir aber mit üsem Sinne u Dänke nie ganz chöi fasse. «Rabbi, säg, wie isch es dert?» hei d Apostel der Jesus meh als einisch gfragt.

Ganz töif uf em Grund vor Seel hei alli Mönsche e fiini, aber doch läbigi Ahnig vo dere verborgene Wält, wo o Jesus üs dervo erzellt het: «Heit Vertroue zu Gott u zu mir», het Jesus einisch gseit, «im Huus vo mim Vater git es vili Wohnige.» Jedem Mönsch isch e Funke vo dere ewige Heimat i ds Härz gleit, e Funke wo nie verglimmt u e Ahnig i üs am Läbe erhaltet. Am Tag, wenn Verpflichtige üsi ganzi Ufmerksamkeit i Aspruch näh. I der Nacht, wenn mir tröime. Der Funke lüchtet u wyst üs der Wäg derthi wo Jesus mit üs möcht zäme sy.

Mängisch isch es, als ob e Türe i die gheimnissvolli Wält e Spalt wyt ufgeit. Villicht grad denn, wenn mir angerne Mönsche chöi hälfe u ir Dankbarkeit es töifs Glücksgfüehl erfahre. Oder wenn mir e schöne Ort uf dere Wält entdecke, e Momänt still wärde u stuune ob all dere Pracht. U derby alles, was süsch um üse ume isch für ne Ougeblick vergässe. Oder wenn e liebe Mönsch üs i d Arme nimmt u seit: «I ha di gärn». Denn lüchtet öppis i üs wo der Blick uf die ewigi Heimat wyt u häll macht. «I ga vorus, zum Euch es Plätzli parat z’mache», het Jesus wyter gseit.

Werum isch sy üs grad itz ir Wiehnachtszyt so nach, die lichterfüllti Wält? Gwüss wil si üs a all die Gschicht us der Bible erinneret. A ds Liecht, d Hirte, e Heerschar vo Ängle u ds Chind i der Chrippe im Stall. U wil mängi schöni Erinnerig us der eigete Chinderzyt dermit uf e eigeti Art verwobe isch. U will Jesus zu üs Mönsche isch cho; är het kennt, was üs verborge isch.

I dene dunkle letschte Tage vom alte Jahr macht ds Hie u Itz e Schritt zrügg i Hingergrund. Macht Platz, dass üse Blick cha wyt wärde für ne angeri Wält.

General Guisan und die alte Röstiplatte

Am vergangenen Sonntag fand in Lauperswil der alljährliche «Chum u lueg» Märit statt. Früher hiess der Märit noch «Useputzete». Gekauft werden kann hier alles, wofür die Menschen zuhause keine Verwendung mehr haben: Altes Geschirr, Bücher die nicht mehr gelesen werden, Grossmutters Tischtücher aus Leinen, eine Schallplattensammlung, die zuhinterst im Schrank entdeckt wurde – und noch vieles mehr. Ein buntes und ungeordnetes Durcheinander, es macht Spass, an den rund 40 Marktständen vorbeizuschlendern um nach einer «Trouvaille» zu suchen.

guisan-lauperswil

An einem Markststand lag neben alten Tellern, Schüsseln und Röstiplatten ein Artefakt aus vergangener Zeit: Ein Teller mit dem Bild von General Henri Guisan. Wie mag der Gedenkteller durch all die Jahrzehnte hierhergekommen sein? Vielleicht hing er viele Jahre in einer gemütlichen Stube und erinnerte an die Aktivdienstzeit, die bis heute nicht vergessen ist. Oder er landete irgendwann auf einem Dachboden, weil ihm niemand mehr haben wollte – und kam nach erst bei einer Hausräumung wieder ans Tageslicht. Sicher ist nur eines: Der Teller selbst mag heute ein altes Andenken sein, für das sich nur noch Nostalgiker begeistern können. Nicht veraltet sind hingegen die Ideale, für die der beliebte General auch heute noch steht: Pflichtbewusstsein, Freiheit und die Liebe zur Heimat, die auch in schwierigen Zeiten keine Vorbehalte macht.

Siehe auch: Stille Zeitzeugen

Der Stärn vo Betlehem

Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. (Matth. 2,1-2 Luth. 84)

Scho als Chind het üs d Gschicht vom Stärn u de drei Chünige bsunders fasziniert. U jedes Jahr, wenn d Lehrerin bi der Wiehnachtsfiir vom Betlehem-Stärn erzellt het, de isch es ganz still worde im Schuelzimmer, adächtig hei mir zueglost. I üsne Gedanke hei mir die drei gheimnsvolle Manne gseh, wie si uf de Kamel gritte sy u d Ouge zum Himmel grichtet hei. Dert het e guldige Stärn der Himnel erlüchtet u de Stärndüter der Wäg zum Jesus-Chind gwise. D Lehrerein het sich i däm Momänt gwüss gwünscht, mir hätte meh als einisch im Jahr so guet zueglost wie a däm lang erwartete Tag!

