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Das Erfolgsrezept der Jodler

Friday, June 11th, 2010

Die lang erwartete Zeit der ersten Sommerwochen ist gekommen. Und für für viele Schweizerinnen und Schweizer heisst dies auch, den Mutz oder die Tracht anzuziehen – trotz der sommerlichen Temperaturen. Die Zeit der Jodlerfeste ist endlich da!

Die Unterverbandsfeste im allgemeinen und das «Eidgenössische» im besonderen sind zu vielbeachteten Grossveranstaltungen geworden, die mehrere 10.000 Besucher anlocken, am eidgen. Jodlerfest in Luzern trafen sich 2009 mehr als 200.000 Besucher und 12.000 Aktive am Seebecken der Leuchtenstadt. Ein neuer Rekord. Diese grossen Veranstaltungen der Fahnenschwinger, Alphornbläser und Jodler erfreuen sich einer ungebrochenen Beliebtheit und üben eine eigenen Zauber aus auf alle, die dabei sind. So berichten gleichermassen Aktive wie Gäste auch nach vielen Jahren noch von den Erlebnissen in Aarau, Huttwil oder Altdorf.

Besucher fühlen sich an Jodlerfest nicht einfach nur als Zuhörer oder Beobachter. Das Geschehen am Fest ist kein passives Erlebnis, es ist vielmehr ein Mitmachen, ein Mitsingen im «Jodlerdörfli» und Mitfiebern bei den Wettvorträgen. Jodlerfeste sind tief geprägt von einem Geist der Zusammengehörigkeit. Sie sind durchdrungen von einer eigenen Atmosphäre der Spontanität und Freude, die kaum in Worte gefasst werden kann. Aber Jodlerfeste möchten auch gar nicht beschrieben werden, sie wollen mit Herz und Seele miterlebt werden. Gerade so wie in der Aufforderung eines bekannten Jodellieds*: «Los nid zue, nei bruch mit Stolz di Stimm!».


Lebenskünstler Emmentaler Jodler aus Konolfingen

Doch bevor ich nun ob aller Vorfreude auf das kommenden Berner Jodlerfest in Langenthal noch mehr ins Schwärme gerate, sollen zwei Fragen thematisiert werden. Erstens: was ist es, das die Faszination des Jodelliedes und der Alphornweise ausmacht? Wo liegt das Geheimnis dieser urtümlichen und traditionsverbundenen Form des Musizierens? Im Vorfeld der Feste wird über diese Frage oft in der Tagespresse spekuliert. Allzugerne wird dann auf die These der «Zukunftsverlierer» zurückgegriffen, die etwa so zusammengefasst werden kann: wem die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft nicht behagen, findet in der zur Idylle geformten Vergangenheit Geborgenheit und einen Zufluchtsort. Doch so verbreitet diese These auch sein mag, so führt sie letztendlîch doch in die falsche Richtung. Dies hat auch Peter Keller erkannt. Der studierte Historiker und Kulturredaktor singt seit zehn Jahren in einem Jodlerklub und findet eine Erklärung für das Phänomen auf der metaphysichen Ebene: «Es gibt diese magischen Momente beim Singen. Wenn sich der Körper mit Musik füllt. ‹Äs choret›, sagt man dann. Ein unübersetzbarer Ausdruck. Der Chor ist ganz bei sich selbst. Er reduziert sich gewissermassen auf seinen reinsten Zweck: den gemeinsamen Klang zu bilden.»**

Dieses Empfinden, vereint mit dem Erleben der alpinen Freiheit, die ihre Grenzen erst in der ewigen Weite des Himmels und zuletzt bei Gott findet, bilden gemäss Keller die Kraft, die die Jodler zu einer festen Gemeinschaft zusammenschweisst.

Und die zweite Frage: Ist diese Idylle, die da besungen wird, nicht ein Trugbild? Eine Scheinwelt, die so nie existiert hat? Gewiss, Viele Jodellieder besingen ein heile und intakte Alpenwelt, ein Leben frei von allen Sorgen und Beschwernissen, ein tiefes Glücksgefühl bei der Alpfahrt und die Erinnerung an eine ebenso glückliche Kinderzeit in der Geborgenheit einer von Liebe und Zuwendung geprägten Familie.

Aber eben nicht alle. Die Texte vieler Jodlerweisen wenden sich auch den Sorgen und Nöten der Menschen, den Problemen des Alltags zu. Besungen wird dann die Kameradschaft, die sich bewähren muss, ein Treuebruch mit schweren Folgen und zuletzt auch Krankheit und die Trauer im Sterben und Abschied nehmen. Die Aktiven beweisen selbst im alltäglichen Leben immer wieder, dass das Jodeln keinesfalls mit dem Rückzug in eine Scheinidylle gleichgesetzt werden kann. Eher das Gegenteil trifft zu. Gerade das Singen von einer heilen Alpenwelt und vom Lebensglück kann den Blick für die Geschehnisse des Alltags schärfen. Und umgekehrt wäre es verhängnisvoll, wenn wir ob aller Probleme den Blick auf das Schöne verlieren würden. Erst durch das Trübe entdecken wir, wie schön das Helle ist. Wenden wir uns nur noch dem Hellen zu, wird unser Leben oberflächlich. Und wenn wir nur noch das Trübe sehen, wird unser Leben trost- und hoffnungslos. Davor wollen uns die Jodler bewahren.

