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«Und du sollst ein Segen sein»

Sunday, August 29th, 2010

Schon zeigt der Kalender die letzten Tage des Augusts, der Spätsommer ist gekommen und die ersten Boten des Herbstes sind zu erkennen. Frisch und kühl war der Sonntag Morgen und am Riedberg waren beim ersten Tageslicht Morgennebel zu sehen, die geheimnisvoll über den grünen Wäldern und Matten schwebten. Aber noch ist der Sommer da und schon bald wärmte die Sonne mit Kraft die Fluren und Hänge, verschwunden war bald der Morgennebel, der einem hellen und warmen Sommertag wich. Ein warmer Sommertag, das verbinden wir mit vielen guten und heiteren Gedanken, nennen es gerne auch einen Segen, der uns geschenkt ist.


Blick auf das Dorf Rüderswil

Das Segnen oder selbst Segen sein war auch das Thema der Predigt von Pfarrer Lorenz Schilt. Was ist eigentlich ein Segen? Es ist ein Begriff, der in der Bibel immer wieder zu finden ist. Ein Segen ist stets etwas gutes. Segen bedeutet: Gutes empfangen, das Gute aber auch weitergeben. Lorenz Schilt gab in der Folge einige Beispiele: ein Frühlingsregen, der Pflanzen und Bäume wachsen lässt und Grundlage für eine gute Ernte ist. Segen ist da, wo Leben frei von Krankheit entstehen und gedeihen kann. Segnen heisst, das gute wollen – und es auch tun.
Im neuen Testament ist es Jesus Christus, der durch die Taufe am Jordan gesegnet wird, selbst aber viele Menschen auf seinem Weg segnet, indem er ihnen Hoffnung und Zuversicht schenkt und ihre Krankheiten heilt. Segen liegt in einem freundlichen, ehrlichen Gesicht und in jedem guten Gedanken. Nicht umsonst heisst es im aaronischen Segen: der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten.

Gott möchte, dass auch wir Menschen ein Segen sind. So sagt er zu Abraham: Ich will dich segnen und dir einen grossen Namen machen und du sollst ein Segen sein (1. Mose, 12,2). Wie Abraham empfängt auch Jakob Gottes Segen. Im Gegensatz zu Abraham muss Jakob aber um diesen Segen kämpfen – alleine und eine ganze Nacht lang. Dieses gleicht dem Ringen mit dem Schicksal, dem Aufrechtstehen gegen alle Anfechtungen und Widrigkeiten. Und am Ende überwindet Jakob die Dunkelheit und erlebt das Aufsteigen der Morgenröte. Jakob kämpft entschlossen bis zur Mörgenröte, die ihn als Sieger im Zweikampf sieht. Längst hat Jakob erkannt, dass sein Gegner ein überirdisches Wesen ist und fordert von ihm das Kostbarste, das er sich vorstellen kann: segne mich!

Als die Predigt ausleutete, machten sich die Gottesdienstbesucher im Licht eines schönen Sommertages auf den Heimweg. Ein Segen auf dem Heimweg also. Und was ist, wenn es schon Morgen wieder nass und kalt ist? Wir können das Wetter nicht beeinflussen, aber etwas anderes steht in unserer Macht: den empfangenen Segen in den Tagen die nun kommen, grosszügig und mit vollen Händen weitergeben: selbst ein Segen für andere sein.

Mail us Rüderswil

Saturday, August 7th, 2010

Itz isch d’Zyt vom Härdöpfle wider da. Zäntume sie die Maschine z’gseh, wo dermit Härdöpfel grabt u sortiert wärde. Samro heisse die Gfährt, wo mir ere runde Schufle d’Härdöpfel us em Bode grabe und uf ene’s Förderband füehre, wo Chruträschte, Härdbitze u Steine vo Hang müesse ussortiert wärde. Ire schwänkbare Mulde am angere Änd vor Maschine wärde zletscht d’Härdöpfel gsammlet für ds ZUmlagere i d’Baloxe. We me das mit früecher verglicht, de geit doch das hüt ring u gäbig, ganzi Tonne Härdöpfel chöi a eim Tag gsammlet wärde. Derzue blibt o no Zyt zum öppe eis brichte u fachsimple uf däm Samro obe. U scho isch wieder ein Umgang fertig, der Traktor wird gchert zu de nächschte Fuhre.