Der Stärn vo Betlehem het üs dür d Wiehnachtszyt begleitet. Und i der heilge Nacht, wenn der Glanz vom Wiehnachtsboum d Stube erfüllt het, de het uf em Spitz vom Tanneböimli wider e guldige Stärn glitzeret. Nie wärs üs denn i Sinn cho a der Gschicht vom Stärn z’zwyfle. Ganz im Gägeteil, der Stärn vo Betlehem isch es gsy, wo am Himmel vo üsem Chinderläbe uufgange isch, u so wie är de drei Chünige der Wäg gwyse het, so isch der Stärn üs es heiligs Zeiche derfür gsy, dass d Wiehnachtszyt nümme färn isch. Wenn der Winter isch cho, de hei mir mängisch am Abe i die dunkli Nacht use gluegt, hei üs gfragt, wo ächt denn die drei Chünige dä Stärn entdeckt hei.

I de folgende Jahre, wo mir sy elter worde, isch de aber der Stärn verblasst. D Chinderzyt isch vergange u dermit o der chindlich Gloube. Wo sys si alli blibe, die Wunder? Der Gloube a Ängel u a Stärn am nächtliche Himmel vo Betlehem? I der Schuel isch erzellt worde, die Gschicht mit däm Stärn sig eifach erfunde, so e Stärn, wie-ne der Mätthäus beschribt, chönns gar nid gäh ha! Aber was hätt de der Matthäus vo settigne erfundene Gschichte gha? U wie steits de mit em Räschte vo sire guete Nachricht? U de hei mir erfahre, dass scho vor Jahrhunderte nach em Stärn isch gforscht worde. Me het agnoh, es sig e Komet gsy. Oder e Stärnekonjunktion, so wie se der Johannes Kepler scho vor 500 Jahr vermuetet het.

U wie steits mit de drei Chünige? Ohni Stärn hätt’s ja o die drei gheimnissvolle Manne us em färne Oschte nid gäh i der Gschicht! Wie hätte sy der Wäg ohni Stärn sölle finde? Mir wüsse nid vil über die drei vornähme Stärndüter. Es sy Astronome u weisi Manne gsy, Nachkomme us uralte Prieschtergschlächt vo Babylon. Si he gwüsst, dass e hälle Stärn am Himmel si Bahn wird zieh zum Zeiche, dass e grosse Chünig gebore isch. Mir dörfe dervo usgah, dass die Prophezeig wyt ume isch bekannt gsi, nid nume z’Judäa vo dennzumal. So hei die drei a nächtlich Himmel gluegt u der Stärn gsuecht. U denn, wo die erwarteti Erschynig am Himmel isch ufgange, hei si sich uf e läng Wäg nach Israel gmacht. «Wo isch der neu gebornig Chünig?» hei si gfragt, «mir hei si Stärn gseh!» Si hei a das gloubt, wo si i alte Schrifte gläse hei.

Wo isch der Stärn vo Betlehem hüt? Finge mir im Advänt no Zyt, zum a klar Nachthimmel z’luege, so wie die drei Chünige? Natürlich lüchtet dä Stärn, wo die drei Weise hei entdeckt hüt nümme. Aber villicht lüchtet der Stärn i üs sälber? Uf em Wäg dür d Nacht hei mir ds Stärnemeer beobachtet, grad so wie die drei Reisende vor langer Zyt. U was passiert, wenn mit i däm Momänt wei gloube, dass alles so passiert isch, wie mir’s scho als Chinder ghört hei? Mit em Gloube a Stärn wird die ganzi Wiehnachtsgschicht wahr. Wahr wird d Gschicht vom häll strahlende Himmelsbotschafter, wo de Hirte erschyne isch, der Chor vo de Ängel isch z’ghöre gsy u bi der Chrippe mit em Chind sy die drei Stärndüter gstande mit ihrne Gschänk: Gold, Weihrauch u Myrrhe. 30 Jahr später het der Jesus sälber gseit: «Gloubet a die guet Nachricht», är het üs iiglade, Gmeinschaft mit ihm z’ha. Am sym Himmelsrych, wo är jede Tag dervo erzellt het. Aber o a all däm, wo i der Chrischtnacht passiert isch.