In diesem Verhältnis von Licht und Dunkelheit ist ein wichtiger Wegweiser zu finden, der wieder zur ersten Fragen nach dem Erfolgsrezept der Jodler führt. Es ist ein Ziel des menschlichen Lebens, die richtige Mitte zwischen diesen beiden Extremen zu finden. Der schöne Lösungsansatz der Jodler besteht darin, einen tiefen Schritt in die lichte Seite zu wagen, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. Und genau durch diese Kunst gewinnen die Akteure. Sie öffnet der Empfindung all die Bilder, die im alten, traditionellen Jodellied besungen werden. Mit ihren Vorträgen beschenken die Jodler somit nicht nur ihre Zuhörer, sondern auch sich selbst in einer besonderen Weise. Hand aufs Herz: wer sehnt sich nicht im innersten nach der Idylle, die in vielen Melodien von Robert Fellmann oder Adolf Stähli vermittelt wird? Oder möchte einmal von Soldanellen und «Ankebälli» singen und so neu entdecken, dass die schönen Dinge des Lebens oft im kleinen und unscheinbaren zu finden sind.

Wer jodelt verträumt sein Leben nicht, aber er nimmt sich die wohltuende Freiheit, hin und wieder zu träumen, von einer harmonischen, intakten Welt. Und wenn beim Verklingen der letzten Strophe ein Funke aus dieser gefühlten und besungenen Sonnseite den Weg in unser Leben findet, dann hat das Jodellied sein Ziel erreicht.

* Jodlerfreud von Carl Hess
** Peter Keller: Soundtrack der Freiheit. Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 27/08.

Frühlingssegen

Tuesday, April 13th, 2010

SonnenblumenMöge die warme Frühlingssonne Dir heute leuchten und ihre warmen, milden Strahlen Dir Glück und Freude schenken.

Möge Dein Leben wachsen und gedeihen, so wie eine leuchtende Blume im Erdreich, das ein warmer Frühlingsregen frisch getränkt hat.

Möge Deine Liebe und Hoffnung blühen, so wie ein junger Baum in der goldenen Maiensonne.

Möge ein frischer, milder Frühlingswind alles Trübe von Dir nehmen, so wie er am Abend mit dem Märzenlaub spielt und es zerstreut. Und alles wenden, Hoffnung und Zuversicht Dir schenken.

Möge Gott Dir seinen reichen Segen schenken, so wie jeder neue Frühlingstag erfüllt ist von seiner unendlichen Güte.

Der Lebenskünstler

Saturday, March 6th, 2010

Der junge Mann war ganz in die Aufgabe vertieft, die ihm seine Mutter am Ende des Einkaufes stellte: behutsam und mit ganzer Konzentration nahm er ein Wollknäuel nach dem anderen aus dem Einkaufskorb, betrachtete es einen Moment, um es dann auf das Fliessband vor der Kasse zu legen. Dabei legte der am Down Syndrom leidende Mann die weichen Wollbündel nicht einfach nebeneinander, er stapelte sie vielmehr so, dass auf den Band eine kleine Pyramide aus den weichen, farbigen Wollknäueln entstand. Als dann das letzte Bündel seinen Platz auf der Spitze des Stapels fand, betrachtete der Mann zufrieden sein Werk. Und sein Gesicht wurde von einem spontanen, sanften Lächeln aufgehellt.

Doch dann nahm für ihn das Unheil rasch und unerwartet seinen Lauf: die Kasse wurde frei, das Fliessband setzte sich ruckartig in Bewegung, so dass das oberste Knäuel von der Spitze fiel. Um zu verhindern, dass etwas auf den Boden fällt legte die geschäftige Mutter rasch die gestapelten Bündel nebeneinander, ohne dabei auf ihren Sohn zu achten, der ganz verdutzt dabei stand. Denn er musste jetzt zusehen, wie sein kleines Werk zusammenfiel und wie die von ihm so liebevoll geschichteten Wollbündel routinemässig und im hohen Takt des Einkaufszentrums am Samstag Morgen abgezählt, in eine Tasche gepackt und bezahlt wurden.

Der jungen Mann stand immer noch ungläubig vor dem Fliessband. Hatte denn niemand gesehen, was er da schönes gemacht hatte? Konnte denn niemand sehen, wieviel Mühe und Sorgfalt er in seine kleine, aber für ihn wichtige Aufgabe er gelegt hatte? Nein, es ging alles viel zu schnell, etwas verwirrt und hilflos stand der Mann da. Und schon schien ein Schatten der Traurigkeit über sein Gesicht zu kommen, als seine Mutter ihm rief, ihn an der Hand nahm und mit ihm das Gebäude verliess. In diesem Moment heiterte sich das Gesicht des kindlichen Sohnes wieder auf. Mit einem Lächeln im Gesicht, geborgen am Arm seiner Mutter ging er zufrieden heimwärts.

Aber was lehrt nun diese kleine Geschichte? Zum ersten, dass es keinen Sinn macht, in der Enttäuschung zu verharren. Wenn wir nach einen Rückschlag beherzt und zuversichtlich weitergehen, dann werden wir auch das Glück bald wieder finden.

Und zum zweiten, dass wir von allen unseren Mitmenschen etwas lernen können.