O mir hei i üsem Pflanzplätz es paar Fuhre mit Desirée Härdöpfel gsäit u itz isch o für üs d’Zyt zum usgrabe cho. U was so e Samro i-n-es paar Minute chönt erledige, für das bruche mir gwüss e ganze Tag. Aber es isch e schöni Arbeit, wo Fröid macht. Mit em Charscht wärde d’Fuhre vor Syte här gchert. u scho chöme us em Ärdrych die schöne, rote Härdöpfel füre u wärde im Chratte gsammlet. Dir gseht da es paar früsch gwäschni uf em Täller:

D Studi wärde derbi gsammlet. Die si itz scho ganz gälb u dürr u hei e kener Bletter me. Uf em Komposcht gä si Härd für ds nächschte Jahr.

Bim härdöpfle si mir o Gschichte vo früecher i Sinn cho. D’Härdöpfelärn isch öppis wichtigs gsi, es Fähljahr het Hunger u Not chönne bedüte. Chrankheite, Härdöpfelchäfer u angeri Schädlinge hei d’Härdöpfelstudi bedroht u de Mönsche Angscht gmacht. Wär möcht läse, wie das het chönne gah, fingt es idrücklichs Bispil im Buech «Käthi die Grossmutter» vom Jeremias Gotthelf.

Mir hei Glück gha mit de Härdöpfel, aber o mit de Bohne, de Tomate, de Chürbis u no mit mängem meh. Nume der Salat u d’Räbchöli, die hei halt d’Schnägge gnoh. So isch jedes Jahr e chli angersch im Garte. Ds einte Jahr glingt, was im nächschte Simmer nid wott wärde. Das isch doch gwüss grad wie im Läbe vo üs Mönsche. O da git’s ja Fröid u Leid. U beides ghört doch derzue.

Mail us Rüderswil

Sunday, June 6th, 2010

I der Nacht, no bevor ds erschte Liecht vom nöie Tag am Himmel z’gseh isch, no bevor ds erschte Vögeli sis Morgelied agstimmt het, lit e eigeti, fasch gheimnisvolli Stimmig über em Land. Ganz fischter isch es itz no und uf em Gras glänzt der Tou. Es schmöckt früsch u würzig nach Morge, nach e me nöie, junge Tag wo d’Ouge uftuet u wach wott wärde. U denn lüchtet höch a der Himmelsfeschti ds erschte Liecht, die erschti Heiteri. Die erschti Amsle singt ihres Lied dür d’Morgestilli, nume ganz hübscheli, verschteckt im Öpfelboum uf der Hoschtert. Aber denn stimme immer meh i zum nöie Morgelied und erfülle dä wunderschön Summertag mit ihrem hälle, vor Fröid strahlende Chor.

E prächtige Morge isch im Wärde und die erschte Sunnestrahle werme scho d’Ärde während e reine, blaue Summerhimmel Härz u Gmüet erfröit. Luegit doch, was für-n-e prächtige Tag üs hüt isch gschänkt worde! Scho früeh si d’Mönsche im Dorf uf de Bei. Die einte zieht’s de Bärge zue, uf d’Wanderig, die angere blibe deheim u gniesse d’Sunne im eigete Gärtli oder vor em Hus.

U wider angeri zieht’s i d’Chiuche. Dert singt hüt der Jodlerklub Schwande u der Pfarrer Johannes Weimann us Herzogebuchsi het es Thema gwählt, wo guet zu däm schöne Tag passt: Dankbarkeit (Psalm 103). Wie mängs git es doch, wo mir im Läbe drüber dörfe dankbar si? U wie mängisch vergässe mir eifach, danke z’säge. Derbi tuet Dankbarkeit o üs sälber so guet. Dankbarkeit isch wie e sichere, grade Wäg zur Zfrideheit. U so het der Pfarrer Weimann de Zuehörer e Rat mit uf e Wäg gäh: a Morge z’fride und am Abe dankbar si.