Stärnemeer

Langsam isch d Sunne über em Ämmechnöi ungergange. Die guldige Strahle hei dür d Tanne glüchtet. Warm, mit lüchtende Farbe, so wie ds erschte Herbschtloub a der alte Linge vor em Huus. «Nimm no einisch mis warme Liecht», het d Sunne gseit. U da isch es grad gsi, also ob si wett mahne. Mahne, dass es Herbscht isch worde, dass die chalte Tage nach däm schöne Summer o ihres Rächt wei ha. Druf het sich d Sunne z’grächtem zur Rueh gleit, mit em letschte, weiche rote Liecht über em Bärg het si de Mönsche uf der Ärde guet Nacht gseit.

E chüele Herbschtaabe isch es itz worde, vo der Weid här di Chueglogge z’ghöre, u d Amsle i de Tanne sueche sich es Plätzli für d Nacht. Es vernachtet, still u voller Fride.

U denn, wie vo eim Momänt zum angere, si am nachtblaue Himmel über de dunkle Tannewälder die erschte Stärne z’gseh gsi. Häll u glitzernd stah si itz am Himmel. I luege i die wyti, stilli Nacht u da isch es mir, als ob i wyt i d Ewigkeit chönnt gseh. Wyt i d Unändlichkeit u Grössi vom Stärnemeer. Wie chly bin i doch sälber i dere Wyti, wo weder Aafang no Ändi het.

Erinnerungen an die kleinen Piepser

Wussten Sie, dass die Smartwatches einen populären Vorgänger haben, der vor 30-40 für ein ganz neues Lebensgefühl stand? Ein kleiner Annäherungsversuch an ein Phänomen mit kleinen LCD-Ziffern und an eine Zeit, die zunehmend in Vergessenheit gerät.

casio

Welches ist der typische Klang, der die 70er und 80er prägte? Und erst verhallte, als ihn eine neue Technologie verdrängte? Die synthetischen Klänge der Homecomputer von Commodore, Texas oder Sinclair? Oder die elektronischen Spielzeuge, die mit ihrem quäkenden Lärm den letzten Nerv ausreissen konnten? Nein. der Klang, den ich meine, kam vom Handgelenk. Genauer: Von den digitalen Armbanduhren, die sich in den 70er Jahren anschickten, die Welt zu erobern. Sie waren schon damals weit mehr als ein prosaischer Zeitgeber für den Alltag. Die billigen, aber dennoch schmucken Digitalticker waren wesentlich mehr, sie wurden zum Sinnbild eines neues Lebensgefühles, für eine neue, digitale Welt; sie waren wie eine Verheissung zu einer aufregenden Technologie-Zukunft, die alte Grenzen sprengt.

Die faszinierende Geschichte der Digitaluhr beginnt in den frühen 70er Jahren. Es war die «Pulsar 1» von Hamilton, die für Furore sorgte, eine Armbanduhr, welche die Zeit auf Knopfdruck in rot schimmernden LED-Ziffern anzeigte – wenn auch nur für 1.5 Sekunden. Willkommen in der digitalen Zukunft! Der kleine elektronische Ticker hatte trotz etlicher Unzulänglichkeiten und eines hohen Preises einen bahnbrechenden Erfolg. Er fand den Weg in einen James Bond Film und wurde so über Nacht weltbekannt. Sogar der schrullige Inspektor Columbo erlag der Faszination, als er das technische Wunderwerk am Handgelenk eines technophilen Mörders entdeckte (Folge «Replay»).

Allein die digitale Armbanduhr wäre wohl eine zeitliche Anekdote geblieben, wenn nicht Longines 1973 das LCD Display erfunden hätte. Dank diesem konnte die Zeit ohne Unterbrechung angezeigt werden, die Batterie hielt trotzdem mehrere Jahre durch. Und LCD Displays waren billig herzustellen. Dies rief die fleissigen Japaner auf den Plan, Casio, Seiko und Citizen. Sie brachten innerhalb von wenigen Jahren Digitaluhren auf den Markt, die bald für weniger als 100 Franken zu haben waren. Und damit öffneten sie alle Schleusen. Billige, aber dennoch präzise und zuverlässige Zeitgeber kamen in den Krisenjahren der späten 70er gerade recht! Bald waren die Piepsgeräusche der Casio- und Seiko-Uhren omnipräsent, nicht nur in Schulzimmer.