Die Zeit und das Glück

Sunday, January 24th, 2010

In meinem Blog gab es schon einmal einen Beitrag mit diesem Titel. Mir gefällt diese Überschrift, denn je mehr ich über diese beiden Begriffe nachdenke, desto klarer wird der feste Zusammenhang, der die beiden miteinander verbindet. Da ist zum ersten die Zeit. Von ihr ist uns für unser eigenes Leben nur ein beschränktes Mass gegeben. Wir wissen nicht einmal, wieviel es sein wird. Gerade deshalb ist die Zeit ein so wertvolles Gut; wir sollen bewusst damit umgehen und danach streben, sie mit Sinn und Gehalt zu erfüllen. Ein sinn-erfülltes Leben – gibt es jemanden auf dieser Erde, der sich das nicht wünscht? Oder: für unser Lebensglück ist es wichtig, darauf zu achten wie wir unsere Zeit nutzen, was wir aus jedem neuen Tag machen. Daran ist durchaus nichts neues, das Nachdenken über die Zeit ist so alt wie die Menschheit selbst. Von Arthur Schopenhauer, dem grossen deutschen Denker des 19. Jahrhunderts stammen einige der schönsten Gedanken zu diesem Thema. Schopenhauer mahnte unter anderem daran, besonders die ersten Stunden eines neuen Tages zu nutzen. Denn der frische Morgen gleiche der Jugend unseres Lebens. Es sei daher wichtig, ihn nicht zu verschlafen. Und Seneca, den seine Gemütsruhe nicht immer von der pulsierenden Hektik der römischen Metropole schützen konnte, stellte fest: wir haben nicht zu wenig Zeit, wir vergeuden zuviel!

Und da ist das Glück. Wer möchte nicht glücklich sein? Möchte nicht, dass sein Lebensweg ihn aufwärts führt, zum Parnass der Glückseligkeit. Wer hin und wieder eine Wanderung in der Schweiz unternimmt, kennt die Wegweiser, die in schöner Regelmässigkeit bei Kreuzungen, Verzweigungen und Pässen anzutreffen sind. In der Schweiz sind diese gelben, mit Ort, Distanz und Wegzeit beschrifteten Wanderwegweiser zum Sinnbild für Richtung und Ziel geworden. Welchen Weg wollen wir gehen? Oder, genauer bestimmt für unser Thema: welcher Weg führt uns zum Glück des menschlichen Daseins? Damit sind wir bei der Frage aller Fragen angelangt. Bei der Frage, die den tiefsten Grund unserer Existenz berührt und deshalb zu allen Zeiten im Mittelpunkt menschlichen Denkens stand. Welchen Weg müssen wir einschlagen? Wenn wir diese Frage stellen, begeben wir uns damit – ob wir nun wollen oder nicht – an eine Wegkreuzung. Denn, was die Glückseligkeit ausmacht und wie sie zu finden sei, darüber gehen die Meinungen auseinander. Dies hat schon Aristoteles in der Einleitung seiner nikomachischen Ethik festgestellt: “was aber die Glückseligkeit sei, darüber streiten sie und die Leute sind nicht derselben Meinung wie die Weisen.”

Und da wir gerade bei Aristoteles angelangt sind: was würde er wohl auf einen der Wegweiser geschrieben haben als sicheres Rezept für ein glückseliges Leben? In seinem grossen, oben erwähnten Werk finden wir die Antwort: der Weise aus Stagira entdeckte, dass jedes Lebewesen nach der ihm eigentümlichen Vervollkommnung strebt. die Pflanze bespielsweise will wachsen, gedeihen und blühen. Hier findet sie ihre Vollendung, ihr Glück als Pflanze. Fuchs, Pferd und Rabe streben danach, die ihnen von der Natur gegebenen Leistungen zur Vollendung zu bringen: dort die Entwicklung des schlauen, gerissenen Jägers. Und der Stärke und Laufkraft und Schnelligkeit. Hier der geschickte Flieger und sichere Nestbauer. Wenn dieses Streben nach Vollendung und Entfaltung auf den Menschen übertragen werden soll, muss die Frage beantwortet werden: welches ist die eigentümliche Leistung des Menschen? Was ist es, das sein Mensch-Sein ausmacht? Aristoteles antwortet: es ist die Denkkraft, die vernunftgemässe Tätigkeit der Seele. Es ist das Streben danach, sich als denkender und vernünftig handelnder Menschen zu entwickeln und entfalten. Zugegeben, das mag etwas abstrakt klingen. Aber, wenn das Gesagte vor dem Hintergrund der begrenzten Zeit betrachtet wird, nimmt es Gestalt an: Der Weg zur Glückseligkeit ist gesäumt von den guten, menschlichen (mensch-gemässen) Taten und Werken. Der Weg ist gepflastert mit unserem Streben, alle unsere Fähigkeiten, Talente, unsere Kreativität und Phantasie nicht verkümmern zu lassen sondern sie unter guter Nutzung der Zeit wachsen und gedeihen zu lassen.

Wie könnte das anhand eines Beispieles aussehen: dazu können wir sogar in der Zeit des Aritoteles bleiben. Von den sieben Weisen der griechischen Antike gibt es eine reizvolle Anekdote: derzufolge sollen sich die sagenumwobenen Denker einmal in Delphi, beim berühmten Orakel des Apollo getroffen haben. Der Priester des Tempels hiess die berühmten Denker willkommen und bat jeden von Ihnen, an der Tempelwand eine Maxime zu hinterlassen. So soll Chilon von Sparte als ersts über der Pforte des Heiligtums die berühmten Worte eingemeisselt haben: “Erkenne dich selbst.”. Wer die ganze Geschichte lesen möchte, der findet sie in der Geschichte der griechischen Philosophie von Luciano de Crescenzo. Pittakos soll folgende geschrieben haben: “Erkenne den rechten Zeitpunkt.” Das kann nicht nur als Hinweis darauf verstanden werden, zu erkennen, wann für ein Vorhaben der rechte Moment gekommen ist, so wie es auch der Prediger Salomo empfiehlt. Gewiss ist es auch eine Anempfehlung an den bewussten Gebrauch der Zeit. Daran, die Zeit als ein wertvolles Gut zu betrachten, das nicht verschwendet werden darf. Wie nutzen wir dieses Gut aber sinnvoll? Auch Thales war in Delphi dabei. Und das, was er schrieb, birgt die Antwort auf diese Frage: “Gedenke der Freunde.” Gute Freundschaften gehören zum Wertvollsten im Leben. Auch deshalb, weil wir in der Freundschaft durch gegenseitiges Nehmen und Geben wachsen, und selbst als wertvolles Glied einer Gemeinschaft entfalten können.