Ostervigil in der Kirche Rüderswil

Thursday, April 8th, 2010

«In der Dunkelheit unserer Nacht, entzünde das Feuer,
das nie mehr erlischt, das niemals mehr erlischt» Frére Roger

Mit Gedanken zur Auferstehung und mit Lesungen, umrahmt von Orgelmusik und Momenten der Stille. So wurde am Ostersamstag Abend in einer besinnlichen und würdevollen Feier die neue Osterkerze entzündet.

Gestaltet wurde die Ostervigil von Patricia und Lorenz Schilt, zusammen mit Erika und Benjamin Stocker-Zaugg. Barbara Friedli begleitete die Vigil auf der Orgel. Um eine spezielle Atmosphäre der Zusammengehörigkeit zu schaffen, bildeten die rund 20 Besucherinnen und Besucher vor dem Kirchenchor einen Halbkreis.

In der Einleitung blendete Beni Stocker zurück zu einem Ereignis, das mit Ostern in enger Verbindung steht: die Begegnung der beiden Emmausjünger mit dem auferstandenen Jesus. Durch diese Begegnung erleben die beiden Weggefährten den wunderbaren Übergang von Tod und Resignation, hinüber zur Auferstehung und zum ewigen Licht des Lebens. In der Vigil wurden die beiden wichtigen Elemente der Emmauserzählung in Gedanken nachempfunden: Dunkelheit und Trauer werden abgelöst von der Zuversicht auf die Auferstehung und das ewige Leben in der Liebe Gottes.

«Wofür steht der Ostersamstag?», fragte dann Patricia Schilt und gab in ihrer Betrachtung eine passende Antwort: es ist der Tag der Stille und des Loslassens. Denn nur indem wir loslassen, schaffen wir Raum und Weite, worin neues entstehen kann. Die meditativen Gedanken und die stillen Momente der Andacht wurden von Barbara Friedli sehr eindrücklich mit Orgelklängen bereichert und unterstützt. Die Organistin bewies mit ihrem Spiel, dass diesem mächtigen Instrument mit musikalischem Talent auch sehr feinsinnige und intime Klänge entlockt werden können.

«In der Dunkelheit unserer Nacht, entzünde das Feuer, das nie mehr erlischt». Mit diesen Worten von Frére Roger leitete Erika Stocker-Zaugg ein auf das feierliche Entzünden der neuen Osterkerze und auf ein Kerzenritual, bei dem alle zum Mitmachen eingeladen waren. Während Pfarrer Lorenz Schilt die Osterkerze anzündete, erhielten alle Besucher der Vigil eine eigene, farbige Kerze. Als Sinnbild für das Aufleuchten des Osterlichts gab nun jeder Teilnehmer das Licht seiner Kerze an seine Nachbarn weiter, solange bis alle Kerzen entzündet waren und mit ihrem Licht den ganzen Kirchenchor erhellten. Alle behielten die Kerze nun an ihrem Platz, währenddem in Form von kurzen Betrachtungen ein Bekenntnis an das Leben gelesen wurde: ich glaube an das Leben, weil die Saat aufgeht und die Wüsten blühen werden.

Lichterritual bei der Ostervigil

Als Abschluss des Rituals wurden alle Kerzen in einen mit Sand gefüllten Topf gesteckt. Damit entstand ein warmes, eindrückliches Bild aus Licht und Farben. Noch einmal war dann das Orgelspiel von Barbara Friedli zu hören, gefolgt von einer Schlussbotschaft von Lorenz Schilt: gehen wir mit der Gewissheit, dass uns die Auferstehung selbst betrifft. Ich lasse Dich, Gott, in mein Leben herein kommen. Am Ende der Vigil durften alle Besucher ihre Kerze als Erinnerung an die Vigil mit nach Hause nehmen. Gewiss wurde die eine oder andere am kommenden Ostersonntag auf einem festlich gedeckten Tisch noch einmal angezündet. Als Symbol der Freude und Hoffnung auf das Osterlicht.