Die japanischen Armbanduhren wurden billiger und billiger, warteten aber mit immer neuen «Bells und Whistles» auf. Und das ist wortwörtlich zu nehmen, etwa bei der Casio «Melody», die ihr Umfeld mit ganzen Melodiefolgen erfreuen konnte. Eingebaute Taschenrechner und Notizfunktionen bereiteten der Lehrerschaft zusätzliches Kopfzerbrechen. Denn jetzt war die Uhr Nervensäge und Spickzettel in einem. Und während ältere Semester zunehmend die Nase rümpften und sich wieder eine schicke Analoguhr leisteten, fanden Casio & Co. bei Teenagern offene Herzen. Wer «in» sein wollte, musste mindestens mit einer Basis-Casio aufwarten: Die Stoppuhr und der Timer waren das mindeste. Und während auf dem Pausenhof arglos kopierte Disketten mit C64-Games den Besitzer wechselten, wurde die neusten Ticker eifrig inspiziert!

Nur wer es selbst erlebt hat, kann dies in seiner ganzen Dimension erfassen: Während der US Präsident Ronald Reagan in den Nachrichten die Pershing Raketen lobte, sassen wir in einem verdunkelten Zimmer und interessierten und herzlich wenig für Weltpolitik. Wir sassen vor einem Fernseher, an den wir einen VHS Recorder angeschlossen hatten. Und dann schwebten Han Solo und Luke Skywalker mit dem Millenium Falcon durch die Galaxien, die Starwars Filme waren für uns eine Offenbarung. Weg vom grauen Alltag öffnete sich die Weite und Faszination des Alls, die hell schillernde Welt der Science-Fiction. Und, dies ist ganz bedeutend: Mit der Casio oder Seiko am Handgelenk waren wir selbst ein Teil von diesem neuen Lebensgefühl. Die Uhr gab und das Gefühl, nicht nur dabei zu sein, sondern mittendrin.

Irgendwann wurden wir älter und die Regenbogenfarben der 80er Jahre verblassten. Mit unserem Erwachsenwerden kam das Handy. Die neuen Trendsetter wollten keine Armbanduhr mehr, erst recht keine auffälig billige! Zudem konnte das Handy alles, was eine Casio «Databank» konnte – und noch einiges mehr! Die 90er Jahre kamen und mit ihnen die stabilen «GShock» Uhren, die das vorläufige Ende der Faszination für die Digitaluhren einläuteten. Dann wurde es zunehmend still um Citizen & Co.

Und heute? Heute will die Smartwatch den Platz der Digitaluhr endgültig einnehmen. Aber eigentlich wirkt sie neben einer Casio mit Taschenrechner trotz all ihrem technischen Protz ziemlich farblos. Woran liegt das? Ganz einfach: Die modernen Smartwartches sind Retorten-Erzeugnisse. Sie existieren, weil Apple, Samsung und Motorola sie am Markt etablieren wollen. Die Uhren, deren Akku schon nach einem Tag schlapp macht, sollen ein neues Kundenbedürfnis wecken. Dies fällt ihnen aber weiterhin schwer, denn ausser einer Verlängerung des Smartphones zum Handgelenk bieten sie keinen echten Mehrwert. Wie ganz anders war da der Siegeszug der Digitaluhr. Sie erfüllte gleich mehrere Kundenwünsche einer ganzen Generation. Und sie stand am Beginn der Digitalisierung unseres alltäglichen Lebens. CD-Player, DVD, Computer und Internet folgten.

Das ist wohl auch der Grund, weshalb Casio noch einmal nachgelegt hat. Digitaluhren im Retro-Style der 80er Jahre sind wieder erhältlich und stehen bei Amazon ganz oben auf der Erfolgsliste verkaufter Uhren. Die Casio A158WA zum Beispiel. Sie hat ein Stahlgehäuse und kostet trotzdem weniger als 30 Franken. Zwar kann sie keine SMS empfangen und keine Whatsapp-Nachrichtren versenden. Aber die integrierte Batterie hält für mindestens sieben Jahre! Welche Smartwatch kann das?

Frühling

Ich möchte in einer duftenden Wiese liegen, die Wärme der Sonne in meinen Gesicht fühlen und in den schattigen Bäumen über mir die Amsel singen hören. Ich möchte den Ruf der Lerche hören, hören wie sie das Erwachen der milden Tage begrüsst. Der letzte Schnee im tiefen Schatten zerrinnt, so wie die Erinnerung an die kalten Tage.