Meine Betrachtung wäre nicht vollständig, wenn sie nicht auch eine Hinwendung auf Gott enthalten würde. Unser aller Leben liegt letztendlich in seiner Hand. Und wenn wir in unserem Leben an einer wichtigen Wegscheide angekommen sind und entscheiden müssen, wie es weiter gehen soll, dann lädt er uns ein, ihn zu fragen. Gott ist bei uns. Und wenn wir ihn mit reinem Herzen um eine Antwort bitten, dann dürfen wir auf eine Antwort hoffen. Dies hat er versprochen. Worin aber besteht der Weg, das Glück durch Gott zu finden? Diese Frage stellten schon die Pharisäer, die am Ufer des Jordan standen und hörten, wie der Täufer Johannes sie zur Umkehr aufrief: “was sollen wir tun?” Die Antwort, die der Täufer gab, wurde kurz darauf von Jesus Christus in all seiner Grösse und Kraft verdeutlicht: um Gott kennenzulernen und damit das grösste Lebensglück zu finden, braucht es keine Tempel und Kathedralen, keine aufwendige Religion mit Ritualen und Zeremonien, keine Traditionen und Priesterhierarchien. Was es aber braucht, ist eine vetrauensvolle Rückkehr zu Jesus Christus, durch den sich Gott als ein liebender, gütiger Vater erweist. “Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht umherirren, sondern das Licht des Lebens haben.” Das sagt Jesus Christus. Er ist gekommen, um uns auf dem Weg zum Glück ein Licht hochzuhalten, damit wir auf dem sicheren Weg bleiben.

Wie aber steht es mit der Zeit? Hat Gott für unsere Sorgen und Fragen Zeit? Bei Jesus ist diese Frage leicht zu beantworten. Als er auf dem Weg nach Jerusalem war und viele Menschen ihn umringten und seine Ankunft in der heiligen Stadt drängend erwarteten, hörte er plötzlich einen Blinden, der ihn um Heilung anflehte. Und Jesus blieb stehen. Alles andere konnte warten, nur dieser arme Blinde am Wegrand war jetzt wichtig. Jesus hatte Zeit für ihn und schenkte ihm das Augenlicht.

Damit stellte Jesus uns wieder das Bild des guten Vaters und der guten Mutter vor Augen, zu dem eines seiner Kinder mit einer Bitte kommt. Der Vater wird das Kind liebvoll aufnehmen und ihm seine ganze Aufmerksamkeit schenken: er hat Zeit.

Keine Zeit?

Monday, January 11th, 2010

Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt, aber schon stecken wir wieder mitten im Alltag. Und es scheint, als seien die Feiertage der Altjahreswoche bereits in weite Ferne gerückt. Das Weihnachtsfest, der Silvester und die Stille und Beschaulichkeit der Feiertage sind abgelöst worden vom Takt der Arbeitswoche, vom Getriebe der Verpflichtungen und Ämter, von all den Verrichtungen, die uns vom Morgen bis oft tief in den Abend hinein umtreiben. Und die Zeit? Auch sie ist schon wieder zur Mangelware geworden und nur allzuoft ist zu hören: «Wir haben leider keine Zeit.» Vielleicht war das Mehr-Zeit-haben sogar einer der Vorsätze für das neue Jahr. Und wenn es nicht geklappt hat: ist es denn nicht jeder Tag im Jahr wert, dass wir an ihm einen guten und schönen Vorsatz aufnehmen.

Keine Zeit. Aber wo ist all die Zeit hin? Als ich mir in den vergangenen Tage diese Frage stellte, kam mir ein Erlebnis in den Sinn, das schon einige Jahre zurückliegt: beim einem Ausflug der Theatergruppe lernten wir im Hornbach im Emmental, wie mit einfachsten Mitteln Gold gefunden werden kann. Und das geht so: mit einer flachen, ca. 40cm breiten Pfanne wird mitten im Bach Geröll und Sand vom Boden aufgenommen. Etwa soviel, dass zwei Drittel der Pfanne angefüllt ist, der Rest wird mit Wasser aufgefüllt. Nun wird mit einer sorgfältigen, kreisenden Bewegung der Sand aus der Pfanne ausgespült und fehlendes Wasser immer wieder nachgefüllt. Das geht solange, bis im der Pfanne fast nur noch Wasser zurück bleibt. Und nun sind auf dem Boden der Pfanne kleine, kaum sandkorngrosse Goldplättchen zu sehen. Da ihr spezifisches Gewicht höher ist als das von Wasser, Stein, Sand und Holz, bleiben sie beim Ausschwemmen zurück. Die winzig kleinen Edelmetall-Stücke können jetzt mit der Fingerspitze aufgenommen und gesammelt werden.