Regenbogen über Rüderswil

Monday, April 5th, 2010

Ein besonderes Ostergeschenk gab es für die daheim gebliebenen Rüderswiler. Am späten Nachmittag des 4. April lockerte sich die Bewölkung über dem Dorf auf, einige Sonnenstrahlen schienen durch den Himmel und zwischen dem Feld und Ranflüh war während mehrerer Minuten ein Regenbogen von grosser Leuchtkraft zu sehen.

Mail us Rüderswil – der Burechrieg vo 1653

Tuesday, March 30th, 2010

Uf em Wäg vo Zollbrück nach Rüderswil geits zerscht der Schliferstutz uf. Ungerwägs isch uf der rächte Syte der Schache z’gseh, also ds Land grad um d’Ämme ume, der Rüderswilschache u dra aschliessend der Schnätzischache. D’Stygig der Schlifer uf isch nume churz u scho nach weniger als 300 Meter öffnet sich der Wäg ine wyti Ebeni. Ibettet zwüsche grüene Matte, schöne Tannwälder u fruchtbare Fälder isch itz ds Dorf Rüderswil z’gseh. Bhäbigi, währschafti Burehüser chöme i ds Blickfäld, Sypcher u links ganz im Vordergrund zwe Stöck. Uf der rächte Syte vor Strass isch d Chiuche mit em alte Turm uf Tufffstei z’gseh, zäme mit em Pfarrhus und der alte Pfrundschür. Die het no es Schindledach, ganz i der Art, wie me se i früechere Zyte zäntume atroffe het.

Wenn mir itz d’Grossmatte uf loufe und ds Ämmitaler Dorf geng wie necher chunt, de isch da am Igang zum Dorf no öppis z’entdecke: ds Dänkmal wo a Burechrieg vo 1653 und a Niklous Leuenberger erinneret. Bout worde isch das idrückliche Monumänt im Jahr 1903, zum 250. Geburtstag vom Niklaus Leuenberger.

Niklaus Leuenberger Denkmal

Der Burechrieg vo 1653 isch näbe der Täuferverfolgig eis vo der dunkelschte Kapitel ir Gschicht vom Kanton Bärn. Was isch passiert i däm verhängnisvolle Jahr? Wie het es derzue chönne cho, dass tuusigi vo Landlüt im Ämmital, Äntlibuech u angerene Gebiet vo Bärn, Luzärn u angerne Kantön sich mit der Waffe i der Hang gäge d’Obrigkeit erhobe hei. Es isch e Verzwyfligstat gsi. Zum verstah, wie’s zum Schwizer Burechrieg het chönne cho, müesse mehrerei Ereignis i de Jahr vor 1653 betrachtet wärde:

U mängs isch passiert i dere Zyt. Im Norde isch der 30 jährig Chrieg z’Änd gange. D’Folg isch gsim dass d’Landlüt i der Schwitz itz weniger hei chönne exportiere i d’Länder nördlich vom Rhein. D’Prise zi zämegheit u als Folg vore unglückliche Währigspolitik het ds Gäld der Wärt verlore. Stüre, Abgabe und Mandat hei d’Mönsche schwär drückt, nid nume im Bärnbiet. Da isch ds Salzmandat gsi, wo der Pris für ds uf em Land wichtige Salz höch ghalte het (de Tier het me denn mehr Salz gäh als hüt). Da isch d’Tällstür gsi, e Wehrstür, wo immer wider für Strit gsorget het, nid nume wil si zytlich unbegränzt isch gsi. Da si d’Landvögt gsi, wo d’Bure mit Buesse u Strafe plaget hei. Das alls het Not u Eländ i mängs Hus bracht. U mänge verzwyflete Hilferuef isch uf Bärn grichtet worde. Aber die gnädige Herre hei nüt ghört. D’Brichte vo Not u Leid isch nid dür die dicke Mure vor Stadt u vo de Patrizierhüser drunge.