Wiehnachtsgruess

Wie hei mir doch gstuunet, wo mir i d Stadt si cho, zum es Gschänkli choufe. I de Läde, uf de Gasse und uf de Plätz isch es emsigs Tribe gsi. Es wirbligs Dürenang, wie mirs chum schon einisch hei erläbt. I de feschtlich gschmückte Waarehüser isch Wiehnachtsmusig z ghöre gsi, bald jedes Regal isch feschtlich gschmückt worde, zum all dene schöne Sache, wo da sy verchouft worde, e eigete, feschtliche Glanz z’gäh. D Bsuecher im Lade hei zuegriffe u vor de Kasse het es wäg de vile Chöifer e Schlange gäh. U zwüsche all de Girlande, glänzige Chrugele u Wiehnachtsböimli het da u dert e Verchöiferin hinger der Ladetheke müed usgseh, het druf blanget, dass der Füürabe itz de gly chunt.

Läbhaft zue u här gange isch es o uf de Märitplätz. Bim Handwärchermärit isch üs der fein Gschmack vo Öpfelpunsch u Glüehwy i d Nase gstyge. Bi eim Stang het es nach Läbchueche gschmöckt, bim nächschte nach Öpfelchüechli. D Märithüsli sy mit Tannchrys und lüchtende rote Bänder heimelig gschmückt gsy, es isch eim vorcho, wie wenn me über d Schwelle von ere ganz andere Wält trappet wär. Schön drechslereti Holztäller, Gschirr us Ton wo i allne Farbe glüchtet het u weichi Sache us lüchtender Märliwule. Mängs Gschänkli isch hie schön verpackt worde für sy Platz unger em Chrischtboum.

Ungerdesse het es i der Stadt immer meh Lüt gha, es isch hektischer, ds Tämpo schneller worde. Uf em grosse Platz im Zentrum, dert wo jedi Wuche dür ds Jahr Märit isch, het sich itz doch e närvösi Stimmig feschtgsetzt, wie der Winternäbel i der Dämmerig. Lüter isch es worde, mit het guet gmerkt, dass es Mönsche het, wo sich vorgnoh hei, grad a däm Tag no es Gschänkli z organisiere. Aber, wo blybt i all däm Uf und Ab d Wiehnachtsstimmig? Nüt meh isch z gspüre gsy vo Stilli, vo der hälle inere Fröid uf ds Geburtstagsfescht vo Jesus Chrischtus.

Aber denn isch öppis passiert. Uf einisch sy hälli Trompetekläng z ghöre gsy. E Kapälle vo der Heilsarmee het sich unger de Loube uufgstellt u die erste Takte vo «Hört der Engel helle Lieder» gspilt. E klari, strahlendi Melodie het der ganz Platz erfüllt:

«Hirten sagt, was ist geschehen,
was tun uns die Engel kund?
Alles leid kann jetzt vergehen
auf dem weiten Erdenrund.
Gloria in excelsis deo…»

Was doch Musig alles cha verändere, verändere i wenige Ougeblicke! Uf einisch het sich e heilige Rueh über em Platz usbreitet u het däm Hetze u Haschte sanft d Geisle us der Hang gnoh, wenn o nume für es paar Minute. Wie het das guet tah! Mönsche sy blybe stah, hei d Täsche uf e Bode gstellt u mit entspannte Gsichtszüg hei si dene wunderschöne Wiehnachtslieder zueglost. Es isch eim vorcho, als sige die Ängel z ghöre, wo scho vor zwöituusig Jahr zu de Hirte gsunge hei: Fride uf Ärde für alli Mönsche. U während sich d Dezämbernacht langsam über d Stadt gsänkt het, isch gwüss im mänger Seel es Wiehnachtsliecht azündet blybe.

I wünsche euch es frohs, gsägnets Wiehnachtsfescht und es glücklichs nöis Jahr! U danke, dass Dir mi Blog bsuechet.

Es herbschtelet

So churze d’Tage, si wärde langsam chelter u ds Jahr isch alt worde. Bim vernachte gruppe sich d Hüehner uf em Stängeli zäme u ds Büssi hocket vor em Fäischter, möcht gärn es Plätzli a der Wermi ha. Es vernachtet, am klare Himmel lüchte u glitzere d Stärne u wenn us Nacht u Morgenäbel e nöie Tag erwacht, de lit e wisse Ryf uf Fäld u Wald. Är möcht üs gwüss mahne, dass scho gli der erscht Schnee e wissi, chüehli Dechi über ds Land leit.

Herbstwald

Uf chüehle Füess, mit ere Chrone us farbigem Loub u mit all de guete Gabe, wo ds Jahr üs het gschänkt, so chunt der Herbscht derhär und lachet üs fründlich a. U nid wyt hinger ihm, zwüsche all de guldige Farbe und em milde Sunneliecht si lyslig d Schritte vom Winter z’ghöre.