Könnte man bei den alltäglichen Verrichtungen nicht genau so vorgehen wie beim Goldwaschen? So, dass wir den wertvollen Dingen zuerst unsere Aufmerksamkeit schenken? Dem, was unserem Leben Sinn und Halt gibt. Und wer weiss, beim Ordnen all der Dinge, die Tag für Tag erledigt sein wollen, öffnet sich vielleicht der Blick plötzlich für eine Idee, wie sich Aufgaben anders organisieren oder sogar kombinieren lassen, so dass neuer Freiraum entsteht.

Mail us Rüderswil

Saturday, January 2nd, 2010

Während der Nacht und am Morge het es gschneit. Denn aber, i de letschte Stunde vom zwöite Morge im nöie Jahr hei sich d’Wulche ufglöst zum ere hälle u strahlende Wintersunne Platz z’mache. Das isch e günschtigi Glägeheit zum vom Steibärg us es Föteli vom Dorf z’mache. Häll u klar isch der Blick vo dert us über ds Dorf ine gange, über Zollbrück u ds Ried us bis a verschneit Bänzebärg:

Winter in Rüderswil

E wite u klare Blick, wär das nid grad e schöne Vorsatz für ds nöie Jahr? I meine mit däm nid nume die prächtigi Ussicht über üses schöne Deheim, sondern o e innere Blick. Eine, wo o das gseht, was um üse ume passiert. E Blick wo wie es Gspüri isch u Zyt het zum erkenne, wo öpper uf es fründlichs Wort, uf e Anerchennig oder uf Rat u Hilf wartet.

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Wiehnachtsgruess vom Felix

Wednesday, December 23rd, 2009

Vor zwöine Jahr, da hets uf em Blog vom Benjamin e Wiehnachtsbotschaft vom Silvan, mit Husgfährt, z’läse gäh. U itz bis also i, der Felix a der Reihe. Gwüss kennet Dihr mi ja scho, es isch ja no nid lang här, wo’s vo mit öppis z’erfahre het gäh. Mit mine grosse, grüene Ouge, de schneewisse Stifeli und em schwarze Fläck zmits uf em Mu cha me mi ja o chum mit eme angere Chatzemoudi verwächsle.

Kater Felix

Aber gwüss wärdit Dihr itz frage, was so e Felix über ds’Wiehnachtsfescht z’säge het. So näht öich es Cheerli Zyt u losit mir zue, i möcht Euch e Gschicht erzelle. I der Nacht, wo ds Jesusching gebore worde isch, da hei ganz i der Nechi vom Stall zwöi chlini, graui Fäudmüsli gläbt. I ihrer Höhli, töif unger der Ärde hei sich die beide e schöne Wintervorrat gsammlet u hei sich’s i ihrem sichere, warme Versteck bas u wohl la sy. Aber denn, während em Vernachte, het im Ärdechämmerli plötzlich es hälls Liecht afa lüchte u de beide Müsli isch e wahrhaftige Ängel erschine. Häll wie d’Sunne het är gstrahlet. Die chline Höhlibewohner si ärschtig erschrocke, si ime Eggeli ganz nach zämegrütscht u hei mit grosse Ouge zu däm wunderbare Botschafter us em Himmel gluegt. «Heit kei Angscht», het dä druf gseit. «I ha öich öppis wichtigs z’säge. Hüt isch der Heiland gebore, dä wo vom grosse Gott gschickt isch, zum üs aune ds ewige Läbe und es grosses Glück z’schänke, wo nie vergeit. Drum gaht hurti zum Stall u luegit!»

Die beide Fäldmüsli hei zerscht nid rächt gwüsst, was astelle. Das isch für die beide chline Wäse doch grad chli viu gsi uf einisch. Aber denn hei si sich doch uf e Wäg gmacht zum gseh, was da grosses passiert isch. Chum si si aber us der sichere Höhli usetäselet, isch ihne wider e grosse Chluf i d’Chnoche gfahre. U dasmau no viu erger aus bim Ängu! Dicht vor em Usgang us em warme Winterlager het e grosse, chreftige Kater gwartet (öppe so eine wie-n-i o). Aber was itze? Nei, das was drufabe passiert isch, das hätte sich üser beide erchlüpfte Graueli nid im Troum chönne vorstelle. Der Kater macht langsam e Schritt zrügg, neigt der Chopf liecht uf d’Syte i seit mit ere fründliche Stimm: «heit kei Angscht, hüt isch die heiligi Nacht u dert i der Chrippe lit üses Chrischtching, wo Mönsch u Tier wott Fride bringe. Drum tuet i dere Nacht e keis Tier em angere öppis z’leid, mir si aui uf em Wäg zum Stall, chömit o mit.»
Wider si üsi beide Nager nid sicher gsi, ob si däm Fride würklich dörfe troue. Denn aber hei si sich doch füreglah u hei sich zäme mit em Kater uf e Wäg gmacht. Ganz zfride u guetmüetig isch dä itz däm chline Grüppeli vorus trappet u chum si si es paar Meter ungerwägs gsi, hei sich meh u meh Tierli derzuegsellt: e mächtige, graue Wolf, zäme mit es paar Schaf. E grosse, bhäbige Bär mit ere ganze Rehfamilie. Und us der Nacht touche plötzlich e Fuchs uf, begleitet vo Agetsche, Finkli u Amsle, wo däm schlaufe, ufgeweckte Waldbewohner Gsellschaft gleischtet hei.
Die beide Fäldmüs si us em Stuune fasch nümme usecho. Es grosses Wunder muess i dere Nacht passiert si. E Nacht, wo mit ere eigete Stilli erfüllt isch gsi, mit ere töife, innige Fröid, wo nid i Wort cha gfasst wärde. Was mues das für-n-e Mönsch si, wo dert im däm Stall uf d’Wält cho isch? «Das cha-n-i öich scho säge», antwortet der Kater ganz plötzlich. Dä het die beide agluegt u grad errate, was für Gedanke si hei. Dä Moudi het drum gwüsst, dass Gedanke u Gfüehl sich i de Ouge vo Mönsch u Tier spiegle, grad so wie sich der blau Himmel u die wisse Wulche im klare, stille Wasser spiegle. Nume brucht’s halt eigeti Ouge, zum das chönne z’gseh. Ouge, wo Fröid u Leid i der Wält säuber chöi ufnäh, wie e klare, reine Spiegel. «Es isch e grösse Chünig, wo hüt gebore isch« erzellt der Kater itz witer u die beide Zuehörer hei ihri chline Ohre gspitzt zum ja nüt z’verpasse. «Aber är isch halt ke Chünig über grossi Länder, Stedt u mächtigi Wältrich. Nei, är isch Chünig über öppis, wo ds Choschtbarschte isch uf der Wält: är isch Chünig über üsi Härze, sis Rich isch das vo der Liebi u Barmhärzigkeit. Und als Zeiche derfür, dass itz sis Rich si Afang nimmt, isch die heilige Nacht erfüllt mir Fride.