U denn, im Novämber 1652 isch das passiert, wo ds Fass zum Überloufe brunge het. Entgäge allne alte Verspräche (Berner Batzen werden immer Berner Batzen bleiben) het d’Regierig vo Bärn der Batze um d’Helfti abgwärtet. U das grad nach em grosse Märit z’Bärn, also präzis denn, wenn e grosse Teil vom Gäld uf em Land usse isch! D’Bure si bschisse gsi, sie hei ihri gueti War für d’Helfti verchouft, d’Helfti si ihri ersparte Batze itz no wärt gsi. Trotzdäm het aber für Abgabe u Zeis no immer der glich, also der dopplet Pris müesse zahlt wärde. Aber was itze? Wie der Zeis zale? Wie alli angere Schulde u Stüre? Ds Bärner Münzmandat het d’Not für vil Mönsche ändgültig z’gross gmacht. Derzue isch d’Töibi cho. Ds Grücht het d’Rundi gmacht, die Herre z’Bärn inne heige die Abwärtig scho igfädlet gha, aber no gwartet bis nach em grosse Bärner Märit.

Hostettler, Urs: Der Rebell von Eggiwil

Es grosses Unrächt isch es gsi, wo da verkündet worde isch. So gross, dass i mängem Huus us blutter Verzwyflig d’Bereitschaft zum Widerstand gebore worde isch. Im Summer 1653 isch es so zum bewaffnete Ufstand vo de Bure cho. Wär meh über d’Ereignis vom Ufstand vo de Bure möcht erfahre, findet e üsfüehrlichi und spannendi Chronik im Buech «Der Rebell von Eggiwil» vom Urs Hostettler.

Ds Dänkmal am Dorfigang zu Rüderswil erinneret a die Zyt. Und es mahnt dra, dass mir a der Not vo üsne Mitmönsche nid eifach dörfe verby luege. Hüt so weni wie vor 350 Jahr.

«Generationen gemeinsam unterwegs»

Tuesday, February 2nd, 2010

Begleitet von virtuosen Orgelklängen und Liedern reichten sich in der Kirche Rüderswil die Generationen die Hand. Und banden sich aus den Wünschen und Gedanken zum Thema einen bunten Blumenstrauss als Symbol für ein gelingendes und harmonisches Miteinander.

Weit über das winterliche und frisch verschneite Dorf hinaus waren am Sonntag Morgen die Glocken der Dorfkirche Rüderswil zu hören. Sie luden ein zum Kirchensonntag, der an die Berner Reformation von 1528 erinnert. Der Gottesdienst wird an diesem Sonntag nicht wie gewohnt vom Pfarrer, sondern von Laien vorbereitet und gestaltet. So wurde der Kirchensonntag auch in Rüderswil von einem Team aus Freiwilligen geleitet. Und während das Licht eines hellen, klaren Wintertages durch die hohen Kirchenfenster leuchtete, erlebten die Besucher einen abwechslungsreichen und farbenfrohen Gottesdienst, bei dem viel zum Theme «Generationen» zu hören und zu lernen war. Und der auch musikalisch viele Höhepunkte bot.

Musikalisch begleitet wurde die Feier vom bekannten Organisten Jürg Neuenschwander aus Burgdorf. Er ist in Rüderswil ein gern gesehener Gast, hat er doch schon im vergangenen Jahr die Besucher am Kirchensonntag mit seinem virtuosen Spiel begeistert und verzaubert. Entsprechend waren die Erwartungen der Zuhörer hoch. Und sie wurden von Jürg Neuenschwander nicht enttäuscht, der die Kirche mit Orgelklängen höchster Virtuosität und Brillanz erfüllte. Dabei erwies sich der Burgdorfer Künstler auch als Meister der sanften und gefühlvollen Klänge. Dies bewies er mit seinen bekannten Bearbeitungen von Jodelliedern aus der Feder von Adolf Stähli.
Wie jedes Jahr wurde das Thema des Gottesdienstes vom Synodalrat vorgegeben und lautete diesmal: «Generationen gemeinsam unterwegs». Kirchgemeinderatspräsidentin Ruth Blaser begrüsste die Besucher entsprechend diesem Thema mit einer einleitenden Betrachtung, die einstimmte auf die folgenden Vorträge und zum Nachdenken anregte. So frug Ruth Blaser, an welche Generation wir wohl als erstes denken – und gab die Antwort gleich selbst: oft an die eigene. Denn mit der eigenen Generation verbinden wir so manches. Unser Lebensalter, aber auch die Zeit in der wir leben schon gelebt haben. Das kann trennend wirken, deshalb soll unser Denken und Tun auch wie Brücken zu anderen Generationen sein.

«D Gmeind isch wie ne Bluemestruss»

«Worauf richten wir unser Augenmerk beim Generationenthema?» fragte anschliessend die KUW-Lehrerin Elisabeth Müller, die mit ihren Kindern ein erfrischendes und mit Gesang begleitetes Programm vorbereitet hat. Aus dieser grossen Auswahl der möglichen Antworten entschieden sich die Kinder für das, was verbindet und aufbaut. Und es bereitete ihnen sichtlich Freude, die dazu gewählten Antworten in vier Blöcken vorzutragen und in Form eines grossen, aus Holztafeln gefertigten Puzzles zusammenzusetzen. Die Antworten der Kinder waren geprägt von viel Herzlichkeit. Sie waren warmherzig, farbig und überraschend. Genau so wie der bunte Blumenstrauss, der beim Zusammensetzen des Puzzle immer deutlicher erkennbar wurde.

Auf die Kinder folgt das Lebensalter der Erwachsenen. Ihnen gab Erika Stocker an diesem Morgen eine Stimme. Die Erwachsenen sind wie ein Sinnbild für die Gegenwart, sinnierte die Kirchenrätin. Und: sie stehen zwischen den Älteren und den Kindern, gerade so wie die Gegenwart der Mittelpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft ist. Lernen wir doch von beiden, empfahl Erika Stocker. Lassen wir uns bereichern von der Lebensfreude und Tatkraft der Jugend. Und nehmen wir die Älteren mit ihrer Weisheit und Lebenserfahrung als Vorbild an.
«Das Alter ist mehr Sein und Betrachten als Tun und Schaffen.» Mit dieser schönen Erkenntnis schlossen Vreni Moser und Kathrin Kilchenmann den Reigen der Vorträge und setzten die letzten Steine des von den Kindern begonnenen Puzzles. Die Generation der Grossmütter und Grossväter erlebten eine Zeit, als vieles anders war, nicht nur aber auch in der Technik. Autos fuhren nur vereinzelt auf der Strasse. Und ein Telefon, das gab’s nur auf der Post oder beim Arzt. Ältere Menschen müssen sich in einer Welt zurechtfinden, die sich verändert hat. Es ist wichtig, dass sie mit ihren Sorgen ernst genommen werden und an den Jüngeren eine Stütze haben. Wenn es auch Unterschiede zwischen den Generationen gibt, so haben wir es mit Gottes Hilfe in der Hand, aufeinander zuzugehen und zu verbinden, was trennt. Denn – und damit schloss Kathrin Kilchenmann die eindrückliche und würdevolle Feier ab – für ein gelingendes und glückliches Miteinander braucht es alle.

Anschliessend an den Gottesdienst waren alle zu einem Apéro in der Kirche eingeladen. Dies bot eine willkommene Gelegenheit, um über das vielfältige Thema zu diskutieren und um Kontakte zu pflegen. So klang die kontrastreiche und gelungene Feier in gemütlichem Beisammensein aus. Und sie lieferte in Form von Musik und vielen schönen und aufbauenden Gedanken reichen Proviant für eine neue Woche – und darüber hinaus.

Mail us Rüderswil

Saturday, January 2nd, 2010

Während der Nacht und am Morge het es gschneit. Denn aber, i de letschte Stunde vom zwöite Morge im nöie Jahr hei sich d’Wulche ufglöst zum ere hälle u strahlende Wintersunne Platz z’mache. Das isch e günschtigi Glägeheit zum vom Steibärg us es Föteli vom Dorf z’mache. Häll u klar isch der Blick vo dert us über ds Dorf ine gange, über Zollbrück u ds Ried us bis a verschneit Bänzebärg:

Winter in Rüderswil

E wite u klare Blick, wär das nid grad e schöne Vorsatz für ds nöie Jahr? I meine mit däm nid nume die prächtigi Ussicht über üses schöne Deheim, sondern o e innere Blick. Eine, wo o das gseht, was um üse ume passiert. E Blick wo wie es Gspüri isch u Zyt het zum erkenne, wo öpper uf es fründlichs Wort, uf e Anerchennig oder uf Rat u Hilf wartet.