Das isch der Bricht vom Kater gsi u die beide chline Fäldmüs hei adächtig zueglost u si no geng ganz still gsi. Denn het eis zum Stall gluegt, druf wider zum Kater. Es het die Gschicht gwüss gloubt und grossi Fröid gha, aber, «zwe so chlini, unschinbari Fäldmüs wie mir, si mir de o wiukomme im Stall?» He ja, me muess sich das vorstelle, i der Gsellschaft vo Wöuf, Bäre, Adler u Hirschböck mit grosse, wite Gweih, da si die beide munzige graue Ärdbewohner ja chum meh z’gseh gsi, ganz verschwunde si si zwüsche angere Tier.
Ohni dass si’s gmerkt hei, het sich i däm Momänt e alte Bär derzue gsellt, är het si gross, breit Chopf wit abe gha, dass er mit sine nümm ganz scharfe Ouge die Müsli het chönne gschoue u het aui ihri Bedänke u Zwifel chönne uflöse: «Heit kei Chummer, Dir sit wiukomme, grad so wie mir aui. Im Himmel git’s e grosse Gott, wo Himmu u Ärde erschaffe het, auso o jedes vo üs. Aune het är ds Läbe und e eigeti Seel gschänkt. Öich beide und o mir. U drum het är üs aui gärn, ganz glich, wie gross oder chli mir si. Mir si ihm aui glich lieb u wärt.» So het dä alt Bär i de beide Müsli ds Vertroue nöi gweckt. Denn het är sich umdräit u isch mit gmässene Schritte vorus, uf em Wäg zum Stall, wo itz scho ganz nach isch gsi.

Das isch mi Gschicht. Wiehnachte ha, heisst das nid o a dä Stärn daiche, wo über em Himmel vo Betlehem glüchtet het? U das Liecht vo däm Stärn het über der ganze Wäut gschine, het Mönsch u Tier ds Liecht vom Himmel brunge, het üs aui agstrahlet. So isch es Wiehnachte worde; dennzumau wie o hüt und i jedem nöie Jahr. Wenn mir aui unger em Stärn vo Betlehem dür d’Liebe verbunge si, wie e Familie, wo so gross isch wie ds Stärnemeer, isch es denn nid Wiehnachte worde, sägit?

I wünsche Euch aune es frohs, gsägnets Wiehnachtsfescht.

Im Chrischtmonet

Tuesday, December 15th, 2009

«D’Liebi vo Gott isch bi üs erschine, eso, dass Gott si einzig Suhn i d Wält gschickt het. Är söll üüs mache z läbe.» 1. Johannes 4,9

I der Dämmerig, denn wenn der Tag sich neigt, a der Schwelle zur Nacht ds Liecht schwecher wird und am dunkelblaue Himmel die erschte Stärne strahle, denn si o am Bärg über em Dorf meh u meh d Liechter vo de Hüser z’gseh. Es isch e eigete, gheimnisvolle Momänt, wenn es a der ewige Himmelsfeschti Nacht wird und der Mond silbrig schint, e liebe Gfährt, wo üs dür d’Nacht lüchtet u seit: muesch kei Angscht ha vor der Dunkelheit, i bi ja o no da. U denn, wenn immer meh Stärne glitzere u strahle, wenn es still wott wärde uf üser Ärde und d’Dunkelheit sich über Dorf u Matte leit, denn zeigt sich es Bild, dert äne am Bärg. I de vereinzelte Hüser, wo dert am Hang ihre Platz hei, isch ds Liecht us de Fäischter ganz dütlich z’gseh. Es isch, als wenn es die Liechter der Stärne wei glichtue: Lüchte u Strahle unger em wite Himmelszält, unger em Stärnemeer. Isch das nid grad wie e Wunsch, dass über jedem Huus am Himmel e guete Stärn steit? E Stärn wo Liecht u Wermi schänkt?