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Mail us Rüderswil

Saturday, December 12th, 2009

Abschid vo Etzike

Es isch scho es gspässigs Gfüehl gsi, wo-n-i dä Morge zu mim alte Deheim z’Etzike cho bi. Wie lang ha-n-i itz dert gläbt? 10 ganzi Jahr. U vorhär acht Jahr im Gade bi Stampflis z’Hünike, haut o z’Etzike. Es isch e verrägnete Morge gsi, wo-n-i uf e Husplatz gfahre bi. E chli höcher, uf de Buchsibärge und bi Wynige het es scho Schnee gha. Erscht im Wasseramt het d’Wermi der Schnee i Rägne verwandlet. I der Wohnig het Liecht brönnt. Es isch das vertroute Biud gsi, wo-n-i mi so mängs Jahr dra ha gwanet. Mi het das Liecht o chönne gseh, wenn me z’Nacht oder i der Dämmerig gäg em Etziker Wald zue glüffe isch, bi Marti’s verbi oder dür ds Oberdorf uf em Waldhus zue.

wohnungetziken

Winter 2000, wenige Monate nach dem Neubau

Dert, uf ere liecht erhöhte Lag het me chönne uf ds Dorf abe luege. U äbe o uf das Huus grad a der Schrinerei a. O itz mache i dä Spaziergang no einisch, em Räge grad z’trotz. I erreiche der Waldrand, loufe richtig Äschi u chume nach es paar hundert Meter wider zur Houptstrass. So ha-n-i die Biuder vo de vergangene Jahr no einisch chönne gseh u erläbe. Aber i bi ja nid uf Etzike cho zum i Erinnerige z’schwelge. Mini letschte Sache i ds Outo packe u denn Adie säge, für das bi-n-i ja da häre cho. Auso geit es drahi. Im Chäller het es no es paar Töpf u Gartewärchzüg. Es passt aues gäbig u ring i ds Outo und isch im Schwick verschtout. Itz mues no der Bäse brucht si, so dass dä Chäller e Gattig macht. Uf das abe ha-n-i em nöie Bsitzer chönne Bscheid gäh: Es wär itz alles furt u verrumt. Dä isch drum scho flissig am ichezügle! D’Wohning isch überstellt mit Chischte, Karton u auergattig angerer Ruschtig. Itz chunt nach zwöi Jahr also nöis Läbe i die Wohnig.

Aber es isch es fremds Biud, wo sich da zeigt. I stuune, wie doch Tische, Lampe, Schränk u Stüehl dere Wohnig es so ganz angers Gsischt gäh hei. Es isch, als ob das Wohnigli sich veränderet hätt, es ganz es angers worde wär. Aber – uf ne ganz eigeti Art – stimmt das ja o. Es si angeri Mönsche, wo itz da ihres Deheim hei. Es läbt e nöie Huusgeischt, wo alles wott nöi mache. I hoffe, dass es e guete Huusgeischt wird si u wünsche de nöie Bsitzer nume ds Beschte. Dass si mängs glücklichs Jahr hier erläbe u dass si immer gärn säge: es git gwüss mänge schöne Platz uf der Wält. Aber keine isch wie üses Deheim!

etzikerwald

Etziker Wald

U itz wäre alles abgschafft. D’Schlüssel si übergäh, alli Abmachige troffe, i wenige Tage cha der Vertrag ungerschribe wärde. I hocke mit mine letzte Sache i ds Outo u fahre düre Oberargau mim Deheim zue – em Ämmitau zue, uf Rüderswiu. Ja sicher, das isch nid e Abschid für geng. D’Erinnerige a all das schöne, wo mir da isch gschänkt worde, die blibe. U für die wirde-n-i immer dankbar si. Näb em alte Deheim si es die wite Loubwälder im Wasseramt wo-n-i aus Biuder immer wirde ir Seeu bhaute. Mängi Stung bi-n-i dür die Wäuder, ha ds Alphorn derbi gha, ha gsinnet oder gar tröimt, ha probiert e Gschicht z’ersinne oder ha e Idee für-n-e nöi Homepage gsuecht. Im Früehlig, wenn der Waud im früsche Loub glüchtet het, wenn tuusig Stimme vo de Waudbewohner si z’ghöre gsi und am Waudrand mängs Blüemli der Sunne entgäge glachet het. Aber o im Herbscht, wenn d’Böim i füürige Farbe, rot u gäub u purpur mi so mängisch iglade hei, eifach zunm Luege u Stuune ob all der Pracht.

Derig Gedanke sis gsi, wo-n-i scho über d’Linge und Ursebach am Mühliwäg zue gfahre bi. Dert, ganz druff obe, gseh die wo uf der Strass reise, z’erscht mal ds Ämmitau. So isch es o mir gange, i ha die Bärge u Höger i früschem Schnee gseh. Druf het mir der Wäg witergfüehrt, über Sumiswaud u Ramsei uf Rüederswiu. Äbe, heizue.

«Macht hoch die Tür»

Tuesday, December 1st, 2009

«Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar». Mit dem von Johann Abraham Peter Schulz vertonten Abendlied von Matthias Claudius klang die erste Adventsbesinnung in der Kirche Rüderswil aus. Und tatsächlich: auf dem Heimweg durch die Winternacht waren durch die teils dichten Wolken am Himmel da und dort die Sterne zu sehen. Und ein silberner Schimmer hinter dem Wolkenband liess ahnen, wo der Mond auf seiner Bahn steht. Rund 30 Kirchgänger trafen sich am Sonntag um 20 Uhr in der weihnachtlich geschmückte Kirche, um sich auf die bevorstehende Aventszeit einzustimmen.

Mit dem Psalmwort «Macht hoch die Tür, die Tore macht weit» eröffnete Pfarrer Stephan Bieri aus Lützelflüh die Adventsbesinnung und leitete mit dem Psalmwort über zur Bedeutung des Wortes «Advent». Advent heisst: Ankunft, es ist ist die Zeit in der wir auf die Ankunft von Jesus Christus, des Messias, warten.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie selten wir heute auf Fragen eine klare Antwort erhalten? Ein deutliches Ja oder Nein? Hören wir nicht viel öfter ein eher unverbindliches «Vielleicht», ein «Ja, aber» oder ein «Möglicherweise»? Mit dieser Frage kam Pfarrer Bieri zum Thema seiner Predigt. Im Kern der Predigt stand eine Zusage, die der Apostel Paulus der jungen Gemeinde in Korinth gemacht hat (2. Kor. 1,18-22): «Gott aber ist treu, dass unser Wort an Euch nicht Ja und Nein gewesen ist». Paulus passt damit nicht in unseren Zeitgeist, was er verkündet, hat ein klares Profil, ist eine deutliche Hinwendung zu Vertrauen auf Gott.

Nun gibt drei Formen des Vertrauens, die Stephan Bieri in der Folge genauer vorstellte. Einmal das Vertrauen in unsere Mitmenschen, das schon in den frühen Lebensjahren getrübt werden kann. Ferner das Vertrauen in uns selbst – unser Selbstvertrauen. Auch dieses können andere Menschen stärken – aber auch schwächen. Wie aber steht es mit dem Vertrauen auf Gott? Rückschläge und Enttäuschungen im Leben können an unserem Gottvertrauen rütteln, so dass wir Gott fern von uns glauben.

Auch Paulus erlitt in der griechischen Metropole Enttäuschungen, war mit Anfeindung und Misstrauen konfrontiert, wie so oft in seinem Leben als Missionar. Wie aber ging der tief gläubige Mann aus Tarsos damit um? Er bewahrte stets ein unerschütterliches Gottesvertrauen. Er wusste, dass Gott in seiner Liebe bedingungslos zu uns steht. Und genau diese Überzeugung fasste er in Worte, wenn er den Korinthern schrieb: «Denn Jesus Christus, der Sohn Gottes, den Silvanus, Timotheus und ich bei euch verkündet haben, war nicht Ja und Nein zugleich. In ihm ist das reine Ja Wirklichkeit geworden. Mit ihm sagt Gott Ja zu allen seinen Zusagen.»

Ist dieses bedingungslose JA nicht auch die Adventsbotschaft?