«Itz wei mir aber doch hei, es isch gli heilig Abe. Wei hei und d’Cherzli am Boum azündte!». Nachdäm mir de Groseltere im Ungerdorf es Gschänkli hei dörfe bringe, hei üsi Chinderhärze nume no ei einzige Wunsch gha: hei u Wiehnachte fiire. U so schnäll üs d’Bei treit hei, bi-n-i zäme mit mim Brueder über ds Fäud, em Höhewäg zue. Dä het si Name drum nid vo ungfähr, es isch tatsächlich e Platz uf ere Ahöchi über em Dorf. Es het scho afa dunkle wo mir üs uf e Heiwäg gmacht hei. U grad wie hüt hei a däm Abe vor bald 40 Jahr am Himmel die erschte Stärne afa lüchte. Aber, wie ganz angersch gseh Chinderouge d’Stärndli, gseh ds heimelige Stubeliecht scho vo witem. Es het e eigete, verklärte Glanz, es isch halt kei Nacht wie angeri, isch keis Liecht, wie angeri Liechter. Nei, es isch d’Nacht vom heilige Abe, es isch ds Wiehnachtsliecht.
Scho am Namittag hei mir ghulfe, ir Stube der Wiehnachtsboum z’schmücke und d’Chrippe ufstelle. Das hei mir bsungers gärn gmacht, wiu das ja nid e Chrippe wie jedi angeri isch gsi. Bhüetis. Die het drum üse Vater sälber zimmeret, wo-n-är no i d’Schuel isch. So hei mir die Chrippe kennt, so wit dass d’Erinnerig zrügg geit. Und isch si üs so vertrout vorcho, ja het ganz e eigete Zouber i üsne Ouge gha. Dennzumau in Betlehem, wo ds Chrischtchind gebore isch, mues es genau so usgseh ha wie i üser schöne, vertroute Chrippe. Mit der Maria, em Josef, de drei heilige Chünige, de Hirte und mit em Chind i der Chrippe ganz i der Mitti vo all däm Gscheh. U sälb Jahr het Vater no e nöi Idee gha. Im Wald si mir ga Moosbitzli sammle u hei mit dene der Bode vor der Chrippe usgleit, so dass es usgseh he wie e schöni, grüeni Weid.
Ganz adächtig u sorgfältig hei mir scho nach em Zmittag der Wäg dür d’Tanne gsuecht u hei Moosblätze ufgläse. Es versteit sich ganz vo ellei, dass nume die schönste Bitzli guet gnue si gsi für üsi Chrippe. Wie wird ächt das usgseh, hüt am heilgie Abe, wenn über der Chrippe ds Läternli und d Cherze am Boum wärde brönne? So si mir vouer Vorfröid heicho u hei druf am Abe ds Liecht vom Stärn über der Chrippe dörfe gesh, hei dörfe d’cherzli am Boum azündte. Gwüss, grad so het ds Liecht vom Stärn vo Betlehem o müesse glitzere u schine, hei mir dänkt, vor mir all die Pracht mit em Boum u de Gschänkli bestuunet hei.

Vor 2000 Jahr, da het dä Stärn o glüchtet über der Stadt Betlehem. Aber nid über mächtige Paläscht oder grosse Fürschtehüser. Nei, über eme eifache, armselige Stall. U doch, all die Mönsche wo d’Geburt vo Jesus Christus mit erläbt hei, si erfüllt gsi, mit ere stille, töife Fröid. Adächtig si si abgchnöilet u hei das Ching i der Fueterchrippe abättet. Voll Glück u Dankbarkeit, dass Gott si eiget Sohn zu üs Mönsche gschickt het zum zeige, dass si grossi Liebi üs allne giut. Und über all däm Gscheh het e guete Stärn gstrahlet, häll u klar. Es isch der glich Stärn vo dere heilige Nacht, wo o hütt und a jeder Wiehnachte über üsne eigete Heimet möcht schine, so dass ds Liecht vo der Chrischtnacht o üsi Härze erfüllt. Es brucht nüt grosses derzue, keni guldige Tanzsääl oder herschelige Paläscht. Nei, ds eifachschte Deheim längt derzue, wenn mir Jesus Chrischtus ilade, zu üs z’cho. Wenn mir üs säuber lö la erfülle vom Liecht, wo der guet Stärn üs schänkt.

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Es Lache in Dine Ouge

Friday, October 30th, 2009

Es isch e Morge gsi, wie jede anger ou. Aber denn isch doch öppis passiert. Bim zmörgele, churz vor em parat Mache für ds Wärche, hesch Du mir es Lache gschänkt. Eifach so. Dini Ouge hei glänzt, grad so wie es früsches Toutröpfli im erschte Sunnelicht vom nöie Morge. U Dis Gsischt het gstrahlet, voller Wermi, so häll u schön wie-n-e Summertag.

Es Lache i de Ouge, es Strahle im Gsicht. Wie choschtbar isch doch das. Es Lache, wo vo ganzem Härze chunt, wo si Wurzle im töifschte Grund vo der Seel het. Isch es nid grad wie-n-e Boum, wo mit töife Wurzle u früschem, hällgrüenem Loub uf der Hoschtert steit? Es Bild, so schön, dass mir nid gnue möge luege u Fröid ha dra.

U so e Boum, dä isch gsung u chäch, bis i ds töifschte March. Gsung wie e früsche Öpfel, wo da am Boum guldig gälb und lüchtend rot tuet wachse u rife. Was für-n-es Glück isch es doch, z’gseh wie so-n-e Öpfel am Boum wott wärde. Druf darf i die wunderbari Frucht i mine Häng näh u gspüre.

U denn gseh i vor mir wider Dini Ouge a däm Morge, wo Du glachet hesch. Ja, so es Lache, wo vo Härze chunt, isch es nid grad wie e früsche, rote Öpfel am Boum? Lache us töifer Seel, heisst das nid: glücklich si. Isch es nid üsi Bestimmig, glücklich z’si u angeri glücklich z’mache? Ou mit eme härzliche Lache.

Vor 2000 Jahr, da het e Ma gläbt, dä het einisch öppis gseit, wo-n-i immer wider dra mues sinne: ‘Wenn ds Liecht i öier Ouge schint u Dir das Liecht i öich ufnäht, de isch es häll, o i öich inne’. Es härzlichs Lache heisst, offe si für das Liecht und sälber es Liecht si, so dass angeri sich dra chöi häbe u werme.

Der Zauber des Buches

Sunday, August 2nd, 2009

Bücher mochte ich schon immer gerne. Denn Bücher erzählen die spannendesten Geschichten, sie laden ein zu einer grossen Entdeckungsreise die voller Denkabenteuer sind oder sie öffnen uns ein Tor zu einer längst vergangenen Zeit; zu Menschen, die vor vielen Jahrhunderten lebten und uns in ihren Büchern eine Botschaft hinterlassen haben. Gedanken, die uns im ersten Moment oft seltsam und fremd erscheinen. Erst, wenn wir mehr über die Epoche erfahren, beginnt sich der Schleier zu lichten und die Gedanken aus der fernen Zeit erhalten vor unserem geistigen Auge Form und Gestalt. Staunend erleben wir dann, wie der altevordere Schreiber wieder lebendig wird, wie er uns seine eigene Welt schildert, von seinen Entdeckungen erzählt, vom Glück, aber auch vom Leid seiner Welt berichtet.

Wer liest, weiss mehr und verbringt seine Freizeit sinnvoll. So stand es einst in einem Verlagsprospekt. Daran ist etwas wahres. Aber es darf nicht einfach beim Lesen und Wiedervergessen bleiben. Wer liest, nimmt die Gedanken des Verfassers, der das Buch geschrieben hat, auf. In einem wertvollen Buch stehen die Gedanken, die ein Mensch als wertvoll erachtet hat und deshalb niederschrieb. Der Leser erhält somit die grosse Chance, diesen Gedanken wiederzudenken, ihn nachzuvollziehen, genau so wie ihn der Genius entdeckt und augeschrieben hat. Ein lebendiger Gedanke aber will weitergedacht, ausgeformt und fortgesetzt werden, will mit neuem Leben erfüllt werden. So regt Lesen unsere Phantasie an. Lesen ist eine Herausforderung an unser aktives Denken, an unsere Vorstellungskraft und Imagination. Denn da liegt wieder das alte Buch vor uns, dessen Welt in unserer Phantasie neu auflebt und bildhaft wird. Wir sehen einen stoischen Philosophen, wie er in der Subura lehrt, einen Mönch bei der Arbeit im mittelalterlichen Skriptorium oder einen Dichter aus dem 17. Jahrhundert, der Verse niederschreibt, die uns auch heute noch tief berühren.

Kurt-von-Koppigen

Seite aus dem Buch: Kurt von Koppigen von Jeremias Gotthelf

Wer Bücher liest, lässt sich auf Abenteuer ein. Etwa beim Lesen einer Geschichte wie «Kurt von Koppigen» von Jeremias Gotthelf. In seiner kräftigen und bildhaften Sprache erzählt der Berner Volksdichter vom Leben eines Raubritters, der eines Nachts im dunklen Wald ein Erlebnis hat, das ihn im tiefsten Grund seiner Seele berührt und ihn auf einen anderen, besseren Lebensweg führt.

Abenteuer gibt es aber ganz verschiedene. Es gibt diejenigen, die in Heldensagen und Epen besungen werden. Abenteuer von Männern, die sich in Kampf und Streit durch Tapferkeit bewährt haben, die standhaft und unerschrocken die grosse Herausforderung annahmen und am Ende den Sieg davon trugen. Aber es gibt auch die anderen Abenteuer, von denen keine Heldensage berichtet, kein Epos singt: Abenteuer, die im Verborgenen geschehen, aber das Leben der Betroffenen nicht weniger tief prägen. Es sind die Erlebnisse derjenigen Menschen, die in Armut und Not leben und jeden Tag von neuem kämpfen müssen, um ihr Überleben zu sichern. Die sich allen Widrigkeiten zum Trotz bewähren und zuletzt das Glück finden, das sie dann ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben.

Und da sind die Abenteuer, von denen einige sagen, dass es die grössten sind. Es sind die Abenteuer, die in der Welt unseres eigenen Denkens geschehen. Hier entstehen die Geschichten in einer Welt, deren Grenzen so weit sind, wie unser eigene Phantasie zu gehen vermag, unser Intellekt sie sich vorstellen kann. Viele grosse Entdeckungen, haben hier ihren Ausgang genommen. Und viele dieser Abenteurer kamen mit Erlebnissen und Erkenntnissen von ihren Entdeckungsreisen zurück und entschlossen sich dann, diese für uns in Worte zu fassen. Sie haben etwas entdeckt, von dem sie glauben, dass es auch für unser eigenes Leben wichtig ist. Dass wir daraus etwas lernen und neue, wertvolle Erkenntnisse schöpfen können.

Dies ist der Zauber des Buches: es belohnt die Zeit, die wir mit ihm verbringen in vielfacher Weise. Bei der Lektüre lernen wir Neues kennen, Dinge von denen wir nie zuvor etwass gehört haben. Das ist manchmal so spannend und mitreissend, dass wir das Buch gar nicht mehr weglegen wollen. Und wenn wir die letzte Seite erreicht haben, das Buch wieder schliessen, dann entlässt es uns nicht, ohne uns wertvolles Wissen mitgegeben zu haben.